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  • DE-14806 Bad Belzig, DE-14552 Michendorf
  • 06/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-321287)

Erweiterung des Wolkenberg-Gymnasiums in Michendorf


  • 1. Preis

    1. Preis: Gössler Kinz Kerber Kreienbaum Architekten BDA, © Visualisierung: bloomimages

    Architekten
    Gössler Kinz Kerber Kreienbaum Architekten BDA, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Daniel Kinz

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: BHF Bendfeldt Herrmann Franke LandschaftsArchitekten GmbH, Kiel (DE), Schwerin (DE)
    Visualisierer: bloomimages, Hamburg (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    13.000 EUR

    Erläuterungstext
    Schule - Gemeinschaft

    Schule bedeutet Gemeinschaft und schafft Gemeinschaft. Folgerichtig wird der Erweiterungsbau als Erweiterung des schulischen Raumprogramms und als Beitrag zur Entwicklung der Ortsgemeinschaft entworfen. Die neue Mensa deckt den Bedarf des Gymnasiums und steht der Nachbarschaft für außerschulische Veranstaltungen zur Verfügung. Die neue Aula bietet Aufführungen der Schüler ebenso Raum wie Veranstaltungen von engagierten Bürgern und Vereinen.

    Maßstab

    Das Gymnasium ist das größte Haus am Ort. Durch die Erweiterung wird die Bedeutung der Bildungseinrichtung weiter transportiert und mit einem baukörperlich gestalteten Abschluss formuliert. Der Neubau vermittelt zwischen dem Maßstab der Schule und dem der Umgebung, indem ein zweigeschossiger Bauteil an der Straße angeordnet wird und so den Bezugsrahmen aus der Fußgängerebene bildet.

    Außenraum

    In Fortführung des Schulhofes des Gymnasiums sind die an den Neubau angrenzenden Flächen robust und differenziert gestaltet. Die bisherige Wegeverbindung vom Schulhof zum Straßenraum wird – über das Foyer des Verbindungsbaus – wieder hergestellt und mit einer Wegeverbindung entlang der westlichen Fassade ergänzt. Hier erfolgt auch die Andienung der Mensa.

    Sowohl zur Straße als auch zum Schulhof orientieren sich gut nutzbare Freiflächen der Mensa mit Aufenthaltsqualität, die zur Verknüpfung des Schulgeländes mit der Nachbarschaft beitragen.

    Erschließung

    Der Neubau schreibt den viergeschossigen Schulbau fort. Vom Schulhof und von der Straßenseite wird ein Foyer entwickelt, das unmittelbar die Mensa und über Treppe und Aufzug die Aula und die Unterrichtsräume erschließt. Neben dem barrierefreien Zugang zu den neuen Nutzungen wird über den Verbindungsbau auch die barrierefreie Verknüpfung mit dem Bestand auf allen Ebenen sicher gestellt.

    Auf den Nutzungsebenen sind Mensa und Aula auf den beiden unteren Geschossen logisch und direkt angebunden. Diese Nutzungen mit größerem, auch externem Besucherverkehr bieten sich über Foyer und Garderobenbereich an. Die Unterrichtsräume sind weitgehend nutzungsneutral angeordnet. Jeweils drei gleich große Räume sind mit Vorbereitungsräumen und offenen Differenzierungsflächen an den Verbindungsbau angeschlossen. Dadurch können die neuen Räume mit dem Bestand vielfältig kombiniert werden und erhalten ihre inhaltliche Zuordnung erst über die fest einzubauende Ausstattung der Fachräume.

    Gestalt

    Während der Bestand durch Serialität und sich wiederholende Geschosse gekennzeichnet ist, wird der Neubau als differenziert gestalteter Kubus entworfen. Auf zwei gleich große Geschosse mit den Nutzungen Mensa und Aula folgen zwei Geschosse mit Unterrichtsräumen. Die Öffnungen und Einschnitte des Baukörpers sind nutzungsbezogen angeordnet. Sie sorgen für Ablesbarkeit der Nutzungsbereiche und für eine Belebung der Fassade, ohne dabei willkürlich verspielt zu wirken.

    In Fortführung des Bestandes ist der Neubau ein Putzbau. Die Oberfläche wird durch einen haptisch erfahrbaren handwerklichen Kratzputz gebildet, der im Wechselspiel von Lichteinfall und Witterung ein sich veränderndes Bild erzeugt. So zeigt der Neubau seine Verwandtschaft mit dem Bestand, an den er sich ja durchgehend anschließt. Gleichzeitig stellt er sich doch als eigenständiger Charakter vor.

    Konstruktion

    Eine optimierte Tragkonstruktion bringt eine erhebliche Reduktion der CO2-Emmissionen des Gebäudes. Durch die Massivbauweise mit monolithischen Außenwänden aus gefüllten Ziegelsteinen (Poroton) kann auf weitere Dämmung verzichtet werden. Auf die Dämmsteine wird handwerklicher Putz aufgetragen. Die Putzfassade ist also kein WDV-System, sondern ein klassischer, dauerhafter Aufbau mit sehr guten Recyclingmöglichkeiten.

    Durch den Einsatz von Betonrippendecken mit Hüttensandzement (CEM III) wird in diesem Bereich Material gespart und mit dem eingesetzten Zement ein Abfallprodukt der Stahlindustrie recycelt.

    Lüftungskonzept

    Das Konzept der Hybrid-Lüftung versorgt die Räume mit ausreichend Frischluft. Zu- und Abluft werden über Stichleitungen in der Decke verteilt. Dieses System wird unterstützt durch Fensterlüftung in den Pausen, sodass ein 4-facher Luftwechsel erreicht wird.
    Fenster und eine Dachklappe im zentralen Treppenraum der Erweiterung ermöglichen eine ständige effiziente Durchlüftung des gesamten Neubaus, eine große Lüftungsanlage wird vermieden. Sämtliche Elemente des Lüftungskonzeptes sind steuerbar und bieten Einflussmöglichkeiten für die Nutzer.

    Nachtauskühlung

    Holz-Alufenster als nachhaltige und dauerhafte Konstruktion belichten die Räumlichkeiten und stellen über die mit Lüftungslamellen ausgestatteten seitlichen Öffnungselemente eine gute Möglichkeit zur Nachtlüftung und Nachauskühlung dar.
    Um an warmen Sommertagen die Temperatur im Gebäude auf einfache Weise zu begrenzen, können Fenster geöffnet und bei offenstehenden Türen querlüften. Die massiven Bauteile der Wände und Decken bieten hohe Speichermassen und kühlen das Gebäude während des Tages.

    Sonnenschutz

    Das Gebäude erhält außen liegenden Sonnenschutz und zusätzlichen innen liegenden Blendschutz und ist so gegen sommerliche Überhitzung geschützt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit 1004 bindet mit einem nach Süden gestaffelten Baukörper mit zwei und vier
    Geschossen an den Altbau an.
    Durch einen Unterschnitt wird ein gut nutzbarer, regengeschützter Vorbereich
    ausgebildet. Der Eingangsbereich wird sinnvoll von Norden und Süden erreicht. Das gut
    zu beaufsichtigende Foyer setzt sich in der vertikalen Erschließung mit der großzügigen
    offenen Treppe weiter fort und verbindet als gläserner Baukörper Alt- und Neubau
    miteinander. Der hier positionierte Fahrstuhl erschließt auch den Altbau rollstuhlgerecht
    auf allen Ebenen. Der zweite Rettungsweg ist nicht näher beschrieben, könnte aber in
    Verbindung mit dem Bestandsgebäude nachgewiesen werden.
    Positiv wird die Nord-Südausrichtung der Mensa im Erdgeschoß gewertet. Eine Terrasse
    ist dem Eingangsbereich vorgelagert und belebt den Außenraum vor der Schule. Die
    Küche mit den Nebenräumen begrenzt die Mensa im Westen und ist gut auf kurzem
    Wege anlieferbar.
    Die Obergeschosse werden großzügig über die erweiterten, gut belichteten
    Verkehrsflächen mit hohen Aufenthaltsqualitäten erschlossen. Vor der Aula entsteht so ein
    gut belichtetes Foyer mit Blickkontakt in die Außenräume. Kritisch wird der Vorschlag zur
    Teilbarkeit der Aula gewertet.
    Die Unterrichtsräume im 2. und 3. Obergeschoss sind nach Norden und Süden orientiert
    und führen die einhüftige Erschließung des Bestandes in einem Zweibund fort. Die
    erweiterte Foyerfläche kann hier gut als Kommunikationsfläche genutzt werden. Der den
    Unterrichtsräumen vorgelagerte Aussenraum im 2. OG wird als begrünte
    Vegetationsfläche vorgeschlagen. Diese Außenfläche ist nicht als Aufwertung der
    Innenräume zu nutzen. Dieses wird bemängelt.
    Die Massivbauweise mit monolithischen Außenwänden aus gefüllten Ziegelsteinen stellt
    einen sinnvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit dar. Die Dachflächen werden mit einer PVAnlage
    energetisch genutzt. Die Aula erhält ein Gründach.
    Das vorgeschlagene hybride Lüftungskonzept über Stichleitungen in den Decken als
    Ergänzung zur Fensterlüftung ermöglicht eine sinnvolle Durchlüftung des Gebäudes ohne
    große Lüftungsanlage.
    Die Fassade zeigt ein Spiel von geöffneten und geschlossenen Flächen. Im Bereich der
    Aula korrespondiert die Fassade nicht mit der Nutzung des Innenraumes und kann nicht
    überzeugen. Die Materialwahl der profilierten Putzoberfläche sowie die Holz-Alufenster
    mit den vorgelagerten Lüftungslamellen zur Nachtauskühlung ist angemessen.
    Der Entwurf stellt einen sehr gelungenen Beitrag zur Aufgabenstellung dar. Es werden
    differenzierte Räume mit hohen Aufenthaltsqualitäten erreicht. Der Neubau positioniert
    eine angemessene Haltung zur Erweiterung des Bestandes.


INFO-BOX

Angelegt am 27.06.2019, 15:10
Zuletzt aktualisiert 01.07.2019, 14:38
Beitrags-ID 4-176105
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