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  • DE-23554 Lübeck
  • 11/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-321600)

Nördliche Wallhalbinsel in der Hansestadt Lübeck


  • 2. Rang

    Lageplan M 1:1000, © Mettler Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Modersohn & Freiesleben, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Im Rahmen des Zwischenkolloquiums hatte das Beurteilungsgremium empfohlen, den städtebaulichen Ansatz, die Baufelder behutsam in den historischen Gleisfächer anzuordnen, weiter zu verfolgen. Die Höhenentwicklung beim Medienhaus über vier Geschosse hinaus sollte überprüft werden, ebenso der Anschluss des Neubaus an den historischen Schuppen A. Beim Hotelneubau sollte die Kubatur überdacht werden im Hinblick auf eine stärkere Orientierung an den Bestandsbauten. Zur Reduzierung der Geschossigkeit auf drei Vollgeschosse wurde mit dem Hinweis darauf, dass die alten Baugrenzen nicht mehr gelten würden, eine Verlängerung des Gebäudes nach Süden angeregt. Eine Verlegung der Tiefgaragenzufahrt des Medienhauses auf die Südostspitze des Gebäudes sollte geprüft werden.

    Zum städtebaulichen Konzept von Modersohn & Freiesleben Architekten:

    Der überarbeitete städtebauliche Entwurf erbringt nunmehr den Nachweis, dass in der gewünschten Geschossigkeit die erforderlichen Flächen unterzubringen sind, ohne dass schützenswerte historische Oberflächenstrukturen aus Gleiskörper der Hafenbahn und der Großsteinpflasterung in Frage gestellt werden müssen. Beide Neubauten passen sich den vorhandenen Fluchten der Gebäudeketten an Wallund Hansa-Hafen an und orientieren sich an den Freiflächen, die südlich der Bestandsbauten zwischen den hier zusammenlaufenden Gleisen verfügbar sind.

    Der Entwurf für das Medienhaus beschränkt sich in der Grundfläche auf den trapezförmigen Stapelplatz südlich von Schuppen A. Die oberen vier von fünf Vollgeschossen kragen über den Umriss des Erdgeschosses nach Süden mit polygonalem Abschluss weit hinaus. Nach Nordwesten zum Schuppen A wird das Gebäude gestaffelt gestaltet von zunächst fünf Geschossen auf vier und dann zwei Geschosse, um den Übergang zum flach gehaltenen Kaischuppen sanfter zu gestalten. Die äußere Gestalt des Medienhauses wird von aus der Fläche heraustretenden Geschossdecken und zurückgesetzter Vollverglasung der Außenhaut geprägt. Umlaufende Geländer greifen das Laubengangmotiv des Kaufmannsspeichers auf, vermitteln aber auch die Wirkung der Gestalt von großen Seeschiffen mit gestaffelten Oberdecks und auskragenden Kommandobrücken, ohne direkte Zitate zu übernehmen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Belvédère oberhalb des fünften Geschosses verzichtbar, auch wenn damit ein zusätzlicher Raum mit Rundumblick in das Travetal und auf die Altstadtsilhouette gewonnen wird. Form und Bewegungsrichtung des als Schiffsbug wahrgenommenen südwestlichen polygonalen Gebäudeabschlusses werden kontrovers diskutiert, ebenfalls die doppelte Abstufung des Baukörpers nach Nordosten zu Schuppen A, die nicht allgemein befürwortet wird.

    Der Entwurf für das Hotel sieht nunmehr einen langen bis auf die Höhe des Maschinenturms des Drehbrückenhauses reichenden dreigeschossigen Riegel vor, der sich entsprechend dem hier zusammenlaufenden Gleisfächer mit leicht geschwungenen Fassaden verjüngt. Ein zentrales Gestaltungsmuster der an den geschwungenen Verläufen von Gleisen und Kaimauern orientierten Bestandsbauten wird damit aufgegriffen, ebenso konstruktive Merkmale wie ein Sockelgeschoss, in welchem eine halb eingetiefte Parkgarage untergebracht wird, und die Giebelscheiben aus Ziegelmauerwerk, zwischen denen ein flach geneigtes Satteldach aufgespannt wird. Für den Hotelneubau, der als ruhiger Baukörper den wesentlichen Merkmalen der vorhandenen Bebauung folgt, wird die vorgeschlagene Dreigeschossigkeit und das Zurückweichen der Traufseite am Behnkai in der Verlängerung nach Süden besonders positiv hervorgehoben. Dem so geplanten Neubau gelingt es daher, sowohl die topologische Bedeutung des Kaufmannsspeichers zu achten als auch die Eigenständigkeit des Drehbrückenhauses zu bewahren. In der Verlängerung des Hotels und dem damit erreichten räumlich eng gefassten Auftaktraum zur Promenade wird eine besondere räumliche Qualität gesehen.

    Die städtebauliche Planung ist robust, da sie sich allein aus den stadträumlichen und bautypologischen Strukturen des eigenen Plangebiets heraus erklärt und diese nach Süden vervollständigt. Damit gelingt es auch, den Entrée-Charakter zu erzeugen, den der in jeder Hinsicht besondere, sowohl geschichtlich, städtebaulich und architektonisch eigenständige Ort verlangt. Stadträumliche Veränderungen auf der angrenzenden Mittleren Wallhalbinsel berühren daher die Qualität dieser Planung nicht. Auch unter Berücksichtigung von Gestaltungsmustern der Gegenwart, die in den historischen Bestand besonders mit dem Medienhaus auch eine neue Zeitschicht einführen, ist der „Glaube an die starke Charakteristik und Materialität des Ortes, der so viele Zutaten nicht braucht“ unverkennbar.

    Zur Freiraumplanung von Mettler Landschaftsarchitektur:

    Der freiraumplanerische Entwurf sieht einzelne qualitätsvoll in der Oberfläche gestaltete Platzsituationen vor, deren historische Oberflächenstrukturen durch einen Materialwechsel voneinander abgesetzt und damit akzentuiert werden. Das vorhandene Großsteinpflaster im Straßenraum und auf den Plätzen wird ergänzt durch gemischtes Pflaster oder Asphaltierungen zwischen den Schienen einzelner Gleise, um diese hervorzuheben oder barrierefreie Flächen zu schaffen.

    Der Platz am Eingangsbereich ist durch die städtebauliche Anordnung der beiden Neubauten und die verkehrliche Anbindung gemäß dem vorgegebenen Verkehrskonzept in drei Teilflächen zerlegt. Die Teilfläche am Wallhafen wird als ergänzende Parkzone für das Medienhaus verwendet. Hier befindet sich auch die Einfahrt zur Tiefgarage. Beides wird über eine eigene Einfahrt von der Straße „Auf der Wallhalbinsel“ erreicht, wodurch die eigentliche Zufahrt zum Plangebiet entlastet werden kann. Die beiden Teilflächen westlich und östlich dieser Zufahrt werden gleichartig mit im Pflaster abgesetzten Bauminseln gestaltet, deren Bepflanzung innerhalb mehrerer Baumscheiben wiederum in Gruppen angeordnet ist. Das Bewertungsgremium beurteilt die Gliederung und Fassung des „Vorplatzes“ als Eingangsbereich zur Halbinsel, indem den unterschiedlichen Funktionen (verkehrliche Erschließung und ruhige Aufenthaltsflächen) klare Bereiche zugewiesen werden, sehr positiv.

    Eingelegte Bänder aus Betonplatten im Platz 2 vermitteln fächerartig die im leichten Knick zueinander angeordneten Giebelscheiben von Schuppen A und Schuppen B. Dieser Platz wie alle weiteren Freiflächen zwischen den Bestandsgebäuden und Neubauten bleiben unbegrünt und gehen ohne förmliche Unterbrechung in der Gestaltung in die innere Erschließungsachse über. Die damit zum Ausdruck gebrachte Achtung vor den Qualitäten der überlieferten Gestaltung der in Lübeck größten zusammenhängenden gepflasterten Freifläche überhaupt wird sehr begrüßt.

    Demgegenüber erscheint die vorgeschlagene völlige Neugestaltung der Oberflächen an der Inselspitze als Bruch mit dem bis hierhin konsequent verfolgten Planungsgrundsatz. Zudem kann eine kahle, mit großen Betonplatten belegte Freifläche und sehr reduzierter Begrünung mit den Anforderungen der derzeitigen Nutzung als Strandsalon nicht kompatibel sein. Die vorgeschlagene Neuordnung der festen Bauwerke mittels eines in der Flucht von Schuppen D neu errichteten Restaurantgebäudes mit zwei Geschossen berücksichtigt ebenso wenig die vorhandenen Strukturen wie die als großes Rechteck sehr steril gestaltete Freifläche dem Charakter des Orts widerspricht. Dieser Charakter beruht nicht auf einer festen Fügung, sondern auf einer über Jahre hinweg dynamisch weiterentwickelten Nutzung durch sukzessive, den bisherigen Bestand substituierende, ergänzende oder erweiternde Provisorien.

    Die Taschenplätze zwischen den Schuppen mit der Bänder-Gliederung sind schlüssig im Sinne des Konzepts mit Bäumen mit lichtem Laub gestaltet. Jedoch wird die Anordnung von Parkplätzen an dieser Stelle sehr kritisch gesehen. Die statt der seitlichen Parkierung in der Mittelachse vorgeschlagene mittige Parkierung findet keinen großen Zuspruch, da der freie mittige Raum als Sichtachse zum Inselkopf nach Möglichkeit erhalten bleiben soll.