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  • DE-59821 Arnsberg
  • 02/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-84459)

Museums- und Kulturforum Südwestfalen


  • 2. Preis Zuschlag

    Ansicht Ruhrstraße

    Architekten
    Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Henne & Walter GbR, Reutlingen (DE)
    TGA-Fachplaner: GBI Gesellschaft Beratender Ingenieure mbH, Stutttgart (DE), Erfurt (DE), Köln (DE), Hamburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: Wiederkehr Landschaftsarchitekten, Nürtingen (DE)
    Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)
    Tragwerksplaner: wh-p Ingenieure, Stuttgart (DE), Basel (CH), Berlin (DE)
    Visualisierer: RENDERBAR 3D Visualisierung, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Aufgabenstellung:

    Der Ausbau des Sauerland-Museums zum Museums- und Kulturforum Südwestfalen stellt eine in zweierlei Hinsicht komplexe Planungsaufgabe dar: Zum einen gilt es, den dominant auf dem Bergrücken platzierten Landsberger Hof in seiner stadtbildprägenden Bedeutung zu stärken. Zum anderen gilt es eine Möglichkeit zu finden, die talseitig vorgelagerten Ausstellungs- und Veranstaltungsräume mit einer eigenen Identität zu versehen und diese trotz der extremen Topographie räumlich und funktional mit dem Bestandsgebäude zu verknüpfen.


    Städtebauliches Konzept:

    Das vorliegende Projekt fügt in die dem Landsberger Hof talseitige vorgelagerte Topographie drei gestaffelt angeordnete Baukörper ein, die eine artifizielle Terrassierung des Hanggrundstücks erzeugen. Der Altbau bleibt auch künftig die städtebauliche Dominante auf dem Bergrücken von Alt-Arnsberg, die bauliche Intervention respektiert die vorhandene Sockellinie des Gebäudes. Die Erweiterung erscheint von der Ruhrstraße aus betrachtet nicht als Gebäude im eigentlichen Sinn, sondern als landschaftlich entwickelte Struktur aus Terrassen, Stützmauern, Treppen und Wegen. Die Volumen wurden dabei so in die Topographie eingebettet, dass die englische Promenade frei zwischen den Einzelbaukörpern hindurch geführt werden kann und durch die Terrassen und Treppen eine gestalterische Aufwertung erfährt. Gleichzeitig signalisieren großflächig in die Volumen eingeschnittene Verglasungen dem Passanten den zeitgenössischen baulichen Eingriff und wird zum weithin sichtbaren Schaufenster des Museums- und Kulturforums Südwestfalen.


    Innenräumliches Konzept:

    Der Zugang zum Gebäude erfolgt wie bisher vom mittelalterlichen Alten Markt über den neu gestalteten Innenhof in der Mittelachse des Landsberger Hofes. Das angemessen großzügige Foyer mit Shop und Kasse, sowie Garderobe ist im südlich angrenzenden Bereich angeordnet. Von hier aus erfolgt der Übergang zur Fotoausstellung im Südflügel, dessen Räumlichkeiten von störenden Einbauten bereinigt und über ein zentrales Erschließungselement zu einem barrierefreien Rundgang verbunden werden. Ein zweiter Weg führt vom Foyer zurück in die Mittelachse des Hauptgebäudes. Hier befindet sich an zentraler Stelle eine neu geschaffene offene Treppenhalle mit Aufzugsanlage, die sämtliche Funktionen vertikal miteinander verknüpft. Die Dauerausstellung ist dabei in OG, EG und 1.UG des baulich bereinigten Altbaus untergebracht. Der Ausstellungsbereich der Ritter ist den markant überwölbten Räumen des 1.UG vorbehalten. Im 1.UG kann die Dachfläche des darunterliegenden Geschosses als reizvolle Außenausstellungsterrasse zugänglich gemacht werden.

    Ein in den Sockel des Bestandsgebäudes eingeschnittenes Panoramafenster gibt den beeindruckenden Blick ins Tal frei und erleichtert gleichzeitig den Übergang ins Untergeschoss. Von hier an verlässt die Treppe die bauliche Kontur des Altbaus und führt als offene Raumsequenz weiter hang abwärts, Geschossweise alternierend sind die übrigen Funktionen zu beiden Seiten der Treppenhalle angebunden. Ein abwechslungsreicher Weg mit reizvollen Ein- und Ausblicken bildet das Rückgrat der Erschließung des Hauses und gibt Halt und Orientierung.

    Im 2.UG befindet sich die Museumspädagogik als Bindeglied von Neu und Alt, die gewölbten Räume im Altbau dienen als vorgelagerte Foyerfläche. Im 3.UG schließt sich nördlich an die Erschließungsachse der kleinere der beiden Multifunktions-/Wechselausstellungsräume an, im 4.UG mündet der Weg in den größeren Multifunktions-/Wechselausstellungsraum, der sich bereits auf dem Niveau der Ruhrstraße befindet. Durch bewegliche Wandelemente lässt sich der Raum unterteilen und wahlweise auch dem vorgelagerten Foyer zuschalten. Beide Multifunktions- und Wechselausstellungsräume sind als stützenfreie Großräume rechteckigen Zuschnitts sehr variabel bespielbar. Die Befensterung des Hauses beschränkt sich auf die Gebäudeerschließung, während die eigentlichen Ausstellungsbereiche mit Kunstlicht bespielt werden.

    Die Gebäudefront ist gegenüber der Ruhrstraße leicht eingedreht, so dass hier eine kleine Platzsituation entsteht. Im Bedarfsfall kann von hier aus eine unabhängige Zugangsmöglichkeit zum Gebäude geschaffen werden.

    Es werden zwei separate Toilettenanlagen geschaffen, eine im 1.UG des Altbaus für den Bereich Dauerausstellung und eine zweite Anlage auf der Ebene der Wechselausstellung.

    Die Andienung des Hauses erfolgt funktionalen Gesichtspunkten folgend von der Ruhrstraße nördlich des untersten Gebäudevolumens. Sie ist räumlich so angeordnet, dass sie von außen kaum wahrgenommen wird, eine Anbindung an den Aufzug ist gegeben. Der Aufzug ist räumlich so positioniert, dass er sämtliche Etagen von Neu- und Altbau erschließen kann. Den beiden Multifunktions-/Wechselausstellungsbereichen sind jeweils unmittelbar vorgelagerte Rüstflächen zugeordnet. Das Dachgeschoss des Altbaus dient der Ausstellungsvorbereitung und als Magazinfläche.

    Aufgrund der terrassierten Gebäudekonzeption ist von jeder Geschossebene ein unmittelbarer Ausgang ins Freie möglich, so dass sich eine denkbar einfache Fluchtwegesystematik ergibt.



    Material und Konstruktion:

    Altbau:

    Der Altbau wird in seiner äußeren Erscheinung belassen, während in seinem Inneren eine bauliche Bereinigung erfolgt. Die Fenster werden wieder geöffnet, um die spektakuläre Hanglage erfahrbar zu machen. In die Laibungen integrierte Verdunkelungsanlagen erlauben den Ausschluß des Tageslichts im Bedarfsfall. Einbauten und nicht tragende Trennwände werden weitestgehend zurückgebaut, so dass möglichst flexibel zu bespielende Ausstellungsflächen für die Dauerausstellung entstehen, die der rohbaulichen Geometrie entsprechen. Innenwandflächen erhalten einen hellen Lehmputz, als Bodenbelag wird durchgängig ein geschliffener Terrazzo vorgeschlagen.


    Neubau:

    Der Neubau wird aufgrund der starken Topographie im Wesentlichen als Stahlbetonkonstruktion errichtet. Seine Fassaden werden als vorgemauerte 10 cm starke Natursteinschale ausgebildet, in den im Bereich der Erschließungsachse großflächige flächenbündige Verglasungen eingelassen sind. Wand- und Deckenflächen in der Erschließungsachse bleiben in Sichtbeton, lediglich die Wandflächen zu den angrenzenden Nutzungen erhalten eine Holzverkleidung in gebleichter Eiche. Als Bodenbelag ist auch im Neubau ein geschliffener Terrazzo als gleichermaßen robuste und repräsentative Oberfläche vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.