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  • DE-75323 Bad Wildbad
  • 09/2009
  • Ergebnis
  • (ID 2-18427)

Neubau Feuerwehrmagazin


  • 5. Preis

    Rendering/Perspektive

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    3.500 EUR

    Erläuterungstext
    1. Grundstück

    Das Grundstück, nördlich der Innenstadt gelegen, spannt sich schmal zwischen der Eisenbahnlinie im Westen und der Calmbacher Straße im Osten auf.
    Die Topografie ist prägnant. Der Höhenunterschied zwischen der Bahnlinie und der Straße beträgt ca. 6 Meter.
    Die Abstandsfläche von 10 Metern zur Achse der Gleise schränkt die Bebaubarkeit des ohnehin schon schmalen Grundstücks weiter ein.


    2. Konzept

    Das Konzept für den Neubau des Feuerwehrhauses nutzt die Gegebenheiten des Grundstücks ohne von diesen Randbedingungen dominiert zu werden:

    • Das Gebäude lehnt sich an den Bahndamm im Westen an, unter Berücksichtigung der Abstandsflächen. Die begrünten Dachflächen schließen nahtlos an die Ebene der Bahnstrecke an und bilden so eine harmlose und gut gestaltete Dachaufsicht. Die so entstehende neue Böschung wird über eine Natursteinmauer (Gabionen) nach Osten begrenzt und gestaltet und bildet das Rückgrat im Konzept für das Feuerwehrhaus.
    • Der Zugang erfolgt von Süden in räumlicher Nähe zu den Parkplätzen. Der in diesem Zusammenhang angeordnete Übungsturm wird zum Signet und prägt das Gesicht der neuen Feuerwehr.
    • Die Erweiterung der Fahrzeughallen in einem zweiten Bauabschnitt erfolgt nach Norden.
    Das Ensemble wird nach Süden durch das Gebäude des Roten Kreuzes ergänzt.
    • Das neue Gebäude der Feuerwehr ist im Hangbereich und im Bereich des Eingangs in zwei Ebenen organisiert. Die Fahrzeughallen nutzen die geringere Anforderung an Raumhöhe zur Gliederung des Gebäudes.


    3. Städtebauliche Gliederung
    Bauabschnitte

    • In der Mitte des Grundstücks der Neubau der Feuerwehr im ersten Bauabschnitt.
    • Der zweite Bauabschnitt ergänzt sich nach Norden.
    • Das Gebäude des Roten Kreuzes findet am Südende des Grundstücks einen selbstverständlichen Platz.
    • Zwischen Feuerwehrgebäude und Rotem Kreuz spannt sich baumüberstanden der gemeinsame Parkplatz auf (Synergieeffekte).


    4. Landschaftliche Einbindung und Freiräume

    Trotz der beengenden Grundstücksverhältnisse gelingt es, gut definierte Freiräume für die unterschiedlichen Aktivitäten anzubieten:

    • Der Eingangshof im Süden mit kurzen Wegen zu den Parkplätzen.
    • Der Übungshof im Osten im Zusammenhang mit dem Eingangsbereich aber ohne Wegekreuzungen.
    • Der Alarmhof vor den Fahrzeuggaragen in ausreichender Dimension.
    • Der Waschhof im Norden mit einem kleinen ergänzenden Parkplatzangebot.
    • Die begrünten, in die Bahntrassenfläche integrierten Dachflächen sind hervorragend in das landschaftliche Umfeld integriert.


    5. Funktionen
    Das funktionale Gefüge entspricht den Vorgaben der Auslobung und gewährleistet einen reibungslosen Übungs- und Einsatzbetrieb:

    • Die Fahrzeugboxen sind linear von Süd nach Nord angeordnet. Die Ergänzung des zweiten Bauabschnitts ist sehr selbstverständlich.
    Das rückwärtige, ostseitige Lager ist in zwei Ebenen organisiert und den Fahrzeughallen direkt zugeordnet.
    Die Aufstellflächen für die Fahrzeuge auf der Westseite sind trotz beengter Grundstücksverhältnisse ausreichend dimensioniert.
    • Bürobesprechungs- und Schulungsräume sowie die Alarmzentrale befinden sich im Kopf und auf der Westseite mit guter Tagesbelichtung und gutem Überblick.
    • Die Umkleide- und Duscheinheiten nutzen die Mittelzone der dreibündigen Anlage im Kopfbau und bieten getrennte Wege zum Einsatz und vom Einsatz zurück an.
    • Neben- und Lagerräume sind in die Hangkante eingeschoben und den Anwendungen direkt zugeordnet.
    • Die Technik-, und Notstromraum sind vom Eingangsbereich direkt anfahrbar.
    • Die Fahrzeugwaschhalle erhält einen separaten Ort am nördlichen angeordneten Waschhof. Es entsteht eine funktionsgerechte Situation und ermöglicht die bauliche Ergänzung der Fahrzeughallen im zweiten Bauabschnitt.


    6. Konstruktion und Material

    Tragende und erdberührende Bauteile bestehen aus Stahlbeton. Die rückgratbildende Mauer auf der Hangseite wird als Natursteinmauer ausgebildet.
    Die Fahrzeughallen sind stützenfrei und werden von einem Stahlfachwerkträger geordnet überspannt.

    Die Fassaden nach Süden, Westen und Norden sind in den opaken Bereichen holzverschalt. Großzügige Fenster prägen die prägnante Lochfassade. Der Übungsturm ist in die Fassadengestalt integriert.
    Die Tore zu den Fahrzeughallen sind vollständig verglast. Das Gesicht der Feuerwehr und der Feuerwehrfahrzeuge wird kräftig und selbstbewusst zur Calmbacher Straße hin sichtbar und bildet den Auftakt am nördlichen Ortseingang von Bad Wildbad.

    Die Dachflächen der zweigeschossigen Bereiche erhalten einen Warmdachaufbau mit extensiver Begrünung und gestalten den Übergang zur natürlichen Landschaft.
    Die Fahrzeughallen (kalt) erhalten ein Blechdach. Der Höhenversprung wird zur Anordnung von Oberlichtern im Schulungsraum genutzt.


    7. Klima

    Das Gebäude ist in seinem Konzept nachhaltig:
    • Das Gebäude ist auf der Ostseite in den Hang eingeschoben; daraus ergeben sich thermische Vorteile und es kann auf eine aufwendige Fassade verzichtet werden.
    • Alle Bereiche mit Aufenthaltsanforderungen sind tagesbelichtet. Neben den Fassadenflächen im Norden, Westen und Süden sind durch Oberlichter und Dachversprünge zusätzliche Tagesbelichtungen in den rückwärtigen Bereichen vorgesehen – das spart elektrische Energie.
    • Die Dachflächen sind mit Ausnahme der Fahrzeughallen begrünt mit den bekannten klimatischen Vorteilen in der Rückführung des Regenwassers.
    • Nur die Aufenthaltsräume sind beheizt/klimatisiert
    • Nach Süden gerichtete Solarpaneele auf den Fahrzeughallen übernehmen die Warmwasserversorgung und ergänzen die Heizung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich und architektonische Qualität: Der Verfasser platziert den Baukörper etwa im Schwerpunkt des Grundstücks. Die Stadteinfahrtssituation aus Richtung Nord zeigt die
    Situation unter Beibehaltung des „schwarzen Weges“ mit Teilen des bisherigen Hügels, in den die Waschhalle integriert wurde. Der erste wahrnehmbare Eindruck ist die Fahrzeughalle.

    Das Gebäude stellt sich als geschlossener Baukörper dar. Die Gliederungselemente sind der integrierte Turm, eine Übereckverglasung auf der Südseite und die große Fahrzeughallenfront.
    Aufgrund der zu geringen Fahrzeughallenhöhe wird die Fassade in diesem Bereich erheblich erhöht werden müssen.
    Zwischen DRK und Haupteingang des Feuerwehrgebäudes wird das anstehende Gelände nur unwesentlich verändert, was entsprechend kostengünstig sein dürfte.
    Die vorgeschlagene Holzfassade wird sich durch Witterungseinfluss schnell verändern und nicht der Visualisierung entsprechen. Das Fassadenmaterial muss grundsätzlich überdacht werden.
    Der Entwurf wirkt dennoch in sich schlüssig, die Längenentwicklung wird positiv bewertet.
    Seitens der Feuerwehr werden folgende Punkte bemängelt: Lage der Küche, Größe und Zuschnitt der Werkstatt. Die Übungsfläche direkt an der Straße hat funktionale Nachteile.
    Positiv wird die integrierte Treppensituation des Turms gesehen. Das Raumprogramm ist im Wesentlichen erfüllt.

    Wirtschaftlichkeit: Die Kennwerte liegen im mittleren Bereich
    Bauinvestitions- und Folgekostenabschätzung: Der Entwurf lässt auch hier Durchschnittswerte erwarten. Teure Geländeabfangungen außerhalb des Bauwerks entfallen, bzw. liegen im Verhältnis im günstigen Bereich.
    Die Erweiterungsmöglichkeit ist überzeugend nachgewiesen.
    Insgesamt ist die Arbeit der Aufgabenstellung entsprechend angemessen gelöst.