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  • DE-16727 Velten
  • 03/2020
  • Ergebnis
  • (ID 2-346926)

Neubau Kindertagesstätte in Velten-Süd


  • 3. Preis

    Perspektive Eingangshalle, © STUDIOKUBIK Architekten

    Architekten
    STUDIOKUBIK Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Helen Neuenkirchen

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: FUGMANN JANOTTA PARTNER Landschaftsarchitekten und Landschaftsplaner bdla, Berlin (DE)

    Preisgeld
    7.935 EUR

    Erläuterungstext
    PLATZ.HAUS.GARTEN
    Die Geschichte des Ortes wird durch einen modernen Holzbau fortgeschrieben. Durch eine einfache Geste wird der Außenraum zoniert und bildet eine logische Abfolge von Vorplatz, Foyer und Garten. Der klar gegliederte Baukörper formt im Inneren eine sonnendurchflutete Spiellandschaft. mit spannungsvollem Wechselspiel von Enge und Weite und flexibel schaltbaren Raumkonstellationen. Das zentrale Foyer ist das Herzstück des Hauses und bildet den Empfang, ist Treffpunkt und Ort für vielfältige Veranstaltungen für Groß und klein. Die modulare Bauweise mit vorgefertigten Bauteilen aus nachwachsenden Baustoffen ist nachhaltig und schafft mit sichtbar belassenen Oberflächen eine natürliche Atmosphäre.
    STÄDTEBAU
    Der Großform der Siedlung in Velten Süd wurde im Zuge des Rückbaus zwei Baukörper entfernt, die das Entree der Siedlung von Osten her bildeten. Der schmale Grundstückszuschnitt des Neubaus zeugt noch von der ursprünglichen Zeilenbebauung, darüber hinaus liegt das Grundstück am Anfang einer Reihung von öffentlichen Gebäuden, die die Mitte der Siedlung bilden und nach allen Seiten in das Quartier wirken.
    Der schmale Neubau nimmt sowohl die Zeilenbebauung der umliegenden Wohngebäude als auch die Gabäudefluchten der benachbarten Turnhalle und Kita durch den Rücksprung im Westen auf. Er komplettiert die Großform der Siedlung und bildet den Anfangs- und Schlusspunkt des Bandes öffentlicher Bauten. Durch den Knick wird ein Vorplatz hin zur Mitte des Quartiers und eine zusammenhängende, süd- orientierte und an den Spielpark angrenzende Außenspielfläche geschaffen.
    FUNKTION
    Der Vorplatz leitet zum Eingang der Kita in der Mitte des Gebäudes. Das zweigeschossige Foyer leitet den Blick weiter in den Garten der Kita. Durch Faltwände lässt sich der Bewegungsraum dem Foyer zuschalten, die Treppe ins Obergeschoss ist sogleich Spiellandschaft, Tribüne und Bühne und verbindet vielfältige Nutzungsszenarien. Das Foyer bildet das Verbindungsgelenk der verschiedenen Zonen. Es lässt vielfältige Sichtverbindungen in das Obergeschoss zu und ist Treffpunkt.
    Von dort aus gelangt man in die beiden Flügel, im östlichen Teil sind die Krippenkinder, im westlichen Teil die Kinder über drei Jahren.
    Der Flur ist Teil der Spiellandschaft. Er gliedert sich durch den Rhythmus der Gruppenräume und weitet sich zu den Garderoben auf. Alle Gruppenräume orientieren sich nach Süden zum Garten und haben direkten Zugang zu eigenen Außenspielbereichen mit Terrassen. Ähnlich dem innenliegenden Spielflur bildet die vorgestellte Balkonanlage Terrassenflächen aus und leitet über Außentreppen und Rutschen direkt in den Garten. Gruppen- und Nebenräume können zu größeren Raumeinheiten verbunden werden. In der alltäglichen Betreuung sind so vielfältige Raumkonstellationen zwischen Gruppen- und deren Nebenräumen sowie Flur und Terrassenbereichen möglich.
    KONSTRUKTION UND NACHHALTIGKEIT
    Das nicht unterkellerte Gebäude ist ein konstruktiver Holzbau in Ständerbauweise mit Hohlkasten- Akustikdecken. Natürliche belassenene Oberflächen und großzügige Isolierglas-Fenster schaffen helle Räume voller Atmosphäre. Die Geschichte der Präfabrikation in der Siedlung wird in einem modernen Kapitel fortgeschrieben. Die modulare Struktur des Gebäudes lässt einen hoher Grad an Vorfertigung und eine schnelle Bauzeit zu. Die zurückhaltend neutrale Gestaltung der Räume wird zur Leinwand der kleinen Nutzer. Die Gruppenräume weiten sich zum Außenraum auf. Die keilförmigen Nebenräume rhythmisieren die Erschließungsflächen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das langgestreckte 2-geschossige Gebäude fügt sich in seinem Zuschnitt überzeugend in die durch Blockbebauung geprägte Siedlung ein, ohne maßstabslos zu wirken. Der schmale Neubau nimmt schlüssig sowohl die Gebäudefluchten der angrenzenden Zeilenbebauung als auch der benachbarten Sporthalle auf. Durch den daraus entstehenden Knick wird auf der einen Seite ein ortsprägender Vor-platz gebildet und auf der anderen Seite räumlich überzeugend in einen großen zusammenhängenden Spielpark übergeleitet.
    Insgesamt werden die Räume des Stadtquartiers durch die neue Kindertagesstätte schlüssig ergänzt und mit der kompakten Bebauung auf der Westseite des Grundstücks entsteht genügend Freiraum für zukünftige Entwicklungen.
    Durch die 2-geschossige Bauweise werden großzügige Flächen mit vielfältigen Qualitäten angeboten. Auf der Nordseite entsteht überzeugend ein Vorplatz, der als Bewegungsfläche und Aufenthaltsraum gestaltet wird. Im östlichen Bereich wird ein durch unterschiedliche Zonen geprägter Kita-Garten ange-boten, der überzeugend durch verbindende Wege erschlossen wird.
    Die Anordnung der Nebennutzungen auf der Westseite des Gebäudes ist wenig überzeugend, da hier eine wichtige Verbindung und Hauptwegebereiche in die rückwärtigen öffentlichen Freibereiche beste-hen. An der Nordost Ecke der Freiflächen bleibt durch die kompakte Lösung Raum für eine kleine öf-fentliche Grünfläche, die eine wichtige diagonale Erschließung zu den rückwärtigen Freiflächen herstellt.
    Die Nutzungsdisposition des 2-geschossigen Gebäudes ist sehr einfach und funktional. Die Anordnung des Eingangsbereiches überzeugt, im Knick des Gebäudes wird ein gestaltprägender, sehr schön aus-formulierter 2-geschossiger Eingangsraum entwickelt. Die Verteilung der Nutzung und Unterbringung der Krippengruppen auf zwei unterschiedlichen Geschossen wird als wenig überzeugend angesehen – die Wege zwischen den Krippengruppen sind zu lang, alle Wege führen über die zentrale Treppenan-lage. Darüber hinaus wird die Ausbildung der Garderoben im Flurbereich insbesondere in dem schma-leren Ostflügel des Gebäudes als nur wenig überzeugend angesehen.
    Positiv bewertet wird die vorgeschlagene modulare Holzbauweise, die eine in der Materialität angemes-sene, nachhaltige Konstruktion verspricht. Allerdings wird der Alterungsprozess der Lärchenholz-Fas-sade im Preisgericht kontrovers diskutiert. Die Fassaden des Gebäudes mit den vorgeschlagenen Öff-nungen auf der Straßenseite erscheinen in ihrer Proportion zu wenig gegliedert. Die offene Südfassade verspricht großzügige Verbindungen zum Außenraum.
    Durch die kompakte 2-geschossige und modulare Bauweise bietet das Gebäude die Möglichkeit einer kostengünstigen Umsetzung und durch einen großen Anteil an vorgefertigten Bauteilen eine vermutlich kurze Bauzeit.