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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2011

:aqualon

3. Preis

archiscape

Landschaftsarchitektur

Hippielook

Visualisierung

Erläuterungstext

Aufgabenverständnis und Potentiale

Die räumlichen und technischen Potentiale des Areals bieten ideale Vorraussetzungen, das wasserwirtschaftliche Gesamtsystem der Dhünntalsperre zu einem thematisch und haptisch erfahrbaren Modellraum in der Region zu entwickeln. Die Kopplung der lokalen Kernkompetenzen Trinkwasser, Raumentwicklung, Wissenschaft und Forschung in Verbindung mit einer sanften touristischen Öffnung der umgebenden (Wasser-) Kulturlandschaft bietet sowohl für den Betreiber, als auch für den Besucher vielfältige Chancen für eine mehrschichtige und authentische Vermittlung.

Die wesentlichen didaktischen und räumlichen Grundstrukturen sind in diesem "Garten der Technik" bereits vorhanden. Seine Besonderheiten sind teilweise überdeckt, verschwommen oder unzugänglich, aber dennoch prägend. Die gelungene Symbiose von "Technik-, Kultur- und Naturlandschaft" sowie der gegenseitige Kontrast ihrer Einzelelemente bilden in der Summe eine ungewohnte und herausragende "Hybridlandschaft". Der Entwurf für :aqualon will die prägenden Strukturelemente dieses Hybrids unterstützen, wo nötig räumlich freilegen bzw. thematisch herausstellen und sie - soweit aus sicherheitstechnischen Belangen möglich - "körperlich" erfahrbar machen.

Um die vorhandenen Potentiale nicht zu überlagern, sondern "in Szene zu setzen" wird auf eine flächige Überplanung des Gesamtareals verzichtet. Das Konzept basiert vielmehr auf einzelnen und gezielt zugänglichen Bereichen mit jeweils hoher Intensität, die den umgebenden, meist ruhigeren oder unzugänglichen Räumen spannungsvoll gegenübergestellt werden. Die Hauptachse dieser "besonderen Orte" verläuft hierbei über eine Folge inhaltlich verwandter Teilabschnitte, beginnend von der unteren Loosenau bis zum oberen, dammseitig gelegenen Betriebsgebäude der Talsperre.


Thematische Alleinstellung und Anknüpfungspunkte

Eine wesentliche Besonderheit des Areals ist die technisch-landschaftliche Authentizität und deren unmittelbares Erleben. Der Wert dieser Unmittelbarkeit sollte nicht durch künstliche "Abbildungen" ersetzt werden, sondern räumlich und thematisch weiter aufgeladen werden. Ziel ist daher, die Vermittlungsstationen vorrangig an herausragende "Originalschauplätze" der Hybridlandschaft anzudocken und später, soweit möglich, durch weitere Zugänglichkeiten im Areal zu ergänzen (z.B. geführte Begehungen der Wartungsgänge, Anlagen oder Schutzgebiete). Das hierdurch gewonnene Bewusstsein für die Ressource "Trinkwasser", das Verständnis der dahinter stehenden Ingenieurleistung und das Wissen um die technischen Abläufe und seiner regionalen Verteilung kann in der Summe auf mehreren Ebenen erhebliche Synergieeffekte fördern.

Um die thematische Alleinstellung dieses "Garten der Technik" weiter zuzuspitzen, zielen die Einzelbausteine auf eine klare inhaltliche Fokussierung der Ressource „Trinkwasser“ ab. Das für die meisten Verbraucher inzwischen selbstverständliche Gut, soll durch inhaltliches Wissen, die persönliche Erfahrung des Ortes und die haptisch erlebbare Inszenierung seiner Teilbereiche eine tiefe und möglichst mehrschichtige Verankerung erfahren.


Inszenierung der Teilbereiche

Das Erlebnis des Ortes und die Vermittlung seiner Inhalte werden nicht unter dem Zwang von "Lernerfolgen" gesehen. Die Entscheidung des Besuchers mehr oder weniger Informationen zu erfahren soll nicht bevormundend erfolgen, sondern durch die besondere Attraktivität des Raums und seiner haptischen Erfahrung stimuliert werden. Den vorhandenen "sinnlichen" Merkmalen dieser Hybridlandschaft und insbesondere ihrer Bandbreite (z.B. Geräusche – von Plätschern bis Tosen / Räume – von exponiert bis geborgen/ Landschaften – von lieblich bis pragmatisch /etc.) werden für das Gesamterlebnis eine wichtige Rolle zugewiesen.

Analog zur regionalen Verteilung des in der Talsperre gewonnenen Trinkwassers (Versorgungsbereiche der WVV und BTV) bilden die :aqualounges örtlich und regional "wandernde" Informationsträger. Als Satelliten von :aqualon bereisen sie den gesamten Versorgungsbereich und in höherer Dichte die unmittelbare Umgebung der Talsperre. Sie fungieren hierbei im städtischen Umfeld als inhaltsbezogene "Appetizer" und werden dadurch im engeren Projektgebiet zu wieder erkennbaren, nach Themen gruppierten Informationsmöbeln. Jedes Element beinhaltet neben dem individuellen Themenblock auf seiner Oberfläche auch das Wasser selbst in seinem Inneren. Bei der "Benutzung" machen sie damit neben den Fakten ebenfalls das haptische Medium, z.B. sein eigentümliches Strömungs- und Formverhalten sowie seine spezifisch akustischen Eigen-schaften, unterschwellig erfahrbar. Aufgrund der unterschiedlichen Themenblöcke und den wechselnden Standorten soll das Aufeinandertreffen für den „Verbraucher“ stets (inhaltlich) neu und (räumlich) unerwartet bleiben.
Die Konstruktion der insgesamt 15 Wasserkissen beruht auf mobilen, geschlossenen Flüssigkeitsfaltbehältern aus bedrucktem PVC-Gewebe wie sie auch in der Industrie und beim Rettungswesen zum Einsatz kommen. Da sie den Versorgungsraum des Talsperrenwassers bereisen, muss beim Versetzen der Elemente lediglich die Hülle transportiert werden.

Das engere Projektareal zwischen Lindscheid, Loosenau und der Talsperre wird entlang der betrieblichen Wasserstrecken aus der Bewegung der Besucher auf dem Rundweg heraus entwickelt, indem sich an dessen Flanken thematisch verwandte und räumlich intensivierte Erlebnisbereiche anlagern.

Das Forum :aqualon bildet hierbei den Auftakt zum :aquacampus, der die technischen Aspekte des Themenblocks „Wasserkreislauf“ mit wissenschaftlichen, gärtnerischen und spielerischen Aspekten verknüpft. Die daran angelagerte Pflanzkläranlage fängt das durch die Nutzungserweiterungen erhöhte Abwasseraufkommen auf und bietet die Möglichkeit zu einem ersten Pilotprojekt der inhaltlich neu ausgerichteten Forschungseinrichtung; über die unterschiedlichen "Gärten der Wassertechnik" soll das an dieser Stelle verbrauchte und wieder gereinigte Wasser am westlichen Ende zum Spiel- und Fußbad wiedergenutzt werden können.

Der Rundweg selbst wird umlaufend durch eine Beschriftung mit allen Straßennamen des konkreten Versorgungsgebiets der WVV und BTV für den "Verbraucher" wieder erkennbar markiert. Die seitlich zum Ausgleichs- und Tosbecken angelagerte Holzterrasse bietet dem Besucher an dieser räumlich und innerbetrieblichen Engstelle eine Erweiterung des Bewegungsraums als Ruhe- und Informationsfläche, mit der Möglichkeit den ungewohnten Reiz der landschaftlich-technischen Hybridlandschaft und seiner "wassertechnischen Dramatik" in gesicherter Nähe zu erleben. An der Südseite dieser Terrasse startet der :aquaparcours, der über drei schmale Holzstege die unmittelbare Wahrnehmung der unterschiedlichen Fließ- und Geräuschkulissen inszeniert und dem Besucher eine fuß-läufige Verbindung zum gegenüber gelegenen und bewusst "naturräumlich" belassenen Ufer bietet.

Dem Kurzschluss zwischen Tal und Dammkrone kommt innerhalb des Aktivitätsbandes eine zentrale Bedeutung zu. Die :aquascala befindet sich auf gewachsenem Boden knapp nördlich der Talsperre und spiegelt in ihrer Art und Lage die unterirdische Verbindung der Hauptleitungen. Die möglichst direkte fußläufige Verknüpfung und der damit verbundene "mühevolle Weg" über etwa 300 Stufen unterstreichen die gewaltige Dimension und räumliche Dramatik des Dammkörpers und machen seine Abmessungen "körperlich" erfahrbar. Auf Höhe der Dammkrone spaltet sich die Treppe und führt einerseits als Landschaftsterrasse entlang des oberen Betriebsgebäudes bis zur Straße nach Lindscheid und andererseits, in Verlängerung der Lanschaftstreppe, auf einen um ca. 7m höher gelegenen Aussichtspunkt mit Blick über das Gesamtareal von :aqualon und der angrenzenden :dhünnhochfläche. Als signifikante Landmarke bietet insbesondere die technisch-landschaftliche Verbindung von Dammkörper, Treppe und Terrasse das Potential zu einem formal wieder erkennbaren Alleinstellungsmerkmal. Durch die Neubepflanzung des Dammbauwerks mit wildem Lavendel könnte der Dammbaukörper eine weiterführende optische und inhaltliche "Aufladung" im Sinne des übergeordneten Themas des regionalen Standortnetzwerke :gärten der technik erfahren. Die farbintensive pflanzliche Überlagerung des Ingenieurbauwerks und der unerwartete, sinnliche Duft der Lavendelpflanze stehen im unmittelbaren Einklang mit der ortsspezifischen Überlagerung von produktions-landwirtschaftlichen, wasserwirtschaftlichen und naturräumlichen Aspekten.

Beurteilung durch das Preisgericht

"Die Arbeit geht auf die Besonderheiten des Raumes ein und inszeniert das Landschaftsbauwerk Damm als Kulisse für das Tal. Darin liegt sein Alleinstellungsmerkmal. Der Entwurf ist mutig.

Die Verfasser finden ein stimmiges, künstlerisch ambitioniertes, räumliches Grundkonzept, das intensiv genutzte und gärtnerische Bereiche in die extensiv genutzte Landschaft integriert. Der farbige Blütenteppich, die Gärten entlang der Wege und die breite Treppenanlage mit offener Regenwasserführung sind in punkto Blick- und Wegebeziehungen klar aufeinander bezogen. Die Proportionen und perspektivische Anordnung von Treppe, Hang und Tosbecken stimmen und ermöglichen ein intensives Raumerlebnis.

Das auf den ersten Blick irritierende Lavendelfeld kann als monochrom bepflanzte Fläche als ein Überfließen des Staubeckens interpretiert werden und spricht auch den Geruchssinn an. Unterschiedliche Vermittlungsorte können auf den Spaziergängen durch die Anlagen verknüpft werden. Mobile Info-Kissen finden eine moderne Sprache der Vermittlung. Die räumliche Anordnung der Wassergärten überzeugt formal in ihrer an Reisfelder erinnernden Anordnung. Besonders positiv wird die offene Führung des Regenwassers als Teil der Treppenanlage gesehen.

Die Verwendung einheimischer Pflanzenarten, vor allem hinsichtlich des Lavendellfeldes wäre bevorzugt worden. Ebenso wird die Treppenskulptur, die über die Dammkrone hinausragt kritisch gesehen. Sie konterkariert die ansonsten stimmige Einfachheit des Entwurfs.

Funktional, bezüglich Flächen- und Ressourcenverbrauch und wirtschaftlich erfüllt die Arbeit die Anforderungen. Insgesamt stellt die Arbeit einen charaktervollen und frechen Beitrag zur Lösung der Aufgabenstellung dar."
Plan 1

Plan 1

Plan 2

Plan 2

:aqualons

:aqualons

Querschnitt

Querschnitt

Ausblick Talseite

Ausblick Talseite

Ausschnitte 1:500

Ausschnitte 1:500

Ausblick Dammkrone

Ausblick Dammkrone