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  • CH Köniz
  • 11/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-2799)

Park in Liebefeld


  • 1. Preis 1. Rang

    Allee

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Team ‚oxymoron’ Mitarbeiter: Rita Mettler, Dirk Richter, Jacqueline Prasser, Oliver Fechner, Juliane Berg, Architektur: Vehovar + Jauslin Architektur AG, Zürich Lichtplanung: conceptlicht at GmbH, Insbruck Wasser-, Ingenieurbau: Bucher+ Dillier Ingenieur AG, Luzern

    Erläuterungstext
    Der neue Park Köniz ist ein Stück Landschaft inmitten des Siedlungsgebietes.
    Für die Bewohner und Besucher von Köniz wird der neu erleb- und nutzbare Freiraum, mit seiner grosszügigen, offenen Wiesenfläche, der Wasserfläche und dem prächtigen Baumbestand ein wichtiger Erholungsort.
    Der Park als idealisierter Naturraum, folgt in seiner Grundkonzeption dem klassischen Volkspark mit einer zentralen Rasenfläche zum Spielen, Grillen und Entspannen. Zwei gegensätzliche Bänder rahmen die Rasenflächen, die sich in ihrer Form und Nutzung unterscheiden. Form und Nutzung reagieren wiederum auf die Nachbarschaft. Der neu gestaltete Park verbindet und hebt gestalterische und ökologische Belange gleichermassen hervor.

    Die drei elementaren Bausteine des Parks sind: Lindenallee, Freies Vegetationsband und Zentrale Rasen- / Wiesenfläche mit Weiher
    - Im Westen, zur Schwarzenburgstrasse hin, begrenzt eine durchgehende Lindenallee den neuen Park. Sie ist Flaniermeile und Spielfläche zugleich. Hier finden sich in den hellen Asphaltbelag integrierte Spielfelder, für Alt und Jung – Skaten, Radfahren, Boule spielen und Schaukeln.
    - Das sich organisch an die Grundstücksgrenze anschmiegende Vegetationsband schafft einen ruhigen Gegenpol zum aktiven Band der Lindenallee. Die freien Formen reagieren auf die Anordnung der Häuser und orientieren sich an der vorgegebenen Grundstücksgrenze. Wohnbebauung und Park verzahnen sich.
    - Die grosszügige Rasen- und Wiesenfläche, mit dem an der tiefsten Stelle gelegenen Weiher, bildet die Mitte des Parks. Sie wird durch drei Baumgruppen und einer Inselbaumgruppe räumlich gegliedert und dadurch in ihrer Raumproportion besser erfahrbar.

    Der Anfang und das Ende des Parks, werden durch verbindende und offen zugängliche Plätze mit dreireihigen Lindenhochstämmen gestaltet. Ein neues Gebäude mit vorgelagerten Kleinspielfeldern als Allwetterplätze (Streetball, Basketball oder Fussball), spannen sich im Süden zwischen die Allee und das Vegetationsband.
    Der Festplatz für multifunktionale Nutzungen, im Norden des Parks, schliesst direkt an den Weiher an. Grosszügige Sitzstufen ermöglichen den Zugang zum Wasser und laden zum Verweilen ein. Ein zusätzlicher Anziehungspunkt wird das Café, welches als Pavillon auf dem Platz im Raster der Lindenreihe platziert ist. Ein grosses Vordach ermöglicht auch bei schlechtem Wetter einen attraktiven Aufenthalt im Park.
    Zwei querende Wege, die je ein Drittel der Rasenfläche teilen, verbinden die Parkbänder und die beiden angrenzenden Siedlungsgebiete miteinander.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt „oxymoron“ entspricht in seiner Grundkonzeption dem klassischen Volkspark: eine zentrale Rasenfläche mit wenigen Einzelbäumen wird von einer mit Bäumen bestandenen Randzone gefasst. Die grosse leere Mitte dient dem Verweilen und den viel Raum beanspruchenden Rasenspielen, die Randzonen hingegen lassen vielfältige Aktivitäten und gezieltes Passieren gleichermassen zu.
    Durch diese Grundhaltung entsteht ein klarer, räumlich gut definierter, grosszügiger Parkraum, der dank seiner sorgfältig ausgearbeiteten Randzonen attraktiv für verschiedene Nutzer (Kinder und Jugendliche, Erwachsene und Senioren, AnwohnerInnen und Arbeitnehmende, FussgängerInnen und Velofahrende) ist und gestalterische wie auch ökologische Anliegen gut berücksichtigt.

    Städtebaulich wird der Park präzise auf sein Umfeld ausgerichtet: Im Norden, in der Nähe der Dienstleistungszone, schafft ein locker mit Linden bestandener Platz mit Café und ein mit Sitzstufen gefasster Weiher den Auftakt in den Park. Mit den weit auseinander stehenden Bäumen ist der Platz für vielfältige Festanlässe geeignet, schafft aber im Alltag dank dem Weiher mit Wasserspiel und der Sumpfzypressen-Insel eine beschauliche und entspannte Atmosphäre zum Verweilen.
    Auch die beiden seitlichen Bänder reagieren auf ihr städtebauliches Umfeld: während entlang der Schwarzenburgstrasse ein breites, mit einer Doppelreihe Linden bestandenes Belagsband die urbane Seite des Parks zum Ausdruck bringt, wird auf der gegenüberliegenden Seite der Übergang zur Wohnsiedlung mittels freistehender, mehrheitlich einheimischer und nicht allzu hoch wachsender Bäume und weich geformter Pflanzflächen einfühlsam gestaltet. Eine in der Formensprache dem Parkentwurf und der Wohnüberbauung entsprechende Stampfbetonmauer entlang der Grenze zwischen den beiden Bereichen vermag die verschiedenen Ansprüche seitens Gemeinde (ökologische und ökonomische Bedingungen) und der Wohnsiedlung (Zäsur zwischen öffentlichen und halbprivaten Bereichen) gut zu erfüllen. Ebenso bieten die aus diversen Pflanzenarten geschnittenen Hecken entlang der Verkehrsader sowohl gestalterisch wie atmosphärisch viel und erlauben auch, das Thema Lärmschutz bei Bedarf gut zu lösen. Im Süden, in Richtung Zentrum Köniz, schafft ein zweiter mit Linden bestandener Platz das Pendant zum nördlichen Abschluss resp. Auftakt des Parks. Allwettertaugliche Spielfelder ergänzen hier das Angebot. Die Verfasser schlagen somit entgegen der Absicht im Programm vor, den geforderten 2000m2 grossen multifunktionalen Platz in zwei Bereiche aufzuteilen: einen baumbestandenen Platz für allerlei Feste und Veranstaltungen und einen für verschiedenste Sportanlässe geeigneten Allwetterplatz. Diese Anregung wird von der Jury als prüfenswerte Idee aufgenommen. Leider haben die Verfasser den Sportbereich aus dem eigentlichen Projektperimeter hinausgeschoben, was nicht zulässig war. Das Beurteilungsgremium ist aber der Auffassung, dass das stringente Gesamtkonzept eine Korrektur in diesem Bereich schadlos überstehen würde und dadurch auch die zu knapp bemessenen Flächen für den Allwetterbereich korrigiert werden könnten.

    Sowohl in der Gesamtkonzeption wie auch in der feinfühligen Ausarbeitung überzeugt das Projekt in jeder Hinsicht. Dank des einfachen Aufbaus und der sorgfältigen und stimmigem Material- und Pflanzenwahl entsteht ein auf den ersten Blick unspektakulärer, aber stark auf den Ort bezogener Park mit atmosphärisch dichten Bildern, dem nicht anzumerken ist, dass er sehr bedacht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen muss.