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  • 10/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-359932)

Objektplanung Gebäude / Objektplanung Freianlagen

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  • 3. Rang

    Modellbild, © PIA Architekten GmbH

    Architekten
    PIA Architekten, Karlsruhe (DE), Mannheim (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Setzung

    Der Baukörper stellt einen Abschluss der vorhandenen Bebauungsstruktur an der Ringelberghohl dar.
    Durch die geschwungene Grundfigur fügt sich das Gebäude im vorhandenen Gelände sehr gut ein und ermöglicht gleichzeitig den Erhalt vieler Bäume. Durch die Verjüngung von Süd nach Nord öffnet sich das Gebäude zum Tal hin. Ein klar ausgeprägter Vorplatz kennzeichnet den Eingang und ermöglicht eine sichere Hol- und Bring-Situation der Kinder. Durch den leichten Versatz von Erdgeschoß und Obergeschoß wird zum einen der Baukörper gegliedert, zum anderen entsteht so ein architektonisch anspruchsvoller überdachter Eingangsbereich.

    Funktionale Gliederung

    Im Erdgeschoss befinden sich die „öffentlichen“ Bereiche mit Mehrzweckraum und Küche. Diese Räume sind auch außerhalb des Kindergartenbetriebes für eine separate Nutzung gut geeignet. Ebenfalls im Erdgeschoss angesiedelt sind die funktionellen Räume, sowie die Räume des Kindergartenpersonals.
    Die eigentlichen Gruppenräume, sowie die direkt angrenzenden Intensivräume befinden sich im Obergeschoß. Sie sind über einen Laubengang, sowie über den ebenerdigen Bereich im Norden sehr gut mit dem Außengelände verbunden. Der überdachte Laubengang stellt bei schlechtem Wetter auch eine sehr gute Ausweichmöglichkeit für ein Spielen im Freien dar.

    Konstruktion und Materialität

    Konstruktiv ist das neue Kinderhaus ein reiner Holzbau, welcher mit einer vorgehängten vertikalen Holzschalung versehen ist. Tragende Bauteile sind Massivholzwände aus Kreuzlagensperrholz, sowie Brettsperrholzdecken. Gegründet wird das Gebäude auf eine Stahlbetonbodenplatte. Die Fassade besticht durch vorgesetzte, durchlaufende Holzlamellen und dahinterliegende Fenster. Diese werden öffenbar ausgeführt, um eine problemlose Putzbarkeit zu gewährleisten. Einzelfenster und Türen sind aus lasiertem Eichenholz. Sämtliche Ausbau- und Dämmmaterialien sind DGNB orientiert ausgewählt bzw. entsprechend geprüft. Neben dem Aspekt der Wohn- „Gesundheit“ wird ein großer Wert auf den gesamten Lebenszyklus gelegt. Dort wo möglich, wird verschraubt und nicht geklebt, sodass ein Austausch bzw. Rückbau jederzeit gewährleistet ist.

    Außenbereiche

    Die qualitativ hochwertigen Freibereiche des Kinderhauses spielen mit der starken Topografie des Geländes. Lediglich der großzügige Spielhof entlang des Gebäudes dient für die Kinder als horizontale Aktionsfläche und stärkt somit seine Berechtigung. Der ansonsten terrassierte Außenbereich bietet den Kindern vielfältige Bewegungsmöglichkeiten. Neben den Spielterrassen nutzen auch die Rutsche und der Wasserlauf die vorhandene Topografie für sich.


    Technik

    Die neue Kita soll sich als CO2 neutrales Gebäude durch eine ausgeglichene Jahresbilanz auszeichnen. Dafür sollen folgende haustechnische Eigenschaften umgesetzt werden: Durch eine Wärmepumpe mit Geothermie erfolgt die Wärmeerzeugung, geheizt wird das Gebäude über eine Heizdecke. Die Deckenaktivierung ermöglicht gleichzeitig auch eine Kühlung des Gebäudes, ebenfalls durch Geothermie (ohne Kälteerzeugung). Durch die Nutzung des Bodens als Wärmespeicher muss keine große Speichermasse im Gebäude sein. Die Warmwasserbereitung erfolgt durch eine Frischwasserstation. Außerdem wird eine Photovoltaikanlage installiert, um die Elektroversorgung der Wärmepumpe zu gewährleisten. Für die Luftversorgung und die Nachtauskühlung sorgt ein dezentrales Lüftungsgerät mit Luftqualitätsregelung. Die Ansaugung bzw. der Ausblas erfolgen direkt durch die Fassade, somit ist kein Kanalnetz notwendig.

    Nachhaltigkeit

    Holz, wohngesunde Baumaterialien und demontierbare Konstruktionen (schrauben statt kleben) sind nicht nur die Grundlagen eines optimierten Lebenszyklus, sondern ermöglichen durch ein materialgerechtes Altern auch niedrige Folge- und Betriebskosten. Außerdem gewährleistet die Nutzung nachhaltiger Baumaterialien einen niedrigen CO2-Fußabdruck.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser des Beitrags 1004 schlagen einen geschwungenen zweigeschossigen Baukörper entlang des Ringelberghohls vor, der sich von Norden nach Süden verjüngend der Topographie des Baugrundstücks anpasst. Dadurch entsteht auf der Nordseite eine großzügige Freifläche, die der Erschließung des überdachten Eingangsbereichs dient.
    Auf der Südseite wird der Höhenverlauf auf geschickte Weise genutzt, das obere Geschoss über eine gestaltete Terrasse an das Freigelände anzuschließen. Die Gestaltung der sich anschließenden Freiflächen folgt ebenfalls der Logik des Geländeverlaufs und ist ausgesprochen differenziert und anschaulich präsentiert: Terrassen, Klettermöglichkeiten und Rutschen verbinden die verschiedenen Ebenen auf sehr spielerische und gekonnte Weise.
    Die funktionale Gliederung der Räume überzeugt nicht in allen Teilen. Die Gruppenräume sind bezogen auf ihre Lage, Zuschnitt und Belichtung qualitativ sehr unterschiedlich. Sehr ungünstig ist die Lage der Bistrobereiche, die wenig Attraktivität aufweisen, da sie Durchgangsbereiche und zum Teil auch schlecht belichtet sind. Der sogenannte Spielflur eignet sich für diese Funktion nicht, da er zu schmal ist.
    Das Technikkonzept sieht eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonden vor, die sich gut für den sommerlichen Schutz vor Hitze auswirkt.
    Das Gebäude ist als reine Holzkonstruktion mit vorgehängter Fassade geplant, die aufgrund eines fehlenden Holzschutzes Fragen bezüglich ihrer Dauerhaftigkeit aufwirft.
    Die vorgesetzten Lamellen vor den Fenstern sind sehr schematisch und verschlechtern
    die Aussicht.
    Insgesamt liegt es mit seinen Flächen und Raumkennwerten im mittleren Bereich. Auf Grund der besonderen Form und Raumgeometrie wäre bei der Umsetzung ein Mehraufwand zu erwarten.
    Insgesamt lobt die Jury den hinsichtlich seiner städtebaulichen Einbindung in die Umgebung gelungenen Beitrag. Leider wird die hohe Qualität des Außenraums im Inneren des Gebäudes nicht erreicht.