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  • DE-86911 Dießen a. Ammersee
  • 04/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-10995)

Ideenwettbewerb Seeanlagen Dießen


  • Ankauf

    Entwurfskonzept

    Architekten
    o5 architekten bda - raab hafke lang, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Jan-Henrik Hafke Ruben Lang Joachim F. Raab Marcus Monreal

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: CB Landschaften, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Die Seeanlagen in der Marktgemeinde Diessen zeichnen sich bereits in der heutigen Situation durch besondere Qualitäten aus.

    Seeblicke, etablierte historische Parkbereiche und Nutzungen wie Badeanstalt, Segelclub, Ausstellungspavillon oder Festwiese, eine Vielzahl privater Anleger, der Dampfersteg, die Uferbebauung der Fischerhütten, aber auch die sonstigen zurückhaltenden baulichen Interventionen verleihen dem Ort schon heute große Anziehungskraft.
    Auf der anderen Seite der Bahnanlagen schließt der Diessener Ortskern an, dessen lange Tradition in der prägnanten Struktur und zahlreichen Sehenswürdigkeiten ablesbar ist.

    Die Herausforderung des Wettbewerbs besteht für uns daher zunächst in der Klärung der räumlichen Beziehung von Stadtraum und Seeanlage sowie der Weiterentwicklung vorhandener Raumbegabungen unter besonderer Würdigung der traditionellen Bindungen des Ortes.


    Ortskern, Seeanlagen und Uferlandschaft.

    Die Qualität des Ortskerns wird in der typischen historischen Gassenstruktur und den von maßvoller Bebauung begleiteten Straßenplätzen sichtbar. In der unmittelbar an die Seeanlagen angrenzenden Ortslage gibt die stärkere West-Ost-Ausrichtung der Altstadtgassen deutliche Hinweise auf die Bedeutung des Bahnhofs und der Lagegunst am See.

    Die Seeanlagen selbst überzeugen dort am stärksten wo der See ganz nah ist, im Bereich des Ufers und der Steganlagen, wo ein Schritt über das Wasser möglich erscheint oder zumindest ein flatterndes Segel die Hoffnung auf eine Bootsfahrt nährt.

    Das vorliegende Konzept setzt an diesen historischen und lagebedingten Qualitäten an. Mit wenigen lenkenden Maßnahmen können direkte Sichtbeziehungen und Bewegungslinien zwischen der Ortslage und dem See hergestellt werden.

    Sichtbarrieren aus mehrjähriger Spontanvegetation werden unter Sicherung vorhandener wertvoller Altbaumbestände beseitigt. Steganlagen können durch sukzessive Erneuerung so umgebaut werden, dass der Charakter des Ortes gewahrt bleibt und zugleich selbsterklärende Bezüge in die Altstadt geschaffen werden.

    Mit der engen Anbindung des Bahnhofs und der Entwicklung des großen Anlegers (Dampfersteg) als Verlängerung der Hauptachse über das Rathaus zum Münster, erfolgen Schwerpunktsetzungen bei der touristischen Erschließung der Seeanlagen.

    Die Stadt stellt wieder den Kontakt zum Seeufer her. Zugleich werden die unterschiedlichen Bestandsnutzungen und die neuen Flächenangebote der Seeanlagen in eine einfache Netzstruktur eingebunden.

    Als wesentliche Qualität der bestehenden Situation wird ebenfalls die vorhandene enge Nachbarschaft privater, gemeinschaftlicher und öffentlicher Zuständig- und Zugänglichkeiten verstanden. Um auch bei zunehmendem Nutzungsdruck Angebotsvielfalt und Verhaltenssicherheit aller Nutzer zu gewährleisten, bildet die dargestellte Netzstruktur den Nutzungs- und Zuständigkeitswechsel erkennbar ab. Auch die Sportanlagen südlich der Boxleranlagen können in diesem Sinne als angelagerte Nutzungsfelder interpretiert werden.

    Neben den unmittelbaren West-Ost Beziehungen in die Stadt gibt die neue Uferpromenade eine durchgängige qualitätvolle Orientierung der öffentlichen Uferlagen. Je nach Situation ermöglichen Höhenstaffelungen den unmittelbaren Zugang ans Wasser (Boxler-Anlagen), den erhabenen Platz am See (Zentraler Bereich) oder den Seeblick über den ungestörten Schilfgürtel (Festplatz / Liegewiese). Die neue Brücke ist Bestandteil dieser Orientierungs- und Bewegungslinie am Wasser.
    Ausstattungen in Form von Bänken, Beleuchtung und Müllbehältern sind ebenfalls hier zugeordnet.

    In Bezug auf die Erschließung der Uferbereiche ist der neue Dampfersteg von besonderer Bedeutung. Durch eine abgesetzte Ebene rückt er bereits im Bereich des Mühlbachs an die Wasserlinie heran und schafft in seiner Fortführung als Sonnendeck neue, südexponierte Aufenthaltsbereiche auf dem See.

    Die Seestraße bleibt als prägnante interne Erschließung im rückwärtigen Raum erhalten. Neue Aufenthaltsbereiche, Vegetationsflächen und Nutzungen, wie der vorhandene Spielplatz, werden als abwechslungsreiche Raumfolge geordnet.

    Eine durch die Sichtachsen zum Ortskern gegliederte, doppelte Baumreihe gibt der Gesamtanlage Stabilität zur Bahn und ist gleichwohl als Signal gegenüber der Stadt zu verstehen, dass es auch hier neue Angebote für aktive Freizeitnutzungen zu entdecken gibt.

    Der übergeordnete Radweg wird als schnelle Passage der Seeanlagen parallel zur Seestraße auf der Ebene der Bahnanlage über den Mühlbach geführt.
    Die Durchgangshöhe der Bahnunterführung kann durch einen Neubau der Brücke und eine geringfügige Gehwegabsenkung deutlich vergrößert werden.

    Einem Teil der Bestandsbäume werden kreissegmentförmige Bänke zugeordnet. Sie unterstreichen den besonderen Charme der prägnanten Bestandssetzungen bis weit in die Seeanlagen hinein. Eingangsbereich, Festwiese, Spielplatz und zentraler Bereich werden so auch in Zeiten schwächerer Frequentierung spielerisch besetzt.


    Besondere Nutzungen in ausgewählten Teilflächen

    Zentraler Bereich

    Im zentralen Bereich wird der Galeriestandort um die Seegalerie erweitert. Der Ausstellungsraum und die Gastronomie nehmen Bezug auf den vorhandenen Kontext: Die Typologie der Fischerhütten - Materialien, Dachformen und Gliederung der Baumassen - werden aufgenommen und entsprechend der neuen Nutzungen interpretiert. Gewissermaßen amphibisch, gelegen zwischen Wasser und Land, entstehen neue Identifikationspunkte für die Stadt Diessen am Ammersee.
    Beide Funktionen sind über die Eingangsfuge vom Platz aus zu erschließen und räumlich zusammenschaltbar. Die Anlieferung erfolgt über Nordseite. Im Anschluss an die Seegalerie befindet sich die Gastronomie mit vorgelagerter Terrasse und Ammerseeblick.
    Die Gestalt und Maßstäblichkeit der Fischerhütten wird im Inneren des Ausstellungsgebäudes zur raumbildenden Struktur. Es entstehen gleichgroße Bereiche, die flexibel zusammenschaltbar oder abzutrennen sind. Die nördlichen Teile der Satteldächer dienen der natürlichen Belichtung. Schiebetore gewährleisten den Hochwasserschutz und ermöglichen die großzügige Öffnung zum Außenraum.

    Die Platzfläche bleibt durch die Beschränkung auf ein einfaches Grundgerüst offen für unterschiedlichste Veranstaltungen. Lediglich die dauerhaft eingerichteten Sitzangebote, einschließlich der Raseninsel an der Seepromenade, bespielen den Platz in der Fläche. Durch die Nutzung als Open-Air-Galerie und Caféterrasse wird er zusätzlich belebt.

    Boxler-Anlagen

    Die Kneipp- und die Minigolfanlage verbleiben in den Boxler-Anlagen, werden jedoch neu platziert. Während die Minigolfanlage in die Seitenfläche angrenzend zu Bahn und Mühlbach rückt, wird die Kneippanlage am vorhandenen Standort neu aufgebaut. Ziel der Neuordnung ist die gute Erreichbarkeit und Sichtbarkeit der Angebote, bei gleichzeitigem Abbau von Barrieren innerhalb der Parkfläche. Für die Angebotsfläche der Sommergastronomie kann seeseitig die Lagegunst an der Promenade voll ausgenutzt werden. Eine Bewirtschaftung aus dem zentralen Platzbereich oder der nahen Badeanstalt ist denkbar.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.