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  • 1. Preis

    Zollverein Park Konzept

    Landschaftsarchitekten
    Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Thomas Dietrich, Harald Fritz, Sascha Wienecke, Thomas Dietrich, Katja Schreiber

    In Zusammenarbeit mit:
    Designer: F1RSTDESIGN, Köln (DE)
    Architekten: Licht Kunst Licht AG, Bonn (DE), Berlin (DE)
    Künstler: Observatorium, Rotterdam (NL)

    Erläuterungstext
    IDEE
    Grundlagen und Bezugspunkte für den Zollverein Park sind der Masterplan Zollverein und der Masterplan für den Freiraum sowie die langjährige Erfahrung und Beschäftigung mit dem Standort Zollverein. Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Architektur der Zechenanlage und der eher zufälligen Architektur der umgebenden Industrie-Landschaft hat sich im Laufe der Jahre ein Verständnis gegenüber dem Ensemble entwickelt, das sich als pragmatische Einfachheit und Schlichtheit schlagwortartig umschreiben lässt.

    Unser Umgang mit Zollverein, insbesondere bei der Entwicklung der Freiflächen basiert auf den folgenden Grundsätzen:
    - Betonung des architektonischen Ensembles
    - Zurückhaltung in der Landschaftsarchitektur
    - Reduzierung der Elemente und Materialien
    - Bestehendes in Planung und Maßnahmen einbeziehen/Respektierung des Bestehenden
    - Bewahrung des industriellen Ursprungs
    - Aneignung des Raumes durch Touristen, Besucher und Anrainer
    - Sichtbar- und Erlebbarmachung der Transformation vom hermetisch abgeriegelten Industrieareal zum öffentlichen touristischen Highlight

    Es geht uns nicht darum, eine museale Industrielandschaft festzuschreiben. Unser Konzept komponiert einen Landschaftsraum aus den bereits vorhandenen Elementen, bezieht dabei die historischen Entwicklungen und Zeichen bewusst und glaubwürdig ein und bietet für zukünftige Entwicklungen und Nutzungen eine Oberfläche und einen Raum.
    Diese sind vielschichtig interpretierbar und bieten eine pragmatische Dysfunktionalität .

    GESTALTUNGSELEMENTE
    Die gestaltprägenden Elemente des Parks sind
    - die vorhandene Architektur mit ihren klaren, eindeutigen zugleich vielgestaltigen Formen und bemerkenswerten Dimensionen
    - die Topographie, geformt als Basis und „Abfallprodukt” der Kohleförderung
    - die Materialien der Verkehrswege und Plätze
    - die Industrienatur, die sich aufgrund der Bedingungen auf diesem Standort variantenreich entwickeln werden kann.

    Für die Komposition des Parks stellt die Industrienatur das variable Potenzial dar. Mit den Bestandteilen der Industrienatur unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Dynamik wird der Zollverein Park komponiert:
    - Dem schon vorhandenen Industriewald werden weitere Entwicklungsflächen geboten. Er bildet die schützende Verpackung, ohne die Sicht auf die Gebäudekomplexe von Schacht XII, Schacht 1/2/8 und das Areal der Kokerei zu verstellen. Er wächst auf ca. 40 ha der Gesamtfläche von Zollverein. Sein Pflegeaufwand ist sehr gering und das Holz kann geerntet werden.
    - Schotter- und Schotterrasenflächen prägen große Teile der Kokerei: Die ehemalige industrielle Produktionsanlage präsentiert sich als Bild eines englischen Landschaftsparks. Die Koksbatterien, das Salzlager, technische Anlagen liegen auf einer großen Schotterfläche, die von Waldflächen und Gehölzen umgeben ist. Die spiegelnde Wasserachse vor den Koksöfen wird noch einmal durch die vorhanden und intensiv gepflegten historischen Rasenachsen unterstrichen
    - Weitere intensiver gepflegte Rasenflächen finden sich im Ehrenhof, an den Gebäuden um Schacht XII und um die Gebäude in der in Planung befindlichen Design Stadt. Die sogenannte Rasenterrasse, ein birkengesäumter Bahndamm am Westrand der Gleisharfe auf Schacht XII, ist aufgrund ihrer Nutzung weniger pflegeintensiv.
    - Die beiden Sukzessionsgärten, platziert südlich der Kohlenwäsche als ‚Vorgarten‘ für das künftige Ruhrmuseum und als Fuge zwischen Schacht 1/2/8 und der Design Stadt zeigen die Pflanzenkompositionen der Industrienatur auf dem vorgefundenen Substrat. Das Bild dieser Gärten wird nicht in erster Linie durch Pflanzungen und bewusste Ansaaten gestaltet, sondern die Beobachtung der Vegetationsentwicklung und die daraus resultierende intensive Pflege mit gezielter Selektion und Bodenbearbeitung kreiert das Erscheinungsbild dieser Gärten.

    Die prägenden Elemente des Vorgartens der Kohlenwäsche sind
    - die teilweise gut entwickelte Waldfläche (Birkenwald mit Ahorn, Ebereschen, Robinien und dichtem Unterholz, vor allem Brombeere)
    - und die z. Zt. stark verbuschten (Birken, Weiden, Buddleia und Brombeere) Gleisanlagen östlich und westlich des o.g. kleinen Waldes.
    Die vorhandene Waldfläche wird durchforstet, d.h. das Unterholz und vor allem die Brombeerbüsche werden entnommen bzw. sorgfältig gerodet. Die Bodenoberfläche wird nach dem Eingriff eingeebnet und geglättet, so dass sie insgesamt begehbar wird. Weitere Maßnahmen zur Entwicklung der Waldfläche sind z. Zt. nicht vorgesehen.

    In den beiden Gleisbereichen östlich und westlich des Birkenmischwäldchens werden alle Bäume und Sträucher innerhalb der Gleisbetten vollständig gerodet und die Gleisbetten anschließend gesäubert. In den Bereichen zwischen den Gleisen werden die meisten Gebüsche und Sträucher entfernt, so dass nur einige wenige Bäume (Birken) und Sträucher (Buddleia) übrig bleiben. Durch die Entnahme des Strauchwerks entsteht also eine weitgehend freie Fläche, in der einige Bäume (die zunächst noch relativ klein und jung sind) Akzente setzen. In diesen Flächen, die sorgfältig eingeebnet werden, entsteht eine dem Standort und den Bodenverhältnissen entsprechende Hochstaudenflur. Sie wird zunächst schütter sein und den Boden zeigen, im Laufe der Zeit jedoch die Flächen vollständig bedecken. Durch gezielte Pflegemaßnahmen (Vegetationsmanagement) können differenzierte Pflanzenzusammensetzungen und damit (Industrie-) Landschaftsbilder imitiert werden, wie z.B. Grasfluren, Natterkopffluren, Goldrautebeständen usw.
    Um bestimmte Pflanzen- und Blühaspekte zu fördern und zeitlich zu forcieren, können gezielte Aussaaten oder auch begrenzte Pflanzungen vorgenommen werden (Goldraute, Königskerze, Astern).
    Um diesen „Vorgarten der Kohlenwäsche“ zu erleben, ist es zweckmäßig, die vorhandenen Gleisanlagen in ein Wegesystem baulich umzuwandeln.
    Die Gestaltung der Parklandschaft Zollverein wird nicht durch investive Maßnahmen, wie umfangreiche Neupflanzungen und Ansaaten erreicht, sondern kontinuierliche Pflege lässt das Parkbild im Laufe der Zeit entstehen. Der Park wächst, verändert sich und bleibt flexibel für neue Nutzungen und Besucheransprüche.

    FREIRAUMNUTZUNGEN
    Besucher, Touristen, und Menschen aus der weiteren und näheren Umgebung, aus dem Stadtteil und den angrenzenden Siedlungen können sich einen Raum aneignen, der während der Produktionsphase ein verbotener, hermetisch abgeriegelter Bereich war. Jetzt ist er offen, hat mehrere Eingänge und bietet ein großes Nutzungspotenzial.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.