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  • DE-49504 Lotte
  • 01/2020
  • Ergebnis
  • (ID 2-352356)

Neubau Sporthalle Lotte in Lotte-Wersen


  • 2. Preis

    Visualisierung, © Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    12.950 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Die Topografie des Grundstücks zum einem, wie aber auch die funktionalen Anforderungen für die neue und alte Halle prägen die Lage der neuen Sporthalle. das städtebauliche Konzept sieht die Halle in wohl gewähltem Abstand zur Bestandshalle in Nord-Süd-Richtung des Grundstücks richtig positioniert. Eingerückt und wohl proportioniert entsteht ein angemessenes Vorfeld samt neuem Foyer, welches als Gelenk zwischen den beiden Hallen sämtliche geforderte Funktionen in wirtschaftlichen Zusammenhang bringt. Im unmittelbaren Anschluss an das Foyer, ist der Zugang des höher gelegenen Sportplatzes über einen landschaftlichen Freiraum gegeben, der gleichzeitig als Außenraum für Tanz- und Fitness, wie auch der Mehrzweckhalle dient. der Baukörper der neuen Sporthalle ist über das Dachtragwerk rhythmisch gegliedert und mit einer Traufhöhe von 7.60m in den Kontext der Umgebung von bestehender Halle und kleinteiliger Wohnbebauung eingefügt. Die sich abbildenden kleinteiligen Köpfe des Hallentragwerks, mit einer maximalen Höhe von 10.60m bilden den adäquaten Maßstab im Übergang zur östlichen Wohnbebauung. Im Süden nutzt das Gebäude die vorhandene Topografie, ist angeschüttet und ermöglicht somit einen Zugang für Sportler im direkten und ebenen gleichen Anschluss an den Sportplatz. Ein landschaftlich gestalteter Übergang mittels Stufe und Sitzsteine auf der Westseite vermittelt moderat und harmlos zwischen den beiden Niveaus, füllt die Lücke zur Lärmschutzwand der Wohnbebauung und beherbergt beide Geräteräume im Erdreich.

    Innere Organisation
    Das auf der Nordseite angeordnete Foyer empfängt die Sportler großzügig und einladend und bildet den selbstverständlichen Übergang in die beiden Hallen aus. Kompakt und effizient finden sich Besucher–WC und Teeküche im Foyer wieder. Die Sportler erreichen die Umkleideeinheiten auf kurzem Wege im Erdgeschoss, um dann kreuzungsfrei mit zwei Zugängen die Sporthalle zu betreten. Jeweils eine Behinderten-Umkleideeinheit samt WC befindet sich ebenfalls in der Foyerebene. Im Obergeschoss organisiert sich in südlicher Lage die Sammelumkleide, welche von außen zugängig und autark nutzbar ist. Die geforderte Vorgabe der Trennung in Stiefelgang und Turnschuhgang ist in beiden Geschossen erfüllt. Der Hallengang im Obergeschoss ist gleichzeitig über Verglasung und Öffnung in Doppelfunktion als Galerie nutzbar. Eine bauliche einfache Erweiterung der Galerie ist über den Technikraum gegeben. Die mittig angeordneten Geräteräume auf Hallenebene sind in gleicher Weise von beiden Teilen der mittig geteilten Halle erreichbar und verbergen sich unter dem Bereich der Erdaufschüttung auf der Ostseite.

    Konstruktion und Material
    Die Dachkonstruktion über der Halle besteht aus einer Holzleimbinder-Konstruktion auf Stahlstützen.Die Aussteifung in Nordsüd-Richtung erfolgt über die Stirnwände im Osten und Westen. Das Dachtragwerk ist über sechs Träger definiert, die Fassadenflächen reagieren entsprechend auf die Anforderung der Himmelsrichtung. Während die Süd- und Westfassade der Träger eine geschlossene Fassade tragen (Integration von PV-Anlage), sind die Nord-und Ostflächen verglast. So gelingt es die gesamte Hallenfläche mit blendfreiem Tageslicht zu versorgen, gleichzeitig die Traufe und damit das erlebbare Gebäudevolumen auf einer Höhe von 7,60 m abzuschließen. Die opaken Flächen erhalten eine senkrecht strukturierte hinterlüftete Metallfassade aus vorkonfektioniertem Wellblech. In Farbe hell – Weißsilber, in Ausführung hoch wärmegedämmt. Die perforierten Bleche sind mit unterschiedlich hohen Wellen und Breiten gewählt und fügen sich daher zu einem einheitlichen, wie auch gleichzeitig differenzierten Bild. Die verglasten Fassadenflächen erhalten eine wirtschaftliche Unterteilung und sind stehend formatiert. Ein mechanischer Sonnenschutz aus beweglichen Metalllamellen steuert Licht und Wärmeeinfall. Gezielt gewählte Fensteröffnungen erfordern lediglich im Westen einen Sonnenschutz.

    Außenanlagen
    Die neue Halle folgt der Logik der gegebenen Topografie:
    Eingang und neue erkennbare Adresse liegen im Norden des Grundstücks. Ein der Fragestellung optimierter Vorplatz empfängt Sportler der neuen Halle und Besucher der Mehrzweckhalle zugleich. Sichtbar führt eine landschaftliche Freitreppenanlage unmittelbar vom Foyer auf das Niveau des Sportplatzes auf +3.40m. Gezielte Bezüge zu Mannschafts- und Fitnessraum verdeutlichen ergänzend die Aufenthaltsqualität des Freiraumes für Besucher der Mehrzweckhalle. Die bestehende Halle bleibt im Anschluss an die Topografie unverändert. Zugänge, wie auch Fluchtwege auf der Südseite bleiben in Ihrer Funktion erhalten – die bestehende Böschung bleibt baulich unverändert. Ein Belag mit strukturiertem Betonwerksteinen sowohl im Vorplatz, Foyer wie auch im Freiraum der Treppenanlage schaffen Bezüge, sowie gute und schwellenlose Übergänge zwischen innen und außen. 22 flächenwirtschaftlich angeordnete Stellplätze sortieren sich selbstverständlich in Verlängerung der bestehenden Anlage und Fahrwege ein. Die Parkplatzflächen erhalten ergänzend einen „grünen Belag“ (mit Rasengittersteinen). 20 Fahrradstellplätze befinden sich überdacht unmittelbar im Bereich des Eingangs. Im südlichen Abschluss der baulichen Maßnahme, im Übergang zum bestehenden Sportplatz werden ergänzend Bäume gesetzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf komprimiert das geforderte Programm für die Sporthalle und die Nebenräume in einem zweigeschossigen Gebäude mit einer Nord-Süd- Ausrichtung der Zweifeldsporthalle.

    Der Anschluss an die bestehende Sporthalle wird durch ein eingeschossiges, zurückspringendes und verglastes Foyer gebildet, das als Fuge zwischen dem Altbau und dem Neubau wirkt.

    Der entstehende Vorplatz zur Straßenseite wird teilweise überdacht und bietet somit auch für Veranstaltungen eine außenräumliche Erweiterungsoption des Foyers.

    Die große Offenheit der nördlichen Foyerfassade wird auf der südlichen Seite durch die Teeküche eingeschränkt, an die sich im Weiteren der Mannschaftbesprechungsraum anschließt. Die nachfolgende Anordnung des Tanz- und Fitness- Raums schränkt die Fläche der Fuge zur bestehenden Sporthalle ein. Die Qualität dieses Außenraums wird auch durch den gewählten treppenartigen Anschluss an die 4m höher liegende Topografie der Sportaußenanlagen geschmälert.

    Die innenräumliche Organisation der Umkleide, Sanitär- und Nebenräume im Erdgeschoss des zweigeschossigen Baukörpers ist hingegen funktional sehr gut und kompakt gelöst.

    Dabei werden alle Anforderungen an die Erschießung (Erreichbarkeit der Umkleiden mit getrenntem Straßenzugang und Turnschuhgang, direkte Erreichbarkeit der Sporthallen für Besucher und Geräte, Besucher-WC’s) überzeugend umgesetzt. Die geforderten Umkleiden für die Sport-Außenflächen sind zusammen mit den Technikflächen im Obergeschoss geplant, sind von der Foyerebene über eine einläufige Treppe direkt erreichbar und erhalten im Obergeschoss den geforderten direkten Zugang ebenerdig von der Sportplatzebene. Die neue Sporthalle bekommt dadurch einen zweiten Zugang auch von der Südseite und schafft eine Verbindung zwischen den verschiedenen Teil des Sportcampus Wersen.

    Konstruktiv ist die Halle in zwei Ebenen geteilt. Das Erdgeschoss, das im südlichen Teil erdberührend ist, wird als Stahlbetonkonstruktion ausgebildet. Der Obergeschossteil mit der Dachkonstruktion wird als Holzkonstruktion geplant. Die hallenüberspannenden Holzleimbinder-Fachwerke werden als gliederndes Gestaltungsinstrument genutzt und im Wechsel oberseitig oder auf der unteren Ebene der Fachwerkträger mit der Dachhaut abgeschlossen. Dadurch entsteht insbesondere für die Westfassade eine Gliederung, die gegenüber der kleinteiligen Einfamilienhausstruktur eine fast schon skulpturale Maßstäblichkeit bietet.

    Die Fassadenverkleidung aus gelochten und in unterschiedlichen Abständen gewellten Metallblechen überzeugt mit seiner dadurch klaren architektonischen Haltung für die Planungsaufgabe. Die Metallflächen wechseln sich je nach Ausrichtung der Fassade mit großformatigen Verglasungflächen ab, wobei die Position der Glasflächen im Obergeschoss funktional teilweise infrage zu stellen ist.

    Insgesamt kann der städtebauliche und konzeptionelle Ansatz zwar überzeugen, zeigt aber auch funktionale Mängel: das recht kleine Foyer, den südlichen engen und schluchtartig wirkenden Ausgang des Foyers, die nicht barrierefreie Erreichbarkeit der südlichen Sportanlage, und die Position und schlechte Tagesbelichtung des Fitness- und Tanzraums.


INFO-BOX

Angelegt am 11.02.2020, 12:55
Zuletzt aktualisiert 14.02.2020, 12:08
Beitrags-ID 4-187089
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