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  • DE-65185 Wiesbaden
  • 06/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-9739)

Platz der Deutschen Einheit


  • 1. Preis


    Architekten
    GEORG • SCHEEL • WETZEL ARCHITEKTEN, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Bettina Georg, Tobias Scheel, Simon Wetzel Mitarbeit: Jens Roscher Modellbau: Janusz Kruschewski

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschafts- / Umweltplaner: Stadt Land Fluss, Büro für Städtebau und Stadtplanung BDA, SRL, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: Weidinger Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Grundlagen
    Das Baufeld befindet sich an der Übergangssituation zwischen zentraler Innenstadt und gründerzeitlichem Wohnquartier und begrenzt an seinen Außenseiten vier neu gefasste städtische Bereiche. Es sind dies

    Der Platz der Deutschen Einheit im Süden,
    Der Quartierspatz im Westen,
    Der Straßenplatz der Schwalbacher Straße.
    sowie der neu geordnete Straßenraum in der Bleichtrasse.

    Mit der Neuordnung des Quartiers wird die Intention verfolgt, die jeweiligen Identitäten und Qualitäten dieser Räume herauszuarbeiten und städtebaulich zu stärken.
    Die programmatischen Vorgaben bedingen eine hybride dreiteiteilige Baukörperkonstellation, bestehend aus Wettkampfsporthalle, Einzelhandelsflächen, und einem Bürohaus, deren Abhängigkeiten zum Teil bereits definiert sind und deren spezifische Ausformulierungen sich aus stadträumlichen Abhängigkeiten und funktionalen Zusammenhängen ergeben.

    Die neue Sporthalle ist sowohl inhaltlich als auch städtebaulich in engem Zusammenhang mit der bestehenden Elly Heuss Schule zu betrachten, welche künftig in die erste Reihe treten wird und mit ihrem kräftigen Kopf- und Eingangsgebäude stadträumlich prägendes Element des Platzes der deutschen Einheit bilden wird. Die geplante Ausbildung als Wettkampfstätte für sportliche Veranstaltungen mit entsprechenden Tribünenanlagen erfordert eine räumliche Verknüpfung mit dem Platz und eine über das übliche Maß hinausgehende Ausstrahlung des Sportgeschehens in diesen neuen Stadtraum hinein.

    Einzelhandelsflächen und Gastronomieeinrichtungen wie Cafes und Restaurants sind durchgehend in der Erdgeschoss- und ggf. in der ersten Obergeschossebene zu denken, wobei Einzelhandelsflächen an der Schwalbacher Straße und an der Bleichstraße; Gastronomeeinrichtungen und Cafes traditionell eher an den Plätzen angesiedelt werden.

    Das Bürohaus erfordert flexible Büroräume, welche allseitig gut belichtet in den Obergeschossen anzuordnen sind.

    Alle 3 Programmbereiche bedingen jeweils unabhängige Erschliessungen und eigene gebäudetypologische Ausprägungen.

    Konzeption
    Der neue Baukomplex wird die vier erwähnten Stadträume neu beziehungsweise erstmalig definieren. Eine qualitative Differenzierung der jeweiligen Raumsituationen kann nur durch den Baukörper und eine auf die Freiräume bezugnehmende Gliederung der Gestalt erfolgen.
    Ein allseitig gleicher oder monolithischer Baukörper kann diesen Bedingungen weniger genügen als ein plastisch gegliederter Bau mit unterschiedlich formulierten Bereichen und Ausrichtungen.
    Angestrebt wird ein ganzheitliches Bauvolumen, dessen Erscheinungsform jedoch nicht als durchweg gebundener -hermetisch geschlosser- Stadtblock gedacht ist, sondern dessen Teile oberhalb einer gemeinsamen Basis gebäudetypologisch autonom in Erscheinung treten.
    Hauptmerkmal des neuen Ensembles ist die Gliederung des Baufeldes in zwei eigenständige Hauseinheiten Sporthalle und Bürohaus. Die Vereinigung dieser beiden Einheiten erfolgt über eine gemeinsame Basis, welche die Einzelhandels- Gewerbe, Gastronomie und nicht zuletzt die Foyerflächen für Sporthalle und Büro aufnehmen. Oberhalb dieses öffentlichen Sockels entwickeln sich die Gebäudetypen weitestgehend unabhängig von einander und treten entsprechend frei gespielt mit Ihren spezifischen Gebäudestrukturen und Proportionen in ein Spannungsverhältnis zueinander. Auf diese Weise gelingt es, die Gebäude jeweils entsprechend Ihrer programmatischen Bedingungen unabhängig voneinander zu entwickeln.
    Gleichzeitig können die sich oberhalb des Sockels abzeichnenden Gebäudeteile durch ihre Freistellung jeweils präzise auf die vorhandenem stadträumlichen Situationen reagieren: So bezieht sich die Sporthalle in Ihrer Ansichtsbreite direkt auf das gegenüberliegende Kopfgebäude der Elly Heuss Schule, während sich das Bürohaus linear an der Schwalbacher Straße entwickelt. Die Zäsur zwischen den beiden Gebäudeteilen vermittelt darüber hinaus zwischen dem nördlich gelegenen Faulbrunnenplatz und dem im Süden an den Platz der Deutschen Einheit angeschlossenen Schulhof der Elly Heuss Schule.

    Die Sporthalle, im ersten Obergeschoss angeordnet, tritt durch die Vorlagerung einer überdachten Stadtloggia in direkte Beziehung zum neu geschaffenen Platz der Deutschen Einheit; diese Loggia verschafft der Sporthalle den gebührenden öffentlichen Auftritt. Sie ermöglicht neben einer Nutzung für Sportveranstaltungen während der Pausen oder nach öffentlichen Wettkämpfen vielfältige zusätzliche öffentliche Bespielungen wie Foyer, Bühne oder Zuschauerebene zum Platz. Vorstellbar ist möglicherweise auch die Nutzung dieses Raumes als temporäre Projektionsfläche. Obwohl im ersten Geschoss gelegen, kann sich die Sporthalle auf selbstverständliche Weise nach außen öffnen und mit dem Platzraum verzahnen. Die Anbindung an die untere Platzebene erfolgt über großzügige Außentreppen zur Bleichstraße und zum Platz der Deutschen Einheit, welche entsprechend der Erfordernisse durch Tore geöffnet werden können. Die Konzeption äußerer Freiflächen und Treppen ermöglicht zudem eine effektive Entfluchtung der Halle über den Außenraum.
    Die zentrale Haupterschliessung der Sporthalle ist über ein erdgeschossiges Foyer am Platz der Deutschen Einheit organisiert, welches über zwei großzügige Treppen mit der Zuschauerebene verbunden ist. Die Erschliessung für Schule und Sportler funktioniert unabhängig über einen eigenen Zugang.
    Die innere Struktur der Sporthalle reflektiert die städtebauliche Ausrichtung zum Platz. Die festen Tribünen sind entsprechend als Rücken an der Nordseite geplant und betonen die Öffnungsgeste nach Süden. Die allseitig angeordneten flexiblen Tribünen stellen das Sportgeschehen in den Mittelpunkt und schaffen die konzentrierte Atmosphäre einer Arena.
    Sämtliche Tribünen werden über einen umlaufenden Umgang auf der Terrassenebene erschlossen. Dies bedingt größtmögliche Übersichtlichkeit für die Zuschauer.
    Die Sporthalle wird überspannt mit einem Stahlraumfachwerk. Die Glasfassaden werden zur Vermeidung von Blendeffekten und Wärmeeintrag mit effektiven lichtstreuenden Einlagen gefüllt. Eine Dreischeiben Isolierverglasung mit sehr guten Wärmedämmeigenschaften wird in einer Materialstärke von mindestens 5 cm ausgeführt. Die Transparenz der Fassaden ermöglicht zudem die Wahrnehmung des Sportgeschehens vom Platz aus. Bei Dunkelheit wird diese Außenwirkung durch die innere Beleuchtung der Halle noch stärker inszeniert.
    Fassaden und Terrassenbereiche werden mit hellen, homogenen Natursteinplatten verkleidet. Dieses Material bindet die unterschiedlichen Gebäudeteile zusammen und schafft einen referentiellen Bezug zu den Natursteinelementen an der gegenüberliegenden Elly Heuss Schule.

    Das Bürohaus ist als 3-bündige Anlage mit Adressbildung an der Schwalbacher Straße konzipiert. Diese Konstellation bedingt eine sehr klare Gliederung von Büroraum und Nebenraumzonen und ermöglicht durch die notwendige Anordnung zweier Treppenhäuser vielfältige Nutzungs- und Aufteilungsszenarien. Innerhalb der gewählten Natursteinbekleidung wird diese Fassade mit informell angeordneten Fenstern gegliedert, welche im bewussten Kontrast zu den großflächigen plastischen Öffnungen der Sporthalle stehen und dem Bürohaus eine eigene Identität nicht nur im Fassadenbild sondern auch im Inneren verleihen.

    Der gemeinsame, zweigeschossige Sockel öffnet sich mit Sportfoyer und gastronomischen Einrichtungen, Marktcafe und Sportbar zum Platz der Deutschen Einheit. Größere zusammenhängende Einzelhandelsflächen werden zur Schwalbacher Straße und zur Bleichstraße orientiert.
    Zum westlich gelegenen Quartiersplatz sind ebenfalls gastronomische Einrichtungen geplant, welche dem Sportfoyer zugeschaltet werden können aber auch unabhängig vom Platz aus erschlossen werden können. Die Anlieferung erfolgt für alle Funktionseinheiten des Ensembles an der Bleichstraße.

    Freiraumplanung
    Die Freiraumplanung setzt das Konzept der „städtebaulichen Körnung“ durch die Schaffung mehrerer Freiräume unterschiedlicher Atmosphäre um. Neue Wegeverbindungen vernähen die Frei- und Straßenräume.

    Die Bereiche
    Der Stadtplatz zwischen Schule und Sporthalle präsentiert sich als urbaner Freiraum, der die dynamischen Phänomene, wie Marktgeschehen, Besucherströme, Schulpause offensiv annimmt. Die Pflasterung steht in Zusammenhang mit den begehbaren Flächen um die Sporthalle. Drei hohe Masten bieten flexibel schaltbare Beleuchtung. Darüber hinaus ist im unteren Teil des Mastes eine Wasserdüse integriert, die langsam startend dynamische horizontale Fontänen über den Platz wirft. Dieses auf bestimmte Momente programmierte Wasserspiel (schafft Sparsamkeit) thematisiert die nahe verlaufende Thermalspalte.

    Der Baumhain bietet schattigen Sitzplatz und verbindet den offenen Stadtplatz mit dem geruhsamen Quartiersplatz. Er übernimmt eine räumliche Gelenkfunktion zwischen diesen Platzbereichen.

    Die Bertramstrasse wird zur Sackgasse, einige Schrägstellplätze werden zu Längsstellplätzen umgebaut, damit der Gehweg breiter wird und auch als Wartebereich für die Kinder zur Verfügung steht. Eine lange Sitzbank verbindet den Straßenraum mit dem Bereich des Bolzplatzes.

    Der ruhige Quartiersplatz bietet Aufenthaltsbereich zwischen Pflanzflächen und an einem Wasserbecken. Das ruhende Wasser versteht sich als komplementäre Situation zur urbanen Fontäne am Stadtplatz. Die Pflanzflächen nehmen einen geringen Flächenanteil ein und werden daher umso auffälliger mit Prachtstauden und mittelhohen Gräsern bepflanzt. Seitlich der intensiv gestalteten Bereiche sind robuste Zufahrten für Feuerwehr, Anlieferung und Marktverkehr vorgesehen.

    An der Schwalbacherstrasse werden Bodenleuchten im Belag der Gehwege auf beiden Seiten eingebaut. Die durch Hochbord begrenzt Mittelinsel wird mit einem Geländer gesichert. Das Geländer nimmt Leuchten auf. Durch LED Technik können ein farblicher Gleichklang und Bewegungseffekte erzielt werden, die der Mobilität eines Straßenplatzes Ausdruck verleihen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.