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  • ein 2. Preis

    Zugangssituation

    Architekten
    Florian Nagler Architekten GmbH, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Florian Nagler

    Mitarbeit
    Jan Lindschulte, Lea Kunschke

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: ver.de landschaftsarchitektur GbR, Freising (DE)

    Preisgeld
    35.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die langezogene Ausformung des Wettbewerbsgebiets entlang der Hangkante ist Herausforderung und Chance.

    Herausforderung ist die Entwicklung eines erfahrbar zusammengehörigen Quartiers mit guten Verknüpfungen und hoher Aufenthaltsqualität. Ein durchgängiger Verbindungsweg erschließt und verbindet den neuen Stadtbaustein mit Kongresshalle und Hotel- und Bewirtungsbereichen.
    Auftakt am Sendelbach ist der Brückenschlag mit den angegliederten Obstterrassen. Dort bestehende Ziegelmauern werden als durchgängige Materialanmutung in die Gestaltung integriert. Über Treppen - alternativ behindertegerecht über Rampen - ist die fußläufige Erreichbarkeit des Kongressbereich von städtischen Parkhaus gewährleistet.
    Im Norden schließt die Parkfläche an der Hindenburgstraße mit dem öffentlichen Biergarten das Planungsgebiet ab. Der eindrucksvolle Baumbestand bildet die Kulisse für den Hotelbereich. Dazwischen entlang des Weges reihen sich abwechslungsreiche Szenarien mit Standorten für Tierhaltung und Fischzucht und Rückzugsbereichen am Weg. Die Gestaltung nimmt regionale Materialien und Bauweisen auf.

    Chance ist die große Kontaktfläche zur umgebenden Stadt. Hotel- und Kongressstandort werden optimal verkehrlich angebunden und über die topographisch erhöhte Lage im Stadtbild inszeniert.
    Ein großzügiger Aufgang mit Treppenanlage und begleitenden Formhecken bildet den Hotelzugang von der Hindenburgstraße. Er ist bereits bei der Einfahrt in den Parkplatz zu erleben. Die Zufahrt zum Hotel ist behindertengerecht möglich. Von der Kulmbacher Straße aus ist das Hotel über einen Platz mit Tiefhof erschlossen.
    Die eindrucksvolle Fassade des Kongressaals bildet die Kulisse für den repräsentativen Vorplatz mit dem vorgeschlagenen Wasserbecken. Entlang der Kulmbacher Straße entsteht so eine Abfolgen unterschiedlicher Quartiersplätze, die durch einheitliche Materialverwendung jedoch immer noch die Zusammengehörigkeit erfahrbar machen.

    Das ehemalige Maschinenhaus wird zum Zentrum des Hotel-und Tagungsbereichs. Hier sind die Vertikalerschließungen aller Geschosse untergebracht und zudem in den Obergeschossen die Suiten. Direkt an den Empfangsbereich schließt der Tagungsbereich an, der mittels der geöffneten Gewölbekeller und über einen innenliegenden Patio (Lounge- und Barbereich) belichtet wird. Alle Tagungsräume sind auf kurzem Wege miteinander verbunden.
    Das auf Hofebene gelegene Restaurant verfügt über eine talseitige Terrasse und einen Freisitz im Hof. Der Wellnessbereich ist in den Obergeschossen des Sudhauses angeordnet und verfügt über die gewünschte (sichtgeschützte) Dachterrasse mit Blick zum Festspielhaus. Die Hotelzimmer sind zu einem geringen Umfang im Bestand untergebracht. Der Rest der Zimmer gruppiert sich um einen schönen kontemplativen Innenhof. Die Suiten befinden sich im neuen Kopfbau des Maschinenhauses.

    Im Konferenzbereich gehen wir sensibel auf die vorhandene denkmalgeschützte Struktur ein, die soweit wie möglich erhalten wird. Im Veranstaltungssaal, der aufgrund seiner Nutzung stützenfrei ausgeführt werden muss haben wir die vorhandene Konstruktion verwendet, um darauf aufbauend ein neues Tragwerk zu entwickeln, das möglichst viel der vorhandenen Substanz weiterverwendet. Um die geforderte zusammenhängende Fläche für den Konferenzsaal zu erhalten wird der bereits vorhandene Raum talseitig um zwei Konstruktionsachsen erweitert. Damit wird auch im Aussenbereich sichtbar, dass dem Gebäude eine neue Nutzung zugeschrieben wurde. Ein großformatiges Fenster ermöglicht einen Ausblick über Stadt und Festspielhaus (soweit die jeweilige Nutzung dies zuläßt).
    Die Bereiche Museum, Foyer und Konferenzsaal können wie gewünscht unabhängig erschlossen und bespielt werden.

    Die vorhandene Bausubstanz wird so weit als möglich erhalten und in die Neukonzeption integriert. Alle Neubauteile sind im Kontrast zu den vorhandenen Ziegelbauten als monolithische Konstruktionen aus sandfarbenem Dämmbeton geplant. Hierbei wird dem Beton der für Bayreuth typische gelbe Sandstein als Zuschlagsstoff beigefügt (beispielsweise kann hierfür der Sandstein des Abbruchs unmittelbar verwendet werden). Die fertigen Oberflächen werden im Inneren sandgestrahlt, in den Aussenbereichen gestockt. Bestandswände und die Wände in den Zimmern erhalten einen Lehmputz, der die Farbigkeit des Sandsteins aufgreift. Die Böden sind weitestgehend Terrazzoböden. Lediglich in den Zimmern sollen breite Holzdielen als Bodenbelag verwendet werden.

    Die Bestandsbereiche (Gewölbekeller, ...) werden mit einer Wandheizung nach Großeschmidt ausgestattet, um die Wände trocken zu halten und ein angenehmes Raumklima durch Strahlungswärme zu erzeugen. Die neuen Gebäudeteile erhalten eine Außenwand aus Dämmbeton, der durch die Verbindung mit Glasschaumgranulat bei Wandstärken von mehr als 0,5 m einen hervorranden Wärmedurchgangskoeffizienten unter 0,2 W/m”K erreicht. Zusammen mit einer 3-Scheiben-Verglasung in den Fenstern besitzt die thermische Gebäudehülle dadurch eine hervorragende Wärmedämmung. Die Hotelzimmer erhalten Abluftventilatoren in den WC’s mit einer Nachströmung frischer Außenluft über schallgedämmte Lüftungsschlitze am Fenster. Selbstverständlich kann der Gast den Raum über geöffnete Fenster natürlich lüften. Bereiche mit einer hohen Personenbelegung (Tagung, Saal, Restaurant, ...) oder speziellen Anforderungen (Wellness, ...) werden durch mechanische Lüftungsanlagen RLT mit Wärmerückgewinnung und Zuluftheizung-/kühlung versorgt. Die Außenluft dieser Anlagen strömt zunächst durch einen abgetrennten Teil der vorhandenen Kellergewölbe, die nach einer Oberflächenbehandlung als Erdkanal die Luft vortemperieren. Die Fortluft wird über die bestehenden Kamine (Darre, ...) ins Freie geführt, so dass durch Windkräfte und thermischen Auftrieb die Ventilatoren unterstützt bzw. abgeschaltet werden können. Alle Räume in neuen Gebäudebereichen verfügen über eine Fußbodenaktivierung zur Heizung und Komfortkühlung.
    Die neuen und sanierten Gebäudebereiche weisen insgesamt einen so geringen jährlichen Wärmebedarf auf, dass die Wärmeversorgung nahezu vollständig aus Abwärme der Brauerei erfolgen kann. Vorteilhaft dafür ist, dass die vorgesehenenen Flächenheizungen nur eine geringe Vorlauftemperatur benötigen. Zur ganzjährigen Warmwasserbereitung und Poolbeheizung wird ein kleines Blockheizkraftwerk BHKW (Kraft-Wärme-Kopplung) vorgeschlagen, das mit Pflanzenöl betrieben wird und aufgrund der langen Laufzeiten einen großen Teil des Strombedarfs deckt. Der biogende Antrieb führt in der Bilanz zu enormen Primärenergiegutschriften für das Objekt. Eine Solarstromanlage PV auf dem neuen Dach der alten Mälzerei und mögliche Windräder auf den vorhandenen Kaminen führen zu einer weiteren Reduktion des nicht erneuerbaren Primärenergiebedarfs. Der verbleibende Strombedarf wird durch den Bezug von Ökostrom aus dem öffentlichen Netz gedeckt. Die vorhandenen Brunnen am Standort werden reaktiviert und zur Kühlung der RLT-Anlagen sowie der Fußbodenkühlung mit Grundwasser eingesetzt. Mit diesem Konzept wird das Tagungsquartier Bayreuth in seiner Bilanz praktisch zum Nullprimärenergiequartier und erfüllt damit bereits jetzt die zukunftsweisende Forderung europäische Gebäuderichtlinie 2010 - Energieeffizientere Gebäude (European Directive Energy Performance of Buildings EPBD), dass bis 31. Dezember 2020 alle neuen Gebäude als "Niedrigstenergiegebäude" mit einer sehr hohe Gesamtenergieeffizienz zu errichten sind.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.