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  • 3. Preis


    Architekten
    behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    In den sich wandelnden Zeiten, – zwischen Städtebau und Architektur, zwischen Morphologie und Typologie, zwischen Anspruch und Mode – haben wir für den Campus der Heinrich-Heine-Universität ein robustes städtebauliches Ordnungssystem entwickelt, das auch langfristig sich verändernde Architekturen und Nutzungen aufnehmen und zusammenfügen wird. Diese, in der ersten Bearbeitungsphase definierte Prämisse haben wir in der zweiten Bearbeitungsstufe aufgenommen und weiterentwickelt:

    Die übergeordnete Leitidee ist hierbei, die städtebauliche Figur der Magistrale als Rückrad des gesamten Campus zu stärken. Die Magistrale wird im südlichen Teil westwärts verlegt, so dass sie direkt auf den zentralen Campusplatz zuführt. Das „Heinrich-Heine-Forum“ mit dem neuen Studentischen-Service-Center vereint somit auf völlig selbstverständliche Weise sämtliche Verkehrsströme aus Nord-Süd, wie aus Ost-West Richtung.

    Dieser Idee folgend, wird die Bebauung (Hörsäle und Seminarräume) entlang des südlichen Teils der heutigen Magistrale einer Transformation unterzogen. Mittels einer leichten, großzügigen Dachform zusammengebunden, wird sie zur „Heinrich-Heine-Lounge“ und übernimmt in dieser Form entscheidende Funktionen für den Campus: Im Alltag, als Treffpunkt und Ort der Kommunikation für Studierende und Lehrende, darüber hinaus als Ort für besondere Veranstaltungen wie Campustag, Tag der offenen Tür, Tag der Forschung und Campus-Messe. Diese Nutzungsmöglichkeit wird noch entscheidender, da die großzügigen Verkehrsflächen in den Erdgeschossen der 70er-Jahre Bebauung (z. B. Gebäudegruppe 25) im Zuge einer wirtschaftlichen Neustrukturierung, zukünftig vermutlich nicht mehr zur Verfügung stehen werden.

    Als städtebaulich markante Anfangs- bzw. Endpunkte der Nord-Süd-Magistrale werden in den Auftaktbereichen sowohl im Norden (Mensa) als auch im Süden (Parkhaus) höhere Punkthäuser (8-geschossig) vorgeschlagen. Als Nutzung sollen hier universitätsaffine Einrichtungen wie Dozentenappartments in den Obergeschossen entstehen – während die Erdgeschosse, vor allem am südlichen Ende der Magistrale, mit einer Gastronomiefunktion als Anlauf- und Treffpunkt ausgebildet werden soll. Von hier aus erschließt sich neben dem existierenden Parkhaus eine in Ost-West-Richtung verlaufende deutlich ausformulierte Querachse, die als bespielbare Fläche (wassergebundene Decke, gestaltet mit Wasserelementen), die angrenzende freie Landschaft des Botanischer Garten mit dem Campus verbindet.

    Entlang der Nord-Süd-Magistrale entstehen vier Quartiere (inkl. der nord-westlich gelegen Gebäudegruppe 22 / Studentenwerk) mit eigenen Zentrumshöfen. Die neuen Quartiershöfe bleiben auf Erdgeschossniveau (U1).

    Zur besseren Orientierung und Verbindung des westlichen und östlichen Quartiershofes (Gebäudegruppen 25 und 26) erhält die neuen „Heinrich-Heine-Lounge“ an zentraler Stelle eine deutliche Zäsur. Eine leichte gläserne Brücke, die von Fußgängern unterlaufen werden kann, gewährleistet eine klare visuelle Verbindung von der neuen Magistrale in Richtung der neuen Gebäudegruppe 26.

    Über großzügige Treppen, Rampen und Aufzüge werden die beiden Hauptebenen miteinander verbunden.

    Konzept Freianlagen

    Die Universitätsquartiere sind eingebettet in eine großzügige Parklandschaft, die sich von den Grünanlagen Düsseldorf- Bilks mit Volksgarten, Friedhof, Südpark bis zum Stoffeler Broich und schließlich zum Fleher Wäldchen am Rhein erstreckt. Im Bereich des zentralen Universitätsplatzes mit seinen freien Gebäudeformen fließt diese Parklandschaft durch den Campus und reiht thematisch die eingebetteten Gewässer an dieser Grünverbindung auf.

    Die Hochschulquartiere liegen wie akkurate Stempel in diesem schwingenden Park, herausgehoben durch umlaufende Baumreihen. Die Kristallisationskerne der Quartiere sind grüne Höfe, die durch Baumkarrees aus unterschiedlich gefärbten Bäumen markiert wird. So entstehen in den Höfen jeweils eigene Freiraum- Atmosphären.

    Klare Grünfugen erschließen die Quartiere von den äußeren Rändern und verknüpfen sie mit dem umgebenden Park. Als Weiterentwicklung zur ersten Bearbeitungsphase öffnet sich die Gebäudegruppe 26 im süd-östlichen Bereich in Form eines dreiseitig umschlossenen Hofraumes in Richtung des Botanischen Gartens und wendet sich den hier gelegenen Gewächshäusern zu.

    Im Norden rückt die Magistrale an die Gebäude heran und bildet eine klare Treppen-Kante nach Westen. Einzelne, bewusst platzierte Bäume schaffen räumlich angemessene Proportionen.

    Mit der Renaturierung des Bückerbachs wird der Botanische Garten um eine zusätzliche Gewässerlandschaft deutlich erweitert, die zur Steigerung der Erlebnisqualität der Parklandschaft beiträgt.


    Erläuterung zum architektonischen Konzept

    Das von uns vorgeschlagene architektonische Konzept gründet auf dem Ansatz, die entwickelten städtebaulichen Prinzipien auf selbstverständliche Art in Architektur zu übersetzen. Der Charakter der Gebäude für die naturwissenschaftlichen Forschung und Lehre soll geprägt sein durch Funktionalität, Offenheit und Klarheit.

    Mit einem durchgängigen Konstruktionsraster für sämtliche Gebäude von 7,20m x 7,20m bzw. einem Ausbauraster von 1,20m x 1,20m, welches eine flexible und wirtschaftliche Struktur für die ersten Bauabschnitte der HHU darstellt, wird die Gebäudegruppe 26 weiter entwickelt. Die einzelnen Funktionen der Biologie, Biowissenschaften, Chemie und der pharmazeutischen Psychologie werden in jeweils einem Gebäude untergebracht, mit Brücken untereinander und dann mit den Hörsälen verbunden. Somit wird für jede Funktion eine klare Adresse ausgebildet.

    Der Ersatzneubau Gebäudegruppe 26 ist als 5-geschossiges Hofgebäude 3-bündig organisiert. Die kompakte Staffelung von Laboren in der äußeren Raumschicht, mittig liegenden „dienenden Räumen“ und Büros in der inneren Schicht, schafft optimale Bedingungen für die funktionalen Anforderungen der Arbeitsgruppen, da so die horizontalen und vertikalen Verknüpfungen der Bereiche untereinander unmittelbar hergestellt werden können. Die Büroräume erhalten innenseitige Oberlichter zur Belichtung der Flurzonen.

    Innerhalb dieses funktionalen Gefüges entstehen auf den Geschossen an den beiden vertikalen Haupterschließungen offene Kommunikationszonen, die zu spontanem Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden einladen. Von hier aus ergeben sich Blickbeziehungen zum Außenraum in Richtung des zentralen Quartiershofes, in den Botanischen Garten und in den begrünten Innenhof.

    Das großzügige Hauptfoyer mit den anschließenden Funktionen der Hörsäle und Seminarräume, wird vom Quartiershof aus erschlossen. Eine zweite Haupterschließung ist dem Botanischen Garten zugewandt. Dieser Eingang kann in der ersten Phase der Nutzung, in der der Quartiershof noch nicht erstellt ist, die Funktion eines weiteren Hauptzugangs übernehmen.

    Der 6-geschossige Gebäuderiegel der Biowissenschaften folgt den gleichen Prinzipien wie der Ersatzneubau der Gebäudegruppe 26 und ist ebenso 3-bündig organisiert.

    Die Fassaden der Gebäude vereinen die funktionalen Anforderungen einer flexiblen Raumstruktur mit einer offenen und freundlichen Gestaltung. Die bandartigen Fassaden werden durch die großzügig verglasten Besprechungsräume und Kommunikationszonen gegliedert. Der modulare Aufbau der mit weißen Aluminiumkassetten verkleideten Fassaden ermöglicht auch hier eine ggf. später erforderliche Umnutzung.
    Im geschützten Innenhof erhalten die Fassaden eine bodentiefe Verglasung. Damit werden für die zum Hof orientierten Bürobereiche optimale Belichtungsverhältnisse geschaffen.

    Planungsteam behet bondzio lin architekten

    Dipl.-Ing. Martin Behet

    Dipl.-Ing. Stefanie Gaasch
    Ines Schulte BA Arch.
    Christian Voermann MA Arch.
    René Lippek MA Arch.
    Andrea Koniger BA Arch.
    Dipl.-Ing. Tim Kossel
    Dipl.-Ing. Robert Luschnat

    Beteiligte Fachplaner:

    Städtebau: Wolters & Partner Architekten BDA Stadtplaner DASL, Coesfeld

    Freianlagen: Prof. Ulrike Beuter Landschaftsarchitektin AKNW BDLA Planergruppe GmbH Oberhausen

    Verkehrsplanung: Ingenieurbüro Kühnert, Bergkamen

    Energieplanung und technische Gebäudeausrüstung: Brendel Ingenieure Leipzig GmbH, Leipzig

    Facility Management: BASIC Facility Management e.K., Dortmund

    Laborplanung: IFG Ingenieurbüro für Gesundheitswesen GmbH, Leipzig

    Tragwerksplanung: Nees + Otten Beratende Ingenieure GmbH, Münster

    Brandschutz: Halfkann + Kirchner Sachverständigenpartnerschaft-Brandschutzingenieure, Erkelenz

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.