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  • DE-10247 Berlin
  • 08/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-11115)

Bezirkszentralbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg Frankfurter Allee 14a


  • 1. Preis

    Schwarzplan / Perspektive Aussenansicht

    Architekten
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Lau Patrick, Herbert Hussmann, Alexander Frederik Raab, Anja Retzlaff, Herbert Hussmann Patrick Lau Alexander Raab Anja Retzlaff

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: StudioC, Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: Ingenieurgesellschaft Ridder Meyn Nuckel mbH, Norderstedt (DE)

    Erläuterungstext
    BEZIRKSZENTRALBIBLIOTHEK FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG BERLIN




    Konzept

    Die ehemalige Schule in Plattenbauweise liegt in zweiter Reihe hinter der Frankfurter Allee, in einem mit Grün- und Freiflächen durchzogenen Blockinnenbereich. Die umgebende Bebauung aus diversen Bauzeiten beherbergt unterschiedliche Nutzungen, vorwiegend Wohnen, aber auch öffentliche Nutzungen wie dem Gymnasium und der Sporthalle auf den Nachbargrundstücken. Die zentrale Aufgabe der neuen Bezirksbibliothek besteht neben der Aufbewahrung und Bereitstellung von Medien in der Bildung eines Ortes der Kommunikation. Die Bibliothek stellt ein neues Quartierszentrum dar: als Treffpunkt für Schüler, Jugendliche und Leseratten jeden Alters, als Ausflugsziel für Familien und Senioren für Freizeit und Bildung. Diesem Anspruch ist die Gestaltung des Umbaus geschuldet.

    Der Vorplatz bildet als städtischer Ort den Rahmen für die Erschließung des Bibliotheksbaus. In Ergänzung zum bestehenden Baumbestand wird der neue Bibliotheksplatz durch Stadtmöbel, einem städtischen Pflaster, den Fahrradsstellplätzen und teils ebenerdigen, teils abgesetzen Rasenflächen neu strukturiert. Eine großzügige Freitreppe mit Rampenanlage führt vom Platzniveau hinauf auf die Eingangsebene des Gebäudes. Der neue, verglaste Haupteingang, sowie der Eingang für den unabhängig von den Bibliotheksöffnungszeiten nutzbaren Veranstaltungssaal wirken einladend und gewähren einen Blick ins Gebäudeinnere.

    Der Besucher betritt die Bibliothek über ein Eingangsfoyer, das sich in der Höhe über 2 Geschosse erstreckt und sowohl einen großzügigen Ausblick auf die Südseite mit dem alten Platanenbestand eröffnet, als auch eine visuelle Verbindung ins 1. Obergeschoss gewährt. Das Foyer dient als Orientierungspunkt, zum Versammeln der eintreffenden Gruppen und Schulklassen und als Treffpunkt für die Besucher.

    Der Raum stellt einen Übergangsbereich dar um sich vom betriebsamen Stadtleben auf die kontemplative und kreative Welt der Bücher, der Musik und der Kunst einzulassen, sich zu sammeln für neue Entdeckungen und Leseabenteuer. Von hier aus verteilen sich die Wege zum Lesecafe und dem dahinter liegenden Vortragssaal, sowie in das Bibliotheksfoyer mit Verbuchungs- und Marktzone, dem als „Glasbox\" in den offenen Raum eingestellten Service-Center und den PC-Informationsplätzen.

    Der eigentliche Bibliotheksbereich mit den Bücherregalen beginnt im 1. OG. Über das neu ausgestaltete Treppenhaus führt der Weg in den einzelnen Geschossen in eine offene Zone mit Leselandschaft und von dort, über den ehemaligen Flur, der nun wieder als Erschließungszone dient, in die verschiedenen thematisch unterteilten Buchbereiche. Die Leseplätze der Themenbereiche befinden sich auf der weniger öffentlichen Südseite des Gebäudes mit einem gefilterten Blick durch den „Lamellenvorhang\" auf den alten Schulhof. Freie Ausblicke bieten sich dem Besucher an unterschiedlichen Gebäudepositionen und akzentuieren die öffentlicheren Funktionsbereiche wie die Lesesäle oder die nach Norden orientierte kleine Bildergalerie. Dadurch entsteht eine besondere Dramaturgie der Aus- und Einblicke und der Belichtungssituationen.

    Einen Blickfang stellt die neue Hülle des Gebäudes dar: Die vor die bestehende Fertigteilfassade gehängten Lamellen-Elemente lassen das Gebäude von außen als Monolith mit wenigen großen Öffnungen erscheinen, im Innern jedoch offenbart sich ein spannungsvolles Wechselspiel aus Fensterflächen mit und ohne Lamellenvorhang, sowie geschlossenen Wandflächen. Unterschiedliche Lamellenstellungen lassen das Licht in changierender Intensität ins Gebäudeinnere. Bei nächtlicher Innenbeleuchtung wirkt der scheinbar schwere Monolith transluzent, leicht und fragil.


    Konstruktion und Materialität

    Aus dem ehemaligen Schulbau wird durch Entfernen aller Innenausbauten ein lichter Bibliotheksbau mit fließenden Innenräumen. Die Tragstruktur bestehend aus Stützen, Riegeln, eingelegten Decken und aussteifenden Wandscheiben bleibt überwiegend erhalten. Die Treppenkerne werden saniert und neu ausgestaltet. Für den sich über 2 Geschosse erstreckenden Eingangsbereich werden 2 Deckenfelder entnommen und eine aussteifende Wand um 2 Felder versetzt.

    Lediglich für die raumhohen Verglasungen, die in der Fassadenansicht als Fensteröffnungen erscheinen, werden die alten Fassadenplatten entfernt.

    Die neue Fassade wird vor die Bestandsfassade gehängt. Sie besteht aus einer schwarz kaschierten Wärmedämmschicht unter vorfabrizierten vorgehängten Elementen als Aluminiumrahmen-konstruktion mit senkrecht eingesetzten Holzlamellen. Die Lamellen sind in Abstimmung auf die Funktionen im Innern in unterschiedlicher Schrägstellung montiert, so dass von Innen wie von Außen ein nuanciertes Fassadenbild entsteht.

    Die gemauerten Innenwände sind glatt verputzt und weiß gestrichen ebenso wie die oberflächenüberarbeitete Bestandstragstruktur aus Beton. Die Decken sind glatt gespachtelt und weiß gestrichen. Ein einfaches Beleuchtungssystem aus aufputzliegenden energiesparenden Leuchten gewährleistet eine gute nächtliche Ausleuchtung der Bibliothek. Die Böden in der Eingangsebene sind mit einem repräsentativen Eichen-Industrieparkett ausgestattet. In allen anderen Ebenen liegt ein Linoleumbelag in warmen Farbtönen, der die verschiedenen Geschosse farblich unterscheidet.


    Wirtschaftlichkeit

    Bei überwiegendem Erhalt der Bausubstanz und nur wenigen, gestalterisch wichtigen Eingriffen in die Baukonstruktion bleibt der enge Kostenrahmen gewahrt.

    Die Fassade wird durch die neu aufgebrachte Dämmung wärmeschutztechnisch optimiert. Durch eine optimierte Fensterverglasung wird der Energieverlust des Gebäudes stark verringert. Zusätzlich wird die Fensterfläche auf der Nordseite stark reduziert. Die Belichtung kann über ausreichende Fensterflächen mit natürlichem Licht erfolgen. Durch die Lamellen wird sowohl der Sonnenschutz gewährleistet, als auch das Tageslicht entsprechend dem Bedarf gezielt in das Gebäudeinnere geleitet. Um auch im Untergeschoss eine natürliche Belichtung für Büroräume und Flurzone zu gewährleisten, werden hier die Trennwände zum Flur in Glas ausgeführt.

    Die nächtliche Beleuchtung erfolgt über effizient angeordnete energiesparende Beleuchtungs-systeme. Die Belüftung der Räume wird weitestgehend über öffenbare Fenster gewährleistet.

    Vorgeschlagen wird eine zusätzliche Dämmung und eine extensive Begrünung des Flachdaches.

    Durch die Verwendung schnell nachwachsender Rohstoffe wird im Sinne der Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit gebaut. Die optimale Nutzung von Tageslicht, die Gewährleistung des sommerlichen Wärmeschutzes durch ausreichende Verschattung und die Berücksichtigung bauökologischer Belange bei der Produktauswahl sind Grundlagen des hohen Nutzerkomforts des Gebäudes.


    Konstruktive Eingriffe in die Tragstruktur

    Luftraum im Foyer
    Im Bereich des Eingangsfoyers werden in der Decke über EG in zwei Achsabschnitten die Fertigteil-Deckenelemente entfernt. Eine Entfernung der Fertigteilelemente ist unproblematisch, weil die Fertigteilelemente einachsig gespannt sind und keine Durchlaufwirkung zu den Deckenelementen im Bereich Flur besteht. Der Außenriegel auf der Südseite bleibt bestehen. Die Brüstungselemente im Bereich des Foyers werden abgenommen und durch geschosshohe Verglasungselemente ersetzt. Die Belastung des Riegels ist kleiner als zuvor. Die Stütze im Bereich des zweigeschossigen Foyers wird gegen Ausknicken in Richtung senkrecht zur Fassade durch Anordnung eines Verstärkungsprofils aus Stahl verstärkt. Der Anschluss erfolgt über eine umgreifende („korsettartige\") Stahlkonstruktion mit einer F90-Verkleidung..

    Ersetzen einer aussteifenden Wand
    Eine aussteifende Wand muss versetzt werden. Diese Wand befindet sich in der Längsachse. Sie wird um zwei Felder auf dieser Achse versetzt. Die neue aussteifende Wand kann als kraftschlüssig eingebaute Mauerwerkswand realisiert werden. Um auf eine neue Gründung im Bereich der neuen Wand verzichten zu können, wird vorgeschlagen, die aussteifende Wand im Untergeschoss als wandartiger Träger in Stahlbeton auszuführen. Es können in diesem Fall sowohl die Vertikalkräfte als auch das Kräftepaar infolge Aussteifung auf die Einzelfundamente der Stützen abgeleitet werden. Die Betonage kann über Betonieröffnungen zwischen dem Doppelriegel erfolgen. Das Verfahren ist bautechnisch recht einfach und statisch unproblematisch.

    Geschosshohe Fensteröffnungen
    Die bestehenden Brüstungselemente können ohne Einfluss auf die Statik des Gebäudes zurückgebaut werden. Die neuen geschosshohen Fensteröffnungen geben Ihre Lasten direkt an die Deckenscheiben ab.

    Öffnungen in aussteifenden Wänden
    An bestimmten Stellen sind Öffnungen in aussteifende Wände zu brechen. Hier ist zunächst die Wand eingehend zu untersuchen. Der Nachweis der bestehenden aussteifenden Wand, die durch die Öffnung geschwächt ist, über die Anrechnung der vorhandenen Bewehrung scheint möglich. Sollten Zusatzmaßnahmen nötig sein, so kommen Verstärkungen mit aufgeklebten Kohlefaser-lamellen in Frage, die die Zugkräfte an den Ecken der Wandöffnung aufnehmen.

    Aufzugsschacht / WC-Kern
    Hier werden die Deckenelemente des ganzen Feldes entnommen. Der Aufzugsschacht kann in Mauerwerk ausgeführt werden. Zur Verankerung der Aufzugsinstallationen werden Ringbalken jeweils in Deckenhöhe und über den Türen angeordnet. Die restliche Deckenöffnung wird mit Großflächenplatten plus Ortbetonergänzung oder in Vollortbeton geschlossen. Die Fassade ist im Bauzustand ausgesteift, weil die Riegel erhalten werden. Ihre Vertikallast gibt sie nicht an die Decken ab. Die Blockfassade ist als Stapelfassade ausgebildet.

    Anbringen der Verkleidungselemente
    Die vorhandenen Brüstungselemente sind Stahlbeton-Fertigteile, die kassettenförmig ausgeführt und mit Kemalit verkleidet sind. Die Brüstungselemente sind sehr dünn. Das Anbringen von Elementen mittels Dübeln ist problematisch. Weil die Bestandsfassade aus Gründen der Energieersparnis gedämmt werden muss, wird vorgeschlagen, im Bereich des Ringbalkens jeweils zwei Kernbohrungen pro Achsfeld anzubringen. Diese Kernbohrungen durchdringen die Fassadenelemente. In den Bohrlöchern wird kraftschlüssig eine Rundrohrknagge eingebaut, die alle Lasten aus Wärmedämmung (Mineralfaserwolle) und neuen Fassadenelementen direkt in den Ortbetonringanker einleitet.



    PETER W. SCHMIDT ARCHITEKT BDA

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.