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  • DE-10623 Berlin, MY Kuala Lumpur
  • 06/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-29852)

Deutsche Botschaft Kuala Lumpur/ Malaysia - Neubau eines Kanzleigebäudes


  • Anerkennung

    Technikgeschoss

    TGA-Fachplaner
    Domann Consulting Engineers GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Domann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: huber staudt architekten bda, Berlin (DE)
    Bauingenieure: EiSat GmbH, Eisenloffel, Sattler + Partner, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Mit den baulichen Maßnahmen wird eine energetische Gebäudequalität erreicht, welche einen geringen technischen Aufwand erfordert und die Unterhaltungskosten auf ein notwendiges Minimum reduziert.
    Die Fassaden der Gebäudeteile sind bezogen auf die transparenten Fensteranteile optimiert und mit hochwertiger Wärmedämmung ausgeführt und schützen so das Gebäude vor Erwärmung. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die aus europäischer Sicht umgekehrte Problematik der Kondensation an Außenbauteilen gelegt. Der solaren Aufheizung der Gebäude wird mit außenliegendem Sonnenschutz entgegengewirkt.
    Das Gebäude befindet sich in einer Region mit feuchtheißem Tropenklima. Um ein komfortables Raumklima zu schaffen, das den Arbeitsbedingungen angemessen ist, ist es erforderlich, neben der hervorragenden thermischen Hülle mit außenliegendem Sonnenschutz, alle Räume des Neubaus mit konditionierter Außenluft zu versorgen. Diese ist zentral zu kühlen und zu entfeuchten. Die hierfür eingesetzten Energien werden durch folgendes nachhaltige Konzept gering gehalten:
    Zur Kälteerzeugung dient eine Kombination aus Absorptions-und Kompressionskälteschienen, wobei die Absorptionskälteanlage die Grundlast mit ca. 1/3 der Gesamtkälteleistung decken soll. Die erforderliche Wärme wird hierfür über Hochleistungs-Röhren-Kollektoren bereitgestellt, die auf der Dachfläche angeordnet werden. Aufgrund des ganzjährigen Kältebedarfes und der Auslegung lediglich für die Grundlast, werden hier sehr hohe Jahresvollbenutzungsstunden erreicht, die das gewählte System nicht nur energetisch und ökologisch sinnvoll machen, sondern auch wirtschaftlich eine nachhaltige Lösung darstellen.
    In einer zentralen Lüftungsanlage mit variablem Volumenstrom wird die Außenluft entfeuchtet, wobei die Nacherhitzung mit Abwärme der Kälteaggregate erfolgt. Diese wird den Räumen über ein Kanalnetz bedarfsgerecht über Volumenstromregler zugeführt. Ziel ist es dabei lediglich den hygienisch erforderlichen Außenluftbedarf durch die Zentrallüftung bereitzustellen. In den Räumen sorgen Zweileiter-Induktions-Zuluftauslässe für eine individuell an die thermischen Lasten angepasste Leistung der einzelnen Räume. Eine Entfeuchtung findet in der Regel in den Räumen nicht mehr statt, sodass auf eine aufwändige Entwässerung der Raumkühler verzichtet werden kann. Eine Beheizung ist nicht erforderlich.
    Die zunehmende Versiegelung der Stadt Kuala Lumpur führt zu deutlichen Problemen das Regenwasser in üblicher oberirdischer Weise abzuführen. Daher gibt es Bestrebungen anfallendes Regenwasser auf den Grundstücken zu belassen bzw. verzögert abzuleiten. Daher wird folgende vorbildhafte Konzeption für den Neubau der Deutschen Botschaft vorgeschlagen:
    Das regelmäßig in großen Mengen anfallende Regenwasser wird aus den Dachflächen teilweise in einer Zisterne zur Grauwassernutzung gesammelt, damit werden sämtliche Toilettenspülungen versorgt. Die übrige Entwässerung der versiegelten Flächen wird in Regenrückhaltebecken geleitet aus denen das Wasser über offene Kanäle versickert bzw. der Straße zugeleitet wird. Das unterirdische Regenrückhaltebecken wird mit einer Pumpe kontinuierlich geleert, welche in einem autarken System über Solarstrom betrieben wird. Die hierfür erforderlichen PV-Module werden neben den Kollektoren auf der Dachfläche angeordnet.
    Das Gesamtsystem der technischen Anlagen ist neben der energetischen und wirtschaftlichen Optimierung, darüber hinaus so gewählt, dass es robust gegen Fehlbedienung ist und unempfindliche Systeme mit geringem Installations- und Wartungsaufwand zum Einsatz kommen. Aus diesem Grunde wurde die erforderliche Netzersatzanlage nicht als wartungsintensives Blockheizkraftwerk konzipiert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser präsentiert seine Entwurfslösung als schwebendes Gebäude, dass in der Fassadenabwicklung nicht durchgängig erkennbar ist. Den dreigeschossigen rechteckigen Baukörper umgibt er allseitig mit senkrechtem Aluminiumslamellen und macht besondere Funktionen durch ausgeschnittene „Fenster“ in der Fassade sichtbar. Die flexiblen und gängigen Fensterbänder der Büros werden hinter einer zweiten Außenhaut (Lamellen) versteckt, was im Preisgericht kontrovers diskutiert wird.

    Die Eingangssituation zu den unterschiedlichen Nutzungszonen, mit dem Visa Garten wie auch den Parkplätzen im rückwärtigen Bereich, ist funktional und gestalterisch gut gelöst. Auch die interne Erschließung und Verteilung der Arbeitsgelegenheiten ist nachvollziehbar und hat räumliche Qualitäten. Kosten und Flächenwerte liegen im guten Bereich.

    Positiv wird gesehen, dass rund ein Drittel der Kühlenergie durch Solartechnik erwirtschaftet wird; ansonsten kommt ein konventionelles robustes Technikkonzept zur Anwendung.