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  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Prof. Ludwig Schegk, Stephan Gentz

    Erläuterungstext
    städtebau - gesamtkonzept
    Mit dem Abbruch der Gebäude im unmittelbaren Anschluss an Bleichhaus, Kornhaus und südlichem Arkadenbau wird eine städtebauliche Restrukturierung des Kloster-areals der Weißenau möglich. Die räumliche Freilegung auch des südlichen Teils der ehemaligen Klostergärten stellt die lange verloren gegangene Distanz zwischen Gewerbe und Kloster wieder her. Die Gebäude öffnen sich mit ihrer Längsseite wieder nach Westen, zur Sonne, und können mit attraktiven Nutzungen belegt werden. Mit dem Wegfall auch der aus Verlegenheit entstandenen Mauer zwischen den Arkadengebäuden weitet sich auch der Vorplatz vor der Klosterkirche großzügig nach Westen auf und gewinnt so an Würde und Gewicht in der Raumabfolge des Klosterareals. Er entwickelt sich von der reinen Verkehrsfläche zum zentralen Platzraum. Dies wird durch den Rückbau der bislang überbreiten Erschließung vom Torhaus her unterstützt. Die ankommenden Besucher erfahren so aus allen Richtungen wieder die Würde des Ortes.
    Die dem engeren Klosterbereich mit Kirche und Konventbau westlich vorgelagerten Gebäude und Freiräume, Klosterhöfe und Klostergärten, nehmen künftig wieder eine prägende Stellung ein zwischen dem weitläufigen Park im Osten und den profaneren Räumen des Gewerbes im Westen wie auch der Schul- und Sportflächen im Nordwesten.
    Durch neue Wegeverbindungen wird die gewünschte Durchlässigkeit zwischen diesen Bereichen und dem Park erhöht.
    Ein starkes landschaftsarchitektonisches Element in Form einer ‚Staudenleiter’ entlang des Weges vom nördlichen Torhaus bis zum südlichen Bleichhaus betont und definiert einerseits diese wichtige Verbindung und lädt auf der anderen Seite mit seinen vielen Durchlässen in den Park ein. Mit angemessenen, gärtnerischen Mitteln wird so eine hohe Attraktivität und Identität für das neu geordnete Klosterareal geschaffen, gleichzeitig die ‚poetry of space’ gestärkt.

    erschließung/ verkehr
    Die Zufahrt für Besucher von Westen wird neu geordnet. Eine Baumreihe leitet, aus Richtung Norden kommen, über die Bahnhofstraße und ‚An der Bleicherei’ den Weg zu den Stellplätzen. Am Übergang zum Gewerbegebiet wird durch geänderte Straßenführung die Zufahrt gestärkt und der Schleichverkehr behindert.
    Die Stellplätze werden im gesamten Areal neu geordnet, die geforderte Anzahl erreicht. Neue Stellplätze werden auf der künftigen TG für die neuen Nutzungen von Kornhaus, Bleicherei und Arkadenbau im Südwesten angelegt. Die Stellplätze am Torhaus werden nach Westen verlegt, die Umfahrung wird erhalten, ebenso die Zufahrt für Rettung von Norden zur Kirche, bei gleichzeitiger Reduzierung der Straßenfläche.
    Die Attraktivität für Fußgänger wird erhöht, die Durchwegung insbesondere zwischen Park und Schulgelände verbessert. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung für Radfahrer und Fußgänger wird gestärkt.





    gestaltung

    grün
    Zusätzlich zur räumlichen Neuordnung des Klosterareals mit Aufwertung des Kirchplatzes wird auch das Grün neu gestaltet. Neben behutsamen Reduzierungen des gehölzartigen Grünbestandes, z.B. zur Freistellung von Sichtachsen, wird das gesamte Areal mit garten- und landschaftsarchitektonischen Mitteln aufgewertet. Dazu werden verschiedene Elemente eingesetzt:
    - Baumreihen zu Führung an den Straßen sowie eine Kopfweidenreihe zur Abschirmung nach Westen zum Gewerbe hin, die auf gärtnerisch handwerkliche Traditionen im Klostergarten verweist
    - Hecken in unterschiedlichen Höhen zur räumlichen Definition wie zur Gliederung der neuen Klostergärten, ein Element der barocken Gartengestaltung
    - Rasenflächen zur großzügigen Gestaltung der neuen Räume
    Und nicht zuletzt bildet die ‚Staudenleiter’ ein farbiges, vielgestaltiges und kräftiges gestalterisches Rückrat für das gesamte Klosterareal. Ein differenziertes Pflanz-konzept stellt Zusammenhänge zwischen Farbtemperaturen der Staudenblüten und den Jahreszeiten her und lässt dieses Element zu einer neuen Attraktion für Besucher werden.

    beläge
    Ein Belag aus hellem, grau-gelben Granitpflaster unterstreicht den freundlichen Charakter. Eine homogene Pflasterung im Netz- bzw. Passe-Verband lässt großzügige Räume entstehen. Enge Fugen und bearbeitete Oberflächen lassen einen angenehm begehbaren wie auch überrollbaren Belag entstehen, der auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gut zu benutzen ist.
    Das vorhandene Großpflaster wird für Einfassungen, Rinnen etc. wieder verwendet.
    Parkwege werden mit einer Gussasphalt-Mastix-Decke in den Hauptwegen und mit wassergebundener Wegedecke in gleicher Optik in den Nebenwegen belegt.


    ausstattung
    Ein Wasserplateau auf dem westlichen Kirchplatz leitet den Besucher zur Kirche. Spiegelungen der Kirchenfassade und -türme machen den Zusammenhang erlebbar. Das Becken begrenzt gleichzeitig einen sanft getreppten Aufenthaltsbereich unter Bäumen, der den Kirchplatz nach Westen abschließt. Durch seine aus der geneigten Fläche ragende Kante ist das Becken auch Umlenkpunkt für die Zufahrt zu den Stellplätzen wie zur TG.

    Bankelemente laden in den Höfen und Gärten zum Rasten und Verweilen ein, insbesondere mit Blick auf die blühenden Staudenfelder und die Kirchenfassade.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die freiraumplanerische Gesamtidee ist in stadträumlicher, funktionaler und historischer Sicht einleuchtend. Einerseits wird in Verlängerung der Mariataler Allee eine gute Wegverbindung zum Torhaus geschaffen (lineares Element). Andererseits wird durch den Abbruch der Mauer ein großzügig dimensionierter Kirchplatz geschaffen. Er liegt städtebaulich richtig, macht allerdings eine hochgradige Nutzung der Gebäude unabdingbar. Dieser verschafft der monumentalen Kirchenfront genügend Luft und Raum. Der Klosterhof ist als grüner Aufenthalts- und Erlebnisraum gestaltet und richtig dimensioniert. Möglicherweise liegt die Wegeverbindung zu nahe an der Kirche. Es besteht ein gewisses Konfliktpotential zwischen Kirchgängern und Radfahrern.

    Die Stufen und das wohlproportionierte Wasserbecken auf dem Kirchplatz machen den
    Geländesprung erlebbar und schaffen Möglichkeiten für eine gute Nutzung und Bespielung. Der hinterliegende Bereich ist wohltuend extensiv gestaltet und mit einer lockeren Bepflanzung akzentuiert. Die Anordnung der Stellflächen scheint möglich; tendenziell liegen sie zu dezentral. Störend ist die Tatsache, dass die Fahrzeuge nicht vom Gartenbereich abgeschirmt sind. Der markante Heckenwinkel blendet die Fabrikbauten wohltuend aus und schafft eine klare räumliche Grenze.

    Bezüglich der Materialisierung wird auf die zu monotone und insgesamt zu große Pflasterfläche hingewiesen. Die Idee der „Staudenleiter“ – eines im ständigen jahreszeitlichen Wandels befindlichen, blumigen Zierbandes wird als schönes, allerdings etwas überstrapaziertes Element angesehen: weniger wäre mehr!

    Die neuangelegten Wege schaffen eine eigenständige, brezelartige Figur, die das bestehende Wegenetz geschickt einbinden, die Ideallinien der Fußgänger nachzeichnen und auf selbstverständliche Weise die verschiedenen Atmosphären innerhalb des Areals verknüpfen.

    Richtigerweise stößt der Park auf drei Seiten bis an Kirchengebäude. Dadurch wird klar die Platzfront unterstrichen.
    Das Projekt besticht auf allen Maßstabsebenen durch eine stringente Analyse, maßvolle, richtig gesetzte Interventionen und eine hohe Stimmigkeit und Sinnlichkeit.