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  • DE-75015 Bretten
  • 05/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-77272)

Objektplanung Neubau Rechbergklinik Bretten


  • Zuschlag


    Architekten
    Arcass Freie Architekten BDA, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Lucas Müller , Erika Putz , Bernhard Kullak , Manfred Ehrle

    Mitarbeit
    Marcus Rausch

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    „ein einladendes Gebäudeensemble“

    Der Neubau der Rechbergklinik Bretten bildet ein markantes Gebäudeensemble.
    Der Neubau reagiert damit auf die besondere Lage am nach Süden abfallende Park- und Hanggrundstück. Er reagiert zum einen mit seiner Zweigeschossigkeit auf seine Nachbarn, die niedrige Wohnbebauung auf der Nordseite. Zum andern orientiert er sich mit seinem 4-geschossigen Baukörper, den Patientenzimmern, vorzugsweise nach Süden und damit zur Landschaft.
    Der Erweiterungsbau 2003 wird sinnfällig in das neue Erschließungssystem angebunden und ebenen gleich erschlossen. Der Abstand gegenüber dem S-Bau ist so gewählt, daß die benachbarten Baukörper sich nicht beeinträchtigen und das neue Bettenhaus uneingeschränkt in die Landschaft blickt. Der neue Eingangsplatz orientiert sich nach Westen zum Parkplatz und zum Landschaftsschutzgebiet. Das Krankenhaus erhält hierdurch ein neues und modernes Erscheinungsbild.


    Erschließungskonzept
    „übersichtlich und klar strukturiert“

    Äußere Erschließung

    Über den Vorplatz betritt man die Eingangshalle der neuen Rechbergklinik Bretten im Erdgeschoss. Der Vorplatz wird auf der einen Seite durch den Außenbereich der Patienten- und Mitarbeitercafeteria sowie mit einer Vorfahrt mit Kurzzeitparkplätzen aufgewertet. Der neue Parkplatz mit Fußgängerübergang sowie die neue Bushaltestelle liegt unmittelbar davor.
    Der Lieferverkehr benutzt wie heute, den im 1.Untergeschoss gelegenen Wirtschaftshof. Der Wirtschaftshof liegt damit uneinsehbar, auf der Rückseite des Krankenhauses. Die Zufahrt erfolgt über die neue Zufahrtsstraße von der Talseite von Süden.
    Die Liegendkrankenzufahrt erfolgt über die o.g. Zufahrtstraße von Süden, unterhalb des S-Baus.
    Durch die Umfahrung des S-Baus auf der Ostseite ist eine unauffällige und geschützte Zufahrt zur Notaufnahme im Erdgeschoss gewährleitet. Die Ausfahrt der Fahrzeuge erfolgt dann in Richtung Osten auf die neue Zufahrtsstraße.


    Innere Erschließung

    Über die zweigeschossige Eingangshalle können die einzelnen Funktionsbereiche übersichtlich erschlossen werden. Ebenso wird der Erweiterungsbau sinnfällig an die neue Struktur angeschlossen. Der übergeordnete Weg erhält die Offenheit für zukünftige Erweiterungsoptionen.
    Im Zentrum der Eingangshalle befindet sich eine Doppel-Aufzugsgruppe, die alle Ebenen vertikal verbindet. Im Funktionsbau sowie im südlich vorgelagerten Bettenhaus werden jeweils zwei unabhängige Flucht- und Erschließungstreppenhäuser vorgesehen.


    Freianlagen
    „Integriert in einem landschaftlichen Umfeld“

    Der bereits bestehende, parkähnliche Grünraum im Süden sollte auch zukünftig als Außenraum beibehalten werden. Das Gebäude orientiert sich mit seinen Aufenthaltsräumen mit Blick nach Süden zur Landschaft. Der unmittelbare Nahbereich wird mit straßenbegleitenden Baumreihen versehen. Der großzügige Vorplatz kann multifunktional als Aufenthaltsbereich, jedoch auch für die Gebäudevorfahrt für Taxis, Patienten, etc. genutzt werden.
    Unter einem gläsernen Vordach führt die lineare Erschließungshalle auf kurzem Weg zu den gegenüberliegenden Stellplätzen und schafft eine witterungsgeschützte Zugangssituation. Die Dachflächen sind begrünt und damit im Sinne der Haltbarkeit und der Ökologie hergestellt. Die Liegendkrankenvorfahrt befindet sich auf der Südseite unter einem Vordach und wird mittels Rampe von Südosten her erschlossen.


    Architektur
    „Offenheit, Klarheit, Übersichtlichkeit, Flexibilität“

    Zwei klare Baukörper bilden den Neubau der Rechbergklinik Bretten.
    Der „Schwerpunkt“ der Gebäude befindet sich im Süden und hält somit gebührenden Abstand zu der bestehenden Nachbarbebauung. Das Bettenhaus verfügt ausschließlich über Zimmer mit hervorragender Aussicht nach Osten, Süden und Westen. Im Inneren wird durch zwei Innenhöfe die Zweiflur-Struktur tagesbelichtet. Die Funktionsräume orientieren sich nach Norden. Unmittelbar an die, im Schwerpunkt liegende, Doppel-Aufzugsgruppe angrenzend befindet sich der Pflegestützpunkt, sowie der Patientenaufenthaltsraum.

    Der zweigeschossige Funktionsbau wird parallel angeordnet und wird auf beiden Ebenen über die Eingangshalle erschlossen. Im Erdgeschoss befindet sich die Cafeteria, Serviceeinrichtungen und Arztdiensträume, sowie die Funktionsdiagnostik.
    Im 1. Obergeschoss befindet sich die Entbindung, stationärer und ambulanter OP mit unmittelbarer Anbindung an eine Allgemeinpflegestation, sowie die bestehende Intensivstation im Erweiterungsbau.
    Der Funktionsbau ist gemäß Auslobervorgaben vollständig unterkellert und berücksichtigt die Technikzentralen sowie Lagerflächen.
    Eine weitere Technikzentrale befindet sich direkt über den OP-Sälen und schafft damit die optimale Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb. Zwischen beiden Baukörpern ergibt sich eine Gebäudefuge, die als Eingangshalle genutzt wird. Hierin befinden sich die Pforte sowie die Leitstellen zu einzelnen Funktionsbereichen.


    Konstruktion und Fassaden- und Materialkonzept
    „atmosphärisch, bewährt und wirtschaftlich“

    Die Tragstruktur ist als Stahlbetonskelettkonstruktion mit aussteifenden Kernen vorgesehen.
    Die Fassade ist als regelmäßig elementierte Alu Fassade, mit energetisch wirksamer,
    dreifach Verglasung und gedämmten geschlossenen Wandpanelen vorgesehen.
    Das Flachdach erhält eine bituminöse Abdichtung und ist extensiv begrünt. Der Ausbau der Ebenen ist maximal flexibel vorgesehen und mit nicht tragenden Trockenbauwänden errichtet. Die Bodenbeläge wechseln zwischen Werkstein im Eingangsbereich zu weichen Bodenbelägen in Umgängen und Zimmern. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollten alle Materialien recycelbar getrennt werden können.
    Das heißt Minimierung von Verbundbaustoffen.


    Energie und Ökologie
    „nicht als Selbstzweck, sondern als integrativer Bestandteil“

    Ein ökologisches Energiekonzept ist heute die Zielvorgabe für ein integratives Haustechnik-
    und Energiekonzept. Hierbei ist neben der Energieerzeugung, -verteilung und hocheffizienten Wärmerückgewinnung auch ein Höchstmaß an Komfort für die Nutzer zu erreichen.
    Insbesondere die Überhitzung im Sommer als auch die Kältestrahlung und Zugluft im Winter sind
    zu verhindern. Die Behaglichkeit der Patienten und Mitarbeiter steht hier im Vordergrund.
    Diese wird u.a. erreicht durch:

    - Außenliegender Sonnenschutz
    - Hoher Wärmedämmstandard, u.a. dreifach Verglasung
    - Optimierte Gebäudehülle, günstiges A/V Verhältnis
    - Maximale Tageslichtnutzung, passiver Solareintrag im Winter
    - Betonkernaktivierung (BKT) zur Kühlung im Sommer und als Grundlast für Wärme im Winter


    Wirtschaftlichkeit

    Qualität – Kosten – Termine stehen idealerweise im Einklang. Alle Kriterien werden gleichrangig berücksichtigt. Sämtliche Entscheidungen werden nach den o.g. Kriterien vorbereitet und getroffen. Wirtschaftlichkeit bezieht sich nicht auf die einmaligen Investitionskosten, sondern erzeugt gerade im Gesundheits- und Dienstleistungsbereich hohe Betriebskosten. Unser Konzept ist daher unter betrieblichen Aspekten der „kurzen Wege“, der Übersichtlichkeit in den Stationen (Personaleinsatz) und Instandhaltungsfreundlichkeit konzipiert.

    Technikkonzept

    Die Wärmeversorgung des Gebäudes erfolgt in der Grundlast über eine Wärmepumpe, die die oberflächennahe Erdwärme von Energiepfählen oder Erdwärmekollektoren nutzt. Die Wärmepumpe kann im Umkehrbetrieb zur Kälteerzeugung genutzt werden. Zur Spitzenlastdeckung wird, falls erforderlich, ein Spitzenlastkessel verwendet.

    Die Wärme-Grundlast wird durch ein kleines BHKW ergänzt, dessen Abwärme im Sommer über eine Absorptionskälteanlage genutzt wird. Dadurch werden hohe Laufzeiten des BHKW’s erreicht. Der Spitzenwärmebedarf und der Redundanzfall werden über eine Brennwertkesselanlage gedeckt.

    Die Kälteversorgung des Gebäudes erfolgt ebenfalls über die Wärmepumpe mit umgekehrtem Wirkprinzip (Abwärme wird an die Geothermie abgegeben) in der Grundlast, die zunächst von der Absorptionskälteanlage ergänzt wird. Die Spitzenlast wird über zwei Kompressionskälteanlagen abgedeckt. Optimaler COP wird durch den Einsatz von Hybridkühler(n) sicher gestellt. Durch das gewählte, möglichst hohe Temperaturniveau auf der Kälteseite kann schon in Übergangszeiten auf freie Kühlung umgeschaltet werden, was den Energiebedarf für die Kälteerzeugung minimiert.

    Zur optimalen Nutzung der über die Wärmepumpe auf niedrigem Temperaturniveau zur Verfügung gestellten Wärme bzw. auf hohem Temperaturniveau gelieferten Kälte wird eine Betonkernaktivierung in den Bettenzimmern installiert und alle Verbrauchssysteme auf Niedrigtemperatur ausgelegt. Zur Optimierung dieses Systems erfolgt die Steuerung der Be- und Entladung des Gebäudespeichers unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Wetterprognose und Simulation des optimalen Speichermanagements.

    Hohes Temperaturniveau wird nur für die Brauchwarmwasserbereitung benötigt und primär durch das BHKW und die Solarkollektoren gespeist. Bei Ausfall des BHKW dient der Brennwertkessel als Wärmequelle.

    Der Strombedarf für Beleuchtungsanlagen wird unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit durch möglichst umfassenden Einsatz von LED-Leuchten und durch tageslichtabhängige Beleuchtungsregelung sicher gestellt.

    Der sommerliche Wärmeschutz wird über außenliegenden Sonnenschutz mit Tageslichtlenkung realisiert, der den Kunstlichtbedarf durch Reflexion des Tageslichts in die Tiefe des Raums minimiert.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 15.06.2012, 10:36
Zuletzt aktualisiert 27.06.2012, 16:24
Beitrags-ID 4-55776
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