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  • DE-32423 Minden
  • 02/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-51511)

Neugestaltung der Fußgängerzone in Minden


  • 1. Preis

    Fußgängerzone Minden

    Architekten
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Franz Pesch

    Erläuterungstext
    Minden_Neugestaltung Fußgängerzone

    Als historisches und politisches Zentrum des Mindener Landes ist Minden durch das Wasserstraßenkreuz Mittellandkanal - Weser geprägt. Mit dem neuen Stadtboden wird die Chance ergriffen, die historische Bedeutung und Weltoffenheit der Stadt, die bereits im Mittelalter in weit verzweigten Handelsbeziehungen zum Ausdruck kam, in Material und Gestaltung zum Ausdruck zu bringen.

    Das Wettbewerbsgebiet Fußgängerzone ist mit Bäckerstraße, Scharn, Marktplatz und Obermarkt die historische Hauptachse und Einkaufsstraße der Stadt. Sie teilt zudem die Altstadt in Ober- und Unterstadt. Gekreuzt wird diese Achse von der Verbindung zwischen den Domhöfen und der Martinikirche und über den Poos gelangt man nach Norden zur Marienkirche. Mit der überfälligen Neuordnung der Funktionen im Straßenraum verbindet die Stadt den Wunsch, den Einzelhandel in der Altstadt zu stärken. Neben der Steigerung der stadträumlichen Qualität der historischen Straßenzuge geht es dabei vor allem um die Offenheit und Bespielbarkeit des Raums, die Herausarbeitung der stadtbildprägenden Punkten entlang der Fußgängerzone und die barrierefreie Nutzung des topografisch bewegten Stadtbodens.

    Der homogene Stadtboden bildet einen vornehmen Teppich, der mit in den engen Straßenabschnitten durch die Formsteinrinne und in den breiteren Straßenabschnitten zusätzlich durch einen Sandsteinstreifen gegliedert wird. Die abschnittsweise versetzte, „tanzende“ Rinne zeichnet die Krümmung der historischen Raumkanten in der Oberfläche nach.

    Als Belag wird mit einem grau-gelblichen Wesersandstein ein regionales Material (Naturstein oder Betonstein mit Vorsatz) verwendet. Durch das natürliche Material und die Verlegung von unterschiedlichen Formaten wird ein lebendiges Bild in der homogenen Oberfläche erzeugt. Die Oberfläche der Steine wird gestockt, was den Altstadtcharakter aufzeigt und in den Bereichen mit starkem Gefälle genügend Rutschwiderstand aufweist. Um die Einheitlichkeit der Fläche gewährleisten zu können wird auf ein Traufpflaster verzichtet. Die Anpassung des Stadtbodens an Treppen und Schächte wird über die unterschiedlichen Formate realisiert. Hervorgehobene Platzflächen werden über Kleinpflasterfelder in der Passé mit eingelegten Sandsteinstreifen akzentuiert. In den engen Straßenräumen wird die Beleuchtung abgehängt. Sie sorgt zum einen für mehr Platz für Warenauslagen und Sitzmöglichkeiten, zum anderen ist sie aufgrund der Straßenkrümmungen eine ökonomische Lösung. Die Leuchten auf den Plätzen, die abgehängte Beleuchtung, die Sitzbänke, Abfalleimer und Fahrradständer stammen aus einer Gestaltungsfamilie.

    Am Wesertor öffnet sich der Stadtraum zum Fluss mit einladender Geste. Deshalb wird vorgeschlagen, zur besseren Einsehbarkeit drei Bestandsbäume zu versetzen. Optional wird der Abriss eines Anbaus vorgeschlagen, um den rückwärtigen Bereich mit Abgang zur Weserunterführung als attraktiven Platzraum mit Außengastronomie gestalten zu können.

    Der Poos als wichtiger Gelenkpunkt im Verlauf der Fußgängerzone wird als offener Raum gestaltet. Hier findet der Weserspucker seinen neuen Platz. Auf einem kleinen Plateau mit eingeschriebenem Wasserbecken wird die Figur im Stadtraum angemessen inszeniert. Mit dem Blick zur Weser weist der Weserspucker den Besuchern jetzt an der entscheidenden Weggabelung den Weg zum Fluss.

    Im Bereich Scharn markiert das ausgelichtete Baumdach der aufgeasteten Platanen den Standort der historischen Bebauung. Hier entsteht ein Grünraum mit einer eigenen Atmosphäre und Stimmung, der von den Passanten in der steinernen Fußgängerzone als Oase wahrgenommen wird – vor allem an heißen Sommertagen, die in der Mindener Innenstadt in Zukunft häufiger auftreten werden. Kleinpflasterfelder markieren die Kontur der verloren gegangenen Bebauung. Spielgeräte und Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein.
    Am Nordende des Markplatzes wird anstatt des eingeschossigen Gebäudes ein mehrgeschossiger Neubau empfohlen. Dieser sollte die Raumkante des Marktplatzes wieder schließen und sich in seinem architektonischen Ausdruck (Lochfassade) der historischen Bebauung anpassen.

    Die räumliche Aufweitung Obermarkt wird als Platzraum interpretiert. Dazu wird die Mauer durch eine großzügige Sitzstufenanlage ersetzt. Ein geschwungenes Pflasterband mit Leuchten und Sitzbänken entlang der Nordseite sowie die Rinne auf der Südseite gliedern den Raum, der durch einen Wassertisch in Richtung Marktplatz und die Terrasse unter dem bestehenden Baum am südlichen Ende gerahmt wird.

    Für die Warenauslagen und Werbeanlagen entlang der gesamten Fußgängerzone wird eine Maximaltiefe von 1,5 m vorgeschlagen. Aufstellschilder sollten nicht zugelassen werden.
    Als Sonnenschutz wird in den Platzbereich ein einheitlicher Schirm mit beigem Stoff und Alugestänge empfohlen. In den engen Straßenräumen wird auf Markisen zurückgegriffen. Sie greifen räumlich weniger stark in den Straßenraum ein und werden sukzessive durch gestalterisch mit den Schirmen harmonierende Versionen ersetzt.
    Fahrradstellplätze werden am Wesertor, am Obermarkt und im Bereich Marienkirche positioniert. Durch die Bündelung der Stellplätze an den Eingängen zur Fußgängerzone wird der Stadtraum funktional entlastet und kann seine neue Wirkung besser entfalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.