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  • DE-33415 Verl
  • 02/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-314654)

Erweiterung der Gesamtschule und Neubau eines Hallenbades in Verl


  • 1. Preis

    Lageplan Gesamtansicht, © nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner

    Landschaftsarchitekten
    nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: 4a Architekten, Stuttgart (DE)
    TGA-Fachplaner: Kannewischer Ingenieurgesellschaft mbH, Baden-Baden (DE)

    Preisgeld
    60.000 EUR

    Erläuterungstext
    Entwickelt aus den vorhandenen Strukturen entsteht ein Freiraumkonzept, das besondere Angebote und spannende Räume anbietet und einen Schulstandort mit eigenständiger Identität und Charakteristik schafft.
    Über die Sankt-Anna-Straße Schulgelände zum größten Teil erschlossen. In diesem Bereich entsteht ein großzügiges und gut überschaubares Pkw- und Fahrrad-Stellplatzangebot in direkter Nähe zum Haupteingang des Schulneubaus, der Sporthalle und des Gymnasiums. Der großzügige Vorplatz bildet zudem die Bring- und Abholzone. Die klare Struktur und direkte Verbindung zum Haupteingang gewährleisten eine reibungslose Abwicklung des Bring- und Abholverkehrs auf dem Gelände. Weitere Erschließungen der Schule und des Schwimmbades entstehen im Norden und Osten entlang des Friedhofsweges. Über die gesamte Anlage sind rund 630 Fahrradstellplätze dezentral verteilt.
    Zwischen dem Schulneubau und dem Schwimmbad öffnet sich eine Spiel- und Lernlandschaft, die sich sensibel in den Bestand einfügt. Das prägende Bild der wertvollen Bestandsbäume wird durch gezielte Ergänzungen sensibel in die Neugestaltung integriert. So entsteht eine spannende Raumfolge, die unterschiedliche Spiel-, Sport- und Rückzugsangebote schafft und durch unterschiedliche Materialien auch haptisch dieser Differenzierung folgt. Neben den gut begeh- und berollbaren befestigten Flächen aus Betonwerksstein und EPDM bieten Rasen und Fallschutzflächen eine materielle Vielfalt für die unterschiedlichen Ansprüche im Raum. Formal lassen die Strukturen einen spannenden Kontrast zu den orthogonal ausgeprägten Bestands- und Neubauten entstehen und erzeugen einen fließenden Raum, welcher die Neubauten zu einem gestalterischen Ensemble zusammenfasst. Elemente wie das „grüne Klassenzimmer“, die „Spiel- und Ruheinseln“ und die im Innenhof verortete Bühne lassen einen vielseitiger Schulfreiraum entstehen, der neben konkreten Angeboten auch das freie Spiel und die Aneignung des Ortes durch die Schüler impliziert.
    Ziel ist es durch die vorgeschlagenen landschaftsarchitektonischen Interventionen einen Schulstandort zu schaffen, der durch sein differenziertes Angebot zu einer vielseitigen Lern- und Spiellandschaft entwickelt wird. Ein Ort, der von allen Schülern gerne entdeckt und erkundet werden will und dem künftigen Mehrbedarf an Freiraumangebot gerecht wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Leitidee der Arbeit 4002 ist es, eine übersichtliche Gesamtanlage mit möglichst kurzen Wegen zu schaffen und durch eine zentrale Erschließung zu organisieren. Die neu zu ergänzenden Gebäudeteile sollen die vorhandene Baustruktur ergänzen und sich darüber hinaus erkennbar als neue zeitgemäße Architektur zeigen.
    In Anlehnung an das Gebäudekonzept des Bestandsbaus erhält der Schulneubau ein Atrium, um das sich die Klassen¬räume gruppieren. Zurückgebaut werden die ehemalige Realschule und die Werkräume der Hauptschule. Alle übrigen Bereiche des Bestandes einschließlich des Verbindungsbaus bleiben erhalten und werde für die neue Nutzung ertüchtigt. Die Hauptschule wird im Bereich der ehemaligen Werkräume aufgestockt und erweitert. Der Verbindungsbau erhält über drei Geschosse Klassenräume. Der offene Zugang zum Hofbereich hinter der Mensa wird aus Sicherheitsgründen kritisch gesehen. Das neue, in zwei Höhen gestaffelte Hallenbad schließt sich mit dem niedrigeren Baukörper städtebaulich in selbstverständlicher Weise an die Bestandsstraße an und führt so über einen trapezförmigen Platzraum in den rückwärtigen Grundstücksbereich.
    Der vorgeschlagene Entwurf des Schulbaus organisiert die gewünschten Funktionsbereiche in sinnvoller Weise, die Verwaltung liegt richtig am Eingangsbereich, hier sind nur wenige Ergänzungen notwendig, wie zum Beispiel die Erschließung zur Schulleitung über das Sekretariat.
    Von hervorragender Qualität ist das verglaste Foyer, das einen inneren Überblick ermöglicht und einen Bezug zur Straße herstellt. Hier liegt eine großzügige Treppe in einem Luftraum, die in die oberen Geschosse führt. Neben dem Eingangsfo¬yer liegt das pädagogische Zentrum, ebenfalls mit transparenten Wänden zum Außenbereich. Hier sollte über die Organi¬sation der Bühne und der Nebenräume noch weiter nachgedacht werden. Auf der gegenüberliegenden Seite vom PZ führt der Weg zu den Klassenräumen, die um einen Treppenhof mit Ausblicken in die Umgebung angeordnet sind. Leider ist die Wegeführung dorthin mit wenig Fenstern versehen. Positiv werden die vielen Nischenangebote auf den inneren Erschlie¬ßungswegen bewertet. Kritisch ist jedoch das Fehlen eines Rundweges im EG und 1. OG, was zu längeren Wegen führt.
    Das Hallenbad ist funktional richtig organisiert, lediglich der Aufsichtraum und der Lagerraum sollten getauscht werden. Kritisch wir die völlige Transparenz der Fassade bewertet, es sollten blickdichte Maßnahmen ergriffen werden, um Außen-einsichtsmöglichkeiten zu verhindern.
    Die gleichen Gestaltungsprinzipien der Baukörper als Pavillons erscheinen zu lassen, mit horizontal gegliederten Fassaden sowohl im Schulbau als auch im Hallenbad erfüllen die Erwartungen einer aussagekräftigen, zeitgemäßen Architek¬tursprache auch in der gewählten Materialität.

    Freiraum
    Die Arbeit bettet den Schulkomplex in einen kontinuierlichen Freiraum ein, der die städtebauliche Verbindung vom Kühlmannplatz zur Schule herstellt. Betont wird dies noch durch die Positionierung der Schwimmhalle parallel zum Friedhofs¬weg. Der Erweiterungsbau schiebt sich als Solitär in diesen Freiraum hinein.
    Die Freistellung des Mensagebäudes wird kontrovers diskutiert – während sie aus Sicht der Volumenkomposition begrüßt wird, wird die Zugänglichkeit des kleinen Hofs hinter der Mensa aus Sicherheitsgründen kritisch gesehen.
    Insgesamt entstehen um den Komplex gut proportionierte Freiräume, in denen in der weiteren Ausarbeitung differenzierte Angebote für unterschiedliche Schulgruppen entstehen können.
    Der neue Haupteingang neben dem Mensagebäude ist durch die Lage von Fahrradständern und Baumbeet eindeutig definiert. Das Motiv der Bauminsel ist zwar ausgearbeitet, aber wenig differenziert.
    Städtebaulich, organisatorisch und gestalterisch erfüllt die Arbeit in besonderem Maße hohe funktionale und architektonische Standards.