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  • DE-75158 Pforzheim
  • 10/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-12359)

Neubau Hilda-Gymnasium mit Dreifachsporthalle


  • 5. Preis


    Architekten
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Lau Patrick, Herbert Hussmann, Alexander Frederik Raab, Anja Retzlaff

    Erläuterungstext
    E R L Ä U T E R U N G | HILDAGYMNASIUM PFORZHEIM

    Städtebau

    Das Baugrundstück liegt im Stadtzentrum von Pforzheim nahe der Fußgängerzone und dem Bahnhof und ist von 4 unterschiedlichen Straßenräumen umgeben. Die Baukörper der Schule und der Sporthalle füllen den zu überbauenden Block ganz aus und schließen so alle vier Straßenfluchten innerhalb der vorhandenen Struktur der Blockrandbebauung. Durch seine Volumetrie und die Fassadengestaltung reagiert der Baukörper auf die differenten straßenräumlichen Situationen. Die Schule ist als 4-geschossiger Hofbautypus konzipiert. Die Sporthalle erscheint, dem stadträumlichen Maßstab angemessen, in der Straßenflucht der Luisenstraße 2-geschossig. Das Sportfeld mit den Nebenräumen ist in der Erde versenkt. Die Pausenbereiche für die Schule bestehen aus 2 charakterlich sehr unterschiedlichen Höfen, dem Innenhof des Schulgebäudes und dem Pausenbereich auf dem Dach der Sporthalle.

    Erschließung

    Die Schule wird von Süd-Osten, von der Innenstadt her auf der Ecke Kiehnlestraße / Poststraße erschlossen. Der Eingang hat den kleinen Platz, den das 50-ger Jahre-Gebäude der Zeitung ausbildet als Gegenüber. Der Eingang ist ins Gebäudeinnere gezogen und bildet so einen überdeckten Vorbereich aus. Ein großzügiger Treppenaufgang von der Kiehnlestraße gleicht den Niveauunterschied zum ebenerdigen Zugang von der Poststraße her aus. Über ein langgestrecktes Foyer mit einläufiger Treppe, das die Dimensionen der Schule erlebbar macht, wird der Bau erschlossen. Der Foyerinnenraum wird mit dem Hofraum durch den durchgehenden Bodenbelag und die öffenbare Glasfassade nicht nur optisch erweitert. Der Innenhof ist in einer kontemplativen Weise gestaltet: eine wassergebundene Decke, unterbrochen von Bereichen, die mit kleinen Bäumen und hohen blühenden Büschen bepflanzt sind, sorgen für eine entspannte Atmosphäre. Vom Innenhof aus erreichen die Schüler den Spiel- und Pausenhof, der sich auf dem Dach der Sporthalle befindet, über eine breite Treppe mit Sitzstufen, die als Treffpunkt dienen und auch von der Theater-Gruppe der Schule bespielt werden können. Dieser Hof mit seinem „harten“ Belag aus Steinplatten wird durch die Oberlichter der Sporthalle gegliedert, die teils als Sitzelemente ausgestaltet sind. Im Süden beschattet eine mit wildem Wein überwachsene Pergola den Pausenbereich.

    Die Sporthalle wird über ein durchgestecktes Foyer erschlossen, das sich durch den gesamten Block wie eine „Gasse“ schiebt und die funktionalen Bereiche Schule und Sport trennt. So kann das Sporthallen-Foyer von der Luisenstraße im Norden ebenso wie von der Kiehnlestraße im Süden betreten werden. Beide Eingänge sind gleichwertig ausgeführt, im Süden können jedoch zusätzlich bei großen Veranstaltungen und Sommerfesten die Fensterelemente geöffnet und der Straßenraum mit einbezogen werden.

    Das Schulhaus

    Das Schulhaus ist um einen Innenhof organisiert. Durch die lineare Erschließung der Anlage ist eine gute Verteilung der Schülerströme und eine übersichtliche Gliederung der Funktionsbereiche gewährleistet. Das Eingangsfoyer im Südflügel öffnet sich mit großen verglasten Drehflügeltüren zum Hof. Gegenüber ist eine ebenfalls öffenbare Raumschicht, bestehend aus Aufenthaltsraum und Musikräumen angeordnet, die bei großen Schulveranstaltungen dem Foyer zugeschaltet werden kann. In der Zwischenzone verläuft eine einläufige, breite Treppenkaskade, die das 4-geschossige Schulhaus in der Vertikalen erlebbar macht. In den Obergeschossen erhält die Erschließungszone zusätzlich natürliches Licht über Bereiche mit großen Fenstern nach Osten und Westen, die die verkehrsreiche Erschließungszone um ruhigere Kommunikationsräume erweitern. Die öffentlichen Funktionsbereiche befinden sich alle der Haupterschließung zugeordnet: im 1. OG die Verwaltung, darüber die Bibliothek, sowie die jeweiligen Fachklassen, die in zusammenhängenden Fachbereichen auf die 3 Unterrichtsgeschosse verteilt sind. Das dem Verwaltungsbereich zugeordnete Lehrerzimmer kann wie eine „Kommandozentrale“ sämtliche Pausenbereiche überblicken. Die Klassenzimmer befinden sich in den sich anschließenden weiteren 3 Gebäudeflügeln die einspännig konzipiert sind. So werden die großzügig dimensioniert Flurbereiche vor den Klassenzimmern, die auch als Aufenthalts- und Aktionszonen dienen mit viel natürlichem Licht versorgt. Die musischen Bereiche sind im Erdgeschoss untergebracht. Die Räume der Bildenden Kunst sind für bilhauerische Arbeiten in den Innenhof erweiterbar. Der Ganztagesbereich mit Speisesaal und Küche ist als Gebäuderiegel auf das Dach der Sporthalle gelegt. Er ist nicht nur dem Pausen-Freibereich zugeordnet, sondern auch direkt mit dem Foyer der Sporthalle verknüpft. Der Speisesaal wird von den Schülern entweder über das 1. OG des Schulhaus-Nordflügels erreicht, oder über die Pausenfläche von außen erschlossen. Im Sommer wird die Glasfassade des Speisesaals geöffnet und das Mittagessen im Freien eingenommen.

    Die Sporthalle

    Die Dreifeld-Sporthalle besetzt die östliche Hälfte des Baufeldes und wird im 2. Bauabschnitt ausgeführt. Das durchgesteckte Hallen-Foyer bietet durch ein Panoramafenster einen guten Überblick über die Sportfelder und die Zuschauertribünen, die vom obersten Hallen-Niveau aus über Stufen nach unten erschlossen werden. Der unter dem Foyerbereich angeordnete Kraftraum mit Blickbeziehung zur Sporthalle ist großzügig Dimensioniert. Die Umkleiden befinden sich auf dem Niveau des Spielfeldes. Eingangsfoyer der Sporthalle und Foyer der Schule sind über eine einläufige Treppe mit einander verknüpft. Der Ganztagesbereich auf dem Dach ist über eine Treppenanlage an die Sporthalle angebunden. In die Fassade der Sporthalle wurde der denkmalgeschützte Bereich der historischen Schulfassade aus dem 19. Jahrhundert integriert.

    Baukonstruktion, Nachhaltigkeit

    Der Baukörper der Schule ist eine Stahlbetonkonstruktion aus zweiachsig gespannten Ortbetondecken und tragenden Stahlbetonwänden. Er wird fugenlos ausgeführt. Die Tiefgarage wird als weiße Wanne mit Rissbreitenbeschränkung konzipiert. Unter der Außenwand zur Sporthalle, die im zweiten Bauabschnitt erstellt werden soll und die wesentlich tiefer gegründet ist, wird zur Überbrückung der Höhendifferenz eine Schlitzwand angeordnet. Die Sporthalle wird im zweiten Bauabschnitt realisiert. Sie wird ca. 8 m tiefer als das Gymnasium gegründet. Auf dem Dach der Sporthalle ist ein Pausenhof angeordnet. Das Sportfeld und die Tribünen sind mit kammergefüllten Stahl-Verbundträgern überspannt. Sie werden als Einfeldträger mit zwei Kragarmen konzipiert, die durch Zugglieder abgespannt werden. Die Dachkonstruktion erreicht durch die Verbundbauausführung die Brandschutzklasse F90.
    Die Fassade ist mit hellem geschlämmten Klinker versehen. Die Fenster werden als Holzfenster ausgeführt. Die Fensterbänder der Unterrichtsräume sind in die Elemente Festverglasung, Öffnungsflügel und Mauerwerksscheiben, die in verschiedenen Fassadenebenen liegen gegliedert. So wird eine Plastizität erzeugt, die zu den unterschiedlichen Tageszeiten in differenzierten Schattenvarianten erscheint. Die Belichtung der Treppenhäuser erfolgt über eine strukturell durchbrochene Fassadenhaut. Die Dachflächen des Schulgebäudes sind extensiv begrünt. Die optimale Nutzung von Tageslicht, die Gewährleistung des sommerlichen Wärmeschutzes durch ausreichende in die Fassade integrierte Verschattungseinrichtungen und die Berücksichtigung bauökologischer Belange bei der Produktauswahl sind Grundlagen des hohen Nutzerkomforts des Gebäudes.

    PETER W. SCHMIDT ARCHITEKT BDA

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf fällt mit seiner aus einem Guss gestalteten Plastizität ins Auge. Der einfache quadratische Bau-körper der Schule nimmt die Höhen der umgebenden Bebauung auf. Der tief in die Erde gelegte Sporthal-lenkubus wirkt entlang der Kiehnle- und Museumstraße zu niedrig und erscheint dort städtebaulich sehr schwach. Die Akzentuierung der Ecke zum Luisenplatz und die Kante an der Luisenstraße werden der dort vorliegenden Situation städtebaulich gerecht; in seiner Ausformung allerdings wird der Eingang am Lui-senplatz kritisiert. Die getrennten Erschließungen zur Schule und Sporthalle liegen richtig. Der Zugang zur Sporthalle ist rück-läufig und wirkt beengt, insbesondere als Ausgang für Großveranstaltungen. Die „Gasse“ als Sporthallenfo-yer mit Blick in die Sporthalle und direktem Zugang von der Tiefgarage wird positiv bewertet, der Treppen-abgang über 2 Geschosse zum Sporthallenniveau ist aber zu eng. Die Verfasser verzichten auf die, im Programm gewünschte, gemeinsame Nutzung eines Foyers. Angeboten werden stattdessen für beide Bereiche ausreichend bemessene und gut zugeschnittene Flächen. Einladend bietet sich die Eingangshalle die Eingangshalle der Schule, zusammen mit den Musikräumen und dem In-nenhof, für Festivitäten an. Hervorzuheben ist die Qualität der ausreichend dimensionierten Pausenflächen und deren Verknüpfung untereinander. Die Lage der Speiseräume auf der oberen Pausenebene können als akzeptabel angesehen werden, trotz Einschränkung der direkten Kombination mit dem Sporthallenfoyer. Die Speiseraumzone bildet ein Rückgrat zur stark befahrenen Luisenstraße und dient so der Qualität des oberen Pausenhofes. Die verschiedenen, für sich funktionierenden, Foyerzonen werden erkauft mit einer relativ ho-hen Kubatur, allerdings wird damit auch ein Mehrwert geschaffen. Der Schulgrundriss ist gut organisiert, die Unterrichtsräume sind günstig orientiert mit Ausnahme einiger zu kleiner Klassenräume. In der Sporthalle sind weniger Zuschauerplätze ausgewiesen als in der Vorgabe ge-fordert, die Sportflächen sind etwas zu groß. Die Arbeit reduziert das Baudenkmal auf das historische Eingangsportal Süd von 1908. Von den ortsgebun-denen Bauteilen bleibt sonst nichts stehen, die Chance eines Dialogs zwischen Alt und Neu bleibt ungenutzt. Die Arbeit lässt im Textteil jeden Hinweis auf ein denkmalpflegerisches Konzept vermissen. Die Absenkung der Sporthalle lässt die Möglichkeit einer Weiterentwicklung in Richtung auf denkmal- oder stadtbildpflegeri-sche Zielsetzungen wegen des hohen technischen Aufwandes fraglich erscheinen, obwohl die Mauerwerk-fassaden dies zulassen würden. Schallschutztechnisch sind die Klassenräume gut verteilt – natürlich belüftete Klassen mit der Orientierung zum Innenhof, mechanisch belüftete zur Straße. Aussagen zur Energieversorgung und Nutzung regenerati-ver Energiequellen fehlen. Der hohe Bruttorauminhalt führt zu höheren Kosten. Der besondere Wert der Wettbewerbsarbeit liegt in der sehr klaren Ausformung der Innen – und Freiräume sowie einer sehr sorgfältigen Grundriss- und Fassadenausarbeitung.