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  • DE-45886 Gelsenkirchen
  • 01/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-16880)

Städtebaulicher Workshop Revitalisierung der Bochumer Straße


  • Zur Überarbeitung aufgefordert Gestaltung der Bochumer Straße

    Strukturplan

    Architekten
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE)

    Erläuterungstext
    Revitalisierung der Bochumer Straße | Gelsenkirchen-Ückendorf

    Strategie

    Bilanz der heutigen Situation:
    Der Stahlstandort Gelsenkirchen-Ückendorf befindet sich seit langem in einem Umstrukturierungsprozess. Obwohl die IBA-EmscherPark deutliche Spuren hinterlassen hat und mit dem Wissenschaftspark und dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen klassische Impulsgeber angesiedelt werden konnten, ist die Stabilisierung dieses altindustriellen Standorts noch nicht gelungen. Insofern steht im Rahmen unseres Konzepts weniger die baulich räumliche Entwicklung im Vordergrund sondern die Entwicklung einer Strategie, die den Weg des Quartiers in die Zukunft ebnen soll – in einer durchdachten Verbindung von öffentlichen und privaten Maßnahmen. Bausteine der vorgeschlagenen Strategie sind:

    1 Die Erneuerung des Freiraums:

    Die Qualität der Freiflächen des Wissenschaftsparks und des westlichen Abschnitts der Bochumer Straße ist Maßstab für die Gestaltung weiterer Stadträume:

    • Der Verlauf der historischen Betriebsbahn wird zum Thema einer quartiersübergreifenden Freiraumverbindung Richtung Norden.
    • Der Junkerweg wird zur Allee mit beidseitigen Baumreihen und einem schmaleren Mittelstreifen umgestaltet. Die gegenwärtige Barrierewirkung dieser Hauptverkehrsstraße verringert sich dadurch. Der Straßenraum am neuen Bürokomplex erhält somit eine urbane Qualität.

    2 Gestaltung der Bochumer Straße:

    Der Straßenraum der Bochumer Straße wird zu einer Stadtstraße eigener Prägung umgestaltet. Dabei wird die Gradiente der Gleisanlagen beibehalten. Auf der Südseite werden Bäume gepflanzt und Längsparkstände angelegt. Der Gehweg auf der Nordseite kann in diesem Konzept nicht verbreitert werden. Es werden vielmehr Platzaufweitungen und an den Straßeneinmündungen und an der Heilig-Kreuz-Kirche gestaltet. Diese finden ihre Entsprechung in der Neustadt an der Liebfrauen-Kirche. Gepflasterte Überquerungshilfen ordnen tragen dem Fußgängerverkehr Rechnung.
    Im Abschnitt zwischen Munscheidstraße und Junkerweg wird die Bochumer Straße durch den Bodenbelagswechsel zusätzlich aufgewertet, wobei Zielverkehr und Busbefahrbarkeit sichergestellt sind.

    3 Verkehrskonzept:

    Belastungen durch das hohe Verkehrsaufkommen mindern und Stellplätze gezielt ergänzen:
    • Tempo 30 in der Bochumer Straße zwischen Munscheidstraße und Virchowstraße.
    • Minikreisverkehr an der Kreuzung Bochumer Straße/Munscheidstraße. Die Kreisverkehrslösung ermöglicht Parkhausnutzern den Fahrrichtungswechsel auf der Munscheidstraße in Richtung Altstadt (Ausfahrt Parkhaus nur Rechtsabbiegemöglichkeit). Zudem wird der Tempo 30 Bereich der Bochumer Straße deutlich markiert. Der Verkehr kann homogener über den Knotenpunkt geführt werden, die Leistungsfähigkeit wird trotz Tempo 30 erhöht. Die Querung des Kreisverkehrs für Straßenbahnen und Busverkehr kann mittels einer Vorrangschaltung (LSA) geregelt werden.
    • Markierte Längsparkstände entlang der stadtauswärts führenden Fahrbahn sollen ausschließlich als Kundenparkstände für den Einzelhandel ausgezeichnet werden.

    4 Erneuerung der Baublöcke beiderseits der Bochumer Straße:

    Trotz ihrer zum Teil stark erneuerungsbedürftigen Bausubstanz und leer stehender Ladenlokale hat der Straßenraum der Bochumer Straße Qualität. Jede Heranführung neuer Grünverbindungen würde zu Einbußen im Stadtraum führen. Aus unserer Sicht gibt es keine Alternative zu einem schrittweisen Erneue-rungsprozess, Haus für Haus, Grundstück für Grundstück. Hierzu könnte die Einführung eines zunächst informellen HID´s dienen, um Aktivitäten und Maßnahmen möglichst zeitnah angehen zu können.
    Das Konzept verbindet folgende Ansätze:
    • Die positiven Nachbarschaftseffekte der neuen Impulsprojekte
    • Die positiven Nachbarschaftseffekte der aufgewerteten öffentlichen Räume, insbesondere in der Bochumer Straße selbst
    • Eine Förderung privater Erneuerungsmaßnahmen aus Städtebaumitteln
    • Eine Förderung der Grundstücksneuordnung und Hofbegrünung aus Städtebaumitteln
    • Planungshilfen und Begleitung für die Eigentümer durch Beauftragte der Stadt Gelsenkirchen
    • Organisationshilfen für die Gründung eines HID als Zusammenschluss der Eigentümer und Nutzer
    • Finanzierung privater Investitionen und Projektentwicklungen über revolvierenden Stadtumbau-Fonds

    Analog der Vorgehensweise bei einem Business Improvement District (BID) soll der Housing Improvement District (HID) in einem Wohnbereich wirken, der von kommunalen Planungen und Wünschen nicht erreicht wird, indem konkrete Investitionen ausgelöst werden. Der Vorteil für die Beteiligten besteht darin, dass anstelle des üblichen und meist unkoordinierten, einzelnen und unbemerkten Handelns von Einzelakteuren ein gemeinsames, deutlich wahrnehmbares und größeres Projekt möglich wird. Vor allem aber kann ein solches Projekt durch seine Größenordnung in der Öffentlichkeit als deutlicher Impuls wahrgenommen werden. Durch eine öffentlich wahrgenommene Imagesteigerung wird eine bessere Vermietbarkeit der Immobilien erreicht.
    In diesem Rahmen gibt es individuelle immobilienwirtschaftliche Analysen, Beratungsleistungen und Begleitung der Eigentümer hin zu einer nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung. Wir empfehlen die Einrichtung eines Mittlers als zentrale Ansprechperson für den jeweiligen Hauseigentümer sowie die Einrichtungs eines techn. und kaufmännischen Beraterpools (B-Pool) der individuell tätig wird. Den Focus der immobilienwirtschaftlich geprägten Maßnahmen in der Bochumer Straße möchten wir zunächst auf einen Teilabschnitt zwischen Munscheidstraße und Stephanstraße richten. Dieser Abschnitt nimmt eine Schlüsselrolle für die Stabilisierung des Standortes ein.

    Parallel hierzu ist der Umbau der Bochumer Straße im Werkstattverfahren anzustreben. In einem Werkstattverfahren wird die Planung gemeinsam mit den Eigentümern, Anwohnern, Ge-schäftsleuten, der Politik, der Stadtverwaltung und Fachleuten erarbeitet. Erfahrungen in ähnlichen Projekten zeigen eine hohe Zufriedenheit bei allen Beteiligten. Gleichzeitig wird vom Verfahren und der anschließenden Umgestaltung ein Impuls zur Bereitschaft von Investitionen auf privaten Grundstücken ausgehen. Der erste Bauabschnitt konzentriert sich auf den Bereich zwischen Munscheidstraße und Stephanstraße. Ein zweiter Bauabschnitt reicht bis an die Virchowstraße.

    5 Impulsgebende Baumaßnahmen:

    Die bereits früher realisierten Bausteine für den wirtschaftlichen und kulturellen Wandel werden ergänzt:
    • Die Heilig-Kreuz-Kirche wird nach ihrer Wandlung zum Museum für Backstein-Expressionismus zu einem kulturellen Anziehungspunkt der Region. Gleichsam dient sie zu-künftig als „Museum zum Mieten“ bspw. für Festivitäten oder für Veranstaltungen insbesondere des Wissenschaftsparks.
    • Der an der Ecke Junkerweg/Bochumer Straße entstehende Bürokomplex markiert den Ein-gang nach Ückendorf und entfaltet synergetische Wirkungen mit den bestehenden Nutzungen (Wissenschaftspark als Standort für Kanzleien).
    • Östlich der Munscheidstraße werden Baugrundstücke für Baugemeinschaften angeboten, die auf vergleichsweise großen Grundstücken zu günstigen Konditionen siedeln können.
    • Eine weitere Option für die Entwicklung des Quartiers stellt die Ergänzung der historischen Stadtvillen an der Rheinelbe Straße dar. Möglich sind hier fünf bis sechs Punkthäuser.

    Fazit | Das städtebauliche Zukunftsbild des Quartiers an der Bochumer Straße:


    Ziel unseres Konzeptes ist es, die städtebaulichen Qualitäten zu stärken und ein gemischt genutztes Quartier neuer Prägung entstehen zu lassen. Neue Arbeitsplätze und neue Nutzergruppen erzeugen Nachfrage, Investitionen im öffentlichen Raum stehen für Investitionsbereitschaft.
    • Die aufgewertete Bochumer Straße ist ein wichtiger Ansatz zur Revitalisierung des Quartiers. Begrünung, Neuordnung des Parkens, ein breiter „Boulevard“ und die in den Straßenraum hineinwirkenden Platzaufweitungen werten das Stadtbild auf.
    • Die zum Teil denkmalgeschützten Gründerzeitgebäude an der Bochumer Straße prägen das Quartier und halten Optionen für zeitgemäße Nutzungen bereit. Umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen werden schrittweise in einem langfristigen, gemeinsamen Prozess zwischen Eigentümern, Investoren, Immobilienberatern und der Stadt umgesetzt.
    • Die Innenhöfe werden weitestgehend grundstücksbezogen beibehalten. Über Planungshilfen und städtebauliche Förderinstrumentarien entsteht ein informelles Freiraumsystem, das den Wohn- und Freizeitwert des Quartiers steigert und bisher fehlende private Stellplatzflächen einfügt.
    • Das Baufeld nördlich des Arbeitsgerichts wird als gemischt genutztes Quartier entwickelt. Die Bestandsgebäude an der Bochumer Straße und im Blockinneren werden erhalten. Die beiden Gebäude am Junkerweg können ebenfalls in das Konzept integriert werden, obwohl ihre Gärten ungünstig zum Junkerweg hin orientiert sind. Längerfristig sollten die beiden Häuser jedoch durch Neubauten ersetzt bzw. für Erweiterung des Bürokomplexes ergänzt werden.
    • Der Baublock östlich der Munscheidstraße im stark befahrenen Abschnitt kann schrittweise mit Baugruppen-Projekten entwickelt werden. Neben monetären Anreizen (Grundstückspreis) bietet die vergleichsweise geringe Dichte einen günstigen Einstieg für entsprechende Gemeinschaftsprojekte.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 08.05.2009, 17:05
Zuletzt aktualisiert 27.08.2010, 15:37
Beitrags-ID 4-31369
Seitenaufrufe 472