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  • DE-47533 Kleve
  • 10/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-41200)

Neukonzeption des St.-Antonius-Hospitals


  • 2. Preis

    Modell der Gesamtanlage

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: Teamplan GmbH, Tübingen (DE)

    Preisgeld
    48.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Konzept nutzt die Chance des schönen Parks:
    Zwei solitäre Körper stehen selbstbewusst und selbstverständlich in großzügig erhaltenem Grün. Mit 3 bzw. 4 Geschossen und Traufhöhen von 11,5 und 15,5 m sind die Baukörper von den Baukronen umgeben.

    Die pavillonartigen Figuren halten Abstand von der Albersallee und vom nördlich angrenzenden Wohngebiet. Sie stehen also im Park, aber auf dem Gelände der bisher bestehenden Gebäude. Die Gebäude sind so allseitig mit Grün und einer schönen Aussicht umgeben und vermeiden den städtebaulichen, funktionalen Konflikt mit den angrenzenden Wohngebäuden.
    Die bestehenden Bäume bleiben in max. Umfang erhalten.

    Die Erschließung erfolgt über die Albersallee.

    Der zentral gelegene Haupteingang in der Fuge zwischen den beiden Baukörpern wird zur selbstverständlichen Adresse und erreicht alle besucherintensiven Bereiche auf kurzem Wege. Ca. 200 Parkplätze sind in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang baumüberstanden angeordnet.

    Die Ver- und Entsorgung des Krankenhauses nutzt die westliche Einfahrt zum Parkplatz und erreicht einen Anlieferhof unter dem Gebäude 2, störungsfrei für den Park und das Krankenhaus.

    Die Zufahrt für RTW und KTW erfolgt auf direktem Wege von der Albersallee und unabhängig von Parkplatz und Hauptzugang. Die Zugänglichkeit des Dialysegebäudes bleibt wie bisher bestehen. 10 Parkplätze werden spezifisch ergänzt.

    Die funktionale Struktur des Krankenhauses spiegelt sich in den Baukörpern wieder:
    Ein 1 (2) geschossiger Sockel übernimmt die Bereiche Untersuchung und Behandlung sowie die allg. Infrastruktur des Krankenhauses.
    3 (2) Bettengeschosse „schweben“ über dem Sockel, getrennt nach:
    Intensivstation und OP sowie 3 + 3 Stationen im Haus 1
    4 Stationen für den Kinderbereich und die Wahlleistungen im Haus 2

    Beide Baukörper sind über eine Magistrale verbunden, in den Ebenen -1, 0, +1 (+2 optional). Es entstehen damit kurze Wege und eine max. Flexibilität.

    Die funktionalen Vorgaben des Raumprogramms sind so erfüllt:
    U/B Bereiche, Ambulanz, Notaufnahme und Aufnahmepflege liegen im EG
    OP und Intensiv mit Entbindung liegen räumlich beeinander. Die Neonatologie liegt in direkter Nähe zur Entbindung
    Jeweils drei Stationen liegen zusammengefasst mit den Gemeinschaftsbereichen auf einer Ebene
    Die Magistrale im Erdgeschoss erlaubt getrennte Verkehrswege von Besuchern und Patienten
    Der OP liegt direkt über der Sterilgutversorgung und der benötigten Technik
    Die Wahlleistungsstationen liegen in exponierter Lage mit Blick in den Garten

    In nur 3 Bauabschnitten wird das Konzept vollständig umgesetzt. Der 1. BA erreicht mit 55 % des Gesamtvolumens (2. BA 15 %, 3. BA 30 %) bereits einen kräftigen und funktional vollständigen Auftakt.

    Es wird ein Bettenhausprovisorium während des 1. und 2. BA´s benötigt für 2 Stationen (60 Betten). Während der gesamten Bauabschnitte bleiben stets alle Verbindungen zwischen den Krankenhausbereichen klimatisiert verbunden.

    Die Dialyse ist in allen Bauphasen auf direktem Wege an die notwendigen Klinikbereiche angebunden.

    Das haustechnische Konzept ermöglicht kurze Leitungswege und max. Flexibilität. Die Technikzentralen befinden sich im UG der Häuser 1 und 2.
    Die Lüftungszentrale für den OP-Bereich ist im UG von Haus 1 direkt unter dem OP angeordnet.
    Die Magistrale im UG verbindet die Technikzentralen leistungsfähig.
    Alle Bauabschnitte/Phasen sind mit Technikzentralen und einem funktionierenden haustechnischen Konzept ausgestattet.
    Am nördlichen Ende der Magistrale (Haus 2) befindet sich der Anlieferhof mit der Möglichkeit zur effizienten Wartung.

    Das neue Krankenhaus ist energieoptimiert und nachhaltig.
    Die kompakten Baukörper schaffen ein günstiges Verhältnis von Oberfläche zu Volumen (A/V).
    Der max. Dämmstandard aller Bauteile sowie die gezielte aber auch effiziente Tagesbelichtung der Räume schaffen günstige Voraussetzungen. Ein leistungsfähiger Sonnenschutz, automatisch gesteuert, ist vorgesehen.
    Die kurzen Leitungswege des haustechnischen Konzeptes ergänzen die Absicht.

    Das Tragwerk basiert auf einem Grundraster von 7,2 m. Die Flachdecken stellen eine wirtschaftliche Lösung dar, ebenso das Tragraster in der Fassadenebene.
    Die vertikale Lastabtragung erfolgt ausnahmslos auf direktem Wege.

    Das Krankenhaus im Park ordnet sich mit ruhigen Baukörpern in das landschaftliche Umfeld ein. Das weitgehend verglaste Sockelgeschoss (0, -1) schafft fließende Raumübergänge zwischen Innen und Außen, wo sinnvoll, und nimmt außerdem die unterschiedlichen Geländehöhen auf. Die horizontal gegliederte Fassade der Bettengeschosse mit knappen Putzbalkons nimmt opake und transparente Fassadenelemente auf. Flexible Sonnenschutzelemente ergänzen die Absicht und individualisieren die Bettengeschosse. Die horizontale Gliederung und die liegenden Formate binden in das landschaftliche Umfeld ein. Die partiell raumhohe Verglasung in den Bettengeschossen ermöglicht den ungehinderten Blick in den Park auch für liegende Patienten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das von den Verfassern vorgeschlagene 'Pavillonkonzept' mit zwei Baukörpern sich im Park zu positionieren wird positiv vom Preisgericht bewertet. Auch die maßstäbliche Höhenentwicklung der zwei- und dreigeschossigen Baukörper oberhalb der Erdgeschosszone findet positive Resonanz.

    Haupteingang, Anlieferung und RTW-Zufahrt entwickeln sich logisch aus dem Bild der Pavillons im Park.

    Die in den südlichen Freiraum eingegrabenen Bereiche mindern allerdings die positive Grundstimmung des Preisgerichts; Innen-Außenraumqualitäten werden nicht gesehen.

    Die schematisch erkennbaren Gestaltungsansätze sind stringent aus den inneren Funktionen heraus abgeleitet. Die sehr spartanischen Erläuterungen zur Materialität trüben das positive Gesamtbild.

    Erscheint die Grundanlage des Diagnostikgeschosses im Erdgeschoss auf den ersten Blick plausibel, ist die Schwäche in den Funktionsabläufen durch die Unterbringung in zwei Baukörpern nicht tolerabel. So ist die ZNA z. B. diagonal entgegengesetzt von Radiologie und Endoskopie untergebracht. Auf dem Behandlungsgeschoss ist keine Wand-an-Wand-Lösung von Entbindung und Neonatologie möglich.

    Auf der Ebene der Normalpflege sind die Stationen unterschiedlich zugeschnitten, damit sind keine
    gleichbleibenden Qualitäten anbietbar.

    Eine Erweiterbarkeit scheint fragwürdig.

    Insgesamt liegt der Entwurf mit seinen Programmdaten im günstigen Bereich. Ein erhöhter Aufwand in Herstellung und Unterhalt scheint nicht gegeben.

    Kritisch wird die bauabschnittsweise Realisierung gesehen; insbesondere der Neubau Haus 1 im Kontext zum bestehenden Altbau.


INFO-BOX

Angelegt am 22.10.2010, 12:22
Zuletzt aktualisiert 25.10.2010, 11:03
Beitrags-ID 4-39557
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