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  • DE-86343 Königsbrunn
  • 11/2019
  • Ergebnis
  • (ID 2-338601)

Neues "Forum" für die Stadt Königsbrunn


  • 2. Rang Ideenteil

    Blick von Osten, © 17A ARCHITEKTUR

    Architekten
    17A ARCHITEKTUR, Königsbrunn (DE), München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Degle , Andreas Matievits

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten GmbH, München (DE)

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mosaik aus Freiraum und Gebäuden:
    Durch den Neubau des Forums ergibt sich die Chance einer städtebaulichen Neuordnung und eines stimmigen architektonischen Gesamtkonzeptes. Mittelpunkt ist der zentrale Forumsplatz, auf dessen Fläche das neue Forumsgebäude entsteht. Um ihn fügen sich die bestehende Eishalle, das Jugendzentrum sowie das erweiterte Museum auf dem Lechfeld und das geplante Familienbad. Um den Zugang zum Forumsbereich vom Zentrum bzw. Boulevard aufzuwerten, schlagen wir einen zusätzlichen Baukörper entlang der Westseite des Boulevards vor. Eine weitere öffentliche Nutzung enthaltend, bietet er über seinen Hof eine attraktive Verbindung vom Zentrum zum Forum. Jedem dieser Bausteine wird eine orthogonale Fläche zugeteilt. Die sich daraus ergebenden Zwischenbereiche sind - wie bei einem Mosaik - mit landschaftlicher, individueller Gestaltung und Funktion versehen: eine ökologische Freizeitwiese, ein Baumhain mit Liegedecks, ein landschaftlich ausgebildetes Amphitheater oder auch der Parkplatz mit dichtem Baumüberstand, der den Rücken zur Königsallee bildet. Herzstück ist dabei die zentrale Platzfläche rund um den Forums-Neubau. Um die Durchlässigkeit des Baukörpers im Erdgeschoss zu unterstützen, setzt sich die Platzgestaltung durch das Gebäude nach Westen fort, während der östliche Teil zwischen Eishalle, Forum und Museum auf dem Lechfeld den eigentlichen Hauptplatz bildet. Der Hauptplatz ist entsprechend mit einer aufwändigeren Freiraumgestaltung versehen, die sowohl die repräsentative Rolle als zentraler Platz als auch die funktionale Rolle als Veranstaltungsfläche (Vereinsfeste, Wochenmarkt etc.) erfüllt. Auch die Setzung neuer Gehölze folgt ganz dem Prinzip der mosaikartig angeordneten Flächen und Baukörper. Dabei ordnen sich die mit Bäumen überstandenen Flächen rings um die zentrale Platzfläche am Forum so an, dass ein grüner Rahmen entsteht und dem vergleichsweise großen Freiraum ein angenehmes, gefasstes Raumgefühl vermittelt wird.

    Durchgängiges Forum:
    Das neue Forum besteht aus einem 3- geschossigen Baukörper, in dessen Zentrum sich der 2- geschossige Bürgersaal befindet. Dieser ist von einem östlichen und westlichen Foyer flankiert, welche mit dem Hauptfoyer zusammen geschaltet werden können. Der daraus entstehende, in Ost-West Richtung durchgängige Raum verbindet beide Zugangsrichtungen zum Gebäude, vom Zentrum bzw. der Mobilitätsdrehscheibe und von der Königsallee bzw. dem Sport- und Freizeitpark kommend und bietet durch sein Platzangebot die unterschiedlichsten Möglichkeiten für eine Bespielung. Neben dem Saal enthält das Erdgeschoss das nach Süden und somit zum Amphitheater und dem Museum orientierte Cafe-Restaurant mit Barbereich. Die geforderte Rot Kreuz Station ist nach Norden orientiert, wodurch eine schnelle Erreichbarkeit der Einsatzfahrzeuge auf dem vorgelagerten Parkplatz garantiert wird. Über vier Treppenhauskerne, die an das Hauptfoyer angeschlossen sind, werden alle gewünschten Nutzungseinheiten erschlossen. Der Weg führt hierbei jeweils direkt in das für die Nutzungseinheit vorgesehene Foyer. Jede Nutzungseinheit ist dadurch eine Einheit für sich. Die beiden großen Nutzungseinheiten der Sing- und Musikschule sowie der Gemeinschafträume sind im Obergeschoss situiert. Ihre Foyers, die vor dem Proberaum bzw. dem Multifunktionsraum liegen, werden zusätzlich über offene Treppen direkt vom Hauptfoyer aus erschlossen. Im Dachgeschoss ist das zentrale Element der Hortus conlusus. Er ergänzt die vorhandenen, gestalteten Gärten des Freizeitparkes und des Mercateums um einen kontemplativen Ort des Verweilens und steht damit im spannenden Gegensatz zur Weite des Forumareals. Um ihn herum richten sich die Bereiche der Meeting- und Break-Out Räume, die Volkshochschulverwaltung, die Vereinsräume, die Büros der FSK und BVE sowie 3 Künstlerateliers aus. Im Untergeschoss des Forum sind außer Neben- und Technikräume noch Flächen für das Stadtarchiv bzw. kommunale Lagerräume, im Nordteil, sowie Flächen für einen Club unter dem Restaurantbereich, im Südteil, vorgesehen.

    Fassade und Materialkonzept Forum oder Recycling und Urban Mining:
    Die Fassade des neuen Forums besteht aus 3 Materialien: Glas, Holz und Recyclingbeton. Auf ein transparentes Erdgeschoss - ein hoher Festverglasungsanteil und raumhohe Glasdrehflügel ermöglichen einen fließenden Raum vom Forumsplatz bis in das Gebäude hinein - folgt das hölzerne Obergeschoss mit seiner gerasterten Fassade und Eichenholzklappflügeln, welche elektrisch, raumweise gesteuert werden können und als Sicht- bzw. Blendschutz dienen. Den Abschluss des Gebäudes bildet das aufgesetzte Dachgeschoss in Sichtbeton. Seine Farbgebung ist analog zu den beiden Kirchen, die im Norden und Süden den Königsbrunner Boulevard begrenzen. Im Inneren des Forums werden Saal und Einbauten in Eichenholz errichtet bzw. verkleidet und bilden somit einen warmen Kontrast zu der unverkleideten Betonrasterdecke im Erd- und Obergeschoss. Die Böden erhalten ebenfalls Oberflächen aus recyceltem Beton, im gleichen Farbton wie die Platten auf dem Forumsplatz. Ziel ist es, den kompletten Restbestand der ehemaligen Königstherme vor Ort rückzugewinnen und wieder zu verwenden (Urban Mining).

    Wirtschaftlichkeit, Brandschutz, Schallschutz, Energiekonzept:
    Neben den architektonischen und städtebaulichen Vorteilen sprechen vor allem die wirtschaftlichen für einen Neubau: ein kompakter Baukörper, mit entsprechend gutem A/V Verhältnis, und kurzen Wegen zwischen den unterschiedlichen Nutzungsbereichen garantiert zukünftig geringe Unterhaltskosten. Hierbei soll auch die vorhandene Bausubstanz der ehemaligen Königstherme mit einbezogen werden, indem sie durch das Recycling der Baustoffe Beton und Ziegel eine Wiederverwendung in Recyclingbeton findet (Urban Mining). Der vorbeugende Brandschutz über die vier Treppenhauskerne, die jeweils direkt ins Freie führen, ist optimal gegeben. Für jede Nutzungseinheit können zwei bauliche Rettungswege nachgewiesen werden Die Schallschutzanforderungen sind bei dem Neubau im Vorfeld konstruktiv gelöst, es entstehen keine ungeplanten Probleme. Bei Veranstaltungen im Amphitheater dient der Forumsneubau auch als Schall- Barriere für das nördlich der Königsallee angrenzende Wohngebiet. Ebenso sind beim Neubau die entsprechenden Raumhöhen den einzelnen Nutzungsbereichen angepasst. Dies garantiert die spätere Ausarbeitung eines sinnvollen und effizienten Heiz- und Lüftungskonzeptes und damit ein intelligentes Energiekonzeptes. Museumsquartier als Mosaikbaustein
    Das eingeschossige Konzept sowie der architektonische Habitus des vorhandenen Pavillon mit seinen Betonstelen wird fortgesetzt und um einen Neubau westlich des Mercateums ergänzt. Südlich und nördlich werden die Stelen zwischen beiden Pavillons ergänzt und bilden so mit beiden Baukörpern ein Gesamtensemble für das Museumsquartier. Die neue Erschließung findet über die Westseite statt. Über das Foyer im Erdgeschoss gelangt man in die Ausstellungsbereiche im Untergeschoss, durch welche beide Baukörper miteinander verbunden sind.

    Umgestaltung der Eisarena als Mosaikbaustein:
    Das Fassadenkonzept für die Eisarena sieht einen Rückbau der angehängten Ziegelvordächer im Erdgeschoss sowie des Ziegeldaches der Hallenkonstruktion vor. Der Erdgeschossbereich sowie die Außeneisfläche soll unter einem gemeinsamen Dach, analog zu dem Forum gehalten durch Betonstützen, jedoch in gräulicher Farbe, zusammengefasst werden. Durch die Dachauskragung entstehen differenzierte Außenbereiche um die Halle: ein überdachter Hauteingang, Sitzbereiche vor dem Straßenbahn- bzw. Busterminal, ein visueller Bezug zur Außeneisfläche mit Aufenthaltsqualität und ein überdachter Zugang zu den Umkleiden bzw. überdachte Fahrradstellplätze für das Forum. An der süd-west Ecke ist ein erweiterter Freibereich für die Sportsbar vorgesehen, welche neu strukturiert und zum Forum hin geöffnet, nun den Bezug zwischen Forum und der Eishalle herstellt. Um die unter dem Dach liegende Erdgeschossfassade, die in ihren Grundzügen erhalten bleibt, möglichst ruhig und homogen zu halten, schlagen wir einen anthrazitfarbenen Anstrich vor. Im Gegensatz dazu soll sich die Fassadenhaut der Eishalle mit einer hellen, transluzenten Profilitglasfläche absetzen. Sie ermöglicht untertags einen natürlichen Lichteinfall in die Halle und lässt nachts die Halle durch eine hinterlegte LED-Beleuchtung in allen gewünschten Farbvarianten erstrahlen. Bei ihr wird auf die abgeschrägten 45° Ecken verzichtet. Das dadurch gewonnene Volumen wird dem Hallenraum zugeschlagen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Gesamtvorschlag umfasst 5 neue Solitärbaukörper, einer hiervon außerhalb des Umgriffs. Die Gesamtkonzeption schlägt eine Weiterführung bis zum Boulevard (Bürgermeister-Wohlfarth-Straße) vor. In diesem Baukörper ist ein Wohn- und Geschäftsgebäude vorgesehen.
    Weitere Solitärbaukörper bilden die Eishalle, um die ein umlaufendes Vordach angeordnet wird, das Forum Königsbrunn, das gesamt Museums-Areal und der vorgeschlagene Standort für das Familienbad. Das bestehende Jugendhaus Matrix ist in die Anordnung der Solitäre als sechster Körper eingebunden.
    Die Solitäre sind so platziert, dass die bestehenden Achsen in den westlich angrenzenden Park erhalten bleiben und sich maßstäblich angemessene Plätze zwischen den baulichen Großformen bilden. Das Areal öffnet sich zur Königsallee im Norden und erreicht dadurch einen Zusammenschluss mit dem innen liegenden Areal. Durch die Anordnung der Stellplätze nördlich des Forums an der Königsallee verliert der Vorbereich aber an städtebaulicher Qualität.
    Das Museumskonzept in Form einer Ausbildung eines Karrees unter Einbezug des bestehenden Infopavillons „955“ bildet eine stimmige, gut nutzbare Gesamtmuseumskonzeption auf der gut aufgebaut werden kann. Allerdings erscheint die Platzierung des Haupteingangs im Norden aufgrund der künftigen Hauptströme aus der Innenstadt und von der Straßenbahn als falsch platziert.
    Die Lage des Amphitheaters im westlichen Anschluss an den Museumssolitär vermittelt mit dem westlich angrenzenden Park, zeigt aber wenig Bezug zum Forumssolitär mit Bürgersaal.
    Die Platzierung des Familienbads an der Königsallee erscheint stimmig und rundet die Anordnung der Solitäre ab.
    Insgesamt arbeitet der Entwurf mit großmaßstäblichen Formeln, die für Königsbrunn starke Gesten bilden.
    Die Situierung des Wohn- und Geschäftshauses außerhalb des Umgriffs führt zwar den Entwurf bis an den Boulevard (Bürgermeister-Wohlfarth-Straße), bildet aber eher eine Abgrenzung des westlichen Areals als eine Öffnung zwischen Ost und West.