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  • DE-73072 Donzdorf
  • 07/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-99402)

Neuordnung Stadtmitte Donzdorf


  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    Mitarbeit
    Markus Rötzer, Marc Seeger

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Nach Auslagerung der Bundesstraße besteht für Donzdorf die einzigartige Gelegenheit, mittel- und langfristig eine neue Qualität in der Stadtmitte zu entwickeln. Donzdorf verfügt bereits heute über beachtliche Qualitäten, wie das Schloss mit seinem Schlosspark, die Stadtkirche sowie zahlreiche historische Strukturen, die es gilt zu stärken und herauszuarbeiten. Darüber hinaus wird aber auch ein städtebauliches Entwicklungskonzept für das gesamte Stadtgebiet entworfen, das langfristige Perspektiven und Potentiale aufzeigt. Der Ortskern wird als zusammenhängender innerstädtischer Stadtraum verstanden, der sich über neue Wegeachsen mit den angrenzenden Wohnquartieren verknüpft.

    Grünräume - Verknüpfung mit der Landschaft
    Die markanten Grün- und Freiräume der Kuchalb, des Kulturdenkmals Messelstein sowie des Lautertals werden durch ein grünes Netz bis in die Innenstadt herangeführt und mit dem Siedlungskörper vernetzt. Sie bilden ein grünes Rückgrat für die Entwicklung der Stadt, dem Schlossgarten kommt dabei als zentraler öffentlicher Park eine wichtige Bedeutung zu.
    Die bestehende Fuß- und Radwegeachse auf der alten Bahnlinie wird weiterentwickelt und in seiner Funktion als innerörtlicher, aber auch überregionaler Wegekorridor gestärkt, Aufweitungen und Platzsituation verknüpfen den Grünzug an zentralen Stellen mit den Wohnquartieren. Der Abschnitt entlang der Poststraße wird als urbane Parkachse entwickelt, das als aktives Freizeitband Spiel- und Sportflächen integriert.

    Eine neue Mitte
    Durch gezielte Rückbaumaßnahmen entlang der Hauptstraße entstehen neue innerstädtische Freiräume und gutproportionierte Baufelder im Zentrum der Stadt. Großmaßstäbliche Gebäude werden durch eine kleinteiligere Bebauung ersetzt um ein homogenes Stadtbild zu erhalten und dabei hochwertige Stadträume entstehen zu lassen. Der Rückbau erfolgt unter der Zielsetzung neue innerstädtische Einzelhandelsflächen zu schaffen, die in Größe und Lage den heutigen Anforderungen entsprechen.
    Auf der Nordseite der Hauptstraße wird die Kleinteiligkeit des Unterdorfs weitergeführt, wohingegen die Südseite städtischer und urbaner entwickelt werden soll. Neben der freigestellten Stadthalle entsteht auf dem Grundstück der Stadtsparkasse ein neues zentrales Geschäftshaus. Der Marktplatz wird gerahmt durch das alte Rathaus und einem neuen Stadthaus mit Bibliothek – dem neuen öffentlichen Zentrum Donzdorfs. Nach Süden hin überwindet eine großzügige Treppenanlage den bestehenden Höhenunterschied von ca. 2,0 m und verknüpft den neuen Marktplatz mit der Stadtkirche und dem Schloss. Der Grünraum des Schlossgartens wird bis an den neuen Marktplatz herangeführt. Der historische Ortsgrundriß mit seinen wichtigen Raumkanten wird wieder hergestellt und der Stadtraum zwischen der Pfarrkirche St. Martinus, dem historischen Rathaus und der Schlossanlage erfahrbar gemacht.

    Zwei Plätze - Hauptstraße und Innenstadt
    Die beiden neuen Plätze auf der Ost- und Westseite der Hauptstraße wirken als großzügiges Entree nach Donzdorf und sind in Verbindung mit dem umgestalteten Straßenraum der Hauptstraße als eigenständiger Stadtraum erlebbar. Die neue Ortsmitte, gerahmt von zwei Baufeldern, zeigt sich in einem einheitlichen Material und definiert so die innerstädtische Zone. Der Stadtraum versteht sich als aktives Band für Kommunikation und Aufenthalt. Stadtmöbel, Gastronomie und öffentliche Nutzungen sollen hier für ein kommunikatives städtisches Leben sorgen. Die beiden Plätze bilden dabei jeweils Auftakt- und Endpunkt.

    Baufelder definieren die Ortsmitte
    Der Eingang zur Ortsmitte von Donzdorf wird über zwei neue innerstädtische Wohnquartiere markiert. Das westliche Quartier an der Hauptstraße betont die neue Platzsituation zur Lauter mit dem Übergang zum nördlichen Landschaftsraum und bildet zusammen mit der gegenüberliegenden Bebauung ein neues Entree zur Ortsmitte.
    Das östliche Quartier an der Messelbergsteige zeigt sich zum Straßenraum mit einer gewerblichen Nutzung und erweitert hier die innerstädtischen Einzelhandelsflächen. Eine Platzsituation zur Schlossstrasse mit einer darunter liegenden öffentlichen Tiefgarage betont hier den Stadteingang an der Pfarrkirche St. Martinus. Im Innenbereich entstehen frei gruppierte Einzelhäuser für Familienwohnen. Eine öffentliche Durchwegung bildet die Verbindung zwischen den Schulen und der Ortsmitte.

    Neue Wohnquartiere an den Grünräumen
    Die vorhandenen Freiflächen im Stadtgebiet werden arrondiert, wodurch zum einen eine Stärkung der Quartiere erfolgt, zum anderen neue Raumkanten zu den zentralen Grünbereichen geschaffen werden. Entlang der Parkachse entstehen neue innerstädtische Baufelder mit verdichteter Wohnbebauung. Weiterhin rahmen neue Baufelder den südlichen Grünraum. Sie bilden hier neue Raumkanten und geben die Voraussetzung für einen neuen südlichen Landschaftspark im Übergang zur freien Natur. Weitere Baufelder am Schlossgarten stärken den Park und bilden besondere Wohnlagen.

    Der Marktplatz
    Zwischen Altem Rathaus, Stadtkirche und der neuen Bebauung nördlich der Hauptstraße entsteht der neue Marktplatz von Donzdorf. Ein neues Stadthaus stellt die Verbindung zum Bereich Schloss mit Rathaus her und nimmt den Höhensprung im Gebäude auf. Eine großzügige Treppenanlage mit Sitzstufen verbindet die verschiedenen Niveaus und zoniert die neue Mitte in einen unten liegenden Marktplatz als Raum für Märkte und Veranstaltungen und einen höher gelegenen, ruhigeren Bereiche vor der Kirche. Die Stufen setzen sich im Gebäude des Platzhauses als Atrium für Lesungen und Veranstaltungen fort. Ein Brunnen mit Fontänenfeld bildet eine Schwerpunkt auf dem Platz, die Mitte bleibt frei von Einbauten als Raum für Feste und Veranstaltungen. Die Sitzstufen bilden dabei eine natürliche Sitzarena und Tribüne. Ein Feld aus großformatigen Granitplatten betont die Bedeutung des Marktplatzes als zentraler Ort in der neuen Mitte.

    Hauptstraße
    Die Hauptstraße wird auf die erforderliche Mindestbreite von 6,50 m zurückgebaut, so dass jeder denkbare Begegnungsfall möglich ist. Der freiwerdende Raum wird für die Anlage von Längsparkern und Baumreihen genutzt. Die neuen Straßenräume zeigen sich barrierefrei und benutzerfreundlich, die Gehwege und Fahrbahnbereiche werden in einem einheitlichen Granit-Großpflasterbelag mit gesägter und feingestockter Oberfläche ausgebildet. Platzartige Aufweitungen unterbrechen den linearen Charakter und bieten Raum für Cafes und Geschäfte. Die Stadthalle wird durch eine großzügige Vorfläche mit Freitreppe an den Straßenraum heran geführt, hier kann auch die Bushaltestelle integriert werden.



    Simonsplatz
    Als Pendant zum Marktplatz entsteht am westlichen Ende der Neuen Mitte ein kleinerer Platz, der als Gelenk den Abschluss und Übergang markiert und die Neue Mitte mit der freien Landschaft des Lauterbaches verknüpft. Ein Wasserbecken macht den verdolten Wasserlauf des Simonsbaches erlebbar und gibt dem Platz seinen Namen.

    Wasser
    Dem Thema Wasser kommt in Donzdorf eine zentrale Bedeutung zu. Neue Brunnen und Wasserflächen machen die verdolten Bachläufe wieder in der Stadt spürbar und bringen diese an die Oberfläche. Aus Platzgründen wird allerdings auf eine großflächige Offenlegung verzichtet, lediglich im Bereich östlich des Pfarrgartens wird ein Teilabschnitt des Simonsbaches wieder offen gelegt. Der Brunnen am historischen Marktplatz wird wieder verortet und als Reminiszenz an die Geschichte des Ortes sichtbar gemacht.
    Verkehr
    Durch die Nordumfahrung wurde bereits eine Grundlage für die Reduzierung des Durchgangsverkehrs im Plangebiet geschaffen. Der verbleibende Ziel- und Quellverkehr kann aufgrund seiner zukünftig geringeren Menge durch das innere Plangebiet geführt werden ohne die stadträumliche Qualität zu mindern. Die Umgestaltungsmaßnahmen erfolgen unter der Zielsetzung auf eine weitere Umgehungsstraße verzichten zu können.
    Die Hauptstraße wird als Verkehrsraum und Lebensader von Donzdorf gesehen über die der Verkehr erfolgen kann. Der gesamte Bereich der Neuen Mitte wird als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich oder Zone 30 ausgewiesen, wodurch zum einen eine Durchfahrt erschwert wird, zum anderen die Straßenräume an Aufenthalts- und Verweilqualität gewinnen. Durch neue Stadtmöblierung und Straßencafes wird der Altstadtbogen zu einem großen verbindenden Stadtraum. Die Ortsmitte bleibt anfahrbar und weiterhin erlebbar. Durch die neue Planung wird der Verkehr in das Stadtbild integriert und als nicht störend empfunden. Die Wohnquartiere bleiben weiterhin frei von Durchgangsverkehr.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.