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  • DE-58636 Iserlohn
  • 10/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-112964)

Lennepromenade Iserlohn – Letmathe


  • 1. Preis

    Lennebalkon

    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter Köster

    Mitarbeit
    Sara Dahlheimer, Simone Hermann

    Erläuterungstext
    Wege zum Wasser

    Die Iserlohner Stadtteile Letmathe und Genna werden heute durch den Fluss Lenne voneinander getrennt. Zwei Brücken mit einem Abstand von ca. 470 m bauen zwar funktionale Verbindungen zwischen den Stadtteilen auf, die Lenne und ihre Ufer werden aber nicht als landschaftsräumliche Mitte begriffen. Auf beiden Uferseiten haben die Stadtteile Rückseiten zum Wasser entwickelt, so dass die identitätsstiftende Kraft der Lenne für die Stadtentwicklung nicht genutzt werden kann. Weder Letmathe noch Genna liegen am Wasser, sondern wie in der historischen Namensherleitung beschrieben ´jenseits des Wassers´.

    Das Projekt Lenneschiene und Lennepromenade in Letmathe und Genna kann daher im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung nur erfolgreich sein, wenn die Aufwertung sich nicht auf einen Uferabschnitt beschränkt, sondern wenn die städtebauliche und landschaftsräumliche Hinwendung der beiden Stadtteile zum Wasser gelingt.

    Das Konzept Wege zum Wasser schlägt daher eine zeitlich und räumlich gestufte Strategie vor, in der die Entwicklung der Lennepromenade den Auftakt bildet. Die Neuanlage der Lennepromenade und ihre Verknüpfung mit den beiden Stadtteilzentren, die sich im Wesentlichen auf das Nordufer bezieht, sollte mittelfristig durch eine Aufwertung des Südufers mit einem Fußweg unterstützt werden. Auf diese Weise entstehen sinnvolle Rundwege mit unterschiedlichen Distanzen über die Brücken Gennaer Straße, Bahnhofstraße und Lennestraße / Luisenstraße. Langfristig sollten die städtebaulichen Raumkanten bzw. Vorderseiten zum Wasser am Straßenzug Langer Kummer / Fingerhutsmühle und in den rückwärtigen Grundstücksbereichen an der Gennaer Straße entwickelt werden. Der Lennedamm sollte zur innerstädtischen Straße entwickelt werden, in dem die begleitenden Gehölzbestände gelichtet und Bezüge zum Wasser und zur Bebauung am Langen Kummer hergestellt werden. Auch wenn diese Maßnahmen über den zeitlichen und räumlichen Wettbewerbsrahmen hinausreichen, ist die städtebauliche Orientierung der Bebauung zum Wasser ein wichtiger Aspekt für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung in Letmathe und Genna.

    Die Lennepromenade ermöglicht zum ersten Mal den direkten Zugang zum Wasser auf Letmather Seite. Von Osten kommend wird Sie fast auf Flussniveau geführt. Ein Abzweig bindet die Promenade an die Gennaer Straße an. Die Promenade selbst wird unter der Gennaer Brücke und der Bahnhofsbrücke auf dem unteren Niveau weitergeführt, um dann etwas weiter westlich auf das Niveau des Lennedamms anzusteigen. Diese Niveauänderung wird vorgesehen, um den geschlossen Gehölzbestand am Lenneufer erhalten zu können. Aussichtspunkte mit Bänken stellen Blickverbindungen zwischen der Promenade und dem Fluss her. Eine platzartige Aufweitung im Westen bildet das Gelenk zwischen der Anbindung an die Innenstadt über die Straße Fingerhutsmühle und die Lennestraße und Luisenstraße auf Gennaer Seite.

    Der Lennepark begleitet als schmales Wiesenband die Promenade im Stadtgebiet von Letmathe und Genna. Er wird mit einer ca. 0,7 m hohen Natursteinmauer gegenüber dem Lennedamm gefasst. Als naturnahes Wiesenband mit unterschiedlichen Einsaaten und Wildstauden bildet der Park zusammen mit der Promenade das Rückgrat des Entwurfs. Dem Park liegt die Idee zu Grunde, dass die blütenreichen Wiesen als wiederkehrendes Element zu einem prägenden Aspekt der Lenneschiene werden können. Ob in Schmallenberg, Lennestadt, Finnentrop, Plettenberg, Werdohl, Altena, Nachrodt-Wiblingwerde oder Iserlohn Letmathe und Genna, die naturnahen, blütenreichen Uferwiesen begleiten den Fahrradfahrer auf dem Weg durchs Lennetal.

    Der Lennebalkon bildet zusammen mit den Lenneterrassen neben den Aussichtspunkten die wichtigsten gliedernden Elemente der Lennepromenade. Am Lennebalkon wird der bauliche Überhang des Lennedamms genutzt, um einen wettergeschützten Ort am Wasser zu gestalten. Die Rückwand des Überhangbauwerks wird mit Westhofener Sandstein verkleidet und erfährt mit spielerisch angeordneten Wandleuchten auch in den Abendstunden eine attraktive Gestaltung. Eine lange, nach Süden orientierte Sitzbank bietet wettergeschützte Aufenthaltsmöglichkeiten. Zwei bei Hochwasser aufklappbare Treppenabgänge von der Bahnhofsbrücke verbinden die Promenadenebene mit der Hauptwegeverbindung zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof auf Gennaer Seite. Im zentralen Bereich des Lennebalkons wird optional ein Kiosk vorgesehen, der in den Sommermonaten nach dem Vorbild der Hamburger Strandperle temporär genutzt werden kann. An der messingfarbenen Streckmetallverkleidung des Kioskes wird auch der Standort für die Liebesschlösser vorgesehen. Sitzstufen ermöglichen im Bereich des Lennebalkons den direkten Zugang zum Wasser.

    Die Lenneterrassen bilden im Westen das landschaftliche Gegenstück zum urbanen Lennebalkon. An der Verknüpfungsstelle der Lennepromenade mit der Brücke Lennestraße / Luisenstraße wird der geschlossene Gehölzbestand am Ufer gelichtet, um einen zweiten Aufenthaltsort mit direktem Bezug zum Wasser zu schaffen. Sitzstufen ermöglichen den Zugang zur Lenne und bilden wie der Lennebalkon eine Rastmöglichkeit für Radfahrer an der Lenneschiene. An den Lenneterrassen wird das LenneCafé vorgesehen. Unter den vorgeschlagenen Standorten bietet dieser Bereich räumlich die besten Voraussetzungen für einen gastronomischen Betrieb. Mit den Terrassen stehen ausreichend attraktive Flächen für die Aussengastronomie zur Verfügung. Parkplätze und Anlieferungsmöglichkeiten sind durch die Nähe zum Lennedamm gegeben.

    Die Stadtspangen bilden sowohl auf Letmather als auch auf Gennaer Seite die Verbindung zwischen der Lennepromenade und der Innenstadt bzw. dem Bahnhof. Sie werden als urbane öffentliche Räume gestaltet, in denen Fußgänger und Radfahrer Vorrang vor dem KFZ-Verkehr haben. Zur Geschwindigkeitsreduzierung sollten diese öffentlichen Räume als verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche ausgewiesen werden. An die östliche Stadtspange zwischen Innenstadt und Bahnhof werden eine Stellplatzanlage sowie eine Fahrradstation mit E-Bike-Verleih angebunden. Die vorhandene Aussengastronomie stellt eine wichtige Bereicherung für diesen aufgewerteten öffentlichen Raum dar. An der westlichen Stadtspange werden die vorhandenen Stellplätze neu geordnet so dass zusätzlich 21 Stellplätze und ein aufgewerteter Zugang zur Innenstadt und zur Lenne geschaffen werden. Doppelreihen von Scharlachkirschen bilden das gestalterisch prägende Element der Stadtspangen.

    Das Material- und Ausstattungskonzept baut ganz auf die regional bekannten Materialien auf. Wie der Lennedom St. Kilian und das alte Rathaus bilden Westhofener Sandstein und Betonsteinpflaster mit sandsteinfarbenem Vorsatz das Grundthema des Entwurfs. Die Lennepromenade wird in Asphalt mit sandfarbener Deckschicht geplant. Die Beleuchtung verbindet ausgehend von den Stadtspangen die Innenstadt mit der Flusslandschaft. In den Stadtspangen werden Stelenleuchten vorgesehen. An der Lennepromenade sollte im Stadtbereich eine Funktionsleuchte in Abstimmung mit der gesamten Lenneschiene eingesetzt werden. Die Brücken sollten durch eine zurückhaltende indirekte Beleuchtung als Besonderheiten im Flussraum akzentuiert werden.

    Mit dem Konzept Wege zum Wasser sollen Letmathe und Genna die Lenne zum erstenmal als verbindende Mitte entwickeln. Der Fluss und seine neu gestalteten Ufer werden konsequent als identitätsstiftende Kraft für beide Stadtteile genutzt. Eine stufenweise Umsetzung der vorgeschlagenen Gesamtperspektive sichert die nachhaltige Wirkung der mit der Lennepromenade begonnenen Entwicklung.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.