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  • DE-50389 Wesseling
  • 04/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-9380)

Wesseling 2010 - Rheinufer


  • Anerkennung

    Perspektive Promenade und chemtech

    Architekten
    studioinges, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stefan Schwirtz Thomas Bochmann Francesca Saetti

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Räumliche Neuordnung

    Das heutige Erscheinungsbild Wesselings wird maßgeblich durch die historische Entwicklung der chemischen Werke im Norden und Süden der Stadt und durch die geographische Lage am Rhein bestimmt. Ziel des Entwurfes ist eine Neuordnung der Übergänge und Anbindungen des Rheinufers an die Innenstadt und an die chemischen Werke. Der prägende Charakter der Industrie kann gemäß der Aufgabenstellung nicht übergangen werden, sondern wird mit dem neuen Science-Center ChemTec zu einem Leitthema des Rheinufers.
    Zwei den Entwurf prägende Achsen treffen sich im Brennpunkt des neuen Science-Center an der Ruttmanns Wiese. Hier trifft die Fortführung der ost-westlichen Verbindung ausgehend vom Bahnhof über die Fußgängerzone und das Rathaus auf die den Rhein begleitende Nord-Süd Verbindung. Bislang in den Hintergrund gedrängt und als bloße Stadtgrenze angenommen, wird der Fluss und die neuen davor befindlichen Aufenthaltsbereiche zur Bühne, zum Schauplatz und Treffpunkt der Bürger und Besucher. Nach Osten hin mit dem Naturschauspiel des Rheins und der gegenüber liegenden Aue optisch verbunden, werden Gäste und Bewohner über die aus Norden, Süden und Westen durchgehenden Verbindungen hier zusammengeführt.
    Der entstehende Knotenpunkt wird mit dem Science-Center, Gastronomie, Bootsanleger und der davon ausgehenden Rheinpromenade zu einem lebendigen und anziehenden Platz im öffentlichen Leben Wesselings. Die barrierefreien Übergänge im Norden an der Öffgasse und im Süden zum Lido kulminieren am Uferplatz vor der Ruttmanns Wiese im Erleben von Stadt, Kultur und Landschaft.
    Die Strukturierung der Wegeverbindungen folgt dabei den Funktionen des Rheinufers als Naherholungsraum, sowie den geographischen und den Hochwasserschutz betreffenden Eigenschaften des Dammverlaufs.

    Der Uferweg und die Aussichtsbastion an der Öffgasse

    Die im nördlichen Teil des Uferweges liegende Treppenanlage trennt derzeit den Innenstadtbereich vom Ufer und stellt sich für Fußgänger wie Fahrradfahrer als schwer überwindbarer Endpunkt dar. Dadurch bleibt der große Teil des Rheinufers zwischen Ruttmanns Wiese und dem nördlichen Ende im Wesentlichen ungenutzt. Anders als an der neuen Rheinpromenade nimmt sich der Uferweg im Norden deutlich schmaler aus und kann durch die dichte Bebauung auf der einen und die wasserrechtlichen Vorgaben auf der anderen Seite in seiner räumlichen Ausdehnung nicht bearbeitet werden. Eine Aufwertung muss sich hier auf die Stärkung der gewachsenen Verbindungen des Ufers mit der chemischen Industrie im Norden, dem Rheinforum, der Ruttmanns Wiese und den auf das Ufer treffenden Gassen konzentrieren.
    Die im Norden neu entstehende Aussichtsbastion mit der die Form begleitenden Rampe bindet das Rheinufer an die Innenstadt und die Fahrradwege an. Der erhöhte Platz inszeniert sich als Spannungsfeld zwischen der rückwärtig gelegenen Industrie und der Aussicht auf das rechtsrheinische Ufer mit seinen Auen. Ein Turmelement, das seine Entsprechung am Lido wieder findet, gestattet hier neben der Aussicht auf den Rhein auch Einblicke in die das Stadtbild prägenden chemischen Werke. Tableaus auf der Aussichtsplattform informieren die Besucher über Geschichte, Produktion und chemische Grundlagen der Industrie in Wesseling.
    In einer Weiterführung der gestalterischen Themen der Rheinpromenade nimmt der Uferweg einzelne Elemente auf und setzt sie nach Norden hin fort. Die südlich den Rhein begleitende Ufermauer wird auf der gesamten Länge des Weges als bodenbündiges Betonband fortgeführt und erhebt sich im Norden erneut als Brüstung der Rampe. Ebenso erscheinen die auf der Rheinpromenade konzentrierten Bankelemente am Uferweg wieder.
    Auf diese Weise wird nicht nur eine barrierefreie Wegeverbindung geschaffen, sondern auch ein das ganze Ufer umfassender thematischer Bezug zwischen Leben, Arbeiten und Erholung hergestellt.

    Räumliche Entwicklung zwischen Stadt und Rhein als „fließendes Ufer“

    Für den Entwurf der Rheinpromenade ist der Erhalt des bisherigen Uferverlaufs zwischen der ehemaligen Wasserschutzpolizei und der NATO-Rampe eine bindende Grundlage. Durch die Ausprägung und Überformung der leichten Hangmodulation ergeben sich Einbuchtungen im Bereich des Dammes, die aufgenommen und zusammen mit der Anarbeitung des Dammes an die NATO-Rampe zu einem gestalterischen Zeichen erhöht werden. Diese leichte Faltung der Böschung schafft aus sich heraus eine Struktur, die sich ähnlich einer auslaufenden Welle in immer schwächerer Form zum Rhein hin glättet und an den Uferverlauf anschmiegt. Die daraus resultierende Schichtung von Böschung, räumlichen Strukturen für Sport-, Spiel und Liegeflächen, sowie der Rheinpromenade und den direkt ans Ufer grenzenden Loggien, erscheinen in ihren Übergängen selbst als Fluss, der in seiner Bewegung in zwei Richtungen gelesen werden kann: zum einen als Übergang der innerstädtischen Bereiche und des Rheinparks zum Ufer selbst, und zum anderen als eine den Rhein begleitende Struktur die in ihrem Fluss auf organische Weise Freiräume mit verschiedener Nutzung und Qualität aufnimmt. Verglichen mit dem nördlichen Uferweg und dem südlich fortgeführten Weg durch die Aue nimmt sich die Rheinpromenade breiter und variabler aus. Dadurch wird zwischen Ruttmanns Wiese und NATO-Rampe ein Raumgefühl erzeugt, in dem die Durchgangsgeschwindigkeit ab- und die Aufenthaltsqualität zunimmt. So ergibt sich die Form aus den geographischen Gegebenheiten des Ortes als fließendes Element. Das Ufer am Fluss wird zu einem fließenden Ufer.

    Natur und Künstlichkeit

    Gerade die organische Entwicklung der Formensprache zum Rhein hin und die Stärkung der Grünflächen an Böschung und Rheinpark erzeugen mit den prägenden Materialien der Promenade jenes Spannungsverhältnis zwischen Natur und Künstlichkeit, das den Ort als Wahrzeichen des Chemiestandortes Wesseling auszeichnet.
    Mit der Schichtung der Funktionsbereiche bis zum Ufer geht auch die Definition und Abgrenzung der Bereiche durch eine Abfolge von kontrastierenden Belägen einher. Der dem Damm beigeordnete Bereich ist mit hellem Ortbeton als Ruhezone ausgebildet. Immer wieder liegen Rasenhügel in der Betonfläche, die sich aus dem Hang gelöst zu haben scheinen. Diese Liegeflächen strukturieren den südlichen Bereich der Promenade. Unterhalb der Kirche verdichten sich diese Inseln und werden durch mit Bänken eingefasste Heckenblöcke und Brunnen ergänzt. Entlang der NATO-Rampe entwickeln die
    Formen, die auch als Negativ in den Beton gedrückt werden, eine Spielfläche für Skater.
    An dieser Stelle findet sich auch der hellgrüne Tartanbelag, der den hinteren Bereich von der Promenade trennt, als künstliche Hügelform wieder.
    Diese Gegenüberstellung eines künstlichen grünen Kunststoffgranulatbelages mit dem natürlichen Grün der umgebenden Freiflächen ist eine Metapher für die Identität des Ortes Wesseling. Der grüne Streifen verbindet alle Bereiche entlang der Promenade und führt den Passanten zum Vorplatz des Science-Center. Außerdem trennt er die ruhigere Zone mit den Betonbelägen von der Promenade mit dunklerem Asphalt.
    Als Fassung des eigentlichen Durchgangsbereichs der Promenade wird eine Ufermauer ausgebildet, die sich mal nach Süden hin in Sitzelementen auffaltet und dann wieder tiefer gelegene Loggien zur Aussicht auf den Rhein bildet. Die optische Begrenzung der Promenade durch das Granulatband wird in der Mauer rhythmisiert durch grüne Lichtschlitze aufgenommen. Die über einen flachen Winkel geschwungenen Loggien bieten einen Ruheraum am Rhein und sind von der Uferkante ebenfalls durch transparente, grüne Glas getrennt.
    Bereits erwähnt wurde der Schnittpunkt der Wege im Bereich vor dem Science-Center und der ehemaligen Wasserschutzpolizei. Hier bindet eine großzügige Treppenanlage die Ruttmanns Wiese an die Promenade an. Der entstehende Platzbereich verknüpft die bestehende Nutzung des Bootsanlegers mit Gastronomie und Aufenthaltsflächen vor dem neuen Museum. Um diesem repräsentativen und lebendigen Zentrum am Rhein besser zu entsprechen wird die Nutzung des ehemaligen Gebäudes der Wasserschutzpolizei über den Ticketverkauf hinaus als Gastronomie an der Promenade empfohlen.

    So bilden kontrastierende Elemente im Spannungsfeld zwischen Natur und Industrie eine harmonische Verbindung und ästhetische Information zum Ort. Die traditionell in Wesseling angesiedelte Produktion von Kunstoffen wird in Form, Farbe und Material als „chemische Verbindung“ in die Rheinpromenade übernommen. Natürlichkeit und Künstlichkeit der Umgebung werden gegenübergestellt und bilden ein ästhetisches Amalgam.

    Überarbeitung und Strukturierung des Rheinpark

    Im Rahmen der Überarbeitung der Wegeverbindungen bleiben die funktionalen Bereiche des Rheinparks erhalten und werden in ihrer Gestaltung mit dem Uferweg und der Ruttmanns Wiese in Beziehung gesetzt. Die ursprünglichen Standorte der Minigolfanlage und der Konzertmuschel werden durch den Entwurf in ihrer Positionierung bestätigt und aufgewertet. Der Brunnen am Eingangsbereich zum Park von der Bonner Straße soll überarbeitet werden und als Auftakt in einer Vorplatzfläche weiter existieren.
    Die Wegeführung wird überarbeitet und bildet in ihrer Form und Verlauf eine entwurfliche Einheit mit der Promenade. Im Park selbst umfassen die Wege Funktionsbereiche wie den neu angelegten Spielplatz und die Wiesenflächen und erwecken in der Behandlung der Flächen so den Eindruck formal plastischer Inseln. Die teilweise sich parallel annähernden und divergierenden Wege bieten alternative Passagen zu den wichtigen Anschlusspunkten des Parks am Seniorenzentrum und im hinteren, überarbeiteten Bereich der NATO-Rampe. Hier wie dort werden die Abgänge zur Promenade formal strenger und deutlicher gefasst, so dass sich die hinab führenden Stufen aus der Bewegungsrichtung der Wege ergeben.

    Landschaftspark

    Im südlichen Bereich des Wettbewerbsgebietes zeigen sich noch einmal die beiden Pole, zwischen denen sich die historische Entwicklung Wesselings aufspannt: die geographische Lage Wesselings an einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas und der Standort der chemischen Industrie.
    Die Promenade, die von Norden her ankommend einen Teil der NATO-Rampe begleitet, trifft auf den Verbindungsweg zum Rheinpark und schwenkt auf die ursprüngliche Wegeführung ein. Auf der Höhe des Shell-Werkes erhält der Wesselinger Uferweg noch einmal einen Akzent. Wie im nördlichen Bereich an der Öffgasse weitet sich der Weg an der Kreuzung zur Hofgasse erneut und bietet Raum für eine Aussichtsterrasse, welche Einblicke in das Werksgelände gewährt.
    Die Gegenüberstellung der natürlichen Aue des Rheins mit dem Werksgelände wird hier durch eine Überarbeitung der Wegeführung geschärft. Die Zugänge zum Wasser ermöglichen die Erschließung des Kiesstrandes als Liegefläche und rhythmisieren zugleich die weiten Auenwiesen. Die entstehenden Felder ermöglichen die Anlage von Sport- und Spielflächen und sind ein Naherholungs- und Freizeitangebot für Bürger und Besucher.

    Natur- und Kulturlandschaften

    Die großen europäischen Kulturlandschaften, zu denen das Rheintal sicherlich gerechnet werden muss, zeichnen sich durch eine jahrhundertealte Wechselbeziehung von Natur, Siedlungsgebieten und Wirtschaftsräumen aus. Geänderte Bedürfnisse und gewachsene Strukturen erfordern immer wieder ordnende Eingriffe. Sie bedeuten aber auch eine große Verantwortung im Umgang mit den natürlichen Ressourcen, historischen Gegebenheiten und den modernen Anforderungen von Wohnen, Arbeit und Erholung.
    Auf Grund der schrittweisen Ablösung der Wasserwege als wichtigste Handelsrouten durch Automobilverkehr, Eisenbahn und unabhängige Leitungssysteme, sind viele europäische Wasserstraßen nicht mehr als ursächlich für die Existenz der anliegenden Städte und Gemeinden erkennbar. Wie andernorts verschob sich auch in Wesseling der Schwerpunkt durch das Wachstum der Stadt. Der vorliegende Entwurf erinnert mit der Aufwertung des Rheinufers an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und verschafft der Entwicklung eine Bühne an der pulsierenden Lebensader der Stadt Wesseling.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.