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  • DE-92211 Amberg
  • 05/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-25572)

Betreutes Wohnen im Alter - Altstadt Amberg


  • 3. Preis

    Rendering Aussenansicht

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau und Architektur

    In bewusstem Bezug zur historischen Entwicklung an dieser städtebaulichen Schnittstelle und der Wechsel dem Stadtstruktur am Spitalgraben schlagen wir eine eigenständige Gebäudeform vor. Im Gegensatz zur sehr verdichteten Altstadtbebauung gab und gibt es in dieser Lage freiere Gebäudeformen mit größeren Innenhöfen bzw. Freiflächen an denen wir uns orientieren.

    Das „Höhendifferenzierung“ der vorhandenen umliegenden Gebäude nehmen wir durch eine zeitgemäße Höhenentwicklung des neuen Gebäudes auf, in dem zwei punktförmige höhere Gebäudeteile entstehen. Die Traufhöhen werden bewusst von der Umgebung abgeleitet und aufgenommen. Sie führen aus der Fußgängerperspektive betrachtet die gewohnte Gebäudewahrnehmung fort.

    Um eine optimale Belichtung für den Neubau selbst, aber auch für die direkte Umgebung zu erreichen, haben wir die Baumassen auf das notwendige Maß reduziert. Der Spitalplatz wird wieder deutlich aktiviert als Zugang und erlebbar gestalteter Stadtraum, der die tradierten Wegestrukturen verknüpft und erweitert. Die neuentstehende, großzügige Fuge zwischen Bestands- und Neubau macht diese Absicht deutlich.


    Erschließung

    Die Haupterschließung erfolgt extern über den Spitalplatz, die Ver- und Entsorgung über die Bahnhofsstraße. Die innere Erschließung erfolgt stufenweise vom öffentlichen Bereich (Spitalplatz) zur halböffentlichen Zone (Haupteingang und grüner Hof) zum eher privaten Teil (Laubengänge mit Erkern) bis hin zum rein Privaten der Wohnungen.

    Die übersichtliche innere Erschließung mit u-förmig angeordneten Laubengängen mit vertikalen Haupterschließungen schafft Orientierbarkeit für die Bewohner und Besucher. Am Spitalplatz sowie mit einer Nebenerschließung am Spitalgraben werden die Verbindungen von betreutem Wohnen zur geplanten Tiefgarage vertikal geschaffen. Die Stützpunkt- und Senioren-Service-Funktionen werden direkt vom Spitalplatz aus erschlossen. Die zwei hierfür geforderten Stellplätze sind verträglich integriert.

    Der Bestandsbau mit Studentenwohnungen am Spitalgraben erhält eine eigene innere Erschließung vom Spitalplatz her. Durch die Öffnung der vorhandenen Arkaden ergibt sich ein großzügiger Eintritt vom Spitalgraben her und auch in der Überleitung zur EG-Zone des Neubaus.


    Lage der Funktionen

    Das Erdgeschoss wird im Wesentlichen von öffentlichen Funktionen belegt. Die Wohnungen befinden sich in den Obergeschossen. Sie sind um den zentralen Innenhof gruppiert und somit optimal nach SW + SO orientiert. Dies führt zusammen mit der Reduzierung der Baumasse auf das notwendige Gebäude-Volumen zu einer optimalen Belichtung.

    Pflegestützpunkt und Seniorenzentrum sind die gemeinsam genutzten Bereiche im EG. So orientiert sich der Stützpunkt zum zentralen Spitalplatz, die Ladenflächen im EG zum Spitzgraben hin.


    Die Wohnungen

    Auch die 39 Wohnungen des Betreuten Wohnens folgen dem Prinzip von halböffentlichem Zugang (Laubengang) und privatem Wohnen mit Freisitz (Loggia). Alle Wohnungen sind SW oder SO orientiert und somit ideal tagesbelichtet. Die Studentenwohnungen im Bestandsgebäude sind vertikal innerhalb des Gebäudes erschlossen. Die Bestandsstruktur des Hauses wird im Wesentlichen beibehalten, lediglich neu geordnet.


    Konstruktion/Material/Fassaden

    Eine einfache Gebäudekonstruktion trägt die Lasten direkt über die Wohnungsschotten (7,50 m) und freitragenden Decken ab. Eine Aussteifung erfolgt über die Wohnungsquerwände. Das Konzept ist abgestimmt auf das vorhandene Tiefgaragenkonzept. Es ist somit eine wirtschaftliche und schnelle Herstellung zu erwarten.

    Die Fassaden bestehen im EG aus großteils gläsern geöffneten Wandelementen, die dem Charakter von Ladenstraßen und Arkaden entsprechen. Die darüberliegenden Wohnungen sind verputzt. Gläserne, vorspringende Kastenfenster und eingeschnittene Loggien bilden nicht nur die inneren Funktionen nach Außen deutlich ab, sondern gliedern die Fassade rhythmisch. Die Gebäudeaußenhülle nimmt somit das vielfältige Gestaltungsspiel der umgebenden Bebauung mit all ihren unterschiedlichen Einschnitten auf. So entsteht ein zeitgemäßes Haus, das mit modernen Elementen die bauliche Umgebung aufnimmt und interpretiert und sich somit trotz ihrer Eigenständigkeit ins Stadtbild integriert.


    Freiflächen und Dachflächen

    Der Spitalplatz wird mit der neuen Gestaltung und seiner durch die Randbebauung freigestellten Lage zu einem markanten und wertvollen „Stück Stadt“ mit eigener Identität an der Spitalkirche.

    Der Innenhofbereich des Neubaus ist als halböffentlicher Begegnungsraum geplant für Bewohner und Besucher. Niedere Hecken bilden vor den zu schützenden Raumfunktionen im EG den notwendigen Filter. Aufenthaltsqualitäten werden in individuell gestalteten Inseln formuliert. Der Innenhof soll einen großzügigen, durchwandelbaren Charakter erhalten, der bei aller Individual-nutzung auch eine Aufwertung des Stadtgebietes bewirken kann.

    Die Dachflächen bilden eine „5. Fassade“ und sind entsprechend gestaltet, sodass sie für Einblicke aus der umgebenden Bebauung attraktiv sind.


    Energiekonzept

    Die wesentlichen Energieverbrauchsanteile in Wohngebäuden
    Heizenergieverbrauch durch Transmission und Lüftung, Heizenergieverbrauch durch Warmwasserbereitung, Stromverbrauch durch Beleuchtungsanlagen werden durch folgende Maßnahmen minimiert: hochwertige Gebäudehülle (Optimierung des transluzenten Fassadenanteils, Verglasungsqualität), Nutzung regenerative Energieträger, optimierte Tageslichtversorgung.

    Der Verglasungsanteil der einzelnen Fassadenflächen wird unter Berücksichtigung der solaren Gewinne bzw. Erträge optimiert. Sämtliche Verglasungen werden als 3-fach-Verglasungen ausgeführt und erhalten weitestgehend außenliegenden Sonnenschutzanlagen zur Einhaltung des sommerlichen Wärmeschutzes. Die notwendige thermische Grundlastversorgung soll über den vorhandenen Fernwärmeanschluss erfolgen. Die Grundlast-Raumkonditionierung erfolgt mit Niedertemperaturheizwärme (Fußbodenheizung). Die Wohnungen werden über eine mechanische Lüftungsanlage be- und entlüftet. Durch diese Grundlüftung unter Einsatz von hocheffektiven Wärmerückgewinnungs-systemen wird der Lüftungswärmeanteil stark reduziert und die Betriebskosten gesenkt. Gleichzeitig wird dadurch ein hoher Raumluftkomfort geschaffen.

    Eine Vorkonditionierung der Zuluft erfolgt optional über einen Erdkanal im Bereich der geplanten Tiefgarage hermische Solaranlagen unterstützen eine wirtschaftliche Bereitstellung von Trinkwarmwasser. Die Kollektoren/Absorber werden in den Flachdächern integriert und versorgen die zentralen Warmwasserbereitungssysteme über entsprechend dimensionierte Pufferspeicher.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vorgeschlagene geöffnete Hofform ist eine kraftvolle und prägnante Antwort auf die vorhandenen, kompakten Baustrukturen in der unmittelbaren Nähe. In Korrespondenz mit diesen gibt der Baukörper dem Quartier eine eigene Identität.

    Die Höhenentwicklung und Staffelung des Baukörpers korrespondiert mit der Körnigkeit der Umgebung. Die Gebäudeform schafft gut proportionierte und definierte öffentliche und private Außenplätze und führt zu altstadtgerechten und spannungsreichen Durchgängen am Reichertbau sowie am Eckertgebäude. Der fünfgeschossige „Marker“ ist gegenüber dem Pausenhof der
    Wirtschaftsschule richtig gesetzt und sorgt für eine interessante Adressbildung.

    Die Bewältigung des Höhensprungs vom Spitalgraben zum Pausenhof der Wirtschaftsschule durch die Absenkung des Höhenniveaus ist zwar gelöst, führt jedoch am Durchgang
    Reichertgebäude zu einer ungünstigen Höhenentwicklung am zurückgesetzten Sockelgeschoss.

    Die Hauptadresse sitzt an der richtigen Stelle und bildet den Auftakt der konsequenten Binnenerschließung durch Laubengänge.

    Das Raumprogramm ist schlüssig und kompakt in den Grundrissen umgesetzt, Erschließungskerne und Raster sind konsequent bis in die Tiefgarage durchgehalten. Brandschutz, Flucht- und Rettungswege sind erfüllt. Der Entwurf zeichnet sich durch seine Kompaktheit mit den entsprechenden Wirtschaftlichkeitskennzahlen aus. Die Gewerbeflächen im
    Erdgeschoss und die Wohnungen sind flexibel entwickelt worden, jedoch fehlen die Nachweise der Nebenflächen.

    Für das Wohnen werden qualitätsvolle und gut belichtete Grundrisse mit hoher Wohnqualität vorgeschlagen. Die gleichförmige Ausbildung der Laubengänge kann durch die eingestellten Belichtungsdreiecke jedoch keine Qualitäten gewinnen. Das studentische Wohnen ist in den
    umgebauten Raumstrukturen gut möglich.

    Die Qualität der Wohngrundrisse korrespondiert mit einer mehrschichtigen Fassadenstruktur, die durch unterschiedliche Öffnungselemente in verschiedener Lage vielfältige Außenbezüge gestattet. Der Bezug zu altstadtgerechten Öffnungsformaten und Fassadenelementen ist jedoch nicht hergestellt, das vorgeschlagene „Fassadengewebe“ und die Sockelzone können nicht überzeugen.