loading
  • DE-91744 Weiltingen
  • 12/2010
  • Ergebnis
  • (ID 2-50048)

Neubau eines Museums im Römerpark Ruffenhofen


  • 1. Preis


    Architekten
    karlundp (ehem. Karl + Probst), München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Sebastian Mulfinger

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Werner Franz Garten- und Landschaftsarchitekt, München (DE), München (DE)

    Preisgeld
    10.500 EUR

    Erläuterungstext
    Das neue Limeseum bildet den Auftakt für die Besichtigung des Römerparks. Es nimmt den Besucher in Empfang, macht ihn mit Geschichte und Ort vertraut und bereitet ihn dadurch auf den Rundgang über das Gelände vor. Angemessen markant fügt sich das neue Museum mit seiner klaren Gestalt in die umgebende Hügellandschaft ein. Das Gebäude in Form eines filigranen hölzernen Rings folgt dabei dem Geländeverlauf und scheint, je nach Blickrichtung, nahezu über der Landschaft zu schweben.

    Über einen leicht geschwungenen Fußweg, der Parkplatz und Aussichtsplattform verbindet, erreicht der Besucher auch das Limeseum. Eine Öffnung zum Weg hin kennzeichnet den Eingang des ringförmigen Baukörpers und führt zum zentralen Foyer, das gleichzeitig Ausgangspunkt für den Besuch der Ausstellung ist. Eine breite, nahezu unmerklich ansteigende Rampe führt – wie eine Fortsetzung des Fußwegs zum Museum – entlang der Fassade zu den angeschlossenen Ausstellungsbereichen, die als „Raum im Raum“ konzipiert sind. Als wesentlicher Bestandteil der Ausstellunglandschaft bieten die Erschließungsflächen darüber hinaus zusätzlichen Raum für Präsentationen. Fließende Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen auf unterschiedlichen Höhenniveaus sorgen für eine offene Atmosphäre und ermöglichen die flexible Nutzung des Ausstellungsbereichs. Großzügige Ausblicke mit wechselnden Perspektiven schaffen eine Verbindung zur umgebenden Landschaft und inszenieren so den geschichtsträchtigen Kontext des Limeseum. Am Ende des Rundgangs gipfeln sie – gleichsam als Höhepunkt – in einem Rundblick über das Limes-Gelände, hin zu dem Standort des ehemaligen Kastells.

    Die historisch-räumlichen Zusammenhänge werden durch diese Einbeziehung der Umgebung für den Besucher visuell erlebbar.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf beeindruckt durch die an diesem Ort unerwartete eigenwillige Gebäudeform. Die Sorgfalt, die der Verfasser für die Korrespondenz dieser äußeren Form mit der inneren Gebäudeorganisation an den Tag gelegt hat, wird leider bei der städtebaulich landschaftlichen Einfügung des Gebäudes vermisst. Dessen Position wirkt beliebig, zudem fehlt bei der äußeren Zuwegung eine Auseinandersetzung mit der Höhensituation des Geländes und ihrer Anbindung an die umgebenden Freibereiche. Die Parkplätze liegen peripher zum Gebäude, ein Heranrücken darf die inszenierte Freistellung des Gebäudes nicht beeinträchtigen.
    Die faszinierende Idee, die Ausstellung vom Eingangsbereich her in einer Aufwärtsspirale zu durchschreiten, ist auf den ersten Blick stringent und schlüssig vorgetragen. Insbesondere das allgegenwärtige Landschaftserlebnis im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Ausstellungsbesuch kann überzeugen. Bei näherem Hinsehen offenbaren sich jedoch funktionale Mängel: Mehrzweckraum, Büros und WC’s sind weit vom Eingang entfernt, der Rückweg vom Spiralenhochpunkt ist für seine Länge nicht erlebnisreich genug, die Größen der Ausstellungsräume weichen im einzelnen von den Vorgaben ab und die Raumhöhe ist zu niedrig.
    Es wird kontrovers diskutiert, ob die Schwächen soweit behoben werden können, dass sie die sehr positive Strahlkraft des Entwurfs nicht schmälern.
    Die schwierige Spiralform wird formal sicher beherrscht, es entsteht ein zeichenhaftes, sympathisch anmutendes Gebäude. Die gewählten Materialien und die sorgfältigen Details erzeugen ein zurückhaltendes Erscheinungsbild, das die Wirkung der ausdrucksstarken Baukörperform unterstreicht.
    Die vorgeschlagene Bauweise mit massivem Sockel und darauf ruhendem leichten Holzbau ist durchdacht, ob daraus jedoch eine unkomplizierte und schnelle Errichtung des Gebäudes resultiert, wird kontrovers diskutiert. Die Überlegungen der Verfasser zur Konstruktion und deren Vorfertigungsgrad tragen dazu bei, die durch die komplexe Geometrie des Baus ausgelösten Bedenken hinsichtlich einer einfachen Realisierbarkeit des Hauses zu relativieren.
    Die Kennwerte des Entwurfs liegen im mittleren Bereich, allerdings ist der vergleichsweise geringe BRI der zu geringen Raumhöhe geschuldet. Als nachteilig wird der konzeptbedingt hohe Glasflächenanteil angesehen, zudem weist der Entwurf ein ungünstiges A/V-Verhältnis auf. Positiv zu vermerken sind die geringen erforderlichen Erdbewegungen und baustellenbedingten Aufwendungen.