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  • 1. Preis

    Campuspark

    Stadtplaner
    HJPplaner Heinz Jahnen Pflüger Stadtplaner und Architekten Partnerschaft, Aachen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Peter Jahnen

    Mitarbeit
    Florian Schrode, Maximilian Niggl, Nikolas Savic, Bastian Sevilgen

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Lützow 7 Cornelia Müller Jan Wehberg, Berlin (DE)
    Verkehrsplaner: Brilon Bondzio Weiser Ingenieurgesellschaft, Bochum (DE)

    Preisgeld
    17.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebaulich / freiraumplanerischer Wettbewerb 743975
    Universitätscampus Bonn Endenich

    Städtebauliches Konzept
    Der Entwurf organisiert den Universitätscampus Endenich als bandartige Struktur aus Gebäude–Clustern und nutzt hierzu die relativ ebenen Grundstücksbereiche entlang der Autobahntrasse. Das Rückgrat der Gesamtanlage bildet die Fortsetzung des Pfaffenweiherweges als öffentlicher Boulevard zwischen geplantem Regiohaltepunkt nordwestlich des Planbereiches und der Unterführung an der Endenicher Straße mit Fortsetzung in südliche Richtungen. Der Hangbereich zwischen Boulevard und dem Straßenzug „Auf dem Hügel“ bleibt als begrünter Naturraum weitestgehend frei von Bebauung und erhält seinen räumlichen Abschluss durch eine villenartige Bebauung entlang des Straßenzuges „Auf dem Hügel“.

    Raumfolgen
    Während die baulichen Anlagen des Campus Endenich derzeit im Stadtbild Bonns kaum wahrnehmbar sind, entwickelt der Entwurf ein Bebauungskonzept, das sich mit einer Kopfbebauung zum hoch frequentierten Hermann-Wandersieb-Ring präsentiert. Hiervon ausgehend entsteht ein „Boulevard“ als öffentliche (Freizeit) Durchwegung des Campusbereichs entlang einzelner Gebäudecluster mit hofartigen Vorbereichen. Im Zentrum der Campusanlage, am Schnittpunkt des von Südosten nach Nordwesten verlaufenden Boulevards sowie einer neu organisierten Verbindung zwischen dem Straßenzug „Am Bleichgraben“ und Steinweg im Westen sowie den Straßenzügen „An der Immenburg“ und Immenburgstraße im Osten entsteht ein zentraler Campusplatz als Gelenk zwischen den Hauptnutzungsbereichen entlang des Boulevards sowie den Anlagen im Bereich „Am Bleichgraben“. Den räumlichen Abschluss nach Norden bildet das vorhandene Institutsgebäude der Chemie, räumlich ergänzt durch neue Baulichkeiten entlang der Gerrhard-Domagk-Straße.

    Nutzungsverteilung
    Das Konzept verfolgt das Ziel, einen Campus der kurzen Wege sowie der Zusammenfassung gleicher Nutzungen in gemeinsamen Gebäuden zu organisieren. Zentrales Element, und somit von allen Standorten gleich gut erreichbar, bildet ein am zentralen Campusplatz gelegenes Hörsaal- und Mensagebäude mit hoher Frequentierung und identitätsstiftenden Freiräumen. Als Identität stiftende Nutzung wird die Errichtung eines Bibliotheksgebäudes am südlichen Kopfbereich zum Hermann-Wandersieb-Ring vorgeschlagen. Zur Sicherung eines verträglichen Nutzungsübergangs zu den benachbarten (Wohn-) Stadtbereichen sieht das Konzept entlang der Ostseite der Straße „Auf dem Hügel“ eine villenartige Solitärbebauung vor. Es wird vorgeschlagen, diese Gebäude durch hochschulaffine wohnumfeldverträgliche Nutzungen wie studentisches Wohnen, Gästewohnungen und Institutsnutzungen mit geringem Verkehrsaufkommen zu bestücken. Im Standortbereich entlang des Straßenzuges "Am Bleichgraben“ erfolgt eine erweiterte Bebauung mit Hochschulgebäuden in Fortsetzung der räumlichen Konfiguration der Max-Planck-Institute sowie die Platzierung einer kleinteilig, den Maßstab der angrenzenden Wohnbaugebiete aufnehmenden Wohnbebauung für Studenten, Hochschulangehörige oder auch allgemeine Wohnnutzungen.

    Erschließungskonzept
    Das städtebauliche Konzept beinhaltet eine Trennung von innerer Erschließung für Fußgänger und Radfahrer sowie äußerer Erschließung durch KFZ und Lieferverkehr. Während die gesamten inneren Bereiche für Fußgänger und Radfahrer nutzbar sind, erfolgt die Anbindung und Erschließung der Gebäude über eine parallel zur Autobahn organisierte Erschließungsstraße mit angelagerten Stellplatzbereichen. Diese Erschließungsstraße wird im Nordosten an die Gerhard-Domagk-Straße sowie über die Straße „An der Immenburg“ an die Straße „Auf dem Hügel“ angebunden. Zur Vermeidung von Schleich- und Fremdverkehren zwischen der Straße „Auf dem Hügel“ und der Gerhard-Domagk-Straße quer durch den Campusbereich wird empfohlen, eine interne Verkehrsführung mit sehr hohem „Widerstand“ zu organisieren.
    Eine sukzessive Fortführung der neuen autobahnparallelen Straße nach Süden erlaubt die abschnittsweise Realisation des Gesamtvorhabens.
    Die Planung sieht vor, den zentralen Boulevard (mit Freizeitcharakter) Fußgängern und Radfahrern vorzubehalten. Zur Verknüpfung des Boulevards mit den angrenzenden Stadtbereichen nimmt dieser im Süden die geplante Haltestelle der Straßenbahn am Hermann-Wandersieb-Ring sowie die Unterführung an der Endenicher Straße auf, und wird im Osten durch eine neu zu errichtende Fuß- und Radfahrerbrücke über die Autobahn mit der Immenburgstraße und somit unmittelbar mit den Zielen Hauptbahnhof und Innenstadt verbunden.
    Ausgehend vom zentralen Platz erfolgt die Neuanlage eines in Schleifen geführten, schwach geneigten Radweges durch die vorhandenen Waldflächen in Richtung des Straßenzuges „Am Bleichgraben“.

    Schallschutz
    Die Anordnung der neuen, autobahnparallelen Erschließungsstraße mit beidseitig organisierten Stellplatzanlagen erzeugt zunächst Abstand zur vorhandenen Lärmquelle „Autobahn“. Der städtebauliche Entwurf basiert auf einer Grundanordnung, bei der in jedem Cluster ein parallel zur Autobahn gestellter Baukörper Schallschutzfunktion übernimmt. Zonierte Grundrisse in diesen Baukörpern erlauben trotzdem eine gute Nutzbarkeit. Dieses Prinzip findet sowohl in den Neubaubereichen als auch bei bestehenden Anlagen Anwendung.

    Freiraumkonzept
    Das Freiraumkonzept basiert auf dem Ziel, die prägende Bewaldung und Begrünung des Rheinterrassenhanges zu erhalten und weiterzuentwickeln. Folglich wird eine Bebauung der Hanglagen weitestgehend vermieden. Der zentrale Campusboulevard wird als verbindendes Element mit Aufenthaltsbereichen und einer begleitenden Vermittlung wissenschaftlichen Tätigkeiten angrenzender Institute „bespielt“. Ein am Hangfuß gelegener Naturraum mit offengelegtem Bachlauf lädt zum Verweilen, Naturerlebnius und zur Erholung ein. Dieser Bereich wird durch quer liegende, den Straßenzug „Auf dem Hügel“ und den Campusboulevard verbindende artifizielle Grünspangen gegliedert. Diese terrassenartig angelegten Spangen dienen neben der räumlichen Gliederung auch der Wahrung von Blickachsen von der Rheinterrasse in die Rheinebene.

    Stadträumliche Integration
    Durch die gewählte zurückhaltende Höhenstaffelung der Baukörper und somit Reaktion der Baukörperhöhe auf angrenzende Freiraum- und Stadtbereiche erfolgt eine grundsätzliche Integration der Neubaukörper in die umgebende Stadtlandschaft. Die gewählte Baukörpergliederung, mit großmaßstäblichen Gebäuden entlang des Campusboulevards, villenartigen Baukörpern an der Straße „Auf dem Hügel“ sowie kleinmaßstäblichen Bebauungen im Randbereich der Straße „Am Bleichgraben“ erzeugen eine Gliederung, die den Maßstab angrenzender Stadt- und Naturräume aufnimmt und so grundsätzlich zur Integration beiträgt. Die Einbettung der Baukörper in großzügige Grünanlagen vermittelt zwischen Rheinterrasse und den angrenzenden Stadtquartieren.

    Ruhender Verkehr
    Der Entwurf sieht eine strikte Trennung von „studentischem Parken“ und „institutsbezogenem Parken“ vor. Während den einzelnen Gebäuden eine geringe Anzahl von „Institutsparkplätzen“ für einen privilegierten Personenkreis zugeordnet wird, werden die allgemeinen Stellplatzanlagen entlang der neuen, autobahnparallelen Erschließungsstraße organisiert.

    Vorhandene Leitungstrassen
    Der Entwurf respektiert die Lage vorhandener Leitungstrassen. Hierbei wird die Trasse des verrohrten Bachlaufes durch die Verkehrsflächen des Campusboulevards überbaut und bleibt so dauerhaft als Teil einer öffentlichen (Verkehrs-) Fläche erreichbar und erhalten.

    Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
    Die Organisation des Campusbereichs in fachbereichsbezogene Einzelbaukörper bietet die Grundlage für ein abschnittsweises und an den Bedürfnissen der Fachbereiche orientiertes, wirtschaftliches Bauen.
    Die Wahl eines grundsätzlich „multifunktional“ organisierten Bautypus stellt die Grundlage für eine flexible, nutzungsoffene und somit nachhaltige Nutzung dar.
    Die Zusammenfassung gleichartiger Einrichtungen im zentralen Hörsaal- und Mensagebäude, dem zentralen Bibliotheksgebäude sowie den zentralen Stellplatzanlagen bietet die Grundlage wirtschaftlichen Bauens.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.