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  • DE-76829 Landau in der Pfalz
  • 03/2020
  • Ergebnis
  • (ID 2-359497)

Neues Stadtquartier Südwest in Landau in der Pfalz


  • 1. Preis

    Blick in die Grüne Mitte, © faktorgruen, Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    43.200 EUR

    Erläuterungstext
    Komplettierung des Stadtgrundrisses

    Am westlichen Stadtrand von Landau entsteht ein flächensparender und klimagerechter Stadtteil in besonderer Lage auf einer markanten Anhöhe. Diese Qualität mit seinen Fernblicken in die angrenzenden Weinanbaugebiete und den Höhenzügen des Pfälzer Waldes wird durch das Konzept betont und zu einem Alleinstellungsmerkmal des neuen Quartiers gemacht.

    Neben der Lagequalität und den funktionalen Anforderungen an den solaren Städtebau wird zudem eine gemeinschaftliche Quartiersmitte für die Akzeptanz und den Erfolg des Projektes von Bedeutung werden. Ziel ist ein familienfreundlicher naturbezogener Stadtteil, der über eine hohe Freiraumqualität Gemeinschaft und Kommunikation fördert und somit die Voraussetzung für eine hohe Wohn- und Lebensqualität im Quartier schafft.

    Das Konzept entwickelt sich aus den angrenzenden Stadtgebieten heraus und komplettiert den Stadtgrundriß zu einem zusammenhängenden Stadtraum. Die freiräumlichen Verknüpfungen erfolgen über einen Grünzug als Grüner Anger der auf der Anhöhe mittig durch das Gebiet geführt wird. Dieser bildet das städtebauliche Rückgrat des neuen Quartiers, wo sich Spiel-und Aufenthaltsflächen sowie kleine Platzsituationen mit markanten Aussichtpunkten befinden.

    Quartiersstruktur

    Das Konzept sieht Baufelder mit offenen Hofstrukturen vor, die als eigenständige Quartiersbereiche frei im Landschaftsraum liegen, das Gesamtgebiet gliedern und abschnittsweise entwickelt werden können. Die Hausgruppen mit unterschiedlicher Dichte und Gebäudetypologie erzeugen offene Stadtquartiere für eine durchmischte Bewohnerschaft.

    Entlang der Wollmesheimer Straße befinden sich kompakte 3-4-geschossige Wohnhöfe die hier den ersten Bauabschnitt bilden und dem Anger seine Raumkante geben. Eine geschlossene Bebauung bildet den baulichen Schallschutz zur Wollmesheimer Straße aus.

    Die Quartiersbereiche gruppieren sich um Nachbarschaftsplätze mit Spiel-und Kommunikationsflächen welche Gemeinsamkeit und Identität innerhalb der Einzelquartiere fördern. Die Baufelder können flexibel mit unterschiedlichen Typologien bebaut werden, wobei die Hofstrukturen für die Baugruppenmodelle und Gemeinschaftswohnen vorgesehen sind.

    In den Randbereichen befinden sich locker gestellte und kleinteiligere Einzelgebäude für freifinanzierten Wohnungsbau. Die Gebäude nehmen in Höhe und Körnigkeit zum freien Landschaftsraum hin ab und schaffen einen fließenden Übergang.

    Die Impulse der Baugruppen werden genutzt um die öffentlichen Räume zu beleben. In den Erdgeschosszonen zu den Nachbarschaftsplätzen und zum Anger hin befinden sich kleinere gewerbliche Einheiten, Kombinationen aus Wohnen und Arbeiten und Gemeinschaftsräume der Hausgemeinschaften.

    Dieser klare und robuste Rahmen schafft die Voraussetzung für eine kleinteilige bauliche Entwicklung mit einem Höchstmaß an individueller Freiheit. Durch wenige typologische Vorgaben wird die Grundstruktur für ein neues Stadtquartier geschaffen werden - stadträumlich integriert und flexibel für neue Konzepte.

    Südwest Park

    Das zentrale Grünelement für das Quartier wird durch den Südwest Park als öffentliche Parkanlage ausgebildet. Dieser bildet zukünftig als Teil des Grünen Stadtrings eine übergeordnete Fuß- und Radwegeverbindung, in welche die neuen Wegeachsen des Quartiers einmünden. Die Parkanlage verbindet sich mit den Freiräumen des neuen Stadtquartiers und lässt so einen großen zusammenhängenden Grünraum entstehen.

    Der neu gestaltete Grünzug schafft kommunikative gemeinschaftliche Spiel- und Freizeitflächen sowohl für das neue Quartier, als auch für die angrenzenden Wohnquartiere und fördert so das Zusammenwachsen von Alt und Neu. Die Grünflächen werden naturnah ausgebildet, bieten gleichzeitig die erforderlichen Ausgleichsflächen für das Gebiet und nehmen die Retentionsflächen für die Rückhaltung des anfallenden Regenwassers auf.

    Die vorhandenen Kleingärten flankieren den Grünzug, der erhaltenswerte Baumbestand wird integriert. Eine durchgängige Baumreihe stellt die Habitatverbindung, z.B. für Fledermäuse her. Durch die Pflanzung von neuen Obstbäumen wird der heutige prägende Charakter der Streuobstwiesen beibehalten. Durch die hohe Freiraumqualität und ökologische Funktion trägt der Park zur Qualitätssteigerung des gesamten Stadtgebiets bei und fördert die Identifikation mit dem Quartier.

    Grüner Anger als zentrale Quartiersmitte

    Als Gegenüber zum Südwest Park wird auf dem Höhenrücken ein städtischer Anger mit urbanem Charakter ausgebildet. Er fügt sich als freiräumliches Element wie selbstverständlich in die örtliche Situation ein und bildet die zentrale Mitte des neuen Quartiers. Spiel- und Sportflächen sind hierin eingebettet und bilden kommunikative Begegnungsorte.

    Von hier aus werden die Quartiere erschlossen und erhalten hierüber ihre Adresse. Hochwertige Architekturen bilden eine markante Raumkante aus und repräsentieren den neuen Stadtteil. Der grüne Anger verleiht dem neuen Stadtteil seine Eigenständigkeit und Identität als grüne Visitenkarte.

    Quartiersmitte

    In den Zufahrtsbereichen entstehen zwei Entreeplätze die in das Quartier hineinführen und die Wollmesheimer Straße mit dem Anger verbinden. Hier befinden sich zwei Quartiersgaragen welche frühzeitig den Parkraum bereitstellt. Die Zugänge der Garagen orientieren sich zum Anger hin wodurch ein belebter und kommunikativer Stadtraum geschaffen wird.

    Großzügige Sitzstufen schaffen Aufenthaltsbereiche mit hoher Verweilqualität und öffnen den Platz mit Blick über den Anger hinweg. Die besondere Lage und die einzigartigen Ausblicke auf den Pfälzer Wald werden inszeniert und für alle Bewohner erlebbar gemacht.

    Der Platzraum bildet die kommunikative Mitte des neuen Wohngebietes und dient als Ort für öffentliches und gemeinschaftliches Leben. Er wird durch das Quartiershaus mit dem Lebensmittelmarkt und der Kita mit dem Familienzentrum gerahmt, die hier als Magneten wirken. In den Obergeschossen können sich Räume sowohl für soziale Einrichtungen und Arztpraxen befinden als auch Sonderwohnformen.

    Regenwasserkonzept

    Für die Entwässerung des gesamten Gebietes wird ein dezentrales Regenwassermanagement in drei Stufen vorgeschlagen, mit dem Ziel, das anfallende Regenwasser möglichst lange auf dem Gebiet zurückzuhalten bzw. einer Mehrfachnutzung zuzuführen.

    In einer ersten Stufe wird das anfallende Regenwasser aus den privaten Flächen in dezentralen Retentionszisternen gesammelt, auf dem Grundstück zurückgehalten und in Form von Grauwassernutzung zur Gartenbewässerung oder für die Toilettenspülung genutzt. Dadurch kann auch der Verbrauch an kostbarem Trinkwasser reduziert werden. Lediglich ein Notüberlauf wird über die offenen Mulden abgeleitet. Durch eine anteilige Dachbegrünung kann das anfallende Regenwasser aus den privaten Flächen zusätzlich reduziert werden.

    Das Regenwasser aus den öffentlichen Straßen- und Platzflächen in den Quartieren wird in einem Netz aus offenen Rinnen gesammelt und den Retentionsmulden in den grünen Fugen zwischen den Quartieren zugeführt.

    Über diese Rasenmulden wird schließlich als dritter Baustein das Regenwasser am tiefsten Punkt des Geländes innerhalb des Grünzugs in einem Regenrückhaltebecken gesammelt, zurückgehalten und in verzögerter Form in den Birnbach abgeleitet. Aufgrund der Höhensituation erfolgt die Zuleitung über einen unterirdischen Regenwasserkanal.

    Durch die hohe Verweildauer des Wassers in den begrünten Mulden kann ein Teil des Wassers verdunsten oder es versickert bereits in den Vegetationsflächen. Die offenen Regenwassermulden tragen so gleichzeitig zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Die Investitionskosten können durch den Entfall aufwendiger unterirdischer Kanäle zugunsten eines offenen Systems minimiert werden, das Thema der Regenwasserbewirtschaftung wird als ökologische Qualität sichtbar und erlebbar gemacht und trägt zum positiven Image der Siedlung bei.

    Grünfugen als Landschaftsfenster

    Die Baufelder des neuen Wohnquartiers werden durch Grünfugen gegliedert, die auch die einzelnen Bauabschnitte definieren. Es entsteht eine gute Orientierung innerhalb des gesamten Quartiers und eine Ablesbarkeit der einzelnen Felder. Die Grünfugen übernehmen die Funktion der Regenwasserrückhaltung und sorgen als Kaltluftschneisen für Durchlüftung und Verbesserung des Kleinklimas. Als Landschaftsfenster rahmen sie die Ausblicke in die Landschaft.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.