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  • DE-73525 Schwäbisch Gmünd
  • 11/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-304611)

Platzgestaltung Park am Sonnenhügel in Schwäbisch Gmünd


  • 2. Rang 1. Preis

    Perspektive - Spielbereich, © Alkewitz Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Alkewitz Landschaftsarchitekten, Erfurt (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Werner Alkewitz

    Mitarbeit
    Dominique Tscheuschner

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Freiraum schafft Verbindung

    Der Entwurf stärkt die fußläufige Erschließungsachse vom zukünftigen Gemeinschaftszentrums im Norden und verbindet sie über das Bearbeitungsgebiet hinaus mit der geplanten Fußgängerachse entlang des Universitätsgeländes südöstlich des Planungsgebietes. Vom Gemeinschaftszentrum aus bildet die Achse entlang der Bebauung einen Fuß- und Radweg bis zur ersten Überquerung an der Oberbettinger Straße. Dieser Abschnitt wird von einer großzügigen Durchgrünung und einer klar leitenden Wegestruktur geprägt. Durch die Wahl unterschiedlicher Bodenbeläge können Ruhezonen und Wege optisch voreinander getrennt werden. Die Belagsflächen des ruhenden Verkehrs sind auf den querenden Straßen nicht unterbrochen. Der Fußgänger und Radfahrer bekommt stets Vorrang. Das Quartier erhält verkehrstechnisch eine entschleunigte Situation. Die Bestandswege werden angebunden und erhalten nachträglich den gleichen Bodenbelag um sie in die neue Fußgängerachse auch optisch einzubeziehen. Kleine Platzflächen weiten sich innerhalb der vegetativen Zonen auf und schaffen Raum für eine breite Palette an Nutzungsmöglichkeiten von Boule bis Tischtennis.

    Auftakt Quartiersplatz

    An der Oberbettinger Straße verändert sich der Nutzungsanspruch. Der Bereich wird deutlich offener und ist technischer geprägt. Hier entsteht ein Dreh- und Angelpunkt der es nötig macht den Fußgänger-, Radfahrer-, Auto- und Busverkehr zu regeln und zu ordnen. Die Bushaltestelle erhält einen großzügigen und hochwertigen Wartebereich welcher mit großen Betonplatten gestaltet ist. Die Busse erhalten keine separaten Haltebuchten. Die fußläufige Achse quert die Straße ohne Unterbrechung und bremst damit den Autoverkehr deutlich ab. Eine Mittelinsel dient als Querungshilfe und Schutzzone um Überholvorgänge zu unterbinden und den Fußgänger und Radfahrer gerichtet über die Straße zu leiten.

    Plätze sind Lebensräume

    Die großzügigen Grüninseln des Quartiersplatzes sind ca. 45 cm erhöht und von einer umlaufenden Sitzmauer gefasst. Die nördliche Insel ist vom Zugangsbereich und Aktionsflächen wie dem Café und Parkplätzen gerahmt, was eine aktive Belegung durch Sport- und Spielangebote notwendig macht. Gleichzeitig grenzt sie den Fußgängerbereich funktional und optisch von der Anliegerstraße samt Stellplätzen auf der westlichen Platzseite ab. Von einer Baumreihe begleitet führt die Fußgängerachse weiter zum zentralen Platz vor dem Gebäude der LEL bzw. des PFS. Vor diesem Gebäude wird eine platzprägende Baumreihe angeordnet. Diese lockert zum einen die starre Fassade des Gebäudes auf und schafft so eine weichere, grüne Platzkante und grenzt zum anderen die Fahrbahn ab. Den Mittelpunkt des Platzes und das orientierungsstiftende Element bildet eine Brunnenschale mit Wasserspiel und Fontänen. Der zentrale Bereich bleibt, abgesehen von dem Brunnen, frei und ist somit gut für wöchentliche Märkte oder große Veranstaltungen nutzbar. Entlang der Baumreihen werden jeweils parallel eine lange Sitzbank und die Beleuchtung eingeordnet. Fahrradbügel befinden sich zwischen den Bäumen. Den südlichen Abschluss des Platzes bildet eine gespiegelte Grünfläche entsprechend jener im nördlichen Bereich; ebenfalls mit umlaufender Aufkantung als Sitzfläche. Der zentrale Platz dient auch als Gelenk der künftigen Fußgängerachse. Diese wird im südöstlichen Bereich des Platzes fortgeführt.

    Wasser gemanagt

    Eine mittig angelegte und ca. 40 cm abgesenkte Grünfläche dient nicht nur zur Gliederung der Fußgängerzone zwischen den beiden Gebäudeblöcken, sondern auch als Versickerungsbecken für das anfallende Niederschlagswasser der angrenzenden Gebäudedächer und Gehwegflächen, sowie das des zentralen Platzes. Bei Niederschlag kann das Wasser in diesem Bereich bis zu 30 cm angestaut werden. Als Verbindung der beiden Gehwegseiten werden kleine Stege angelegt. Durch einzelne Baumpflanzungen wird die Fläche aufgelockert. An der nördlichen breiteren Gehwegseite werden Sitzmöglichkeiten zum Verweilen geschaffen. Die südliche Seite ist hauptsächlich der Erschließung der Wohngebäude vorbehalten und deshalb etwas schmaler und ohne Sitzmöglichkeiten ausgebildet.

    Nachhaltig - Regional - Identitätsstiftend

    Sämtliche Beläge werden aus bayrischen Granit mit gestockter Oberfläche hergestellt. Die zentrale Platzfläche wird diagonal im Passeverband und somit richtungsneutral mit 9/11 Pflaster ausgebildet. Die fußläufige Erschließungsachse erhält Granitplatten in drei Breiten im Reihenverband. So wird einerseits die Erschließungsrichtung und anderseits die Relevanz der Wegeverbindung innerhalb des Quartiers betont. Sämtliche Flächen vor den Gebäuden und den weiteren Straßen und untergeordneten Wegen sind im Granitgroßpflaster 15/17 geplant. Die Mauern und Stege werden ebenfalls aus Granit errichtet. Die Oberfläche wird zusätzlich zur Stockung gebürstet. Die Bushalteflächen werden aus Betonfertigelemente mit angesäuerter Oberfläche in einem leichten beigen Ton ausgebildet. Die metallene Wasserschale, die ähnlich einem Wassertisch eine innenliegende Metallfläche hat, die wiederum lediglich von einem Wasserfilm benetzt wird, soll eine bronzefarbene Beschichtung erhalten. So können am Rand Frischwasserdüsen zur Nutzung als Trinkbrunnen und in der Mitte Fontänen mit dem Brauchwasser des unterhalb der Metallfläche neben der Wassertechnik befindlichen Wasservorratsbehälter eingebaut werden. Eine Doppelnutzung der Wasserschale als Wasserspiel und Trinkbrunnen ist so möglich.

    Licht als Gestaltelement und Orientierungshilfe

    Die Beleuchtung des Platzes und der Bushaltestelle erfolgt mittels schlanken Lichtstelen und Bodeneinbaustrahlern unter den Bäumen. Die umlaufenden Aufkantungen der Grünflächen und die Unterseiten der langen Sitzbänke erhalten Lichtbänder zur Vorfeldbeleuchtung. Ergänzt wird die Wegebeleuchtung außerhalb der Mauern durch Pollerleuchten. Alle Leuchtmittel werden mit LED´s versehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Angesichts der räumlichen Eigenarten der Teilbereiche wird die Gesamtidee dieser Arbeit als eine Abfolge individueller Lösungen verstanden, die aufeinander reagieren und sich gut aneinanderfügen. Dass es bei dieser Ordnung sogar möglich wird, mit einem Regenwassermanagement eine siedlungsökologische Idee zu implantieren, die dem Gemeinwohl dient, ist besonders hervorzuheben. Die Funktionen werden klar getrennt:

    Flächen für Fahren / Parken / Fahrräder sind ohne sichtliche Abriegelung von denen für Freizeit / Verweilen / Spielen / Feste getrennt. Dass hierbei auch zwei Bänder von Bäumen im und am Platz mitspielen, die Sitzbänke begleiten und für Schatten sorgen, ist ebenfalls ein guter Vorschlag, der den Platz nach Auffassung des Preisgerichts nicht zu klein werden lässt. Es ist jedenfalls gut vorstellbar, dass dort vielfältige
    Bürgerfeste und weitere Programmpunkte angemessen Platz finden und das „Leben auf dem Hardt“ stattfinden kann.

    Die Bushaltestelle und die Querung über die Oberbettringer Straße sind auf einfache Weise markiert und können so gut funktionieren. Insbesondere ist damit klargestellt, wohin die Verbindung für Fußgänger von Norden gehen sollte. Und auch, dass eine Querung mit oder ohne eine Ampel möglich ist.

    Die Fontänenwanne als Zeichen im Platz wirkt unmotiviert und kann weder als künstlerisch gestaltetes Signet noch als Trinkbrunnen überzeugen.

    Das Spielangebot liegt richtig, wenngleich es nicht vorstellbar ist, dass die vorgetragenen Seilkletterstrukturen derart nahe vor Fassaden Platz finden können. Leider ist dieser Spielbereich zum eigentlichen Platz abgetrennt. Überhaupt kommt dem trennenden Grünriegel zwischen Spielen und Platz auch zu, dass er die Außenbewirtung des Cafés einengt und diese vom Platz abtrennt.

    Ein schlichtes, aber variabel geplantes Lichtkonzept lässt einen schönen Nachtauftritt unter Vermeidung von dunklen Angsträumen erwarten.

    Die Einhaltung des gesetzten Budgets ist angesichts der Belagswahl anzuzweifeln. Dies gilt auch in Bezug auf Unterhaltung und Bewirtschaftung.