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  • DE-10707 Berlin
  • 10/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-106418)

Tempelhofer Freiheit – Neubau der Südbrücke


  • Engere Wahl


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    Bauingenieure
    IPV Delft, Delft (NL)

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: TEUFFEL ENGINEERING CONSULTANTS, Berlin (DE), Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Konstruktion als Ehrbeton
    Die Brückenkonstruktion liegt wie eine enormer, hinterlassener, offener Teil eines Flugzeugflügels über den Gleisen und erinnert direkt an den ehemaligen Flughafen Tempelhof.

    Ein S-Bahnhof für Tempelhof
    Der Höhenunterschied zwischen den Routen über die Brücke ermöglicht die Positionierung eines Bahnhofszugangs mit einer Fläche von 13 mal 15 Meter. In diesem Bahnhofsraum münden die Treppen und der Lift vom Bahnsteig. Hier ist auch Raum für Kartenautomaten, Fahrgastinformation für Reisende und Informationen über Veranstaltungen auf dem Gelände Tempelhof. Ein wichtiger Ausgangspunkt beim Entwurf dieses Raumes ist die offene, räumliche Gestaltung dieses Bereiches für die Reisenden. Die Konstruktion im Innenraum ist sorgfältig ausgearbeitet und bietet einen angenehmen Zugangsraum. Die Pfosten der Konstruktion fließend in die Querträger unterhalb der Fahrbahn über. Die fließende Form ist so entworfen, dass darin auch die Lichtelemente integriert werden können. Auf Wunsch können dort auch Rollladen angebracht werden womit der Zugang zur S-Bahn außerhalb der Öffnungszeiten abgesperrt werden kann.

    Sehr multifunktional
    Die Brückenkonstruktion bietet Raum für einen integrierten S-Bahnhofzugang mit integriertem Lift und Zugangstreppe. Die an beiden Seiten weiter durchgezogene Linienführung des Vierendeelträgers lässt an den äußeren Enden beleuchtete Nischen entstehen für vielfältige grafische Information. Dieser Raum kann auch als Ausstellungsfläche für Kunst oder für historische Informationen zum Flughafen Tempelhof dienen und abends von oberen Teil des Trägers beleuchtet werden. Der weitere „leere“ Raum in der Brücke bietet die Möglichkeit auch diesen in Zukunft vielfältig zu nutzen, z.B. als Ausstellungsräumte.

    Landschaft und Brücke als Einheit
    Brücke, Routen, Fahrradparkplätze und Bushaltestellen gehen auf eine raffinierte Weise fließend ineinander über. Die entstehenden Zwischenräume werden begrünt. Einzelne Bäume im Bereich der hinteren Grünfläche geben den Zugang zur Tempelhofer Freiheit an. Auf den Grünflächen neben den Zuwegen positionieren wir Sitzbänke und Informationsschilder im Stil der Elemente wie sie auf dem ehemaligen Flughafen noch zu finden sind.

    Blick für Details und Machbarkeit
    Dieser Brückenentwurf kombiniert Sinn fürs Detail mit Machbarkeit. Wo möglich sind die Verbindungskabel des Stahlnetzes unsichtbar in der Konstruktion verarbeitet. Verbindungsmittel und Schraubverbindungen sind weitestgehend unsichtbar in der Konstruktion angebracht. Die Flansche der tragenden Konstruktion haben eine geringe Überlänge, so dass die entstehende Schweißnaht und die Befestigung der Stahlnetze nicht sichtbar sind.

    Geringer Unterhaltsaufwand
    Alle Elemente der Brücke sind gut zu erreichbar und können einfach und ohne Hilfsmittel gewartet werden. Die gesamte tragende Konstruktion kann neu lackiert werden ohne den Zugverkehr still zu legen. Da die Aluminiumprofile des Fußweges können einfach demontiert werden, wodurch die auskragenden Konsolen einfach gewartet werden können. Die Aluminiumprofile können von oben montiert und demontiert werden. Somit können alle Elemente an denen evtl. Beschädigungen auftreten können einfach ausgetauscht werden.

    Gut inspizierbar
    Alle Elemente der Brücke können ohne Hilfsmittel inspiziert werden. Die Auflager können einfach und komfortabel über einen Zugang mit Tür neben dem Fußweg an Stelle der mit Stahlseil gefüllten Öffnung erreicht werden. Hierdurch wird keine diagonale Böschungstreppe benötigt. Der Innenraum der Brückenkonstruktion ist so groß, dass dort noch genug Platz ist für die elektrischen Anschlüsse und Sicherungskästen für die Beleuchtung.

    Stabile Konstruktion
    Die grosse Konstruktionshöhe macht die Brücke sehr stabil.

    Lightdeck ®
    Lightdeck ist ein patentiertes System bestehend aus leichten Aluminiumplanken gefüllt mit EPDM oder recyceltem Reifengranulat. Mit Lightdeck® können selbsttragende begehbare Oberflächen gebaut werden mit integrierter Entwässerung. Die Profile sind für Fußgänger- und Radfahrerbrücken konzipiert und lassen auch Wartungsfahrzeuge zu. Weil das Produkt eine lange Lebensdauer hat und die Unterhaltskosten niedrig sind ist Lightdeck® eine umweltfreundliche Lösung. Sowohl das Aluminium als auch das Granulat sind zu 100% recyclebar. Neben den bekannten Eigenschaften von Lightdeck ® wirkt die Oberfläche auch geräuschdämpfend. Anstelle des Lightdeck kan natürlich auch ein ortotropes Brückendeck angebracht werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Architektonische Gestaltung
    – Die Brückenkonstruktion liegt wie ein enormer, hinterlassener, offener Teil eines Flugzeugflügels über den Gleisen und versteht sich mit seiner Formensprache und Materialität als Reverenz an den ehemaligen Flughafen Tempelhof.
    – Die Verfasser verstehen Brücke und Landschaft als Einheit und wollen einen fließenden Übergang zwischen Brücke, Wegen, Fahrradstellplätzen und Bushaltestellen schaffen. Die entstehenden Zwischenräume werden begrünt, einzelne Bäume akzentuieren den Zugang zur Tempelhofer Freiheit.
    – Die Brückenkonstruktion besteht aus zwei massiv wirkenden Vierendeelträgern, die leicht linsenförmig ausgebildet und nach innen geneigt sind. Entlang der Obergurte verläuft die Fahrbahnplatte für Kfzund Radverkehr, auf Höhe der Untergurte kragen Gehwegstreifen aus. Fahr- und Fußgängerverkehr werden so voneinander unabhängig auf verschiedenen Ebenen geführt. Unter der Straßenbrücke entsteht ein überdachter „Bahnhofsraum“, der beide Gehwegseiten verkehrsfrei über Treppe und Aufzug an die S-Bahn anbindet.
    – Die Brücke besteht aus einer tragenden Stahlkonstruktion mit einer Fahrbahnplatte aus Beton. Für die Gehwegbereiche wird die Verwendung von Lightdeck® vorgeschlagen, ein selbsttragendes System aus Aluminiumprofilen, die mit recyceltem Reifengranulat gefüllt werden. Die farbliche Behandlung des Granulats soll den Übergang vom städtischen ins ländliche Gebiet unterstreichen. Die Stahlgeländer werden mit Stahlnetzen verspannt. Auf der Gehwegebene wird der Bahnhofszugang mit Glasflächen abgetrennt. Der hier entstehende Platz von 13 x 15 m bietet Raum für Fahrkartenautomaten, Informationstafeln etc.
    – Sinn fürs Detail soll mit Machbarkeit kombiniert werden. Verbindungsmittel werden weitgehend unsichtbar in der Konstruktion angebracht, eine geringe Überlänge der Flansche sorgt dafür, dass Schweißnähte und Befestigungen nicht sichtbar sind.
    – Die Grundbeleuchtung von Rampen und Brücke erfolgt über symmetrisch angeordnete, 5 m hohe Mastleuchten. Ein Lichtmast mit Scheinwerfern betont den Zugang zur Tempelhofer Freiheit. An den Unterkanten der Obergurte werden Lichtelemente vorgesehen, die der Konstruktion eine dynamische, fließende Lichtlinie verleihen sollen.
    – Die Nischen der Konstruktion können für Ausstellungen genutzt werden. Sitzelemente und Wegweiser greifen den Flughafenstil auf.

    Funktionen
    – Das Straßenniveau hat eine Rampenneigung von 6 %, auf der Gehwegebene ist die Rampenneigung fast eingehalten. Fahrbahn und Fahrradstreifen werden in einheitlicher Breite durchgezogen, die Abbiegespur ist nicht berücksichtigt.
    – Die Erschließung der S-Bahn erfolgt über einen Bahnhofsbereich unter der Straßenbrücke.
    – Die geforderte Gehwegaufweitung im Bereich der Bushaltestelle wird durch zwei separate Wege hergestellt. In der dazwischen liegenden Grünfläche werden Fahrradstellplätze angeordnet.

    Konstruktion
    – Die Brücke besteht aus zwei geneigten stählernen Vierendeelträgern, die durch portalartige Querrahmen (a = 5 m) miteinander verbunden sind. Die Lagerung erfolgt auf 4 Einzelstützpunkten.
    – Die Stützweite beträgt ca. 45 m.
    – An den Untergurten der Vierendeelträger sind auskragende Gehwege, mit Lightdeck® als Gehwegbelag, biegesteif angeschlossen.
    – Die Widerlager und Flügel sind flach gegründet.
    – Die Konstruktion bedingt einen erhöhten Unterhaltungsaufwand. Lagerauswechslung ist mit dem dargestelltem Endquerträger nicht möglich.
    – Die Stahlkonstruktion soll als Ganzes eingehoben und nachträglich mit Betonfahrbahnplatte und Paneelen ergänzt werden, dafür sind weitere Sperrpausen des Bahnbetriebs erforderlich.

    Realisierbarkeit
    – Berührungsschutz über OL-Anlagen fehlt, spätere Nachrüstungsmöglichkeit nicht erkennbar. Durch die Fugen zwischen den Gehwegpaneelen muss der Berührungsschutz unterhalb des Gehweges fortgeführt werden.
    – Leitungsführung in den Hohlkästen bzw. in Fahrbahn ungünstig.
    – Das Tragsystem wirkt, bezogen auf die Stützweite, überdimensioniert. Die biegesteifen Anschlüsse, die auskragenden Gehwege und die Versätze der Systemlinien sind für das Gesamttragverhalten nachteilig.
    – Die Querschnitte der Zugbänder sind hinsichtlich möglicher Druckbeanspruchung aus den Kragarmbeanspruchungen zu prüfen.
    – Die Stützweite der Konstruktion wird aus gestalterischen Gründen unwirtschaftlich verlängert.
    – Keine Kappenausbildung an der Fahrbahn.
    – Durch die gewählte Konstruktion, die Ebenen, die höhere Brückengradiente und die Spannweite in Verbindung mit den Rampen wird dieser Entwurf deutlich über dem Kostenrahmen liegen.


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