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  • DE-39104 Magdeburg
  • 09/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-333743)

Neugestaltung des Platz-Ensembles "Alter Markt" in Magdeburg


  • 1. Preis

    Alter Markt - Skizze bei Nacht, © loho

    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ursula Hochrein , Axel Lohrer

    Mitarbeit
    özge menevse

    In Zusammenarbeit mit:
    Lichtplaner: DAY & LIGHT LICHTPLANUNG, München (DE)

    Erläuterungstext
    Konzept | Domplatz und alter Markt sind die beiden historischen Keimzellen Magdeburgs – jeder mit eigener Räumlichkeit und differenzierter Inszenierung des wichtigsten Gebäudes.
    Am Markt steht das Rathaus im Zentrum, jedoch nicht dominant, eher Primus inter pares unter den Platz fassenden Gebäuden. Die Jakobskirche tritt zurück und ist doch aus der scheinbar rückwärtigen Lage kraftvoll und behütend präsent.
    Dieses zurückhaltende städtebauliche Prinzip spiegelt sich in der Freiflächenkonzeption wieder. Ein schlichter aber hochwertiger Stadtboden erstreckt sich über den ganzen Platz, bietet den ruhigen, verbindenden Rahmen für die unterschiedlichen Bauten und Architekturstile am Platz. Er verweist darüber hinaus auf die direkt angrenzenden Räume von Jakobskirche und Breitem Weg.
    Die Hauptblickachse verschiebt sich nach Osten, inszeniert vom Breiten Weg aus kommend das Zusammenspiel von Rathaus und Jakobskirche. Die auf die Westseite gesetzten Baumreihen und eine tänzelndes Band von Wasserfontänen unterstreicht diesen neuen Blickbezug.

    Das Leben, die Bespielung steht im Vordergrund. Der Markt ist freigeräumt. Ausstattungen an den Rand gesetzt, abschaltbar oder bewusst mobil über die Platzfläche verteilt.


    Materialität | Der neue Bodenbelag entwickelt sich aus einem Granitstein, bestehend aus mindestens je 3 unterschiedlichen Steinformaten und 6 Farbnuancen. Für die Grundfarbigkeit wird ein warmer Grauton vorgeschlagen.
    Die Verlegung erfolgt in einem wilden Verband / Passéverband in einer helleren und in einer dunkleren Charge. Das Spiel mit den beiden Mischungen gliedert die Platzfläche innerhalb eines einheitlich verbindenden Duktus durch Umpflasterungen und eingelegte Intarsien in subtil lesbare Teilbereiche.
    Die bevorzugte Mischung aus mindestens 3 nuancierenden Tönen und Steinformaten erzeugt neben gebrochenen Kanten ein lebendiges, dynamisches Bild. Darüber hinaus zeigt sich der Verband über die große Fläche angemessen feinkörnig, verbindend einheitlich sowie wie auch aus der Fußgängerperspektive weitestgehend optisch richtungslos. Mit der gesägten und geflammten Oberfläche ist die erforderliche gute Begehbarkeit gewährleistet.
    Für die befestigten Flächen werden die Belastungsklasse BK 1,8 nach RStO 2012 sowie eine ungebundene Bauweise zugrunde gelegt. Sollte eine höhere Belastungsklasse erforderlich werden, so könnte dies durch eine wasserdurchlässige Asphalttragschicht bei gleicher Oberflächen-Optik erreicht werden.


    Pflanzkonzept | Auf der Westseite verläuft eine Baumreihe in unterschiedlichen Arten je Teilraum. Schirmplatanen bilden einen grünen Sockel auf der Westseite des Platzes. Ihr Wurzelraum wird durch überpflasterte Baumscheiben und im Spartenbereich durch Wurzelschutzrohre gesichert. Die Prägenden Bäume beiderseits des Rathauses werden durch Schnitt in ihren Kronen stabilisiert und in das Gesamtkonzept integriert.

    Ausstattung | Ein zuschaltbares Fontänenband bildet den neuen Akzent auf dem Marktplatz und schlägt die visuelle Brücke in Richtung Johanniskirche. Für Veranstaltung kann das Band abgeschaltet und in die jeweilige Bespielung des Platzes integriert werden. Auf dem Marktplatz gewährleistet eine lockere Schar freier Stadtsessel die nicht kommerzgebundene Ruhepause auf dem Platz.
    Versenkbare Poller lenken die vorgegeben Verkehrsführung / Ausweisung der Fußgängerbereiche.


    Beleuchtungskonzept | Die Beleuchtung macht den Platz auch abends und nachts visuell erlebbar und schafft eine hohe Aufenthaltsqualität. Die Sichtachsen werden aufgegriffen und unterstützt: Im Norden wird die Staffelung von Rathaus und Johanniskirche in Helligkeit und Detailreichtum sichtbar. Im Kontrast dazu ist der Platz nach Süden durch die modernen Fassadenbeleuchtungen der Sparkasse und des Kaufhauses visuell abgeschlossen. Die Häuserfassaden im Osten und Westen erhalten teilweise eine direkte Anstrahlung und teilweise eine dezente Aufhellung durch die Reflexion über den Boden.
    Das Beleuchtungsprinzip der Platzfläche hebt die Raumkanten hervor. Die Leuchten sortieren sich im Westen entlang der Schirmplatanen ein: Strahler an Masten mit ca. 6m Höhe leuchten sowohl zur Platzfläche hin als auch in die Bäumschirme. Diese werden zusätzlich von unten aufgehellt und bieten somit einen lauschigen und freundlichen Aufenthaltsraum für die dortige Gastronomie. Entlang der östlichen Häuserreihe sind Strahler im Traufbereich angeordnet. Durch die punktuellen Lichtquellen entsteht Rhythmisierung, Brillanz und Lebendigkeit.
    Für eine ergänzende gestreute Helligkeit sollen die historischen Wandanbauleuchten technisch ertüchtigt und als Bestandteil der Fassaden erhalten bleiben.
    Somit bleibt die Platzfläche frei von Leuchtenmasten, und es entstehen Zonen worin sich einzelne Akzente abbilden können:
    Die Wasserfontainen-Reihe zeichnet sich durch eine integrierte Beleuchtung ab und begleitet die zentrale Sichtachse. Brunnen und Denkmäler werden individuell aus dem Boden heraus, sowie von Spotlights an den Masten betont.
    Insbesondere die Rathausfassade soll eine feingliedrigere Beleuchtung erhalten: Das Relief der Fassade wird durch die Kombination von warmweißer und neutralweißer Lichtfarbe herausgearbeitet. Dies kann durch Bodeneinbaustrahler, Fassadenintegrierte Leuchten sowie Strahler an Masten erfolgen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Bei diesem Entwurf steht die Verbindung vom Breiten Weg und Johanniskirche im Vordergrund. Dieser Prämisse folgend wird der Platz asymmetrisch interpretiert und weiterentwickelt. Während für die Nordseite eine doppelreihige Baumreihe vorgeschlagen wird, werden die Bäume an der Südseite zur Disposition gestellt und die Bewegung in Richtung Johanniskirche durch eine lineare, aber unregelmäßige Fontänenreihe akzentuiert, die auch nördlich des Martin-Luther-Platzes weitergeführt wird. Die Verfasser sprechen hier von einer,,visuellen Brücke".
    Diese Schwerpunktsetzung ist nachvollziehbar und konsequent, werden doch an der besonnten Seite schattige Aufenthaltsbereiche - auch für die Gastronomie - geboten, während sich auf der Südseite das Wasserspiel zur neuen Attraktion auf dem Platz entwickeln könnte.
    Kritisch wurde diskutiert, dass die verbleibende Fläche zwischen Bäumen und Fontänenreihe für die Marktstände zu klein ist und das Wasser daher häufig nicht sprudeln wird. Da der Platz jedoch gerade außerhalb der Marktzeiten wenig besucht wird, wäre das Wasserspiel dann ein Anreiz zur Belebung der Fläche.
    Selbstverständlich müsste die Befahr- und Überbaubarkeit gegeben sind. Dazu werden Aussagen vermisst.
    Der Vorschlag einer flexiblen Ausstattung mit Stühlen wird begrüßt.
    Ziel ist, die Gebäude im Umfeld und ihre jeweiligen Architekturstile durch einen zurückhaltenden und weitgehend einheitlichen Stadtboden zusammenzubinden, ohne Dominanten zu schaffen und das Rathaus zusätzlich zu überhöhen. Die Kernflächen ,,Alter Markt" und ,,Platz bei der Hauptwache" werden daher nur leicht akzentuiert.
    Der Vorschlag, den Eulenspiegelbrunnen im Vorfeld des Rathauses zu platzieren, ist wenig überzeugend Die Trilogie aus Roland, Magdeburger Reiter und Hirschsäule besitzt schon eine eigene Prägung. lm Bereich Martin-Luther-Platz werden die Bestandsbäume erhalten und ergänzt, so dass der Eindruck eines grünen geschlossenen Raums verstärkt wird. Die Gleisführung wird hierbei geschickt in den Kontext eingebettet.
    Der Vorschlag, den Biergarten in diesem Bereich zu behalten, ist denkbar, bringt aber nicht die gewünschte Aufwertung.
    Der Platz Bei der Hauptwache wird neu gepflastert, nicht aber vom Verkehr befreit. Die Absperrung wird unglücklich diagonal von Gebäudeecke zu Gebäudeecke geführt und so auch die mögliche Unterbringung ei ner Außengastronomie verhindert.
    Das Beleuchtungskonzept unterstreicht die unterschiedliche Behandlung beider Platzseiten geschickt. Während an der Nordseite im Zusammenspiel mit den neu gepflanzten Platanen Lichtmasten positioniert werden, soll der Platz auf der Südseite durch Strahler auf Traufhöhe und auch im Übergang von EG zu OG beleuchtet werden. Die Darstellungen zeigen sehr überzeugend die nächtliche Wirkung durch die Betonung der Raumkanten, ohne die Gebäude selbst zu illuminieren oder den Platz mit vertikalen Elementen zu überfrachten.
    Die Bodenstrahler unter den Bäumen sind allerdings nicht sinnvoll.
    Zu kurz kommt bei dieser Arbeit leider die Detaillierung der Ausstattungselemente und die Materialität. Auch wenn die Arbeit dadurch einen unprätentiösen Charakter bekommt, bleiben die Aussagen zu vage. Die Verwendung von Granitsteinen in gesägter und geflammter Form gewährleistet eine gute Begehbarkeit und ist langlebig und damit wirtschaftlich.
    lnsgesamt handelt es sich um einen wertvollen, eigenständigen Beitrag zur Umgestaltung des Marktplatzes.