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  • 1. Preis

    Blick zum Marktplatz, © faktorgruen

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    Mitarbeit
    Ricardo Patings, Danilo Meixner

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: K9 ARCHITEKTEN Borgards.Lösch.Piribauer, Freiburg im Breisgau (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leit - und Entwurfsidee für das Bürger- und Kulturhaus

    Mit herausragender Nutzung und Lage wird das Bürger- und Kulturhaus Mittelpunkt einer neuen städtebaulichen Fassung für seine Gemeinde. Das Haus wird Spiegel für das kulturelle und politische Leben in Rheinstetten. Es zeigt sich zu allen Seiten offen und einladend, und stärkt dabei das neu geschaffene Umfeld. Zweigeschossig und kompakt organisiert ermöglicht es eine gute übergeordnete Verknüpfung zwischen Platz und Park und ist als besonderer Baustein der Mitte im örtlichen Kontext spürbar.

    Freiräume

    Gegenüber dem heutigen Rathaus entsteht durch die Neuordnung der Flächen ein lebendiges Stadtquartier als Ortsmittelpunkt von Rheinstetten. In Verbindung mit dem Kultur- und Bürgerhaus bildet der neue Marktplatz den zukünftigen Treffpunkt und die Ortsmitte von Rheinstetten.

    Der neue Marktplatz

    Als zugrundeliegende Idee wird die Lage am Rhein mit den ortstypischen Landschaftsbildern und Elementen, wie Rheinauen, Altarme und Kiesbänke mit den Materialien Holz, Stein und Pflanze aufgegriffen.

    Im Randbereich entsteht ein Saum von Bäumen, der wie ein Rahmen den innen liegenden Platzraum begrenzt. Die angrenzende Rappenwörthstraße wird in die Gestaltung einbezogen und erhält den gleichen Pflasterbelag. Umlaufende Lichtstelen begleiten den Rahmen und tragen zu dessen Stärkung bei. Vor den flankierenden Gebäuden weitet sich der Platzrahmen und bildet eine Vorfläche für Außengastronomie mit Bestuhlung. Innerhalb des Rahmens definiert ein markantes Platzfeld die Mitte des Platzes.

    Der Belag wird in großfomatigen, unregelmäßigen Platten aus Ortbeton ausgeführt und erzeugt das Bild eines ausgetrockneten Flussbettes.

    Die Bepflanzung erfolgt mit typischen Bäumen des Auwaldes, wie z.B. Erlen, und verleiht dem neuen Marktplatz einen eigenen, geschützten Raum. Dazu wird der Aufbau der Tiefgarage um ca. 45 – 50 cm erhöht, so dass den Bäumen mind. 1,0 m Substrat zur Verfügung steht. Die Einfassungen dienen in Verbindung mit einer Holzauflage zugleich als Sitzkanten, so dass auf weitere Einbauten weitestgehend verzichtet werden kann. Als große Holzdecks bilden sie Treff- und Kommunikationsorte und beleben den Platz von innen heraus. Die Flächen werden mit Stauden und Gräsern bepflanzt. Die Bäume spenden Schatten und wirken der Klimaerwärmung entgegen.

    Ein Wasserspiel in Form eines Fontänenfeldes stellt die Verbindung zum nahe gelegenen Rhein her und schafft ein weiteres belebendes Element. Die Rheinfontänen bilden ein prägendes Gestaltungselement auf dem Platz und verleihen ihm seine Eigenständigkeit und Identität. Als spielerisches Element machen sie die verschiedenen Erscheinungsformen des Wassers über die Jahreszeiten hinweg erlebbar und tragen zur Verbesserung des Stadtklimas bei.

    Bei Bedarf können die bodenbündigen Fontänen abgestellt werden, so dass die gesamte Platzfläche für größere Feste und Veranstaltungen zur Verfügung steht. Ein großzügiges Holzdeck vor dem neuen Kultur- und Bürgerhaus dient zum Sitzen und Lagern, gleichzeitig kann es als Bühne fungieren.

    Der Wochenmarkt findet mit ca. 10 Ständen seinen Platz entlang der Ränder, so dass auch während des Marktes das Wasserspiel betrieben werden kann.

    Das Grüne Band

    Neben dem Marktplatz bildet das Grüne Band einen zweiten attraktiven Freiraum in der Neuen Mitte. Im Gegensatz zum zentralen Platz ist dieser bewusst grün und naturnah gehalten. Im Anschluss an den Platz mit seinen flankierenden Gebäuden werden unter einem grünen Baumdach aus Gleditschien Spiel- und Bewegungselemente angeboten.

    Im östlichen Abschnitt werden die Flächen des Baumdaches ebenfalls um ca. 45 cm Sitzhöhe erhöht, um eine Pflanzung der Bäume auf dem Tiefgaragendeckel zu ermöglichen. Dadurch können auch die privaten Flächen der Feuerwehrzufahrt sowie der TG-Ein- und Ausfahrt in die Gestaltung integriert werden.

    Es entsteht wiederum eine Sitzkante, die zugleich die Möblierung des neuen Parks übernehmen kann.

    Die Mitte bleibt dagegen frei von Einbauten und dient als große Spiel- und Liegewiese. Das geplante Regenrückhaltebecken wird durch eine leichte Absenkung der zentralen Rasenfläche in die Gestaltung integriert. Dadurch entsteht die Möglichkeit, auf der gesamte Länge des Parks weitere Regenwasseranlagen anzulegen und somit das gesamte Regenwasser aus dem Quartier zu Sammeln und zu Versickern.

    Entlang des südlichen Parkrandes werden locker verteilte Sitzstufen angeordnet, diese laden als Sonnenterrassen zum entspannten Sitzen und Lagern mit Blick nach Westen ein.

    Der gesamte Bereich wird mit Bienennährgehölzen und Wildstauden als naturnahe Aue bepflanzt und macht die umgebende Natur der Rheinauen unmittelbar erlebbar.

    Nutzungskonzept

    Während die Mitte frei von störenden Einbauten bleibt, nehmen die Ränder die entsprechenden Nutzungen, wie Außengastronomie, Fahrräder, Bushaltestelle oder TG-Ein-und Ausgänge auf. Das Wasserfeld als kräftiges und markantes Motiv bildet den Schwerpunkt des Platzes und bietet vielfältige Aufenthalts- und Betätigungsmöglichkeiten. Die Unterhaltungskosten können dabei durch bodenbündige Düsen in Verbindung mit einer Umwälzung niedrig gehalten werden.

    Der neue Marktplatz bildet die grüne Visitenkarte für Rheinstetten und bietet Raum für Stadtteilfeste und Veranstaltungen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Im Entwurf wird ein Gebäude mit dem Ausdruck von Ruhe, Klarheit, Ausgewogenheit und Angemessenheit vorgestellt.

    Die Ausformung des Baukörpers respektiert den Zuschnitt des Marktplatzes ebenso wie die gewünschte Grüne Fuge im Gesamtkonzept für die neue Stadtmitte. Durch die volle Ausnutzung des Baufensters können großzügige zusammenhängende Geschossflächen angeboten werden, die das Programm auf zwei Geschossen in der Höhe angenehm kompakt aufnehmen können.

    Der Marktplatz wird durch wohlproportionierte, funktionsgerecht querbare Grünflächen von der Straße abgesetzt und kleinklimatisch aufgewertet. Die Grünflächen sind erhöht vorgeschlagen, um noch mehr Wuchsboden über der Tiefgarage anbieten zu können.
    Die Grüne Fuge bietet großzügig erlebbare Freiräume und sinnvolle Wegeverbindungen in das resp. aus dem angrenzenden Wohngebiet. Die strenge Baumreihe entlang der Wohnbebauung wirkt allerdings etwas zu abgrenzend.
    Im Gebäude der Bürger- und Kulturhauses wird der Besucher in einem gut dimensionierten Foyer empfangen, das klare Orientierungen und eine attraktive Treppe ins Obergeschoss anbietet. Die Nutzungen mit intensivem Besucherverkehr, Bürgerbüro und Bibliothek, sind sinnvollerweise im Erdgeschoss angeboten. Im Obergeschoss sind die Funktionen übersichtlich angeordnet, für Sitzungsraum und Versammlungsraum werden vielfältige Kombinationsmöglichkeiten nachgewiesen, die Verbindungen zu den Fraktionsräumen sind direkt.

    Für die Nachhaltigkeit wird auf leistungsfähige Wärmedämmung und die Möglichkeit für Solarpaneele auf dem Flachdach gesetzt.

    Die Kühle der Sichtbetonfassade wird über Holzfenster relativiert, in den Innenräumen wird durch Holzverkleidungen eine warme Atmosphäre erreicht.

    Die erforderlichen Treppenräume sind geschickt angeordnet, es können Flucht- und Rettungswege dargestellt werden die von den offen verbundenen Flächen unabhängig sind. Signifikante Genehmigungsrisiken in brandschutztechnischer Hinsicht werden nicht gesehen.

    Die Tiefgarage ist klar und wirtschaftlich vorgeschlagen, mit der notwendigen Fußgängeranbindung aus dem Erdgeschoss.

    Für die Rappenwörthstraße wird eine vorteilhafte Gestaltung mit Elementen der Verkehrsberuhigung zugunsten der Belange der Fußgänger bis hin zur Straßenbahntrasse vorgeschlagen.

    Wirtschaftlich liegt die Arbeit bzgl. der Kubatur und der Konstruktion vergleichsweise sehr günstig.

    Insgesamt wurde ein sehr guter Beitrag für das neue Bürger- und Kulturhaus Rheinstetten entwickelt, der sich in ausgewogener Qualität der drei Einzelaufgaben Marktplatz, Bürger- und Kulturhaus und Grüner Fuge annimmt.