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  • DE Winnenden
  • 10/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-3298)

Gesundheits- und Wohnpark Zipfelbachtal


  • 1. Preis

    Landschaftsblick

    Landschaftsarchitekten
    wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: dreibund architekten BDA ballerstedt | helms | koblank | PartGmbB, Bochum (DE)
    Architekten: plan-lokal Körbel + Scholle Stadtplaner PartmbB, Dortmund (DE)

    Erläuterungstext


    Leitidee
    Zentraler Gedanke für den neuen Wohn- und Gesundheitspark in Winnenden ist die enge Verflechtung sämtlicher Bereiche zur umgebenden Landschaft und die Verknüpfung mit den bestehenden Siedlungsstrukturen und der Innenstadt.
    Der einmalige Landschaftsraum, der entlang des Zipfelbachs bis in das Stadtgebiet hineinreicht, wird zu einem zusammenhängenden attraktiven Grün- und Erholungsraum entwickelt. Der östlich des Zipfelbaches liegende Bereich mit psychiatrischer Abteilung, Schule und Sportflächen wird in das Gesamtkonzept integriert. Der Zipfelbach als zentrales Element erhält mehr Platz und wird sich zu einem naturnahen Bach entwickeln.

    Mischgebiet
    Das Mischgebiet an der Waiblinger Straße wird als Option und Leitidee für zukünftige Entwicklungen verstanden. Es wird eine straßenbegleitende Bebauung mit “Tor zum Wohnpark” vorgeschlagen. Als Auftakt und Endpunkt des Zipfelbachtals wird am nordöstlichen Ende der Zeile ein Platz mit Café und Stadtteiltreff vorgeschlagen.

    Wohnpark
    Ausgehend von der Haupterschließung durch das “Tor zum Wohnpark” an der Waiblinger Straße werden drei Bebauungsfelder vorgeschlagen, die durch Grünräume miteinander verbunden sind. Diese als Wohnnachbarschaften entwickelten Felder sind eingebettet in den Landschaftsraum Zipfelbachtal. Jedes Feld wird mit einem gemeinschaftlich nutzbarem Platz in der Mitte ausgestattet, an dem eine gemeinschaftliche Einrichtung (Haus oder Wohnung) vorgeschlagen wird.
    Die Haustypen sind zum Großteil mit südorientierter Ausrichtung angeordnet. So können die einzelnen Felder als förderungsfähige Modellbausiedlung mit Passiv- oder 3-Liter-Häusern entwickelt werden. Das Konzept ermöglicht unter Berücksichtigung der formulierten Randbedingungen flexible Wohnung- und Haustypen. Die angestrebte Dichte von 35WE/ha kann so unter gleichzeitiger Berücksichtigung qualitätvoller Aussen- und Freiräume erreicht werden.

    Kreiskrankenhaus
    Die vorhandene pavillonartige Bebauung der Psychatrie wird mit dem vorgeschlagenen Neubau des Kreiskrankenhauses fortgeführt und insgesamt in den neuen Park integriert. Dies wird durch die Aufteilung der Bettenhäuser in mehrere Einzelbaukörper, verbunden durch eine durchgängige Magistrale erreicht.
    Von der Südumgehung erreicht man das Krankenhaus über einen keilförmigen Platz mit Hotel, Ärztehaus und Eingangshof des Krankenhauses, der den Blick auf die südlich gelegenen Hügel und Weinberge freigibt. Dieser Bezug zur Landschaft als formulierter, gerichteter Blick auf der Eingangsseite und die Beziehung zum Zipfelbachtal auf der anderen Seite ist wesentliches Entwurfskonzept. Die Landschaft als integratives Konzept wirkt nach innen und soll zum Wohlfühlen und zu einer positiven Entwicklung der Gesundung beitragen.
    Vom Eingangshof erreicht man direkt die Nord-Süd Magistrale mit den Serviceeinrichtungen. Sämtliche Funktionseinheiten sind hier schnell zu erreichen. Das 2. und 3. Obergeschoss bleibt den Pflegestationen vorbehalten. Von hier genießen die Patienten den weiten Blick in das Zipfelbachtal und den angrenzenden Landschaftsraum.

    Grün- und Freiflächen
    Als prägendstes Element des Landschaftsraums wird neben dem neugestalteten Zipfelbachtal der Blick auf die umgebende Hügellandschaft angesehen. Diesen Blick zu erhalten und zu inszenieren ist Ziel des Entwurfs. Mit einem sich der Landschaft öffnenden Band, beidseitig gefasst mit säulenförmigen Bäumen, wird ein Bereich geschaffen, der Stadt und Landschaft verbindet. Als Pendant zur naturnahen, dichter mit Bäumen überstellten Zipfelbachaue wird es offen gestaltet.
    Die übrigen Freiflächen neben der neuen zentralen Achse in die Landschaft erhalten ein extensives landwirtschaftliches Nutzungskonzept. „Felder“ aus heimischen Heilmitteln, die unterschiedlich blühen und duften, schaffen einen unverwechselbaren Ort. Der Spaziergang durch die Felder wird zum Erlebnis.
    Die Haupterschliessung für Fußgänger und Radfahrer aus der Stadt in die Landschaft erfolgt entlang der neuen Zipfelbachaue. Mehrere Querverbindungen docken den neuen Stadtteil an.

    Beurteilung durch das Preisgericht



    Durch die städtebauliche Leitidee, die Bebauung am Zipfelbachtal in drei eigenständige Wohnquartiere einzuteilen, entstehen in sich kompakte und schlüssige Wohnformen. Die Ausrichtung ist jeweils der westlich bestehenden und angrenzenden Wohnbebauung entlehnt und dadurch sehr gut integriert.
    Der Bebauungsriegel entlang der Waiblinger Strasse ist als Auftakt ins Baugebiet als langfristiges Entwicklungsziel zu verstehen. Die Torsituation und zwei Tiefgaragenabfahrten scheinen an dieser Stelle dem gesamten Charakter des Gebietes nicht angemessen und sind daher auch nicht erwünscht.

    Kleine Plätze im Inneren der Wohnquartiere und von der Bachaue überschwappende Grünkeile verzahnen intelligent die Bebauung mit dem Landschaftsraum und versprechen eine hohe Wohnqualität. Öffentlicher und privater Grünraum werden klar – aber sehr gut - abgegrenzt. Dadurch ist ein hohes Maß an Realisierbarkeit gegeben. Die Hauszeilen sind flexibel in Einzel- und Reihenhaustypen aufteilbar. Die Blickbeziehung eines jeden Gartens zum Bachgrün ist sehr gut gelöst. Eine gemeinsame Erschließungsstraße bietet innerhalb der einzelnen Cluster zusätzliche Aufweitungen zu kleinen Plätzen und dadurch zu sozial richtig geschaffenen Treffpunkten.



    Konsequent schließt sich das Krankenhaus als kompaktes Cluster im Süden an. Die Erschließung von Süden verspricht eine große Orientierungsfreudigkeit. Der Auftakt über einen großen Platz, an dem Ärztehaus und Patientenhotel partizipieren, ist gleichzeitig der Übergang mit markanten Baum- und Blickachsen in die freie Landschaft. Eine zweite Notzufahrt über die Lindenstraße führt ebenso auf kurzem Weg zum Eingangsbereich. Der Gebäudegrundriss verspricht kurze Wege und dadurch wirtschaftliches Arbeiten. Kritisch wird angemerkt, dass Wirtschaftshof und Werkstätten im UG liegen und keinen Außenraumbezug/Werkhof haben. Die Pflegestationen mit ihren eigenen Innenhöfen nehmen die Struktur und die Maßstäblichkeit der bestehenden Gebäude des Zentrums für Psychiatrie auf. Insgesamt liegen Wohnbebauung und Krankenhaus schlüssig in der Talaue, so dass dieser grünen Dimensionierung die richtige Werthaltigkeit zukommt. Der Einstieg in die Talaue an der Waiblinger Strasse ist über ein Café mit kleinem Platz publikumsanziehend und unspektakulär, aber gut, gelungen. Ein bachbegleitender Fußweg verbindet unspektakulär alle Teile westlich und östlich der Aue. Der Zipfelbach selbst sollte im Sinne einer Nachhaltigkeit stärker renaturiert werden. Eine Erweiterung des Krankenhauses würde zu Lasten von zwei Wohnzeilen im Norden gehen. Die Nachverdichtung des Wohnens nördlich des Holunderweges ist gut möglich, bei entsprechender Grundstückseinigung im Bestand.