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  • DE-12435 Berlin
  • 06/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-117054)

Hotel und Wohnen an der Spree / Fanny-Zobel-Straße


  • 1. Preis


    Architekten
    Pysall Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: EiSat GmbH, Eisenloffel, Sattler + Partner, Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: GTB – Berlin Gesellschaft für Technik am Bau mbH, Berlin (DE)
    Brandschutzplaner: hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE), München (DE), Hamburg (DE), Bremen (DE), Braunschweig (DE)

    Erläuterungstext
    Auf einem rund 7.000 m² großen Grundstück zwischen den Projektentwicklungen Treptower und TwinTowers realisiert die Agromex GmbH & Co. KG eine Wohn- und Hotelnutzung mit einer Geschossfläche von rund 39.000 m². Nach den Entwürfen von Pysall Architekten, die im Juni 2012 als Sieger aus einem internationalen Architekturwettbewerb hervorgegangenen sind, entstehen drei solitäre Neubauten, die die bestehende Bebauung komplettieren und eine Weiterentwicklung der vorhandenen städtebaulichen Strukturen bilden.

    Die Minimierung der Grundfläche der Bebauung auf drei Punkthochhäuser mit einem sockelartigen Unterbau ermöglicht einerseits hohe Wohn- und Aufenthaltsqualitäten für die Neubauten, andererseits wird sichergestellt, dass die Qualitäten der bestehenden Wohnbebauung durch vielfältige Weit- und Durchblicke sowie Bezüge zur Spree erhalten bleiben. Die Häuser sind so ausgerichtet, dass ihr Schattenschlag auf die Spree fällt und die Nachbarbebauung somit nicht beeinträchtigt wird.

    Das Zentrum des Quartiers bildet ein 3.000 m² großer Bürgerpark. Er ist öffentlich zugänglich und schafft mit Spielflächen und Ruhezonen ausgestattet eine hohe Aufenthaltsqualität. Sein Grün überdeckt die geplanten Ladeneinheiten, die für eine belebende Nutzungsmischung des Quartiers sorgen. Zudem ist der Bürgerpark über großzügige Durchwegungen direkt mit dem Spreeuferweg verbunden, der unter Inanspruchnahme des Grundstücks von 6,0 auf 10,5 m verbreitert wird.

    Ergänzt wird das innerstädtische Projekt durch eine zum Teil mit Tageslicht belichtete Tiefgarage mit 300 Fahrrad- und 400 PKW-Stellplätzen, die mit einer Erschließung über die westliche Fanny-Zobel-Straße den Verkehr aus dem gesamten Quartier heraushält.

    Hotel

    Freistehend, jedoch typologisch durch seine Höhe mit den TwinTowers vernetzt, kommen dem Hotelneubau mit einer Höhe von 63,5 m vielfältige Außenraumqualitäten zugute. Der Vorplatz, der Empfang und ein Bistro profitieren neben dem freien Spreeblick von dem direkten Bezug zum Spreeplatz sowie zum Bürgerpark und dessen Verweilqualitäten.

    Die Hotelzimmeretagen bieten eine einfache Orientierung durch kurze Flure mit Sicht- und Lichtbeziehung nach außen. Die Gästezimmer sind gen Süden mit Blick über das Grün des Quartiers und des Bezirks oder mit Blick über die Spree orientiert. Die klare Typologie der Hotelgrundrisse ermöglicht, späteren Betreiberwünschen nachzukommen. Das Hotel wird abgerundet durch einen Konferenz- und Veranstaltungsbereich sowie durch ein Restaurant im obersten Geschoss des Gebäudes, das für die Öffentlichkeit zugänglich und mit einem eigenen Aufzug erschlossen ist. Mit einer lichten Höhe von ca. 4,5m, einer großzügigen Verglasung und einem freien Blick über die Spree und Berlin entsteht ein beeindruckendes Raumerlebnis.

    Eine Fassade aus variierenden opaken und transparenten Flächen mit einer dezenten Farbigkeit nimmt dem Gebäude die Monotonie der typischen Lochfassaden von Hotelzimmern und lässt einen signifikanten, sich im Wasser der Spree spiegelnden Kristall entstehen. Insgesamt umfasst der Hotelneubau eine Geschossfläche von 12.000 m² sowie rund 200 Zimmer. Die Kategorie des Hotels wird in Absprache mit dem späteren Betreiber festgelegt.

    Wohnen

    Zwei Wohntürme führen mit 99 bzw. 110 m die Höhenlinie der umliegenden Uferbebauung fort. Diese Höhenerschließung ermöglicht schlanke Silhouetten, die großzügige Blickbeziehung zur Spree von der benachbarten Wohnbebauung aus sicherstellen. Die rund 200 Wohneinheiten der beiden Türme werden jeweils über die natürlich belichtete, großzügige Etagenlobby erschlossen. Eltern steht im Untergeschoss ein ebenfalls natürlich belichteter Raum mit großer Übersichtlichkeit zum Abstellen von Kinderwagen zur Verfügung.

    Die Typologie der Wohntürme lässt eine Vielzahl von unterschiedlichen Wohnungsgrundrissen und -größen zu, die sich mindestens in zwei Himmelsrichtungen orientieren. Die Wohnungen sind mit einem offenen Wohnbereich als Zentrum des Wohnens mit Schalträumen wie Esszimmer, Wohnküche oder Arbeits- bzw. Kinderzimmer konzipiert, lassen sich aber auch klassisch in Einzelräume aufteilen. Jede Wohnung verfügt über einen Balkon oder Wintergarten sowie über ein außenliegendes Bad mit natürlicher Belichtung und Belüftung.

    Die Fassade in den Balkonbereichen wird als raumhohe Festverglasung oder mit Glasschiebeelementen ausgeführt. Die Brüstungsbereiche werden aus Sicherheits- und Brandschutzgründen bis zu einer Höhe von 80 cm als Festpaneel erstellt und mit einem zusätzlichen Handlauf versehen.

    Nachhaltigkeit

    Das Konzept für die Entwicklung des Projektes ist ganzheitlich gedacht und geplant. Bereits die grundsätzlichen städtebaulichen Entscheidungen beinhalten den nachhaltigen Umgang mit öffentlichen Gütern und berücksichtigen nicht nur den ressourcenschonenden Bau und Betrieb der Neubauten, sondern stellen sich der Verantwortung, den Parametern des Ortes umfassend zu entsprechen.

    Die Fassaden der drei Türme werden mit einer Hochwärmedämmung realisiert, sodass nur ein geringer Bedarf an Wärme- und Kühlenergie besteht. Trotz moderner Klimatechnik mit Zu- und Abluftsystem ist eine natürliche Lüftung über Fenster bzw. eine windkraftsichere Schlitzlüftung in den Obergeschossen möglich. Ein effektiver Sonnenschutz wird durch auskragende Balkone bzw. Sonnenschutz- und Wärmeschutzverglasung sichergestellt. Die raumhohe Verglasung sorgt für eine größtmögliche natürliche Belichtung der Wohnungen bis in die Tiefe und somit für die Reduzierung der Beleuchtungsenergie. Gleichzeitig wird durch ein optimiertes Verhältnis von transparenten und opaken Fassadenflächen eine Minimierung des sommerlichen Wärmeeintrags und notwendiger Kühlenergie sichergestellt. Über umschaltbare Kältemaschinen und Wärmepumpen erfolgt aus Geothermie eine Baukernaktivierung. Mittels Rohrschlangen in den Gründungspfählen der Türme sowie der Bodenplatte der Tiefgarage wird dem Grundwasser im Winter entzogene und im Sommer wieder zugeführte thermische Energie zur gleichbleibenden Temperierung der Stahlbetontragkonstruktion genutzt. Hierdurch kommt das Projekt dem durch das EEWärmeG Entwurf 2011 geforderten Anteil von erneuerbaren Energien am Wärme- und Kälteenergiebedarf eines Gebäudes nach.

    Die Auswahl der verwendeten Baumaterialien erfolgt unter Gesichtspunkten der ökologischen Nachhaltigkeit über den Gesamtlebenszyklus. Dies umfasst sowohl Herstellung und Transport als auch Einbau, Nutzung und Recyclebarkeit von Materialien und Produkten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich überzeugt die Arbeit durch eine subtile Setzung der drei neuen Hochhauskörper im Kontext mit dem gewachsenen Quartier und in Bezug auf die besondere Lage direkt am Spreeufer. Die konzeptionelle Entscheidung, die ausgelobte Grundfläche für das Wohnen in zwei schlanke, jedoch hierdurch um bis zu 110m hohe Türme zu integrieren, schafft viel Freiraum für das gesamte rückkwärtige Quartier und einen sehr wohltuenden Abstand zum Hotel. Dieses bietet mit seiner sehr eigenständigen und moderaten Kubatur und seiner identitätsstiftenden Fassade einen gelungenen Übergang zu den TwinTowers. Die Flächenausnutzung des Hotels im Bereich der Zimmer sollte allerdings geringfügig erhöht werden.
    Der offene Raum zwischen Hotel, Wohnen und Quartiersplatz bietet „Spree für alle“ und bildet auch eindeutig die vielfältig nutzbare Sockelzone mit Adressbildung für die neuen Häuser, ohne hier private Zonen ausbilden zu müssen.
    Die leicht versetzte Lage der beiden Wohntürme in Verlängerung er östlichen Quartiersbebauung überzeugt vor allem aus der Perspektive des Fußgängers und wirkt, auch in der Höhenentwicklung mit dem höheren Turm am Platz, sehr gut und sensibel gesetzt.
    Die Grundrisse der Wohntürme sind knapp bemessen, jedoch hoch qualitativ in Nutzung und Ausrichtung. Die Gesamtflächen sind aber am unteren Limit der Programmflächen. Die Geschosshöhen im Wohnbau sind zu gering bemessen. Gefordert sind lichte Raumhöhen von 2,90 m (unter Beibehaltung der Geschossanzahl).
    Die freundliche und tagesbelichtete Etagenlobby bietet einen ganz besonderen Mehrwert und eine hohe Raumqualität. Nicht überzeugen können die versetzt angeordneten unterschiedlich breiten Balkone, die in ihrer Nutzungsqualität und Einbindung in die Wohnbereiche bei solch hohen Hochhäusern beschränkt sind. Hier wäre eine Zusammenfassung umlaufender Balkone und eingeschobener Loggien wünschenswert, die aber den Duktus der Häuser nicht nachteilig verändern sollten.. Die Fassaden der Wohntürme lassen noch Detailfragen offen und bedürfen einer intensiveren Betrachtung, ohne natürlich die grazile Gesamterscheinung zu gefährden.
    Die Gestaltung der Fassaden des Hotels überzeugt durch ihre eigenständige Architektursprache gegenüber dem Wohnen, auch die Skalierung in den Ebenen gefällt.
    Tragwerk und energetisches Konzept sind nachvollziehbar und verständlich, also voraussichtlich wirtschaftlich realisierbar.
    Insgesamt bietet der Entwurf eine sehr subtile städtebauliche Antwort auf die komplexe Situation entlang der Spree, im Kontext und mit Respekt zu der vorhandenen Bebauung. Auch die inneren Qualitäten beim Wohnen und im Hotel überzeugen, dies allerdings in gewissem Maße auf Kosten der geforderten Nutzflächen für Hotel und Wohnen.