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  • DE-10829 Berlin
  • 02/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-67521)

Freianlagen Europäisches Energieforum (EUREF)


  • 3. Rang


    Landschaftsarchitekten
    k1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    in Zusammenarbeit mit seeper, Interactive Arts + Technology Collective, London

    MITARBEIT:
    Catherine Kuhn, Lars Hopstock, Britta Jessen, Florian Mänz, Torsten Wolff, Peter Young

    ERLÄUTERUNGSTEXT:

    Energiefeld (elektrisches Feld)
    Grundidee ist die Übertragung der Geschichte als Energiestandort und die zukünftige Nutzung des Geländes im Bereich innovative Energie in die Außenanlagen. Der zentrale Bereich des EUREF-Quartiers wird als Energiefeld interpretiert, das inhaltlich und in der Darstellung nach Außen dieses „Spannungsverhältnis“ widerspiegelt. Als Abstraktion von Energie werden dabei Elektrische Felder mit deren Äquipotentiallinien um eine positive Ladung im Raum herangezogen. Die Zentren der elektrischen Felder stellen die Gasometerstandorte dar. Die elektrischen Wellen sind unterschiedlich codiert und werden als Träger von Informationen sowie Ausstattungselementen genutzt. Als Gestaltungselemente, welche Formen von Energie interpretieren bzw. darstellen, tragen sie zur Adressbildung als Energiestandort bei.

    Wellen
    Als Ausgangspunkt für die „elektrischen Wellen“ dienen das Gasometer und die nachgezeichneten ehemaligen Gasometerstandorte. Alle vier Standorte erhalten als Kennzeichnung der Gasometerstandorte einen Ring aus Stahl, von dem sich die Wellen konzentrisch über das Gelände verteilen. Die Ausformung der Wellen wird unterschiedlich, je nach Code, vorgenommen. Grundlage für die Energiewellen ist eine Oberfläche aus mattiertem Glas, die auch bei Tage das Licht aus der Umwelt bricht und damit eine gewisse Leuchtkraft erreicht. Einzelnen Bereichen der Wellen werden, je nach Standort, die Codes zugeordnet, die in ihrer Ausgestaltung das Forum charakterisieren und das gesamte Forum zum interaktiven Ort werden lassen.

    Folgende Codierungen sind für die Belegung der Wellen denkbar:
    -Historische Spuren : Cortenstahl als Markierung der Gasometerstandorte
    -Hypercolour : Thermochromatische Stoffe verändern, je nach Eintrag des natürlichen Sonnenlichts, ihre Farbe von Orange nach Dunkelrot
    -Wasserfilm : Eine Vertiefung von 5mm wird mit Wasser bespielt und spiegelt Wetter und Wolken wieder
    -Wasserspiel : Vertikale Wasserspiele zeichnen die Wellen nach
    -Newsbänder : Die einzelnen Insititutionen vermitteln über Bildschirmoberflächen den aktuellen Stand ihrer Arbeit im Sinne von Newslettern, Twitternachrichten etc.
    -Solarbänder : Solarmodule geben ihre Energie an die Informationsbänder weiter
    -Sitzbänder : Bänke bilden die notwendigen Sitzgelegenheiten
    -Kohlespuren : Geschliffene Kohleeinlagen unter Glas dokumentieren die ehemalige Verarbeitung von Kohle zu Gas
    -Rasenwellen : Das Gelände nimmt die Dynamik der Wellen auf

    Forum
    Von der Piazza führt eine großzügige Freitreppe auf das Forum, das als zusammenhängender, urbaner Raum ein einheitliches Pflaster erhält. Dieser offene Raum dient als Bewegungs- und Kommunikationsfläche und wird durch die Energiewellen gestalterisch geprägt. Mit der Nachzeichnung der Gasometerstandorte aus Cortenstahl, die mit Pflaster aus dem historischen Bestand gefüllt sind, werden diese als historische Spur gekennzeichnet. Die farblich und thematisch bespielten Energiewellen bilden als Grundlage der Umsetzung der unterschiedlichen Energiethemen das prägende Gestaltungsmerkmal in der Fläche, ohne den Raum zu zergliedern. Der süd-östliche Rand erhält mit Baumpflanzungen und Bänken eine Aufenthaltsfunktion und verstärkt die Ausrichtung auf den Gasometer. Die Freiflächen zwischen den südlichen Gebäuden bilden Gastronomieaußenstandorte und kleine Gartenoasen für die intimere Nutzung. Die alten Linden werden auf einer wassergebundenen Fläche mit Bänken zu einem besonderen Ort.

    Piazza
    Im Einmündungsbereich Torgauer Straße / Sachsendamm entsteht als Entrée zum EUREF-Quartier vor der großen Freitreppe die Piazza. Diese bildet neben der städtebaulichen Gelenkfunktion auch die Vorplatzfläche für den Hotelturm und wird zusätzlich durch die Busvorfahrt und die Kurzzeitparker belebt. Der Bereich wird dem städtischen Raum zugeordnet und erhält als Verweis auf das Forum den Licht-Tubus und eine Bank, die in der Achse der Bänke auf dem Forum angeordnet wird. Der Licht-Tubus ist eine vertikale Lichtkunst-Installation, welche auch schon am Tage die Aufmerksamkeit vom Sachsendamm aus auf das EUREF-Gelände lenkt.

    Boulevard
    Die Erschließung zwischen dem nördlichen Cheruskerpark und dem Forum erfolgt über einen Boulevard, der mit einer besonderen Kennzeichnung im Belag und Informationsstelen aus Cortenstahl hervorgehoben wird. Die unterschiedlichen Freiräume zwischen den Gebäuden werden für Fußgänger und den Verkehr vom Weg aus erschlossen und erhalten so einen räumlichen Zusammenhalt. Entlang des Boulevards wird die Geschichte der Energie erzählt. Mit Texten, optischen und erzählenden Medien wird auf die verschiedenen Entwicklungsstadien der Energiegewinnung eingegangen.

    Firmenrepräsentanzen
    Die westliche Bebauung zwischen Science-Center im Süden und dem Cheruskerpark im Norden erhält den einzelnen Gebäuden zugeordnete Baumgärten mit einer gestalteten Pflanzenkläranlage, die von einer langen Bank gerahmt wird. Diese nimmt das Oberflächenwasser und überschüssiges Grauwasser auf und trägt als Verdunstungsfläche zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Es entstehen kleine Firmengärten, die zur Pause genutzt werden können.

    Schmiedeplatz
    Der Schmiedeplatz wird von einem Baumhain überstanden und verweist mit dem Wärmefelsen auf die an diesem Ort gewonnene geothermische Energie und symbolisiert dabei „Wärme“ als zweite wichtige Ausdrucksform von Energie. Der Felsen wird als Solitär so bearbeitet, dass er Sitz- und Liegeflächen bietet, während eine Anbindung an die geothermische Anlage den Felsen dauerhaft beheizt. Der eher ruhig gehaltene Rückzugsort unter den lichten Bäumen bietet mit Stühlen und Liegen eine komplentative Nutzung an. Dem Baumhain vorgelagert wird die Elektrotankstelle.

    Interaktionsfeld
    Das Interaktionsfeld wird als multimediale Veranstaltungsfläche ausgebildet. Als Teil des Energie-Kunstkonzeptes soll das Thema Energie sinnlich erfahrbar gemacht werden. Durch kognitive Verortung der Besucher (z.B. mittels Vidoscreening) werden die Bewegungen mittels LED-Darstellungen auf der Fläche abgebildet bzw. Bilder und Töne im Kontext Mensch – Energie an bestimmten Orten abgespielt. Bei Veranstaltungen können Firmen die Fläche nutzen und über die LEDs ihre Präsentationen abspielen.

    „Grüner Rücken“
    Die Freiflächen nord-östlich des Gasometers werden als Rasenflächen angelegt und erweitern den Cheruskerpark optisch bis in das EUREF-Gelände. Das Wegesystem verbindet das östliche Wohnquartier mit dem neuen Stadtquartier. Zwischen Gasometer und dem Übergang zum nördlichen Cheruskerpark wird die Böschung als Bogen deutlich herausgearbeitet und mit Sitzstufen aufgewertet. Nördlich des Gasometers scheren zwei Rasenwellen aus dem Park aus und verlaufen entlang der Energiewellen. Damit wird die „Krafteinwirkung“ der Energiewellen auch auf die Geländemodellierung übertragen.
    Im Westen, entlang der Grenze zur S-Bahn, entsteht ein lineares Pendant zum Grünen Bogen der Ostseite. Auf der südlichen Erweiterung entlang der Torgauer Straße könnten Sport- und Spielflächen die Attraktivität des Quartiers steigern und stünden für die EUREF-Nutzer sowie die Bewohner zur Verfügung.

    Licht
    Als wichtige Ausdrucksform von Energie dient Licht als Grundlage zur künstlerischen Inszenierung des EUREF-Quartiers bei Nacht. Die Wellen erhalten, entsprechend ihrer Codierung bzw. Nutzung, unterschiedliche Lichtinszenierungen. Diese werden so geschaltet, dass von den Zentren der Gasometerstandorte das Licht dynamisch über das Gelände verteilt wird. Mit der Übertragung des Lichts von den Gasometern auf die Wellen wird ein ganzheitliches Konzept über die Bespielung der Fläche und des architektonischen Raumes verfolgt. Von weiteren künstlerischen Interventionen auf dem EUREF-Gelände wird abgesehen.

    Einfriedung
    Das EUREF-Quartier wird bis auf den Eingangsbereich eingezäunt und erhält an der Schnittstelle Privat-Öffentlich eine Trennlinie durch ein Wasserbecken, das neben der Schutzfunktion gestalterisch so aufgewertet wird, dass ein besonderer Ort auf dem Campus entsteht. Die Zufahrt bzw. der Zugang wird an der Repräsentanz V angeordnet, so dass ggf. über einen Pförtner der Betrieb geregelt werden kann. Zusätzlich bieten versenkbare Trittsteine eine Nutzung der gesamten Fläche in der alltäglichen Nutzung. Damit kann der städtebauliche Charakter eines offenen Wissensquartiers mit den Sicherungsansprüchen vereinbart werden. Vom Cheruskerpark wird der Zutritt reguliert.

    Verkehr
    Die Firmenrepräsentanzen erhalten Stellplätze für Elektrofahrzeuge. Das gesamte Gelände ist befahrbar und wird nach dem Shared-Space-Prinzip organisiert. Durch eine zurückhaltende Kennzeichnung im Belag werden Fahrzeuge geleitet. Der Boulevard führt die Verkehrsteilnehmer zu den Firmensitzen und die Elektrotankstelle am Schmiedeplatz.

    Westliche Erschließung
    Entlang der Bahnlinie wird eine Schallschutzmauer mit einer vorgestellten Hecke vorgeschlagen. Der neue Erschließungsweg wird vom Park bis zum S-Bahnhof geführt und mit einzelnen Pflanzmaßnahmen mit extensiven Gräserbeeten aufgewertet. Die Pappelpflanzung wird als charakterisierendes Element ergänzt und bildet den räumlichen Abschluss des EUREF-Quartiers.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 01.04.2011, 12:18
Zuletzt aktualisiert 05.04.2011, 11:04
Beitrags-ID 4-43808
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