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  • CH-9000 St.Gallen
  • 12/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-15162)

Neugestaltung Bohl, Marktplatz und Blumenmarkt


  • 2. Rang


    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Rita Mettler, Nicole Ptak, Kaja Terpinska, Helge Kickert, Marek Langner, Marcela Garcia, Jennifer Winkelmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Daniel Cavelti, St. Gallen (CH)
    Lichtplaner: conceptlicht at, Mils / Innsbruck (AT)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Präzisierung der Plätze Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt in drei eigenständige Orte und das Aufgreifen und Weiterentwickeln von Bestehendem sind die Hauptthemen dieses Entwurfs. Die Geometrie Marktplatz bezieht sich auf die historische Raumaufteilung. Die Platzkante wird in Richtung Marktgasse erweitert. Dies geschieht ohne den räumlichen Bezug und die Verbindung von unterer und oberer Altstadt zu schwächen. Mit der raumübergreifenden Belagsfläche des Marktplatzes in die Neugasse werden die beiden Stadtteile miteinander verbunden. Der zentrale Marktplatz wird mit einem im Raster gepflanzten Baumdach der kräftigste Raum. Die bestehenden Platanen sollen in dieses integriert werden. Diese an sich schöne Idee hat leider den Nachteil, dass das Ungleichgewicht zwischen alten und neuen Bäumen die räumliche Wirkung und die Exaktheit des Baumdachs schmälert. Ob dieses Element wirklich als Bestandteil des
    Rings um die Altstadt von St.Gallen gelesen werden kann, wird bezweifelt.
    Der Bohl bleibt ein offener, einzig mit der bestehenden Haltestelle möblierter Platz. Hier wird die Stellung der Haltestelle von Calatrava durch die Platzierung auf der rechteckigen im Natursteinpflaster eingeschriebenen Gussasphaltfläche präzisiert. Somit entstehen zwei Stadträume mit unterschiedlichen Qualitäten. Der Marktplatz, welcher durch das Baumdach eher einen intimeren und geborgenen Charakter erhält und der Bohl, welcher offen und grosszügig bleibt. Der dritte Platz, der Blumenmarkt, wird zu einem öffentlich zugänglichen Hofplatz. Dieser ist mit in grossen Betongefässen gepflanzten Felsenbirnen und einem Gussasphaltbelag zu einem massstäblichen Aufenthalts- und Durchgangsbereich ausgestaltet. Die Verfassenden verstehen es, den Stadtraum auch in der Fläche subtil zu definieren. Die Gussasphaltbeläge und die differenzierte Anwendung von Natursteinpflaster schaffen zurückhaltende Übergänge zwischen Platzflächen, Gassenund Verkehrsräumen. Der Marktplatz behält das vorhandene dunkle Natursteinpflaster und die umliegenden Fussgängerbereiche werden mit einem helleren Stein belegt. Diese wiederum sind mit einem Granitstreifen, welcher bei den Haltekanten erhöht und in seiner Verlegrichtung des Natursteinpflasters geändert ist, fein von den Verkehrsflächen unterschieden. Damit entsteht ein wohltuendes Ganzes, welches im Detail jedoch genügend differenziert erscheint. Ein neuer Brunnen an der Kreuzung Metzgergasse – Goliathgasse folgt dem für St.Gallen üblichen Prinzips von Brunnen an solchen Knoten. Damit werden vorhandene Gesetzmässigkeiten folgerichtig
    weiterentwickelt. Wie weit sich die gepflasterten Natursteinbeläge
    der Fussgängerbereiche jedoch im Stadtgefüge ausdehnen sollen – vorgeschlagen wird die Ausdehnung auf die ganze Altstadt – müsste überprüft werden. Die permanenten Marktstände bestehen aus einer mit einer weisslichen Glashülle umgebenen Stahlkonstruktion. In der selben Architektursprache ist die neue Bushaltestelle konzipiert.
    Wie die beiden Marktstände sollen sie nachts als Lichtpunkte dienen.
    Der Übergang und die Kante Marktplatz - Blumenmarkt mit dem winkelförmigen Einstellhalleneingangsgebäude, - Kiosk - und Touristeninformationszentrum, die Überdachung des Taubenlochs und die dazwischen liegende Zugangstreppe zum Blumenmarkt überzeugen nicht. Zusammen mit den Marktständen bewirkt das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kleinarchitekturen auf engem Raum ein unruhiges Erscheinungsbild. Der räumliche Bezug zwischen Marktplatz und Blumenmarkt wird beeinträchtigt und die Lage der Marktstände schränkt die Flexibilität des grosszügigen Platanendachs ein. Die Einstellhalleneinfahrt am Oberen Graben wird mit einem skulptural geformten Betonkörper überdeckt. Ein schönes Detail bildet das integrierte Oblicht am Ende dieser Überdeckung, welches Lichteinfall in die Einstellhalle ermöglicht. Die verkehrlichen Randbedingungen sind im Wesentlichen eingehalten. Die ÖV-Haltesituation Richtung Westen ist nicht klar formuliert. Der Haltestellenbereich hat jedoch zwingend den Vorgaben gemäss dem Wettbewerbsprogramm zu entsprechen. Damit liegt die vorgesehene Wartehalle ungünstig. Sie ist auch bezüglich der Fläche als eher zu klein zu betrachten, d.h. eine Verschiebung der vorgesehenen Wartehalle nach Westen sowie Vergrösserung oder ein zweites Element müsste untersucht werden.
    Der Marktplatz wird mit Stelen und die weiteren Stadträume werden mit Überspannleuchten beleuchtet. Dieses Konzept hat den Vorteil, dass die Nutzungsflexibilität der Gassen und Plätze nicht eingeschränkt wird und kann sehr stimmungsvoll umgesetzt werden. Insgesamt ist der Entwurf ausgereift und schön
    ausformuliert. Die räumlichen Unterschiede werden stimmig heraus gearbeitet und die Stärkung der Plätze und Gassen in ihren bestehenden Charakteren ist gelungen. Der Wechsel zwischen offenen und strukturierten Plätzen ist eine Bereicherung und gibt dem Stadtraum Identität, wirkt belebend und trägt zu einer vielfältig genutzten Innenstadt bei. Der Umgang mit den verschiedenen Kleinarchitekturen und ihre Platzierung überzeugt leider nicht.