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  • 1. Preis

    Perspektive

    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN) Büroprofil

    Mitarbeit
    Projektleiter: Jürgen Friedemann Mitarbeiter: Aleksandra Nitschke-Stefanovic, Christian Steimel, Antonio Catita, Philipp Lehmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: WES LandschaftsArchitektur Schatz Betz Kaschke Wehberg-Krafft Rödding, Hamburg (DE), Oyten (DE), Berlin (DE), Düsseldorf (DE), Shanghai (CN)
    Modellbauer: modellbau hannemann, Oldenburg (DE)

    Erläuterungstext


    Städtebau
    Der Entwurf folgt weitgehend den Vorgaben der Konzeptpläne und verändert sie nur in wenigen Punkten.

    • Die Bauflucht der LzO wird nicht – wie vorgeschlagen – leicht in den Schlossplatz hineingedreht, sondern bleibt parallel zur Nordfassade des Schlosses. Dadurch wird die Alte Wache in der Blickachse des Berliner Platzes etwas stärker freigestellt und wird zum Umlenkpunkt der Raumkanten beider Plätze.
    • Die höheren Teile der Baukörper von LzO und Stadtgalerie zum Schloss hin liegen nun in einer Flucht und bilden eine ruhige und zurückhaltende stadträumliche Fassung des Platzes, vor deren Hintergrund eine stärkere Gliederung der niedrigen Teile für die notwendige Maßstäblichkeit sorgt. Dabei tritt der vorspringende Teil der LzO etwa stärker in den Platz hinein und wird vom Wallring dadurch besser wahrnehmbar.
    • Die Raumkanten der an die Alte Wache angrenzenden Gebäude (LzO im Osten und Stadtgalerie im Norden) werden jeweils parallel zu deren Außenwänden gestellt. Dadurch entsteht eine sehr elementare bauliche Rahmung des historischen Gebäudes, die seiner eigenen klaren Baukörperform entspricht und auch eine sehr reduzierte Ausführung der Glasüberdachung dieses Zwischenraums ermöglicht.
    • Die Achse des westlichen Arms der Passage wird leicht nach Norden verschwenkt, um ein möglichst ausgewogenes Verhältnis der Raumtiefen nördlich und südlich der Passage zu erreichen.

    Stadtgalerie
    Die Ausformulierung des Wegesystems und der Fassaden konzentriert sich auf die Übergangsbereiche zum öffentlichen Raum und reagiert dort auf die unterschiedlichen Bedingungen.

    • Die Eingangsfassade im Westen wird sehr nahe an den Mark herangerückt und öffnet sich mit einer großen einladenden Geste nach dort. Die Höhe der Öffnung signalisiert im Maßstab bereits die Zweigeschossigkeit der Passage.
    • Gleiches gilt für den Zugang im Osten, der jedoch bescheidener gestaltet wird und auf die dort angesiedelte Bushaltestelle zielt.
    • Die Nord-Süd-Passage hält die Blickachse zwischen den Türmen offen. Die inneren Fassaden werden in Material und Struktur wie Außenwände behandelt, so dass der Weg den Charakter einer glasüberdeckten Außenraums erhält.
    • Der starke Bruch zwischen der hohen Baumasse der des Ostteils und der niedrigen des Westteils wird mit einer gebäudehohen Rotunde im Schnittpunkt der beiden Wegeachsen bewältigt. Der zylindrische Raum öffnet sich nach oben und ist in der Achse der Nord-Süd-Passage aufgeschnitten, um die Blickachse freizuhalten.
    • Die Fassaden variieren das Thema der Lochfassade. Die geschlossenen Wandflächen sind mit hellen Natursteinplatten verkleidet. Die festen Verglasungen im 1.OG sind mit verdeckten Rahmen und umlaufenden Zargen scharf in diese Flächen eingeschnitten. Sie alternieren mit senkrecht zu Fassade stehenden festen Werbeträgern und bewirken gemeinsamen mit diesen eine Rhythmisierung der Fassaden.
    • Im EG öffnen sich die Fassaden mit großen Glasflächen zu den umgebenden Straßen- und Platzräumen. Insbesondere zum Berliner Platz sollten die erdgeschossigen Mietflächen vorwiegend mit gastronomischen Einrichtungen besetzt werden, die eine Belebung des Platzes bewirken. Dafür bietet die vorgeschlagene Platzgestaltung und die gute Besonnung der Vorflächen gute Voraussetzungen.

    Wohnbebauung
    Oberhalb der beiden Einkaufsgeschosse bildet die Wohnbebauung das Gesicht des neuen Quartiers zum Berliner Platz hin. Sie wird als lineare Struktur dem Parkhaus vorgelagert und setzt sich an der Poststraße oberhalb der beiden unteren Geschosse mit deutlichem Abstand von diesem ab. Die Bebauung wird dabei bewusst nicht um die Ecke geführt, sondern betont durch ihre ausschließliche Orientierung zum Schloss hin ihre Funktion als Platzwand.

    Die Wohnungen sind über drei Treppenhäuser als Zweispänner erschlossen. Diese dienen gleichzeitig als Rettungswege für die Läden und gliedern als bauliche Zäsuren die lange Gebäudeflucht am Berliner Platz. Kurze Quertrakte zwischen der Bebauung am Platz und dem Parkhaus bilden kleine begrünte Innenhöfe und ermöglichen eine Querlüftung und –belichtung der Wohnungen.

    Die untere Ebene nutzt die gesamte Gebäudetiefe und integriert die breiten Loggien zum Schloss hin in die Baukörper. Die beiden oberen Ebenen sind als Maisonetten mit einer interner Treppe verbunden und nutzen die schmalen Terrassenflächen, die durch die Rückstaffelung des Baukörpers entstehen, als private Freiräume.

    Parkhaus
    Das Parkhaus oberhalb der Einkaufsgeschosse entspricht in der Organisation weitgehend den planerischen Vorgaben. Gestalterisch werden diese Geschosse stark von den darunter liegenden abgesetzt und bewirken dadurch eine starke horizontale Gliederung des Baukörpers. Die Außenflächen werden zwischen horizontal verlaufenden Stahlprofilen mit vertikal stehenden Profilgläsern verkleidet. Diese haben unregelmäßige Lücken und ermöglichen dadurch eine natürlichen Durchlüftung des Parkhauses. Durch ihre leichte Farbigkeit und matte Oberfläche bilden sie einen filternden Sichtschutz nach außen, ohne die Nutzung völlig zu verbergen und lassen diese Geschosse bei Dunkelheit leicht nach außen schimmern. Diese Verkleidung setzt sich auch über einen Teil der Wendelrampe bis nach unten fort und unterbricht an dieser Stelle die umlaufende Lochfassade als Signal für den Zufahrtsbereich.

    Die Fassade wird so hoch gezogen, dass die Autos auf der obersten Parkebene vom Platz und den angrenzenden Straßen aus nicht sichtbar sind. Die Dachfläche wird optisch gegliedert von einem regelmäßigen Raster von senkrechten Masten, die die Beleuchtung aufnehmen und auch als Unterkonstruktion für ein horizontales Seilnetz dienen, dass eine luftige Begrenzung des Parkdecks nach oben bildet. Der Zugang von den Parkebenen zur Stadtgalerie erfolgt über die nach oben verlängerte östliche Rolltreppenanlage und eine Aufzugsgruppe in der zentralen Rotunde.

    Häusing
    Der Häusing bleibt auf der Länge des Altbaus der Bremer Landesbank offener Straßenraum. Der Giebel bleibt völlig frei, vom Beginn des Staffelgeschosses an wird ein leichtes Glasdach zwischen den beiden Staffelgeschossen von Kaufhof und Bremer Landesbank gespannt, das einen Witterungsschutz bietet, ohne den Charakter des Straßenraums zu einem Innenraum hin zu verändern. Durch die Lage des Daches können die Fassaden beider Häuser unangetastet bleiben.

    Das querstehende Gebäude der Bremer Landesbank wird auf beiden Seiten in eine zweigeschossige Bebauung eingebunden, die man in der Achse des Häusing am Ende des offenen Abschnitts betritt. Der August-Hinrichs-Hof wird damit bewusst als Außenraum aufgegeben und der Häusing als Zugang zu einer linear geführten Passage inszeniert, die eine Abfolge von eingeschossigen Abschnitten und zweigeschossigen Lufträumen bildet. Diese erhalten Tageslicht von oben erhalten und verbinden mit offenen Treppen die beiden Einkaufsgeschosse. Die Überbauung des Platzes wird durch eine Überhöhung der Umfassungswände weitgehend in den neueren Teil der Bremer Landesbank integriert und bildet ein eigenständiges Volumen im Zusammenspiel mit den Rändern des Häusing.

    Die Erdgeschosszone des Altbaus der Bremer Landesbank wird durch Herausnahme der Fensterbrüstungen zum Häusing geöffnet. Durch interne Treppen kann auch das darüber liegende Geschoss in die Ladennutzung integriert werden. Die Höhen werden innerhalb des Bestandes so angeglichen, dass möglichst flexibel aufteilbare Ladenflächen entstehen, die getrennt von denen der Stadtgalerie betrieben werden aber auch in diese integriert werden können.

    Galeria Kaufhof
    Eine bauliche Verbindung des Gebäudes von Galeria Kaufhof zur neuen Bebauung besteht nur im Erdgeschoss. Dabei wird die Deckenhöhe im Anschlussbereich so gewählt, dass ihre Oberkante unterhalb der vorgehängten Fassade bleibt. In den Obergeschossen halten die Außenwände der neuen Bebauung Abstand davon. Entlang des Häusing wird das leichte Glasdach hinter der Vorhangfassade im Bereich des Staffelgeschosses auf die Tragkonstruktion des Kaufhauses aufgelegt.

    Im EG können die an das Kaufhaus angrenzenden Verkaufflächen diesem zugeschlagen oder separat genutzt werden. Es wird vorgeschlagen, den östlichen Eingang des Kaufhauses bis an die Nord-Süd-Passage vorzuverlegen, um eine möglichst gute Integration des Wegenetzes der Stadtgalerie mit dem Kaufhaus zu erreichen.

    LzO-Stammhaus
    Die Disposition der Geschosse wird gegenüber den Vorschlägen etwas verändert.. Der Baukörper gliedert sich in der Höhe in einen dreigeschossigen Teil, der die eigentliche Raumkante des Platzes bildet und zwei Staffelgeschosse dessen Front sich nach Osten in die Flucht der Stadtgalerie fortsetzt. Beide Teile verbinden sich jedoch an den Schmalseiten zu einem gemeinsamen Baukörper, der genügend Kraft hat, um sich gegenüber der großen Baumasse der Stadtgalerie als selbstständiger Stadtbaustein mit eigener Identität zu behaupten.

    Im Sinne der starken Identifikation der LzO mit dem angestammten Standort wird die Alte Wache nicht fremdgenutzt. Es wird vorgeschlagen, darin die Immobilienabteilung der LzO unterzubringen, die dort als selbstständige Einheit einen eigenen Eingang mit eigenen Öffnungszeiten erhalten kann.

    Verbindendes Element von Alter Wache und Neubau ist das SB-Foyer als sogenannte „Glasfuge“. Der Raum wird eigentlich von den Außenwänden der angrenzenden Gebäude gebildet und bleibt auf diese Weise Teil des Stadtraums. Er wird nur mit einer sehr transparenten Glaswand und einem filigranen Glasdach klimatisch gefasst. Mit dem direkten Übergang zur Passage der Stadtgalerie wird es gleichzeitig integraler Teil des inneren Wegenetzes im neuen Einkaufsquartier.

    Von hier gelangt der Kunde über die gesamte Breite des Foyers in die Kundenhalle und trifft dort unmittelbar auf den Aktionsbereich und die zentrale Information, über die die Kundenströme verteilt werden. Herzstück dieses Bereichs ist eine zweigeschossige Halle im rückwärtigen Bereich, der Tageslicht von oben erhält und damit trotz der großen Gebäudetiefe eine attraktive Arbeitsatmosphäre für die Kundenbetreuung schafft. Die Beratungsplätze liegen zum Platz hin an der Außenfassade. Nebeneingang, Geldanlieferung und Kassenbereich bilden einen abgeschossenen Block mit direkter Verbindung zu den internen Bereichen im UG. Eine offene Treppe und ein Glasaufzug verbinden die Halle mit der offenen Galerie, auf der sich die weiteren Beratungsbereiche befinden, und mit dem Kundentresor im UG.

    In den Obergeschossen werden die weiteren Bürobereiche der LzO in einer flexiblen Büroraumstruktur angeordnet, die offen ist für Veränderungen der Organisationsstruktur. Das oberste Geschoss nimmt den Veranstaltungsbereich auf, der über das östliche Haupttreppenhaus direkt von außen erreicht werden kann und mit einer kleinen Dachterrasse und einem schönen Blick auf den Schlossplatz einen attraktiven Rahmen für diesen Zweck bildet.

    Das Gebäude ist als völlig eigenständiges Gebäude konzipiert, das mit durchgehenden Brandwänden und Gebäudefugen von der übrigen Bebauung abgetrennt ist. Die Primärkonstruktion besteht aus Stahlbeton. Die geschlossenen Flächen der Außenwände werden mit hellem, matt geschliffenem Naturstein mit geschlossenen Fugen verkleidet. Der dreigeschossige Teil der Platzwand ist als Lochfassade ausgebildet. Die Fenster sind plastisch ausgeformte Elemente mit einer großen festverglasten Scheibe, die einschließlich der Führung des Sonnenschutzes bündig in der Steinverkleidung liegt, und zwei schmalen seitlichen Lüftungsflügeln, die mit geschossenen Metalloberflächen tief in der Laibung sitzen und der Fassade ein lebendiges Spiel von Licht und Schatten vermitteln. In den beiden höheren Geschossen bilden gegliederte Fensterbänder einen ruhigen, sehr transparenten Hintergrund dazu, der die optisch wirksame Baumasse reduziert.

    Freiraumkonzept
    Der Entwurf für den Freiraum am Standort des neuen ECE-Einkauftszentrums und des Stammhauses der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) am Schlossplatz und Berliner Platz leitet sich aus den historischen Vorbildern einer freien Platzfläche zur Zeit des Klassizismus Ende des 18. Jh./ Anfang des 19 Jh. ab. Es spannt sich eine Komposition mit Zitaten antiker Baukunst (H. Stracks Schlosswache) um die Schlossinsel auf der das Schloss im Grünen liegt.

    Die Sichtachse zwischen Post- und Schlossturm wird frei geräumt, die Wache liegt wieder als Solitär auf dem Platz, die neue/alte Baumalle an der Straße Schlossplatz bildet die wichtige Raumkante nach Westen.

    In diesen eher ‚richtungslos’ gestalteten Platz ragen die Vorflächen der Cafes in Analogie zum Vorplatz der Schlosswache hinein, wie im Aquarell von Presuhn um 1850 dargestellt. Diese ‚Wanderungen’ werden gesondert ausgebildet. Einzelne vorhanden Großbäume und Eiben auf dem Platz v.a. vor der Südfassade des Neubaus werden erhalten und in die Gestaltung eingebunden.

    Der Platz wird in dem ortstypischen auch bei neueren Bauvorhaben in Oldenburg eingesetzten Kleinsteinpflaster im wilden Verband befestigt. Lediglich die Restaurant-Vorzonen und die Alte Wache erhalten besondere ‚Teppiche’ im Plattenformat.

    Die Höhenverhältnisse des Platzes entwickeln ein Gefälle zur Sitzbank vor dem Schloss (vgl. Schnitt). Zusätzlich stellt die wichtige Wegeverbindung von der Kirche St. Lamberti eine Wasserscheide zur Entwässerung des Platzes dar.

    Die Bank ist Treff- und Anziehungspunkt und im Gegensatz zum ‚verzehrpflichtigen’ Bereich der Gastronomieeinrichtungen für jedermann nutzbar. Rückseitig schließt eine locker mit Buxkugeln und Blütensträucher strukturierte Rasenfläche an.

    Wir denken, dass der neue Schlossplatz ohne aufwändige Lichtinszenierung auskommt, sondern nur die historischen Fassaden (Schloss und alte Wache) angestrahlt werden und auf der Nordseite des Platzes vor dem Einkaufszentrum Lichtmasten die Vorbereiche ausleuchten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.