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  • 1. Preis Baufeld B.7

    Perspektive

    Architekten
    HÜBOTTER + STÜRKEN + DIMITROVA Architektur & Stadtplanung BDA Partnerschaftsgesellschaft mbB, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Yuliyana Dimitrova , Gert Stürken , Tobias Hübotter , Peter Carl , Prof. Irene Lohaus

    Mitarbeit
    Miriam Scherübl, Georg Siemens

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Lohaus · Carl · Köhlmos PartGmbB Landschaftsarchitekten · Stadtplaner, Hannover (DE)

    Preisgeld
    28.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau

    Das Neubaugebiet Kronsberg Süd, im Osten der Landeshauptstadt Hannover gelegen, ist das größte zusammenhängende Neubaugebiet der Stadt. Die Stadterweiterung Kronsberg Süd schließt an das zur EXPO 2000 entwickelte Gebiet Kronsberg an. Es gliedert sich in drei Cluster mit einzelnen Baufeldern. Von den drei Arealen liegt das Baugebiet Mitte in günstiger Lage, angrenzend an den neuen zentralen Grünzug im Osten.
    Das Baufeld 7 wird von der hanova entwickelt, die in diesem Bereich geförderten Wohnungsbau, frei finanzierten Wohnungsbau sowie eine Kita und eine Zeile mit Stadthäusern realisieren wird. Prägend für das Baufeld 7 ist seine Ausrichtung einerseits zum Quartiersplatz Schule im Nordwesten und anderseits zum Stadtteilpark, der das Areal Mitte von Südosten bis Nordwesten bogenförmig umschließt. Sowohl der Quartiersplatz als auch der Stadtteilpark werden zukünftig starke außenräumliche Qualitäten entwickeln, die wir mit unserem Entwurf nutzen möchten. Die Vorgaben, die aus dem Bebauungsplan und der umfangreichen „Gebrauchsanweisung“ resultieren, fordern eine stadträumliche Körnigkeit, die aus ablesbaren Häusern besteht, die auch auf die in diesem Teil vorhandene Topographie von ca. 1,20 m Höhenunterschied eingeht.
    Unser Entwurf respektiert die Vorgaben mit einem offenen Blockrand, der aus 11 Häusern und 5 Townhouses besteht. Die Häuser haben eine Länge von 20-25 m und sind mit drei unterschiedlichen Vormauerziegeln im Farbspektrum Rot zu den öffentlichen Räumen hin verblendet. Der zum Stadtteilpark gelegene, frei finanzierte Wohnungsbau hat eine durchgehende, zur westlichen Straßenecke ansteigende Attika, die den leichten Schwung in der Baulinie übersteigert und die Topographie in diesem Bereich erlebbar macht. Die anderen Baukörper interpretieren die Topographie durch ablesbare Baukörperversprünge. Alle Flachdächer sind als extensiv begrünte Retentionsdächer ausgelegt und begünstigen so die Regenrückhaltung auf den Dachflächen.
    Unter dem Innenhof befindet sich die Tiefgarage mit ca. 90 Stellplätzen, deren Einfahrt zwischen den Townhouses und der südwestlichen Gebäudeecke des Wohnungsbaus liegt. Die Tiefgarage ist so konzipiert, dass in der Mitte des Hofes ein Bereich für große Baumpflanzungen frei bleibt, der nicht unterbaut wird.


    Nutzung und Funktion

    Geförderter Wohnungsbau
    Die geförderten Wohnungen befinden sich im nordöstlichen Baukörper, der an den Quartiersplatz angrenzt, und der mit einer Kita unterbaut ist. Über der Kita sind überwiegend die größeren Wohnungen untergebracht, für die auf diese Weise auch der zweite Rettungsweg sichergestellt wird, da sie durchgesteckt sind. Für die Nutzer bietet das die Möglichkeit des „Durchwohnens“ mit Blickbeziehungen sowohl in den Innenhof als auch in den öffentlichen Raum zum Quartiersplatz.

    Frei finanzierter Wohnungsbau
    Im südöstlichen Riegel sind die überwiegend kleineren Wohnungen so organisiert, dass das Wohnen/Kochen grundsätzlich zum Stadtteilpark ausgerichtet ist, während die Schlaf- und Kinderzimmer zum ruhigen Innenhof angelegt sind. Die Treppenhäuser sind durchgesteckt. Da die Wohnungen im EG ca. 40-50 cm angehoben sind, entstehen gut nutzbare private Terrassenflächen, ohne die Privatsphäre einzuschränken. Durch das auf diese Weise etwas höhere Treppenhaus in diesem Bereich sowie die Ausgestaltung der angrenzenden Wandflächen werden Eingänge geschaffen, die eine angemessene Adressbildung zum öffentlichen Raum erzeugen.

    Kita
    Für die Nutzung der Kita mit Krippe wird der nordwestliche Baukörper gemäß B-Plan in den Innenhof erweitert. Der Eingang liegt mittig zwischen Kita und Krippe. Im Innern sind die Räume so organisiert, dass Sichtbezüge sowohl zum Hof als auch zum Quartiersplatz gegeben sind. Die Krippenräume liegen an der Nordfassade und bilden damit die Nutzung zum öffentlichen Raum ab. Die Gruppenräume liegen mit großen Glasfassaden zum Hof und verbinden sich mit den Freiflächen.

    Townhouses
    Die Gruppe der 5 Stadthäuser am östlichen Blockrand ist durch schmale, fast holländisch anmutende Hausbreiten geprägt, deren Eigenständigkeit durch die wechselnden Farbschattierungen des Verblenders unterstrichen wird. Die Häuser sind innen eher konventionell als Reihenhäuser aufgeteilt, um die vorhandenen Kundenwünsche abbilden zu können. Hier sollen besonders junge Familien mit Kindern angesprochen werden. Durch Einschnitte in die Dachlandschaften wird, ebenso wie bei den Geschossbauten, eine allzu monolithische Wirkung der Baukörper reduziert.

    Konstruktion und Material

    Alle Häuser werden zu den Straßenseiten mit Backsteinen (Wasserstrich, Rot) in drei unterschiedlichen Farbtönen verblendet. Im Hof möchten wir sowohl für die Kita als auch beim frei finanzierten Wohnungsbau die Randbauten ebenso verblenden, um eine unangenehme, tapetenhafte Wirkung an den Ecken zu vermeiden. In den eingezogenen Loggien der Wohnungen wird der Verblender auch als Brüstung eingesetzt. Hier werden die Steine auf Lücke gemauert, um keine abgeschottete Wirkung entstehen zu lassen.
    Ergänzend wird auf weiteren Flächen auf den Hofseiten Putz (kein WDVS) mit 42,5 cm Mauerwerk (Poroton KfW 55/40) vorgeschlagen sowie in Teilbereichen (Loggien, Eingänge Townhouses) Verkleidungen mit Faserzementplatten (Lamellenplatte).

    Freiraumplanung

    Die nach außen liegenden Vorgärten sind von einer kniehohen Ziegelmauer gefasst. Dahinter liegende, flächig geschnittene Heckenpakete bieten einen klaren Rahmen und zugleich einen Schutz vor zu nahes Herantreten an die Terrassen und Fenster. Den Eingängen zugeordnet sind Radstellplätze für Besucher und den täglichen Bedarf. Die Bäckerei im Norden erhält einen platzartigen Vorbereich, der eine Außenbewirtschaftung ermöglicht.
    Die Zugänge in den Innenhof sind über einen mäandrierenden Fußweg miteinander verbunden und bieten einen Weg zum Schlendern an. In Kombination mit einer Heckeneinfassung der Kita werden Räume unterschiedlicher Größe angeboten, die zugleich fließende Übergänge, Verschneidungen zwischen Kita und Wohnhof schaffen. Ein zentraler lichter Baumhain überspielt ebenfalls die beiden unterschiedlichen Hofnutzungen, dient als Schattenspender sowie als Blickschutz für die gegenüber liegenden Wohnungen.
    Die Bäume stehen vollständig im nicht unterbauten Bereich. Hecken bzw. Heckenpakete schützen auch hier die privaten Vorzonen.
    Die Spielbereiche der Kita sind über einen Fußweg barrierefrei erschlossen. Der Kleinkindspielbereich des Wohnhofes grenzt ebenfalls bis an einen Weg an und ist somit auch für Rollstuhlfahrer nutzbar.

    Der Wohnhof dient nicht vordergründig der schnellen Durchquerung sondern als Ort des Verweilens und Treffens der unmittelbaren Anlieger.

    Entwässerung

    Die Dachflächen sind sämtlich mit einer extensiven Begrünung und einem Retentionsdach ausgestattet.
    Das Schichtenwasser der Tiefgaragendecke wird im zentralen, nicht unterbauten Bereich des Hofes und von dort in den klüftigen Untergrund geleitet. Das Oberflächenwasser der Verkehrsflächen wird unmittelbar in die benachbarten Grünflächen geleitet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Jury würdigt die Details in den Gebäudestrukturen und den Fassaden, wodurch individuelle und ablesbare Häuser entwickelt werden. Durch die Zäsuren in der Mitte der Häuser und die asymmetrische Gestaltung der Eingänge, wird eine Adresse mit einer starken Präsenz geschaffen. Die Vorgaben aus der Gebrauchsanweisung wurden gut interpretiert und umgesetzt.

    Auch die Grundrisse sind wohl überlegt und bieten aus Sicht der Jury gute Qualitäten.

    Darüber hinaus wird die Gestaltung des Innenhofs, als eine „poetische Herangehensweise“ seitens der Jury gewürdigt. Der Verzicht auf Fahrzeuge/Rettungswege im Innenhof wirkt sich auf diese Qualität ebenfalls positiv aus.


INFO-BOX

Angelegt am 24.05.2019, 16:40
Zuletzt aktualisiert 16.03.2020, 12:54
Beitrags-ID 4-174421
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