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  • DE-85077 Manching
  • 06/2011
  • Ergebnis
  • (ID 2-58256)

Neugestaltung Ingolstädter Straße in Manching


  • 1. Preis

    übersichtsplan

    Landschaftsarchitekten
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Ludwig Schegk

    Mitarbeit
    Stephan Gentz, Alexandra Haupt

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Ingolstädter Straße Manching
    Städtebau
    Mit dem begonnenen Neubau von Gemeindesaal/ Bibliothek und Sparkasse ergibt sich die Chance, die Ortsmitte von Manching neu zu definieren und in ihrer zentralen Funktion sicht- und erlebbar zu machen. Dies unterstützt der Entwurf auf vielfältige Weise.
    So schafft eine großzügige Brückenlösung über die Paar zusätzlichen öffentlichen Raum. Die trennende Wirkung von Fluss und Brücke wird aufgehoben - Rathaus und Kirche werden optisch stärker in das umgestaltete Zentrum integriert. Fußgänger und Radfahrer bekommen mehr Raum, die Brücke ist nicht länger Nadelöhr. Eine einheitliche Gestaltung des Belages beidseits und auf der Brücke bestärkt die verbindende Wirkung. Die natürliche städtebauliche Aufweitung wird damit herausgestellt und genutzt. Großzügige Bewirtungsflächen beidseits der Straße und auf beiden Seiten der Brücke schaffen ein neues Flair.
    Darüber hinaus wird auch die Anbindung des westlichen Ortsteiles jenseits der Autobahn gestärkt. Unter Aufrechterhaltung der verkehrlichen Funktion wird die Ingolstädter Straße gestalterisch stark aufgewertet. Die einseitige Baumreihe auf der Südseite der Fahrbahn leitet optisch auf die Ortsmitte zu. Der wichtige Blick auf die Kirche im Zentrum bleibt dabei stets frei. Die transparente Fahnenreihe auf der nördlichen Seite der Straße fasst in der Perspektive geschickt den Straßenraum, wertet ihn damit zusätzlich auf und definiert gleichzeitig den Radweg, ohne den öffentlichen Raum ungebührlich zu zerschneiden .
    Die geforderte bauliche Ergänzung an der Ecke zur Mühlstraße bildet einerseits die notwendige Raumkante. Andererseits schafft die Gebäudestellung durch Zurückbleiben hinter der Flucht des östlichen Nachbarn eine an dieser Stelle sinnvolle Rauhigkeit, die zur Entschleunigung des Verkehrsflusses vor dem Zentrum beiträgt.

    Verkehr
    Die verkehrlichen Funktionen der Ingolstädter Straße sind in vollem Umfang erhalten. Durch Neuordnung des Straßenraumes wird der geforderte Radweg auf der Nordseite der Straße möglich. Der Radweg wird funktional und gestalterisch eingebunden, ohne Einbußen für die übrigen Verkehrsteilnehmer hervorzurufen.
    Die Bushaltestellen sind in die Seitenflächen integriert, so dass es mit dem MIV nicht zu Konflikten kommt. Aufgrund der relativ breiten Seitenfläche im Bereich der nördlichen Bushaltestelle können hier zudem die Radfahrer in den Fußwegebereich ausweichen ohne die wartenden bzw. ein-/aussteigenden Fahrgäste zu gefährden.
    Auf Hochborde wird im Straßenraum künftig verzichtet. Damit können auch die geforderten Stellplätze als Längsparker in die Seitenbereiche integriert werden.
    Die Fahrbahn der Straße wird in der Breite angeglichen, geht ansonsten aber hindernisfrei durch und wird im Zentrum farblich an den Platzbelag angenähert.

    Gestaltung
    Die Gestaltung dient einerseits der Aufwertung des Öffentlichen Raumes in Manching, insbesondere im neugestalteten Zentrum, berücksichtigt andererseits aber die erforderlichen Funktionen und bindet diese gestalterisch ein. So schafft die einheitliche Belegung der Seitenflächen mit grau-gelbem Granitpflaster eine warme Großzügigkeit und bindet andererseits die verschiedenen – vor allem verkehrlichen – Funktionen ein.
    In den Seitenbereichen der Straße mit Geh-/Radwegen, sowie Längsparkern und Grundstückszufahrten wird der Belag in Bezug auf die jeweilige Bewegungsrichtung der Nutzer in Reihen gelegt.
    In den Querungsbereichen der einmündenden Straßen sowie den Platzflächen in der Ortsmitte wird bewusst ein „richtungsloser“ Verband gewählt, der signalisiert, dass sich hier die verschiedenen Verkehrsarten und Bewegungsrichtungen begegnen bzw. kreuzen. Zudem wird so eine maximale Großzügigkeit in der Gestaltung der Platzräume erreicht, die noch verstärkt wird, indem die bituminöse Fahrbahn in der Ortsmitte farblich an den Platzbelag angeglichen wird.
    Einzig mit der vorgeschlagenen Fahnenreihe auf der Nordseite der Ingolstädter Straße wird die gestalterische Zurückhaltung etwas aufgegeben, nicht zuletzt, um damit dem Ort etwas Unverwechselbares zu geben: „Fahnenblüte in Manching“. Mit wechselnder Ausstattung kann gleichzeitig Information wie Gestaltung verbunden sein, in jedem Fall ein Beitrag zu einer neuen Identität des Ortes.
    Ein Brunnenelement auf dem zentralen Platz vor dem neuen Gemeindesaal schafft zusätzliche Aufenthaltsqualität. Die Mariensäule wird freigestellt und in den Platzbereich integriert
    Auch der Fluss wird durch die neue Großzügigkeit der umgebenden Platzfläche besser erlebbar. Zusätzlich werden hier durch die „Gärten an der Paar“ im Norden und die neue „Caféterrasse über der Paar“ im Süden neue attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten angeboten.
    Mit der einseitigen Reihe aus mittelkronigen Bäumen wird die Ingolstädter Straße in Zukunft auch durch Grün stark aufgewertet. Einzelne Solitärbäume im Bereich der neuen Platzflächen in der Mitte schaffen zusätzlich Qualität, ohne die wichtigen Sichtbeziehungen zu verstellen.
    Zur Beleuchtung der Straßen und Platzräume sind schlichte Leuchtstelen vorgesehen, die beiderseits der Straße versetzt angeordnet werden und so alle Flächen optimal ausleuchten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Ingolstädter Straße wird sehr großzügig und ruhig in die Bereiche Ortseingang, mittlerer Bereich und Ortsmitte um Sparkasse, Bibliothek und altes Rathaus gegliedert. Die Fahrbahn wird nicht unterbrochen. Die einmündenden Straßen werden von
    dem durchlaufenden Fuß- und Radweg an der Ingolstädter Straße abgesetzt. Zum großzügigen Eindruck tragen wesentlich das gelbliche Granitpflaster sowie der grau und beige eingefärbte Asphaltbelag bei. Unterstützt wird dies außerdem durch die an der südlichen Straßenseite angeordnete Reihe mittelgroßer Bäume.
    Unter den Bäumen sind PKW-Stellplätze in der geforderten Anzahl angeordnet. Die Verfasser gehen allerdings davon aus, dass die privaten Vorgärten dem öffentlichen Raum zugeschlagen werden. Zwischen Grundstraße und Lindenstraße müsste dafür auf der nördlichen Straßenseite für vier Anwesen ein Teilgrunderwerb erfolgen. Im Süden wäre bei den beiden Anwesen westlich der Mühlstraße der vorgeschlagene Entwurf nur bei Entfall von zwei Stellplätzen realisierbar. Die Straßenbreite von 6,50 m (inklusive Rinnen) genügt den verkehrlichen Anforderungen. Der auf der Nordseite geführte Radweg ist zu begrüßen.
    Der Vorschlag, die Fahrradfahrer hinter dem Bus und vor der Sparkasse über den Platz zu führen dürfte zu Konflikten mit den Fußgängern führen. Die Anordnung der Fahnenmasten könnte zu einer gewissen Verlangsamung des Fahrradverkehrs und zur Sicherheit für die aus dem Bus aussteigenden Fahrgäste beitragen. Für die von der Brücke kommenden Fahrradfahrer ist die Situation unklar.
    Fahrradweg und Fußgänger bewegen sich auf einem Niveau mit Niederbord zur Fahrbahn und schaffen so überall Barrierefreiheit. Die verschiedenen Bereiche werden zurückhaltend, aber klar durch Einzeiler sowie Granitbord und Pflasterrinne getrennt.
    Die Plätze und Straßeneinmündungen werden durch im Flechtverband gelegtes Pflaster akzentuiert. Geh- und Radwege sind im Richtungsverband gelegt, Eingangsbereiche werden durch Richtungswechsel im Pflaster betont. Die Oberflächen sind gesägt und gestockt, die Seitenflächen gebrochen. Dadurch erhält man ein sehr lebendiges und natürliches Erscheinungsbild.
    Die Verbreiterung der Brücke nach Norden verbindet das Vorfeld vor dem alten Rathaus mit dem Platz vor der Bibliothek. Die Freistellung der Mariensäule erlaubt einen besseren Zutritt an die Uferbrüstung über der Paar. Wünschenswert wäre eine weitere Zugänglichkeit entlang der Ufermauer und auch näher Wasser.
    Die Verkehrsführung Ingolstädter Straße/Niedernfelder Straße müsste wohl etwas deutlicher herausgearbeitet werden.
    Die lockere Stellung einiger weniger Großbäume auf dem Platz und entlang der Paar akzentuierten die Situation wohltuend. Das geplante „Fontänenfeld“ schränkt die variable Nutzung als neuen Marktplatz ein.
    Die Cafeterrasse an der Paar (vormaliger Biergarten des Riesenwirts) ist ein attraktives Angebot, allerdings auf Grund derzeitiger Eigentumsverhältnisse wohl nicht realisierbar.
    Die „Fahnenblüte in Manching“ als identitätsstiftendes Signet für den Ort ist in ihrer Länge von der Paarbrücke bis Anzahl von 35 Stück in Frage zu stellen.
    Die auf beiden Straßenseiten angeordneten Beleuchtungskörper dürften in der Nacht eine angenehme rhythmische Ausleuchtung des Straßenraums bewirken. Die Anordnung der Leuchten im zentralen Abschnitt an der Sparkasse und am Marktplatz ist zu überprüfen.
    Die Baulücke an der Mühlstraße wird geschlossen. Das leichte Zurücktreten des Baukörpers schafft eine Aufweitung der Ingolstädter Straße und setzt so den geplanten Neubau geschickt in Szene.
    Die Arbeit bietet in ihrer Klarheit und den differenzierten Einsatz der gestalterischen Mittel einen überzeugenden Ansatz, der konsensfähig und umsetzbar erscheint.


INFO-BOX

Angelegt am 10.06.2011, 16:38
Zuletzt aktualisiert 29.12.2011, 17:16
Beitrags-ID 4-45541
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