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  • DE-28779 Bremen
  • 05/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-45067)

Dialogverfahren für das Gelände der Bremer Wollkämmerei


  • Sieger


    Architekten
    WESTPHAL ARCHITEKTEN BDA, Bremen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Birgit Westphal , Jost Westphal

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Lohaus + Carl GmbH Landschaftsarchitekten + Stadtplaner, Hannover (DE)

    Erläuterungstext
    Das gründerzeitliche Fabrikgelände der Bremer Wollkämmerei wurde 2007 nach über 100 Jahren Tätigkeit geschlossen.
    Im Zuge eines Dialogverfahrens sollte die Planung für eine städtebauliche Umstrukturierung für das ca. 40 ha große Gebiet des ehemaligen Betriebsgeländes entwickelt werden mit dem Ziel der Attraktivitätssteigerung aller städtebaulichen und freiraumplanerischen Abhängigkeiten des Quartiers.

    Besondere Schwerpunkte hierbei sind die Fortführung des Weserweges und die Verbindung der angrenzenden Wohnquartiere, des Zentrums und des Marktplatzes mit dem Weserufer.

    Unser Entwurf öffnet in der ersten Entwicklungsstufe die historische Wegachse im Osten des Geländes als neue Wegeverbindung zwischen Blumenthal und der Weser. Die bestehende Fläche zwischen den historischen Industriegebäuden wird vollflächig gepflastert, so dass eine großzügige Freifläche entsteht, welche von Fußgängern, Radfahrern und Anliegerverkehr gleichermaßen genutzt werden kann.
    Auftakt der identitätsprägenden Straße bildet der neu gestaltete Platz an der Landrat-Christians-Straße, das Finale an der Weser wird durch einen Platz vor der Fliegerhalle mit einer Aussichtsterrasse vollendet.

    Der im Westen bestehende Weserweg wir nach Osten verlängert. Im Rahmen der erforderlichen Maßnahmen für den Hochwasserschutz wird die bestehende, veraltete Spundwand in ihrer Höhe reduziert und eine neue Spundwand im rückwärtigen Bereich gesetzt, so dass eine Promenade direkt am Wasser entsteht, welche Fußgängern und Radfahrern ungehinderten Wasserblick ermöglicht.
    Dieser Weserwanderweg mündet in eine großzügige parallel zur Weser angeordnete Freifläche mit dem Charakter einer grünen Düne. Die dünenartige Böschung umspielt die Hochwasserschutzwand, so dass diese nur in Teilbereichen in Form von Sitzbänken im Hochpunkt der Düne sichtbar wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Auszüge aus der Bewertung „Dialogverfahren für das Gelände der Bremer Wollkämmerei“

    Team 1:
    Westphal Architekten (Bremen) und LohausCarl Landschaftsarchitekten (Hannover)

    Das Konzept zeigt drei städtebaulich bedeutsame Maßnahmen für die erste Stufe.

    • Die historische Achse wird ihrem Charakter gemäß sehr angemessen und gut gestaltet. Ein Neubau am Eingangsplatz zum BWK-Gelände rundet den Raum ab und bietet einen guten Auftakt. Zur Weser hin erfährt die Achse durch die Reihung vier neuer Gebäude einen gestalteten Endpunkt. Dazwischen spannt sich der eher steinern gehaltene Raum der historischen Achse auf, der mit dem Reichtum an historischen Industriegebäuden eine unverwechselbare Adresse ausbildet.

    • Entlang der Weser wird mit einfachen Mitteln eine attraktive Uferpromenade gestaltet, von der aus der Blick auf die Weser aufgrund einer gestalterisch geschickten Integration des Hochwasserschutzes gegeben ist.

    • Ein kleiner, in Anlehnung an Dünen-Motive eigenwillig gestalteter Park mit beinahe unmerklich eingebundener Hochwasserschutzwand verknüpft die historische Achse mit dem Uferweg, schafft einen interessanten Erlebnis- und Aufenthaltsraum und bildet eine gute Adresse für erste Ansiedlungen.

    Diese drei prägnanten Maßnahmen einer ersten Entwicklungsstufe definieren den Rahmen für weitere städtebauliche Entwicklungen, die sowohl großteilige wie auch bei entsprechender Feinerschließung kleinteilige Zuschnitte für neue gewerbliche Ansiedlungen auf dem BWK-Gelände zulassen. Neben diesen Entwicklungsoptionen berücksichtigt das Konzept auch eine mögliche Wiederbelebung des Gleisanschlusses sowie einen möglichen Schiffsanleger, wenngleich der Schiffsanleger an dem im
    Konzept vorgeschlagenen Standort nicht funktionieren kann.

    ...

    Insgesamt zeigt der Entwurf für die erste Stufe einen prägnanten, gut gestalteten Rahmen für weitere Entwicklungen, insbesondere wird das gestalterische Potenzial der historischen Achse als neue Adresse und Verknüpfung gut genutzt.

    ...

    Empfehlung

    In der abschließenden Diskussion wird deutlich, dass die Gesamtentwicklung dieses Areals nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Wichtig ist deshalb bei einem von Unwägbarkeiten behafteten Entwicklungsprozess einen ersten Schritt zu machen, der einerseits einen markanten Rahmen und Zeichen für die künftige Entwicklung setzt, der andererseits auch eine ausreichende Offenheit für unterschiedliche Entwicklungen innerhalb dieses Rahmens besitzt. Es gilt also, mit
    einfachen, gestalterisch prägnanten Maßnahmen in einem ersten Schritt wesentliche städtebauliche Aufwertungen des Standortes zu erzielen, die die historische Achse angemessen und attraktiv in Szene setzen, Blumenthal an die Weser bringen und neue gute Arbeitsadressen schaffen. Mit der Aufwertung der historischen Achse kann eine attraktive Verbindung zwischen dem Ortsteil und der Weser und zugleich eine besondere Adresse für neue Entwicklungen geschaffen werden. In Kombination mit einer
    großzügig gestalteten Uferpromenade entsteht der städtebauliche Rahmen für künftige
    Umstrukturierungen des gesamten Geländes mit einer breiten Palette unterschiedlicher Optionen für eine Langfristperspektive.

    Nach ausführlicher Diskussion der Vor- und Nachteile der vier Beiträge ist das Beurteilungsgremium einstimmig der Auffassung, dass die Anforderungen an gestalterische Prägnanz und hohe Funktionalität für einen ersten städtebaulichen Entwicklungsschritt im Entwurf des Teams 1: Westphal Architekten (Bremen) und LohausCarl Landschaftsarchitekten (Hannover) am bestem gelöst sind und deshalb dieses Konzept der weiteren städtebaulichen Konkretisierung zugrunde gelegt werden soll.