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  • DE-20457 Hamburg
  • 04/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-93116)

Wohnen in der Speicherstadt


  • Preis Block L

    Wohnen in der Speicherstadt Außen Speicher - Innen Licht

    Architekten
    behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Brandschutzplaner: nees Ingenieure GmbH, Münster (DE), Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Entwurfskonzept
    Außen Speicher - Innen Licht

    Erschließung
    Über die vorhandenen Treppenhäuser wird die neue, zentrale innere „Straße“ erschlossen. Diese besetzt die für die Wohnnutzung ungeeignete Mittelzone des Gebäuderiegels und wird im Bereich der Treppenhäuser von oben über verglaste Dachöffnungen natürlich belichtet. Von hier aus sind alle Wohnungen zugänglich. Die Bewohner erfahren hier die Dimension des Gebäudes auch im Inneren. An ihrem westlichen Ende wird ein kombinierter Lasten- und Personenaufzug ergänzt, um eine behindertengerechte Erschließung zu gewährleisten und eine loftgemäße Nutzung zu ermöglichen. Dem Treppenhaus gegenüberliegend befindet sich ein Abstellraum, der gemeinschaftlich genutzt werden kann und Platz bietet für Gegenstände wie z.B. Fahrräder oder Kinderwagen.
    Alle Loft-Wohnungen sind behindertengerecht ausführbar. Die Maisonette-Wohnungen können dies Kriterium nur mit zusätzlichen Vorrichtungen (z.B. Treppenlifter) erfüllen.

    Wohnungstypen
    Loftwohnen
    Im 4. Boden befinden sich Loft-Wohnungen mit ca. 110 qm und 130 qm die jeweils einen 19 qm großen Patio besitzen.
    Jede Wohneinheit verfügt über einen eigenen Patio, der zu zwei Seiten verglast ist. Um diesen Patio ist der Wohnbereich angeordnet mit einer offenen Küche. Die Verglasung kann großzügig geöffnet werden, um den Wohnbereich in den Lichthof zu erweitern. Abgeschlossen wird der Lichthof in der Dachebene mit einer Verglasung, die bei gutem Wetter individuell geöffnet werden kann. So wird ein hohes Maß an natürlicher Belichtung und Belüftung gewährleistet ohne das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes sichtbar zu verändern. Der gesamte Innenraum ist so konzipiert, dass die teilweise vorhandenen Stahlfachwerkstützen sowie die Stahlträger weiterhin sichtbar bleiben und den Charakter des Gebäudes erhalten. In Verbindung mit dem Patio werden hochwertige Wohnräume mit besonderer Atmosphäre geschaffen.
    In den Bereichen, in denen die Patios der Wohnungen im 4. Boden den 5. Boden und die Dachebene durchdringen, sind diese massiv geschlossen. Hierdurch wird die Privatsphäre jeder Wohnung uneingeschränkt gewährleitet und gleichzeitig die Anforderungen des Brandschutzes erfüllt.

    Maisonettewohnen
    Im 5. und 6. Boden unter dem Dach befinden sich Maisonette-Wohnungen zwischen 120 und 140qm, die ebenfalls einen eigenen 18qm großen Patio besitzen. Innerhalb der Wohnung führt eine offene und in den Wohnraum integrierte Treppe in den 6. Boden. In der unteren Ebene befindet sich der Wohn- und Arbeitsbereich, der sich dem Lichthof zuwendet. In der oberen Ebene ist der Schlafbereich der Wohnung und zusätzlich Raum für einen „privaten“ Arbeitsbereich. In dieser Ebene ist in dem Patio ein begehbares Podest, welches als Balkon dient. Dieser aus dem Straßenraum uneinsehbare Standpunkt bietet aber außergewöhnliche Ausblicke über die Dächer der Speicherstadt auf die Hafencity oder die Hamburger Altstadt.

    Denkmalschutz
    Die Lochfassade bleibt unberührt. Die charakteristische innere Tragstruktur bleibt erhalten und wird zu einem wesentlichen identitätsstiftenden Element der Wohnungen.
    Der Entwurf passt sich dem vorhandenen Raster an und verstärkt dieses durch die Anordnung der Räume. Der Eingriff in die historische Bausubstanz ist somit sehr gering und betrifft nur die von dem öffentlichen Straßenraum uneinsichtigen Dachflächen. Jede Wohnung erhält einen eigenen Patio, der mit einem Glasdach, bündig in der Dachebene liegend, geschlossen ist.

    Brandschutz / Rettungswege
    Alle Wohnungszugänge befinden sich an einem zentralen Flur (innere „Straße“), welcher wiederum an die vorhandenen Treppenräume angebunden ist.
    Die vorhandenen Brandabschnitte bleiben erhalten, hier wird im Flur jeweils eine selbstschließende Rauchschutztür vorgesehen. Hierüber sind für alle Wohnungen der 1. und 2. Rettungsweg baulich gewährleistet. Ein Anleitern durch die Feuerwehr ist somit nicht notwendig. Gleichfalls müssen keine weiteren notwendigen Treppenräume erstellt werden.
    Der zentrale Flur im 4. Boden ist über Lufträume, die der Belichtung und Belüftung dienen, mit dem Flur im 5. Boden verbunden. Dies stellt eine Abweichung zur Bauordnung dar, die aus Sicht des Brandschutzes auf Grund der relativ geringen Wohnungsanzahl pro Brandabschnitt und Treppenraum (4 Wohnungen im 4. Boden und 4 Wohnungen im 5. Boden) tolerierbar erscheint.
    Die Maisonette-Wohnungen erhalten auf beiden Ebenen voneinander unabhängige Rettungswege, jeweils in einen anderen notwendigen Treppenraum.

    Der bauliche Brandschutz erfolgt in Abhängigkeit der in den unteren Geschossen bereits vorhandenen Lösungen.
    Um die markanten Stahlstützen sichtbar zu erhalten ist eine Sprinklerung sinnvoll, wie dies bereits im Ausbau der HHLA zum Einsatz gekommen ist. Alternativ sind die Stahlelemente mit F90 Anstrichen zu versehen und die Holzdecken auf F90 zu ertüchtigen.
    Die Patios sind immer einer Wohnung zugewiesen, zu den angrenzenden Einheiten sind diese jeweils mit massiven Bauteilen (F90) getrennt. Ein Brandüberschlag ist somit nicht möglich.

    Bauphysikalisches Konzept
    Der Außenwandanteil jeder Wohnung ist verhältnismäßig gering.
    Die zentral im Gebäude liegende „Erschließungsstraße“ stellt einen Klimapuffer dar, im Sommer kühl und im Winter als Zwischenklima.
    Die Patios dienen der Belichtung und natürlichen Belüftung der Wohnungen und stellen gleichzeitig eine Klimapufferzone dar.
    Wie ein „Wintergarten“ sind diese Lichtpatios in der Dachebene mittels eines Glasdachs und in der Wohnungsebene mittels Glasfalt- Schiebewände verschließbar. Beide Ebenen können geöffnet werden. Im Sommer ist der Patio ein sehr attraktiver Teil der Wohnung und im Winter dient dieser als Pufferzone für das Außenklima. Selbst bei Regen, wenn das Glasdach verschlossen bleibt, die Glasfalt- Schiebwände aber geöffnet sind, ist dieser Bereich der Wohnung sehr gut nutzbar.
    Eine Fußbodenheizung erhält den offenen Speichercharakter und ermöglicht eine maximale Flexibilität in der Nutzung. Im weiteren Verlauf der Planung ist detailliert zu untersuchen in wie weit neben der innenseitigen Dämmung der Dachhaut überhaupt weitere Innendämmmaßnahmen notwendig sind. So kann der Speicher energetisch aufgewertet werden ohne das Denkmal zu beeinträchtigen. Die Qualitäten der neuen Fenster müssen sich in das Bauphysikalische Konzept einfügen.

    Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
    Wesentlicher Teil der Entwurfsidee ist die Nutzung der vorhandenen Potentiale.
    Diese sind für uns die Lage und äußere Erscheinung als Baukörper und der Speicherstadt als Ensemble, sowie das große Raumvolumen und die ungewöhnlich große Gebäudetiefe. Die innere Abschnittsbildung durch die vorhanden Brandwände, die vorhandenen Treppenhäuser und die vorhandene Tragkonstruktion.

    Der Eingriff in die vorhandene Bausubstanz ist gering. Dieser erfolgt im Wesentlichen in der Dachhaut und der Öffnung einiger Deckenfelder innerhalb des Tragrasters. Die so entstehenden Patios ermöglichen die natürliche Belichtung und Belüftung der Wohnungen und dienen als Klimapuffer.
    Der Investition der Glasdächer und inneren Glasfalt- Schiebwände stehen eine deutlich höhere Wohnqualität und geringere Betriebskosten gegenüber.
    Das historische Tragsystem wird erhalten und weiter genutzt. Es stellt einen wesentlichen Teil der Identität der Wohnungen dar.

    Der Entwurf folgt der Logik des Vorhandenen. Er stärkt und akzentuiert die vorhanden Potentiale und Qualitäten bei wesentlicher Schonung der Bausubstanz.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 09.05.2012, 12:29
Zuletzt aktualisiert 05.10.2012, 09:13
Beitrags-ID 4-54988
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