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  • DE-65185 Wiesbaden
  • 01/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-18247)

Law School Wiesbaden


  • 1. Preis

    Innenhof

    Architekten
    Eller + Eller Architekten, Düsseldorf (DE), Berlin (DE), Moskau (RU) Büroprofil

    Mitarbeit
    Erasmus Eller, Christiane Flasche, Martin Schliefer, Achille Farese

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Der Neubau der German Law School ergänzt die Dreiflügelanlage des Solitärbaus und schließt damit die homogene Blockstruktur. So fügt er sich städtebaulich in die zur Jahrhundertwende entstandene Umgebung ein. Die neue Universität wird einen hohen Attraktivitätsfaktor für das umliegende Quartier schaffen und das gesamte Areal auf lange Sicht aufwerten.
    Die Schließung der Blockrandbebauung erscheint nicht nur aus städtebaulicher Sicht sinnvoll: Durch die symmetrische Ergänzung des Altbaus und Übernahme der vorhandenen Geschosshöhen wird eine ringförmige Durchwegung ermöglicht, die eine leichte Orientierung ohne Geschossversprünge ermöglicht. Aufgrund der Prämisse einer einfachen und barrierefreien Anbindung von Alt- und Neubau und der optimalen Zirkulation ist der Erhalt des Beamtenwohnhauses mit seinen Niveauversprüngen und seiner kleinteiligen Struktur aus unserer Sicht nicht zu rechtfertigen.
    Analog zur Situation an der Gerichtsstrasse springt der Neubau an der Albrechtstrasse um 5 m zurück und schafft eine Vorzone, die in der schmalen Strasse mehr Freiraum schafft. Hier ist auch eine würdige Gedenkstätte vorstellbar, zu der Teile der alten Gefängnismauern beitragen können.
    Der nun umschlossene Innenhof wird zum internen Campus, der durch zahlreiche Ein- und Durchblicke auch für den Passanten erlebbar wird.

    Raumabfolgen
    Das verglaste Eingangsfoyer auf der Moritzstrasse heißt Besucher durch Großzügigkeit und Hofausblicke willkommen, vermittelt aber auch die Differenziertheit der Universität, in dem es weite Einblicke in Geschossebenen des Neubaus zulässt, die Neugier und Interesse wecken. Gleichzeitig bildet es das notwendige ‚Nadelöhr’, um eine ausreichende Zugangskontrolle vor allem in den Abendstunden zu gewährleisten.
    Unmittelbar anschließend sind der Bürgersaal, der auch einen externen Zugang haben kann, sowie Veranstaltungsbereiche für Konferenzen und Tagungen, die durch die räumliche Nähe zur Mensa optimale Versorgungs- und Cateringangebote sicherstellen. Die Mensa selbst ist über die gesamte Längsseite zum Hof geöffnet, so dass in den Sommermonaten der Raum nicht nur optisch in den begrünten Bereich erweitert werden kann.
    Vom Eingangsfoyer wird man mit einer breiten Treppe durch einen hohen Luftraum zum sogenannten ‚Marktplatz’ geleitet, der als Kontakt- und Repräsentationsstelle zwischen Unternehmen und Studenten dient. Große Foyerflächen für Firmenvorstellungen, Ausstellungen, Tagungen bieten gleichzeitig die notwendigen Verkehrsflächen vor den großen Hörsälen. Aus diesem besonderen Raum bietet sich dem Besucher einen Einblick in den Lehrbetrieb, aber auch Ausblicke auf Innenhof und Altbau, was den Universitätskomplex ergänzt. Zusätzlich ist aber auch ein nach oben gerichteter Durchblick möglich, da der Raum sich nach oben erweitert und so die verschiedenen Ebenen zusammen wachsen lässt.
    Auch das darüberliegende Geschoss ist nahezu vollständig dem reinen Lehrbetrieb gewidmet und bietet große Arbeitsbereiche. Im Ostteil ist bereits ein Teil der Academia angeordnet, um den engen Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden zu unterstützen.
    Die Bibliothek, das Herzstück, das aber auch nach ruhiger Arbeitsatmosphäre verlangt, ist im 3. OG angeordnet, angrenzende Seminarflächen schaffen auch hier eine enge Verknüpfung zwischen passiver und aktiver Lehre.
    Das Präsidium ist im obersten Geschoss angeordnet und bietet damit die Möglichkeit, die gesamte Universität zu überblicken und wird somit der repräsentativen Aufgabe gerecht. Die Dachflächen können auch als exklusiv genutzt werden.

    Die Verteilung der Funktionen entspricht so dem öffentlichen Charakter der jeweiligen Nutzung: Je privater und interner die Nutzung, desto weiter oben liegt sie im Gebäude.

    Diese Ebenen sind durch eine Serie von offenen Treppenläufen verbunden, die die vertikale Erschliessung nicht an einer Stelle konzentrieren, sondern sich horizontal versetzt durch das ganze Gebäude ziehen. Analog zu den großen Treppenhäusern des Bestandes werden auch hier Bereiche ausgebildet, die neben ihrer Funktion als Verkehrsfläche auch als Kommunikationsraum dienen und den sozialen Austausch zwischen den Studenten, Besuchern und Lehrtätigen fördern. Gleichzeitig wird dem engen Netzwerk zu Wirtschaft und Alumni viel Raum für Veranstaltungen geboten

    Die Erschliessung erstreckt sich daher an einer Längsachse durch das Gebäude, an der offene Treppen schnelle Wege zwischen den Geschossen anbieten.
    Zusätzlich öffnen sich entlang der Achse große, mehrgeschossige Raumkontinuen, die den Blick zum Innenhof freigeben, aber auch Einsicht in andere Arbeitsbereiche und Lehrveranstaltungen bieten können. In diesen freien Zonen befinden sich wichtige Nutzungen, die eine Schlüsselposition für die neue Universität besitzen: Das Foyer, der Vorbereich der großen Hörsäle, der Bibliothekssaal.
    Da die übergeordneten Bereiche, die nicht vom Lehrprogramm gesteuert sind, bewusst in der Gebäudestruktur verteilt sind, wird eine auch in der Arbeitswelt immer wichtiger werdende Kommunikation spontan und informell über Treppen, Lufträume und Blickbeziehungen befördert.
    Zufällige Begegnungen und eine Vielfalt räumlicher Eindrücke werden zu bestimmenden Parametern des Baukörpers, der Struktur des Gebäudes, der Universität.
    Diese Vernetzung verschiedener Funktionsbereiche und breit gefächerte Arbeitsplätze fördern das selbständige Lernen, das Selbstorganisieren des Lehrablaufes aber auch das Binden der Studenten an den Hochschulstandort. Aus dem passiven Zuhören früherer Studentengenerationen wird ein aktives Miteinander, eine ‚Hochschulinteraktion’.

    Die Seitenflügel des Altbaus werden verlängert und bieten Raum für eine klassische Büronutzung wahlweise als 2- oder 3-Bund (16m Gebäudetiefe); in diesen Bereichen sind der Studentenservice, studentische Selbstverwaltung und Teile der Academia Law untergebracht.
    Alle Bereiche der Sekundärstruktur können je nach Bedarf und ohne größere Eingriffe in die Hauptstruktur ausgetauscht, erweitert und umgebaut werden. Die damit gegebene größtmögliche Anpassungsfähigkeit verleiht dem Gebäude einen hohen ökologischen und ökonomischen Mehrwert.
    Die Sondernutzungen wie Bibliothek, Hörsäle und studentische Arbeitsbereiche befinden sich im mittleren, breiteren Gebäudeteil , wobei auch hier das Prinzip des 3-Bundes fortgeführt wird: An der Südfassade befinden sich die kleinteiligeren Gruppenarbeitsräume, an der Nordfassade sind die tiefen Räume (z.B. Hörsäle) angeordnet. In der Mittelzone wechseln sich dienende Räume (Lager, WC, etc.) mit offenen Arbeitsbereichen ab, welche durch tiefe Einschnitte an der Nordfassade belichtet werden.
    Entlang einer breiten, großzügigen Erschliessung breitet sich eine Wissenslandschaft aus, die unterschiedliche, flexible Bereiche anbietet, um den individuellen Bedürfnissen der Studenten gerecht zu werden. Durch die Wahl eines offenen Lernbereichs wird eine soziale Kommunikation möglich, in eher geschlossenen Bereichen finden sich optimale Vorraussetzungen für konzentriertes Lernen.

    Materialität
    Die Materialität der Innenräume strahlt Soliditiät gepaart mit zeitloser Eleganz aus - im Präsidiumsbereich sind daher warme Holzoberflächen, in den modernste Technik integriert ist, vorstellbar. Als Bodenbelag sond in diesen Bereichen großformatige Natursteinplatten mit textilen Teilbereichen vorgesehen. Die Büroräume der Hochschulleitung sind klimatisiert, haben aber Zugang zu einer Aussenterrasse, die in den Sommermonaten einen blickgeschützten Kommunikationsort bietet.

    Fassadenkonstruktion
    Die Fassade ist je nach Nutzungseinheit unterschiedlich ausgebildet: Die großen Fensteröffnungen z.B. des Foyers und der Bibliothek sind mit einer Dreifachverglasung ausgestattet. Ein zusätzlicher Sonnenschutz befördert den sommerlichen Wärmeschutz. Der Großteil der Fassadenflächen ist mit einer Pfosten-/ Riegelkonstruktion ausgebildet, in der sich, basierend auf einem 1, 35 m Raster, raumhohe Verglasungen und geschlossene Paneele abwechseln. Dieser vorgelagert ist eine Großlamellenstruktur, die aus Naturstein-/ Kunststein und/ oder Sichtbetonfertigteilen vormontiert werden. Zwischen Lamellen und Glasfassade kann je nach Bedarf (Himmelsrichtung) ein außenliegender Sonnenschutz integriert werden.
    Kleine Lüftungsflügel und große Reinigungsflügel stellen eine benutzerfreundliche und betriebskostenschonende Aufteilung dar.

    Altbau
    Die Substanz des Altbaus wird, wo immer möglich, gewürdigt, da nur wenige, unbedingt erforderliche Eingriffe vorgenommen werden. So wird vorgeschlagen, den großen Sitzungssaal im Originalzustand zu erhalten (bzw. zurückzubauen), um auch ein Beispiel für die (historische) Praxisanwendung der Lehre vorweisen zu können.
    Ein notwendiger Aufzug, der sinnfälliger Weise in den Eckpunkten des Bestandes angeordnet ist, sollte z.B. eher gegenüber des offenen Treppenhauses angeordnet werden, um die filigranen Geländer und Oberlichter der Treppenanlage nicht zu zerstören.

    Aussenanlagen
    Die bauliche Symmetrie zwischen Alt- und Neubau spiegelt sich in der Aussengestaltung wieder: In Anlehnung an die begrünte Vorzone des Altbau erhält auch der Neubau eine ca. 5 m breite Vorzone, die in der schmalen Albrechtstrasse den Neubau von der angrenzenden Bebauung abrückt und für die Universität gleichzeitig eine wünschenswerte Vorzone darstellt. Hier ist auch eine würdige Gedenkstätte vorstellbar, zu der Teile der Denkmalmauern beitragen können.

    Der begrünte Innenhof – ein Campus mitten in der Innenstadt - bietet vielfältige Rekreationsmöglichkeiten und schafft neue Zuwegungen, in dem durch die Terrassierung sowohl ein neuer Zugang zum EG auf der Westseite, als auch ein möglicher Zugang auf der Ostseite der Altbauhoffassade ermöglicht wird. Eingefasste, frei verteilte Grünzonen bieten Sitzgelegenheiten, ein Wasserspiel, das über Sitzstufen rinnt, schafft auch akustische Erholung. So kann der Hof auch einen Ort der Kontemplation zwischen Arbeitszyklen darstellen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.