loading
  • DE-73098 Rechberghausen
  • 03/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-14371)

Realisierungswettbewerb "Dorfmarkt" und "Rathausmarkt"


  • Engere Wahl

    Lageplan

    Architekten
    planungsgruppe welz ▪ lorenz ▪ jetter | göppingen - esslingen - stuttgart, Göppingen (DE), Esslingen (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Kai Koreck

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart (DE)
    Architekten: Dr. Peter Lorenz, Esslingen (DE)

    Erläuterungstext
    Erläuterungen zum Entwurf


    Grundzielsetzungen

    - Nachhaltige Aufwertung des Schlossplatzes und des Eingangs zur Hauptstraße am Dorfmarkt
    - Maßstäbliche Integration neuer, kundenfreundlicher Märkte und der nötigen Flächen für den ruhenden
    Verkehr in die Ortsmitte
    - Einbindung neuer Baustrukturen mit durchgängiger Typologie in das gewachsene Ortsbild


    Der Städtebau


    Baukörper und Stadtraum:

    Mit ortstypischen, einfach geschnittenen Baukörpern und deren Addition werden Antworten auf die individuellen räumlichen Situationen gefunden und gleichzeitig ein räumlicher Gesamtzusammenhang hergestellt.

    - Rathausmarkt und Schlossplatz:
    Der Schlossplatz wird neu definiert durch das Servicegebäude als Platzkante und das Gegenüber des geschnittenen Baumdaches an der Amtsgasse. Die neuen Märkte – einer von ihnen unter Ausnutzung der Topografie in den Hang hineingeschoben – tragen als Sockelbauten die einfach geschnittenen Baukörper des Servicegebäudes und die kleineren Zwillingsbauten für Wohn- oder auch Büronutzung und werden so in die Maßstäblichkeit der Hauptstraße und des Ortskerns eingebunden.

    - Dorfmarkt:
    Der neue Zwillingsbaukörper am Dorfmarkt fügt sich in Maßstab und Baukörperform in die umgebende Bebauung ein und markiert den Eingang zur Hauptstraße. Durch seine Gebäudeversätze entstehen im Binnenbereich die notwendigen Stellplätze, zur öffentlichen Seite hin dagegen ein kleiner Vorplatz, der mit dem Vorbereich der gegenüberliegenden alten Kelter korrespondiert.


    Bauabschnitte

    Die Gebäude und Garagen können jeweils in getrennten Bauabschnitten errichtet werden. Zudem können einzelne Gebäude in nachfolgenden Etappen verwirklicht werden. So kann das Servicegebäude mit Schlossplatz Garage und dem Markt 1 errichtet werden mit den Zwillingsbauten auf dem Markt als 1. Bauabschnitt. Nachfolgend kann der Markt 2 mit den Zwillingsbauten gebaut werden.


    Verkehr und äußere Erschließung:

    - Rathausmarkt und Schlossplatz:
    Die Kundenstellplätze liegen auf Eingangsebene zentral zwischen den beiden Märkten (Synergie) und werden direkt aus der Hauptstraße erschlossen, die Zugänge zu den Märkten orientieren sich zu Parkierung und Hauptstraße gleichermaßen. Die Anlieferung der Märkte erfolgt separat auf der Nordseite. Dem Schlossplatz werden die notwendigen Kurzparker/- und Behindertenstellplätze seitlich an der Amtsgasse zugeordnet, die neuen öffentlichen Stellplätze in der Tiefgarage unter dem Platz werden über das bestehende öffentliche Parkdeck nördlich des Rathauses erschlossen.

    - Dorfmarkt:
    Die Parkplätze für das Dorfmarktgebäude sind ebenerdig angeordnet und von der Hauptstraße verkehrsgünstig erschlossen, bei entsprechend vergrößertem Raumprogramm könnte alternativ auch ein Tiefparkdeck mit gleicher Zufahrt vorgesehen werden.


    Nutzungsanordnungen

    - Rathausmarkt und Schlossplatz:
    Der Schlossplatz ist geprägt von den öffentlichen Nutzungsangeboten des Bürgerbüros, der Poststelle und des Cafes, aber auch der Musik- und der Volkshochschule im ersten Obergeschoss des Servicegebäudes. Im zweiten Obergeschoss sind Abmiet- und Erweiterungsflächen vorgesehen, die durch Aufstockung auch erst in einem zweiten Bauabschnitt realisiert werden könnten.
    Die beiden „Rathausmärkte“ werden ergänzt durch eine zusätzliche Laden-/Kiosk-Fläche. Über ihnen werden in zwei Obergeschossen Seniorenwohnungen angeboten, alternativ können hier auch größere Wohnungen oder Büro-/Praxisflächen realisiert werden.

    - Dorfmarkt:
    Im Erdgeschoss des Dorfmarktes werden die Raumprogrammnutzungen Physiotherapie und Laden ausgewiesen. Da aus städtebaulichen Gründen an dieser Stelle mindestens ein Obergeschoss erforderlich ist, werden darüber neben dem Fitnessbereich weitere Büro- oder Praxisflächen (mit möglicher Galerieebene im Dachraum) angeboten.


    Die Einzelgebäude

    Gestaltung und Materialwahl

    - Rathausmarkt und Schlossplatz:
    Das Servicegebäude und die Wohnbauten über den Märkten sind bewusst einfach und klar geschnitten. In ihrem Maßstab fügen sie sich in die umgebenden Baustrukturen ein, in der Dachausformung und in ihren Detailelementen fügen sie sich in moderner Formensprache zum Ensemble. Das Servicegebäude ist im Erdgeschoss fast vollständig verglast mit zurückgesetzter Fassade, darüber erhält es eine Fassade aus vorgehängten Tafeln (z.B. Holzpaneelen), die der dominierenden Putzfassade des historischen Gebäudes keine unnötige „Konkurrenz“ macht. Die Märkte als Sockelbaukörper sind mit einfachen Mitteln großzügig und spannungsvoll gestaltet durch den Wechsel zwischen geschlossenen Wandscheiben (Sockelmotiv) und geschosshohen Verglasungen (transparente Eingangs- und Kundenbereiche).
    - Dorfmarkt:
    Das neue Gebäude am Dorfmarkt erhält bewusst geneigte Satteldächer, die als gemeinsames Merkmal sämtliche Gebäude rund um den Kreisverkehr prägen. Im Detail wird es mit modernen Mitteln als Putzbau gestaltet.

    Energie, Ökologie, Ökonomie

    Die klaren und kompakten Bauformen sind eine wesentliche Voraussetzung für die kostengünstige Errichtung, ihre Flexibilität dafür, dass die Gebäude vielseitig und intensiv genutzt werden können.
    Durch innovative Haustechniksysteme nach neuestem Stand (Solar- und evtl. Erdwärmenutzung), kompakte Grundform und hochwertige Wärmedämmungen werden die Gebäude energetisch optimiert. Angemessene Materialwahl trägt darüber hinaus zu einer günstigen ökologischen Bilanz bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der städtebauliche Ansatz der Verfasser ergibt durch die vorgeschlagene Höhenstaffelung in
    Bezug zur Topografie, den Gebäudetypen und –strukturen, den Erschließungen sowie den
    Freiräumen eine einfache und sympathische Lösung.
    Die umfangreichen programmatischen Anforderungen werden scheinbar mühelos erfüllt,
    vorhandene Defizite beseitigt und Qualitäten bestärkt.
    Im Wesentlichen wird dies erreicht durch die sinnvolle eingeschossige Garage unter dem
    Schlossplatz.
    Dessen räumliche und formale Gestalt auf der Garagendecke ist zurückhaltend, aber
    eindeutig und steht im Kontext sowohl zum Rathaus als auch zum neuen Servicegebäude.
    Die Weiterführung des entstehenden, zunächst kleinen Sockels die Hauptstraße hinunter,
    bildet den Straßenraum ohne massiv zu werden.
    Die oberirdische Zufahrt, Parkierung und Erschließung auf der unteren Ebene von der
    Haupt-straße her ist zweckmäßig und dient beiden Märkten auf dieser Ebene.
    Nachteil dieser Konzeption sind große Dachaufsichten der Märkte, die trotz Begrünung eine
    Art „Schubladenprinzip“ offenbaren.
    Die aufsitzenden Zwillingshäuser sind weder funktional noch architektonisch, auch nicht
    städtebaulich zu beanstanden.
    Die Märkte funktionieren, ihre Anbindung erscheint zwar möglich, jedoch zumindest beim
    Markt 2 problematisch. Beim Markt 1 wird leider eine Verbindung zur Tiefgarage vor dem
    Rathaus verhindert.
    Wünschenswert wäre eine bessere Durchquerung für Fußgänger zum bestehenden
    Schlossmarkt.
    Kritisch ist die vorgeschlagene Fassadengestaltung des Servicegebäudes, insbesondere
    durch die direkte Nachbarschaft des denkmalgeschützten Rathauses.
    Der Dorfmarkt passt in der vorgeschlagenen Form konsequent in das Konzept. Zugleich
    werden bis zu einem gewissen Grad ein Ortszugang von Süden her formuliert und eine Art
    „Auftreffpunkt“ geschaffen für Spaziergänger, die aus der Landschaft oder vom neuen
    Aussichtsturm her in den Ort kommen.
    Insgesamt wird ein guter Beitrag zur gestellten, sehr komplexen Aufgabe geleistet, jedoch
    nicht in allen Teilen bekräftigt.