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  • DE-77933 Lahr
  • 04/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-319943)

Quartiersneuplanung Neues Quartier Lahr-West in Lahr/Schwarzwald


  • 1. Preis

    Wohnhof an der Spielstraße, © K9 Architekten, faktorgruen

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    Mitarbeit
    Ricardo Patings, Danilo Meixner, Michał Herl

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: K9 ARCHITEKTEN Borgards.Lösch.Piribauer, Freiburg im Breisgau (DE)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    Idee

    Die Aufgabe den Bereich um die Flugplatzstraße neuzugestalten bietet die Chance ein zeitgemäßes, zukunftsorientiertes Quartier zu schaffen und die bestehenden Gegebenheiten in ein attraktives Wohnumfeld zu transformieren. Durch die städtebauliche Neuordnung des Gebiets wird der nordöstliche Siedlungsrand Lahrs in Richtung Hugsweier komplettiert.

    Der Entwurf nimmt das Vorhandene als Ausgangspunkt und schafft durch Ausbildung einer klaren Zonierung, eine städtebauliche Komposition mit vielseitigen Wohn- und Aufenthaltsqualitäten. Die Erzeugung von gemeinschaftlich genutzten Nachbarschaftsflächen erhält dabei eine besondere Bedeutung. Zusätzlich wird die Erschließung und Parkierung in ein neues Straßensystem übersetzt.

    Drei Wohnhöfe bilden mit dem Stadtteilzentrum und dem neuentstehenden Quartiersplatz die Mitte. Halboffene Wohnhöfe entlang einer Spielstraße bilden im Westen den baulichen Abschluss. Eine grüne Pufferzone mit privaten Stellplätzen und Gärten begrenzt das Gebiet in Richtung Gewerbe. Nach Norden bilden locker platzierte Gebäude den Ortsrand. Durch eine Vielzahl an Wegeverbindungen im Quartier und in die direkte Nachbarschaft ist die fußläufige Durchwanderbarkeit gegeben und es bieten sich dabei zahlreiche Möglichkeiten zum Treffen, Verweilen und Spielen.

    Das neue Stadtquartier Lahr West beschreibt sich durch folgende Prämissen:

    - Eigenständiger, städtischer Charakter und robuste städtebauliche Figur durch einfache aber markante Gebäudestrukturen mit gut definierten öffentlichen und privaten Räumen.
    - Klare Zonierung und Orientierung der Wohnflächen nach Innen mit freiräumlicher Vernetzung in die Nachbarschaft.
    - Schaffung eines neuen Quartiersplatzes am Stadtteilzentrum „Don-Bosco“.
    - Integration der Kita mit Anbau und vergrößertem Außenbereich.
    - Hohe Aufenthaltsqualität in den facettenreichen Freiräumen durch Maßstäblichkeit und Anordnung.
    - Beste Wohnlagen in allen Bereichen des Gebietes durch gut positionierte Baufluchten und Öffnungen in der städtebaulichen Struktur, sowie Orientierung der Wohnflächen.
    - Westlicher Quartiersrand mit Orientierung in Richtung Spielstraße und Quartier.
    - Ausbildung eines gestaffelten und klar bestimmten Quartierrandes im Westen mit vielschichtig genutzte Pufferzone und ggf. aktivem Lärmschutzmaßnahmen.
    - Möglichkeit diverser Wohn- und Bautypologien innerhalb der städtebaulichen Struktur; Offenheit für individuellem Geschosswohnungsbau mit großer Vielfalt.
    - Wohnungsmix aus geförderten, preisgünstigen und marktüblichen Wohnungen auch innerhalb eines Wohnhofs.
    - Verkehrsberuhigter Innenbereich mit einfacher, ringförmiger Erschließung.
    - Neuorganisation der Stellplätze, gemeinsame Tiefgaragen unter den Wohnhöfen, oberirdische Stellplätze im westlichen Teil.
    - Abschnittsweise Entwicklung unter Berücksichtigung der bestehenden Bewohnerschaft.
    - Gestaltung von Spiel und Freizeitflächen im Umfeld des Vereinsheims Lahr West.
    - Aufwertung der mindergenutzten Fläche an der Schutter: Schutterplatz mit Zugang zum Wasser.

    Nachbarschaft und Zonierung

    Das Quartier bietet Platz für verschiedene Wohnformen sowie Alters- und Nutzergruppen. So soll die Ansiedlung einer gut durchmischten Bewohnerschaft gefördert werden. Ein ausgewogenes Verhältnis aus Gemeinschaft und Privatsphäre bestärkt dabei das Leben in der Nachbarschaft. In allen Bereichen soll deshalb eine klare Zonierung aus öffentlichen Straßen und Platzflächen, gemeinschaftlich genutzten Hofflächen und den privaten Gärten und Terrassen etabliert werden. Der städtebauliche Entwurf bietet die Möglichkeit unterschiedliche Bewohner mit ausreichend privaten Flächen zu versorgen und beinhaltet jeweils in nächster Nähe gemeinschaftliche Angebote.

    Erschließung und Vernetzung

    Das neue Wohngebiet wird von Osten, der Flugplatzstraße aus, erschlossen. Durch einen Erschließungsring mit zwei Zufahrten für den KFZ Zielverkehr, können alle Häuser gut angedient werden. Müll- und Feuerwehrfahrzeuge erreichen jede Wohneinheit. Das ganze Gebiet wird verkehrsberuhigt und barrierefrei gestaltet. Die Stellplätze für die Wohnhöfe sind in gemeinsamen Tiefgaragen unter den Baufeldern vorgesehen, die geförderten Wohnungen erhalten im Sinne einer Kosteneffizienz oberirdische Stellplätze. Die öffentlichen Stellplätze sind dezentral im Gebiet verteilt. Der Entwurf sieht auf der alten Zufahrtsstraße im Nordosten eine Wendemöglichkeit für den Bus vor, sodass dieser nicht durch das Gebiet fahren muss. Die Bushaltestelle wird nach Süden verlagert und kann hierdurch großzügiger gestaltet werden. Eine geschickte Verknüpfung von Wegen und Platz- bzw. Aufenthaltsflächen schafft im Gebiet kurze Wege, Antrittsflächen und Übergänge in die Umgebung.

    Grüne Pufferzone & Freiflächen

    Der westliche Rand des Gebiets ist städtebaulich durch eine grüne Pufferzone besetzt. Hier werden zum einen die für die geförderten Wohnungen notwendigen Stellplätze untergebracht und zum anderen sollen hier Funktionsräume entstehen. Mieter- und Kräutergärten, Boule Spiel, Werkstätten und Gelegenheiten zum Verweilen sind mögliche Ideen. So soll die bisher untergenutzte Fläche in nächster Nähe zum Gewerbe eine Qualität und Nutzung erhalten aber auch die Problematik der Zäsur zwischen Wohnen und Gewerbe behandelt werden. In Bereichen mit Aufenthaltsfunktion ist dabei die Anordnung von Gabionenwänden vorstellbar. In Verbindung mit den Spiel- und Sportangeboten im Umfeld des FC Lahr West entsteht dadurch ein großzügiger, facettenreicher Freizeitbereich.

    Quartiersmitte – KiTa – Don-Bosco

    In der Mitte des Gebiets entsteht der neue Quartiersplatz. Er ist die räumliche Adresse des Quartiers und fungiert als Treffpunkt und Ort der Identifikation. Die großzügige Platzfläche beinhaltet Baumquartiere und Raum für kleinere Veranstaltungen (z.B. Flohmarkt und Quartiersfest). Zusätzlich wird er durch das Stadtteilzentrum mit KiTa auch gemeinschaftlich genutzt. Durch Anbau an den Bestand und Umgestaltung des Außenbereichs kann eine weitere KiTa-Gruppe untergebracht werden. Die Stellplätze des Don Bosco sind neu am Platz angelegt. Zusätzlich gibt es auf der Fläche genügend Raum für Kiss+Ride.

    Spielstraßen

    Die Anordnung größerer offener Parkierungsflächen westlich des Wohnens bietet die Chance insbesondere die Nord-Süd Straßen als Spielstraßen auszubilden. Im neuen Viertel sind sie wesentlicher Bestandteil des gemeinsamen Lebens. Sie sind für den Fußgänger und vor der Haustür spielende Kinder vorgesehen. Das Auto soll nur an wenigen Stellen sichtbar bleiben. Wichtig dabei sind die überall im Quartier vorgesehenen Vorgartenzonen, die sich die Bewohner aneignen sollen. Spielen auf der Straße und Werkeln im Vorgarten sind ein Garant für eine lebendige Nachbarschaft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser schlagen für die Neustrukturierung des Plangebiets eine in Höhenentwicklung und baulicher Dichte angemessen kompakte Quartiersbebauung mit einer Mischung aus längs- und querorientierten Gebäuden mit einer klaren Fokussierung auf eine gemeinsame Quartiersmitte vor. Die offenen Blockstrukturen tragen dafür Sorge, dass die städtebauliche Körnung den baulichen Bestand schlüssig, aber zugleich selbstbewusst weiterentwickelt.

    Allen Nachbarschaften werden sorgfältig dimensionierte Nachbarschaftsplätze und Innenhöfe zugeordnet, so dass in allen Bereichen gleichwertig qualitätsvolle Außenraumbezüge und Gemeinschaftsflächen entstehen können. Die vorgeschlagenen Höfe stellen hinsichtlich ihrer Dimensionierung einen sehr angemessenen Beitrag für die Weiterentwicklung des Wohnquartiers dar und greifen auch wertgeschätzte Gemeinschaftsbereiche des heutigen Bestandes (u.a. Wäscheplätze) auf. Auch die erforderlichen funktionalen Anforderungen für Müll- und Radabstellanlagen sind berücksichtigt.

    Die neue Quartiersmitte am DonBosco Hause mit Bushaltestelle verbindet auf richtige Weise Alt und Neu - mit den grünen Bauminseln lässt sie eine hohe Aufenthaltsqualität erwarten. Die Spielstraßen mit reduziertem Querschnitt und den angrenzenden Gemeinschaftsbereichen dienen als wohnungsnahe Kommunikations- und Spielräume. Die Freiräume der offenen Blockbebauung sind in der Ausgestaltung nur zur erahnen und werfen Fragen nach einer Differenzierung auf. Die nahezu störungsfreie Positionierung der Sport- und Spielangebote im Nord-Westen wird positiv bewertet.

    Die Entscheidung, die gesamte Quartierserschließung verkehrsberuhigt auszugestalten, wird sehr positiv bewertet. Charmant ist der Vorschlag, die oberirdischen Stellplatzangebote im Westen mit weiteren gemeinschaftlichen Freiraumangeboten (u.a. Mietergärten) zu sequenzieren. Dadurch gelingt es den Verfassern auch, die Gefahr von Durchfahrverkehren im Quartier zu minimieren. Allerdings entsprechen die den geförderten Wohneinheiten zugeordneten oberirischen Stellplatzangebote nicht den in der Auslobung geforderten Mindestanzahl. Bei einer möglichen Weiterentwicklung ist dafür Sorge zu tragen, dass die dargestellten Freiraumqualitäten (u.a. Mietergärten, Eingangshöfe) dadurch nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden.

    Unklar bleibt überdies, in wie weit die skizzierten Stellplatzangebote in den Tiefgaragen die Bedarfe werden abdecken können. Bei dem Vorschlag der Tiefgaragen bleibt die von der Ausloberin geforderte Höhenlage für eine wirtschaftliche Umsetzung unberücksichtigt. In der Diskussion wurde die Sorge geäußert, dass bei einer möglichen Weiterentwicklung dies die Qualität der offenen, zur Wohnstraßenebene nahezu ebenengleichen Innenhöfe verändern könnte.

    Die Berücksichtigung und Positionierung ergänzender Carsharingangebote im Bereich der Quartiersmitte wird positiv gewertet. Die Lage der Bushalts im Süd-Osten wird ins besondere auch mit Blick auf die Bestandsquartiere begrüßt. Positiv bewertet wird vor allem, dass die Kita vom Busdurchfahrtsverkehr befreit wird.

    Nachvollziehbar gruppieren die Verfasser die sozial geförderten Wohneinheiten im Bereich der oberirdischen Stellplatzangebote mit Blick in die Landschaft. In der Quartiersmitte werden die offenen Blockstrukturen konsequent gemischt. Die in den 3- und 4-Spännern dargestellten Wohnungsgrößen entsprechen nicht dem erwarteten Wohnungsmix. Im Quartier ist eine hohe Anzahl von Klein- und Kleinstwohnungen erforderlich, typologische Anpassungen daher zwingend erforderlich. Die vorgeschlagenen Baustrukturen lassen jedoch eine hohe Flexibilität hinsichtlich dieser Anpassungsbedarfe erwarten.

    Für die westliche Gewerbefläche schlagen die Verfasser einen gewerblichen Erweiterungsbau vor. Dies ermöglichst eine sehr flexible und von den privaten Gewerbegrundstücken unabhängige Entwicklung des Wohnquartiers. Die gewerbliche Arrondierung wird im Sinne einer Lärmschutzbebauung durchaus positiv diskutiert, bedauert wird zugleich, dass kein langfristiger Umstrukturierungsvorschlag zu Wohnnutzungen aufgezeigt wird.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr qualitätsvollen, sorgfältig die Qualitäten des Ortes berücksichtigenden Beitrag dar. Die städtebauliche Struktur verspricht eine hohe Flexibilität für die stufenweise Entwicklung und bietet Chancen für attraktive gemeinschaftsorientierte Nachbarschaften im Quartier.