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  • DE-45879 Gelsenkirchen
  • 06/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-39923)

Umgestaltung der Ebertstraße in Gelsenkirchen


  • ein 1. Preis

    Gesamtlageplan

    Landschaftsarchitekten
    Ernst + Partner, Trier (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Jacobs

    Mitarbeit
    Andreas Jessen, Christina Kirchhöfer, Thomas Müller

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: Runge IVP, Ingenieurbüro für Integrierte Verkehrsplanung, Düsseldorf (DE)
    Architekten: WW+ architektur + management, Esch-sur-Alzette - Luxembourg (LU), Trier (DE)

    Erläuterungstext
    Leitidee:
    Kulturachse Ebertstraße – Gelsenkirchen zeigt Profil

    Die Ebertstraße ist ein wichtiges Bindeglied in der städtebaulichen Achse vom Hauptbahnhof über den Heinrich-König-Platz bis zum Musiktheater im Revier. Außerdem ist sie Platzraum im Besonderen zwischen den Baudenkmälern Neues Hans-Sachs-Haus und Musiktheater. Als Plattform mit hoher Aufenthaltsqualität verbindet Sie das vorhandene identitätsgebende städtebauliche Ensemble miteinander.

    Bestehende Baukörper und Einbauten werden integriert – neu inszeniert und die vorhandenen wertvollen Grünstrukturen unter Freistellung der gewünschten Blickbeziehungen weitgehend respektiert.

    Somit erhält die Kulturachse Ebertstraße ein unverwechselbares Profil.


    Gestaltungsbausteine im Platzraum

    • Stadtbahnrampe, Wasserrelief
    Die vorhandene Rampenanlage der S-Bahn wird freigestellt und in den Stadtraum integriert. Sie erhält als Kopfstück ein langgestrecktes Wasserrelief. Das im Bereich des Tunnelmundes ‚hochgezogene’ Element besitzt eine hohe Aufenthaltsqualität und wird als Einheit mit der abtauchenden Bahnspur zu einem unverwechselbaren urbanen Anziehungs- und Treffpunkt.

    • ‚Stadt-Hain’
    Der Stadt-Hain mit seiner prägenden Baumsubstanz erhält eine einheitliche Fläche aus wassergebundenem Belag der Freiraum für unterschiedliche Aktivitäten (z.B. Boule) und Veranstaltungen bietet. Ein künstlerisch gestaltetes ‚Raumwerk’ aus bearbeiteten Holzstangen bietet unterschiedlichen Altersgruppen hohen ästhetischen Spielwert. Die rückwärtig geplante Hecke aus geschnittener Eibe fasst den Raum und blendet zugleich den vorhanden Parkplatz am Versorgungsamt aus. Ein langes Sitzbankelement lädt zum Verweilen ein.

    • Bistro–Cafè
    Zur Fassung und Belebung des Platzraumes ist im Bereich südlich des Versorgungsamtes ein Bistro-Cafè mit Außengastronomie platziert.

    • Fritz-Rahkob-Platz, Leopold-Neuwald-Platz
    Die vorhandenen Plätze werden integriert und erhalten durch ihre zurückhaltende Gestaltsprache eine würdevolle Prägung.

    • Stadtbahnhaltestellen Musiktheater
    Die Stadtbahnhaltestellen werden niveaugleich in den Platzboden integriert und erhalten zum Bahnsteig hin die entsprechende Aufkantung. Barrierefreie Übergänge zwischen den beiden Haltestellen befinden sich am Anfang und Ende des ‚Bahnsteigs’.
    Parallel zum Gleiskörper sind tranparente Fahrgastunterstände angeordnet.


    Grünstruktur

    Der wertvolle Baumbestand wird unter Berücksichtigung der gewünschten Blickbeziehungen weitgehend respektiert, vorhandener Unterbewuchs wird entfernt. Eine flankierende Baumreihe (Stadtlinden) entlang der Ostfassade dient als verbindendes Element.
    Die Baumallee in der Florastraße betont durch ihre Zäsur im Übergangsbereich den verbindenden Platzraum zum Musiktheater.


    Beleuchtung

    Die Anordnung von Mastaufsatzleuchten nimmt die vorhandene Leuchtenstruktur in der Fußgängerzone Bahnhofstraße auf und wird linear bis zum Musiktheater als verbindendes Element fortgeführt. Die denkmalgeschützten Gebäude werden differenziert illuminiert und verdeutlichen somit Ihre Wertigkeit.
    Besondere Einbauten wie ‚Wasserrelief’, Kunstobjekte und einzelne Grünelemente werden gesondert in Szene gesetzt.


    Oberflächen- und Detailgestaltung

    Es wird eine charakteristische, den Platzraum prägende Gestaltsprache gewählt, die sich jedoch dem Gesamtkonzept der Stadtgestaltung unterordnet.
    Als Grundmaterial für den Platzboden ist ein Betonpflasterbelag unterschiedlicher Formate als Reihenverband vorgesehen. Die genannten Gestaltungsbausteine werden intarsienartig eingelegt. Der zentral gelegene Fritz-Rahkob-Platz ist optisch abgesetzt. Die Stadtbahntrasse einschließlich Bahnsteig erhält durch differenzierte Oberflächen Ihre Eigenständigkeit. Die ausgewiesenen Stellplatzflächen sind mit vorhandenem Natursteinpflaster belegt. Die Überquerung der Florastraße ist in veredeltem Asphalt mit farblicher Anpassung an den Platzboden vorgesehen.
    Einrichtungsgegenstände wie Sitzbänke und Abfallbehälter werden nach vorliegendem Corporate-Design ausgewählt.
    Die ’Lange Bank’ als Sonderelement unter dem Stadt-Hain verleiht diesem Ort besonderes Flair.
    Das Wasserrelief besteht aus veredeltem Beton in Leichtbauweise. Ein Holzdeck am Kopfende bietet unter Anderem gezielten Blickkontakt zum Hans – Sachs - Haus. Die wasserbenetzte Oberfläche des Reliefs wird zusätzlich mit Wassersprudlern bespielt.


    Verkehrskonzept

    Die Ebertstraße wird von der Mulvanystraße bis zum Heinrich-König-Platz zum shared-space-Bereich (Zeichen 325/326 StVO), in dem sich Fußgänger, Fahrradfahrer und der Autoverkehr gleichberechtigt in Schrittgeschwindigkeit bewegen. Auch die Vattmannstraße ist vom Hans-Sachs-Haus bis zur Von-Oven-Straße in die shared-space-Zone integriert. Die Durchfahrtsmöglichkeit zwischen Ebertstraße und Mulvanystraße wird aufgegeben, so dass der Parksuchverkehr im nördlichen Bereich reduziert wird, ohne dass sich die Funktionalität ändert.

    Im shared-space-Bereich ist Parken nur auf gekennzeichneten Flächen möglich. Es werden 43 Parkstände in der Ebertstraße, 15 im Kreuzungsbereich mit der Von-Oven-Straße und 21 in der Vattmannstraße, vorzugsweise für Kurzzeitparker angeboten.

    Von der Verkehrsregelung profitieren insbesondere die Fußgänger und Fahrradfahrer in der Ebertstraße, die durch den Abbau von Verkehrsregelungen (Ampel Vattmannstraße) rechtlich eine Gleichberechtigung, faktisch jedoch ein Vorrecht vor dem Autoverkehr genießen. Erst an der Florastraße regelt eine Lichtsignalanlage den Übergang zum Platz am Musiktheater. Die heutige schmale Fußgängerfurt wird auf die volle Breite der Ebertstraße ausgedehnt, da auch die Stadtbahn nur in Schrittgeschwindigkeit und auf Sicht fährt. In der Florastraße sind Radfahrstreifen bzw. Schutzstreifen für den Fahrradverkehr zu Lasten der Fahrstreifenbreiten für den Autoverkehr vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.