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  • DE-79106 Freiburg im Breisgau
  • 06/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-33206)

Stadtquartier GUTLEUTMATTEN


  • 2. Preis

    Blick von Nord-Westen in das Quartier

    Stadtplaner
    ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: urbanegestalt, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebaulicher Realisierungswettbewerb Gutleutmatten Freiburg im Breisgau

    Zentral gelegen, unweit des Hauptbahnhofs und hervorragend erschlossen soll im Freiburger Stadtteil Haslach neuer Wohnraum entstehen. Die Bebauung der Gutleutmatten stellt für die Stadt Freiburg das größte noch verbleibende Innenentwicklungspotential für anspruchsvollen Wohnungsbau dar.

    Auch wenn der Stadtteil Haslach mit mehreren Wohnsiedlungen ein historisch geprägter Wohnstandort ist – gegenüber dem Plangebiet liegt die Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Gartenstadt Haslach – befinden sich doch unterschiedliche Strukturen in der Umgebung: im Westen grenzt das Areal an die Freiflächen des Schwimmbades und weiterer öffentlicher Einrichtungen, im Osten liegen die Infrastrukturlinien der Bahn. Im Norden sind die den Haslacher Dorfbach begleitenden Naturräume für die Struktur prägend.

    Verknüpfung
    Um in diesem heterogenen Umfeld und im Verhältnis zur Nachbarschaft eine gewisse Eigenständigkeit entwickeln zu können, muss das Quartier eine notwendige Größe haben. Das Konzept sieht aus diesem Grund sowohl für die Gutleutmatten-West als auch für den Bereich Gutleutmatten-Ost ein durchgehendes städtebauliches Thema vor.

    Die Ausrichtung des Baufelder sowie deren Dimensionen ergeben sich zum einen aus den vorhandenen Wegesystemen und Parzellen der Kleingärten in Nord-Süd-Richtung, als auch durch der einzig möglichen Zufahrt von der Eschholzstraße und der sich daraus ergebenden Ost-West-Zonierung des Areals.

    Um den Übergang zwischen der Gartenstadt, den öffentlich geprägten Freiflächen der öffentlichen Nutzungen im Westen und den Freiflächen entlang des Haslacher Dorfbaches zu schaffen, sieht das Konzept eine Umkehr des traditionellen städtebaulichen Prinzips vor: nicht der Blockrand oder die Zeile begrenzen die Parzelle, sondern einzelne Bebauungscluster stehen in einer großen Freifläche mit öffentlichem Charakter. Dadurch wird das Thema Gartenstadt neu interpretiert und sowohl die Durchlässigkeit zur Gartenstadt als auch die Grünvernetzung mit den Freiflächen entlang des Bachlaufs im Norden erreicht.

    Das Quartier im Park
    Das neue Quartier ist geprägt von der Parklandschaft, die unter den einzelnen Baugruppen hindurch fließt. Fußwege begleiten die Straßen als Gehsteige, wo es notwendig ist. Wo aber möglich, verlaufen sie frei, beidseitig von Wiesenflächen begleitet und bringen die Atmosphäre des Parks auch in die alltäglichen Wegestrecken. In den gut proportionierten Teilräumen werden je nach Lage im Gesamtkontext atmosphärische Qualitäten und nutzbare Teilräume geschaffen. In den drei größten Räumen, zwischen den Baugruppen sind großzügige Kinderspielbereiche und Aufenthaltsflächen in die Parklandschaft eingefügt. Die sorgfältige Gestaltung dieser Platzräume mit Pergolen, gärtnerischen Pflanzungen und robusten Flächen erlauben es Teilöffentlichkeiten und öffentliches Leben in Kontakt zu bringen.

    So entstehen Orte der Begegnung zwischen Menschen aus dem Quartier und Gästen. Eine Sonderstellung nehmen die Räume flankierend zur Eschholzstraße ein. Im Westen wird hier mit dem wertvollen Baumbestand das Bild der Parklandschaft eindrucksvoll begonnen, im Osten entstehen unter dem Baumdach des ca. 40 m breiten Streifens eine Kindertagesstätte und ein Begegnungsraum. Die Wegestruktur verbindet wichtige Anschlüsse wie Brücken, Bahnübergänge und Eingänge und bildet die Kanten erkennbar zusammenhängender, aber vielgestaltiger Räume.

    Die Bepflanzung folgt dem Leitbild Park, also werden vorwiegend Großbäume, wenige Gehölzgruppen und kleinere Staudenpflanzungen verwendet. Die Wiesenflächen binden den gepflegten Parkaspekt zusammen.

    Eine atmosphärisch eigenständige Qualität bietet der Freiraum entlang des Dorfbaches. Das bauliche Konzept sieht in der Nordkante der Siedlung relativ kurze Bautypen vor, die diesem naturnahen Raum viel Platz erlauben. Das Bachprofil wird neu angelegt, die Hochwassersicherheit wird über einen sanften Deich hergestellt, vor allem aber wird die Kante zwischen Siedlung und Bachaue über einen Flanierweg und anhand von kleinen Plattformen für Aufenthalt und Spiel erschlossen, die Aue wird Anwohnern und Besuchern als einprägsamer Ort angeboten. Zusätzlich zu den geforderten Spielplätzen, entstehen hier in Siedlungsnähe Räume für Erlebnisspiel und Naturerleben für alle Altersgruppen.

    Die Wohnhöfe
    Die Struktur der Wohnhöfe orientiert sich an einer Mischung unterschiedlicher Typologien. Die Gebäude stehen auf einem gemeinsamen Sockel und sind so angeordnet, dass die Trennung von umgebendem Freiraum und internem Hof sichtbar wird. Während sich die Gebäude zur stark befahrenen Carl-Kistner-Straße im Süden hin schließen und eine ablesbare Raumkante bilden, öffnen sich die Wohnhöfe nach Norden zu den Freiflachen entlang des Bachlaufes.

    Höhe der Gebäude / Typologien
    Durch die Konzentration der Dichte auf kleinerer Fläche ergibt sich eine teilweise Erhöhung der Bebauung, im Gegenzug aber auch eine Erhöhung des Freiflächenanteils. Die vorgeschlagene Bebauung der Höfe variiert zwischen drei und sechs Geschossen. Vorherrschende Dachform ist das Flachdach, wodurch großzügige Dachterrassen und eine Begrünung der Dächer im Sinne der Regenwasserversickerung ermöglicht werden. Als Akzent und zur Schaffung einer Eingangssituation ist an der Ecke Carl-Kistner-Straße und Eschholzstraße ein siebengeschossiges Gebäude vorgesehen.

    Die Gebäude sind als Zwei- und Dreispänner organisiert, der angebotene Wohnungsmix reicht von 2-5 Zimmer-Wohnungen im Geschosswohnungsbau - teilweise barrierefrei - bis hin zu gestapelten Maisonettewohnungen mit vier Zimmern. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 50 und 140 qm.

    Erschließung
    Die Erschließung erfolgt nicht von außen, sondern die einzelnen Wohnhöfe werden konsequent über eine in Ost-West-Richtung verlaufende Quartiersstraße von innen erschlossen.
    Die Erschließung wird als durchgehender öffentlicher Raum betrachtet, Platzsituationen unterbrechen die Straßenprofile und erzeugen eine vielschichtige Benutzung. Nebenanlagen für Fahrräder und Entsorgung, sowie Besucherparken wird auf attraktiven urbanen Belägen in die Plätze integriert.
    Die notwendigen Stellplätze werden in Tiefgaragen nachgewiesen, die den einzelnen Wohnhöfen zugeordnet sind. Die Gestaltung als verkehrsberuhigtes Quartier ist in Verbindung mit der hervorragenden Anbindung an das ÖPNV-Netz darstellbar.

    Die Konzentration der Bebauung auf Wohnhöfe in einem gestalteten Park stellt eine
    zeitgemäße Interpretation des Themas Gartenstadt dar. Der nach außen hin sichtbare, hohe Anteil an Freiflächen kommt sowohl den Bewohnern des Quartiers als auch Besuchern zu Gute und ermöglicht die Durchlässigkeit zu den angrenzenden Nachbarschaften. Es ergibt sich - im Gegenüber zur Gartenstadt - ein Wohngebiet mit bewußt eigenem Charakter aber ähnlich hohen Qualitäten in zeitgemäßer, flächensparender Ausformung.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.