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  • DE Alsbach-Hähnlein
  • 06/2004
  • Ergebnis
  • (ID 2-1283)

Neubau eines Medienzentrums


  • 2. Preis


    Architekten
    Dierks Blume Nasedy Architekten BDA, Darmstadt (DE), Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    EINBINDUNG, SYMBOLIK

    Zwei funktionelle Langhäuser fügen sich – zurückhaltend in der Geste, jedoch mit geometrischer Präzision – zur Gesamtform des Rechteckes, die Schlichtheit umgebender Dimensionen bekräftigend.
    Auftakt nach Westen zur Sandwiesenstrasse und dem freien Feld ist die künstlerisch mit Typographien gestaltete Westfassade, die - auf Fernwirkung von der Autobahn abzielend -bis auf den, auf die innere Organisation weisenden, Lichtspalt völlig geschlossen ist.
    Die sich gleichsam aufbauenden, aus der monolitischen Fassade herauswachsenden und sich vom Gebäude scheinbar entfernenden reliefartigen Schriftzüge, weisen auf die Nutzung des Gebäudes als Medienzentrum hin.
    Eine Landmarke aus einer Form und einem Material – Lichterscheinung in der Dunkelheit durch gespeistes Sonnenlicht.

    Ein einladender Eingangsplatz am Akazienweg mit lichtem Birkenhain auf der Nordseite des Gebäudes bietet geschützte Stellplätze und leitet zum Eingang.
    Den Büroarbeitsplätzen bietet er einen Ausblick ins Grüne.
    Die Anlieferung, von den Strassenseiten abgewandt im südlichen Geländeteil, sorgt für störungsfreien Warenverkehr


    ERSCHLIESSUNG, ORGANISATION

    Die klar ablesbaren Gebäudeteile gliedern sich in einen Büro- und Studiotrakt, verbunden über eine orientierungstiftende gebäudehohe Verbindungshalle.
    Dort erschließt die offene Treppe, im Material der Außenwände, sowie ein Aufzug die Etagen des Büroflügels mit seinen Wegen unter (kontrolliertem) Himmelslicht. Die notwendigen Fluchtreppenhäuser liegen klar orientiert in den vier Gebäudeecken.

    Die klaffende Naht atmet Licht, die sich zum Foyer weitende geschwungene Wand des Studiobaukörpers sorgt für einen spannungsvollen Innenraum und beschreibt gleichzeitig die geforderte Trapezform der Studios.
    Die Büros, über Brücken auf direktem Wege mit den Studios verbunden, bieten
    extrovertiert Ausblick zum Birkenhain, sowie Introvertiertheit zur Lichthalle.
    Die überdachte eingerückte Andienungszone mit Lastenaufzug versorgt parallele Funktionen ohne Störung.


    ERKENNUNG, MATERIE

    Die klare Form aus hellen, glatten Betonflächen ist weithin wahrnehmbar, mit scharfen Konturen sich selbst erklärend.
    Eine beständige, robuste Haut „ohne Verkleidung“, gut für ein langes Bauwerksleben.
    An der Sandwiesenstrasse spricht die Fassade mit gegossenen Worten in Nähe und Ferne über ihren Daseinszweck – ein Angebot kultureller Mitteilung über den Landschaftsraum hinweg bis zur Autobahn.
    Eine Landmarke aus einer Form und einem Material – Lichterscheinung in der Dunkelheit durch gespeistes Sonnenlicht.



    BAUKOSTEN

    Wie die Außenhaut, so setzt auch die Innenraumgestaltung auf eine langlebige, wartungsarme Material-Direktheit und schon mit dem Rohbau fertige Oberfläche, soweit akustische Anforderungen dies zulassen.

    Die Unkompliziertheit der Konstruktion, serielle Vorteile (Fassade) und ein günstiger Faktor Hülle/Volumen lassen beste Werte bei Investitionsaufwand und Betriebskosten erwarten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich ist der kompakte, dreigeschossige, gut proportionierte Baukörper richtig
    auf dem Gelände situiert. Zur Sandwiesenstraße hin artikuliert auf angemessene Weise
    die Fassade mit „gegossenen" Worten den Zweck des Gebäudes. Überzeugend ist
    der Parkplatz im Norden unter einem Birkenhain angeordnet. Von hier aus erfolgt auch
    ruhig und auf kurzem Weg die Haupterschließung direkt in die Halle und die dort angelagerten Nutzungen. Bemerkenswert ist die gute räumliche Qualität der Halle, die
    spannungsvoll enge und weite, hohe und niedrige, helle und dunkle Zonen aufweist
    und somit zum Aufenthalt und Treffen einlädt. Die Verknüpfung der beiden Trakte über
    verschiedene Brücken mit angelagerten Pausenzonen trägt zur hohen Erschließungsqualität bei. Kritisiert wird vom Preisgericht die Situation im EG. Hier grenzen z.B. die bis zum Boden verglasten Konferenzräume direkt an die Zufahrt der Parkplätze. Eine Distanz müsste hier mit gärtnerischen Mitteln geschaffen werden. Auch die Hausmeisterwohnung wirkt eher klaustrophob. Ein Anteil an der südlichen Außenfassade wäre wünschenswert. Darüber hinaus werden die Zuordnungen einzelner Räume, z.B. der Maschinenraum, bemängelt. Die Kosten bewegen sich im mittleren Bereich, es muss aber dazu bemerkt werden, dass 16 % Bürofläche fehlen. Eine Erweiterung führt nicht zu einer Verbesserung der Baumassenproportion. Insgesamt eine klar, gut organisierte Arbeit mit hohen innenräumlichen Qualitäten und einem Erscheinungsbild, das zurückhaltend,dabei klar und wertvoll wirkt.